Dienstag, 18. März 2014

Auch mal Ausnahmen machen


Schon vergessen? Der Mindestlohn kommt! Anfang 2017. Satte 8,50 Euronen pro Stunde, drunter macht's die SPD nicht. Zieht sie jetzt knallhart durch. Für uns alle. Supi! In solch gechichchts-, Verzeihung, kleines Trauma aus der Jugend, ich meine: geschichtsträchtigen Momenten sollte man aber auch die nicht vergessen, die diese sozialistische Gleichmacherei an den Bettelstab bringen wird: Die Deutsche WirtschaftTM. Weil aber auch Sozis ein Herz haben, gehen noch knapp drei Jahre ins Land, bis der Mindestlohn dann wirklich eingeführt wird.

Nicht nur kann während dieser Zeit Tante Inflation ihr segensreiches Werk tun und schon mal ein wenig am Reallohn sägen. Nein, es bleibt auch massig Zeit, sich eine Menge schlauer Gedanken zu machen darüber, wer alles unbedingt vom Mindestlohn ausgenommen werden muss und warum, damit es am Ende nicht noch Arbeitsplätze kostet.

Frau Nahles hat ja schon einmal einen ordentlichen Start hingelegt mit dem Vorschlag, alle unter 18 auszuschließen. Jetzt hat Kollegin Wanka einen draufgelegt und findet, man müsse die Altersgrenze auf 25 anheben. Begründung: Viele Auszubildende seien heutzutage doch deutlich über 18. Nicht übel für den Anfang. Aber, hey, Lobbyisten, das war doch noch nicht alles, oder? Kommt schon, da geht doch noch was! Weil ich immer gern helfe, hätte ich da auch die eine oder andere Idee, für wen noch alles unbedingt Ausnahmen vom Mindestlohn her müssen (nett, wie ich nun einmal bin, liefere ich die Begründungen gleich mit). Und zwar für:

  • Alle, die schon einmal arbeitslos waren (sollen nicht so anspruchsvoll sein, sind außerdem daran gewöhnt, wenig Geld zu haben)
  • Alle mit negativer Schufa-Auskunft (können nachgewiesenermaßen mit so viel Geld nicht umgehen)
  • Alle, die noch nie gearbeitet haben (erwirtschaften weniger Gewinne, weil sie das Arbeiten nicht gewohnt sind)
  • Alle über 35 (werden statistisch gesehen öfter krank, erwirtschaften daher weniger Gewinne)
  • Schüler, Studenten, Praktikanten, Witwen, Waisen (sind eh gewohnt, wenig Geld zu haben, außerdem: wer soll sonst die Regale im Supermarkt einräumen und den Parkplatz vor dem Supermarkt fegen?)
  • Alle mit einem BMI über 27 (werden statistisch gesehen auch öfter krank, erwirtschaften daher weniger Gewinne)
  • Raucher (werden statistisch gesehen ebenfalls öfter krank, machen zudem andauernd Rauchpausen, erwirtschaften daher noch weniger Gewinne)
  • Kinderlose (haben geringere Lebenshaltungskosten, Kinder kriegen soll sich schließlich lohnen)
  • Unterhaltsempfänger (die greifen schließlich schon genug Unterhalt ab, wie der Name schon sagt)
  • Alle mit mehr als zwei Kindern (erwirtschaften weniger Gewinne, weil andauernd was mit den Blagen ist, kassieren außerdem schon Kindergeld)
  • Hundebesitzer (keine Ahnung, wieso, aber manchmal nerven die halt)
  • Alle, die in Monaten geboren wurden, die auf 'r' enden (wenn Kapital ein scheues Reh ist, dann sind Arbeitnehmer eben Austern, ätsch!)

Und, weil wir schließlich ein Sozialstaat sind und keine amerikanischen Verhältnisse wollen, sollen folgende Bürger vorbehalt- und ausnahmslos in den Genuss des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro pro Stunde kommen:

  • Alle, die finanziell in der Lage sind, die Differenz zwischen gezahltem Lohn und Mindestlohn aus eigener Tasche zu bestreiten (deswegen gibt es auch keine Erbschaftssteuer)

So, das dürfte fürs Erste reichen, um sicherzustellen, dass 2017 der Mindestlohn problemlos kommen kann, ohne dass Die Deutsche WirtschaftTM allzu ausufernde Lohnkosten befürchten muss. Jede Wette, ein paar dieser Vorschläge kommen demnächst ernsthaft auf die politische Tagesordnung. Hach, wie ich das Gefühl liebe, meiner Zeit voraus zu sein!


Kommentare :

  1. ;-) Nette Vorschläge .. :-), wobei die offizielle Liste gar nicht so sehr abweicht, wie ich heute auf Phoenix in den frühen Nachrichten hören konnte ...

    Lässt sich das auch kumulieren?

    Also wenn man bspw. in einem Monat mit 'r' geboren wurde, Hundebesitzer wäre und zusätzlich auch noch ein Ü35er Raucher sei? Gibt es dann gar nix mehr? ;)

    Dieses Deutschland macht mir irgendwie Angst ...

    LG
    Rosi

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    1. In der Tat, im Radio hörte ich heute von Langzeitarbeitslosen, die für die ersten sechs Monate vom Mindestlohn ausgenommen werden sollen. Mal sehen, was da noch kommt...

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    2. Man muss nur irgendwo einen Arbeitnehmer etablieren, der tatsächlich Mindestlohn bekommt. Kann man, wenn noch Geld übrig ist, auch ausweiten: einen aus jedem Gewerk, schön gleichmäßig auf Männer und Frauen, Alte und Junge, Biodeutsche und Migrationshintergründige, Hauptschulabbrecher und Studierte usw. aufgeteilt. Dann kann man schön publikumswirksam zeigen, dass der Mindestlohn ja funktioniert, dass er ja gezahlt wird, und kann dann alle weiteren Arbeitnehmer vom Mindestlohn ausschließen. Das wäre gleichzeitig wahnsinnig sozial (Mindestlohn, gute Arbeit für gutes Geld und so) und gut für die Wirtschaft (nicht zu teure Arbeitskräfte). Win-win...

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