Mittwoch, 23. April 2014

Gar nicht so kompliziert


Woran erkennt man Herrschaftswissen? Entweder daran, dass Wissen sich hinter einem Vorhang komplizierter Fachausdrücke und geschraubter Rhetorik versteckt oder dass einem gleich zu verstehen gegeben wird, dies und jenes sei viel zu kompliziert für jemanden, der das nicht lange Jahre studiert hätte. Nicht einmal hoch spezialisierte Experten verstünden das ganz. Auch Politiker, die zum Beispiel weitreichende Entscheidungen über unser aller Wohl und Wehe zu treffen hätten, seien auf Sachverstand von außen angewiesen. Vor allem das Feld der Ökonomie ist da prädestiniert.

Dass Ökonomie, vor allem die der Finanzmärkte, eine hoch komplizierte Sache sein soll, nur noch übertroffen von Quantenmechanik und Raketenbau, ist, wie immer, Blödsinn. Klassischer Fall von Herrschaftswissenssprech und man tut gut daran, sich davon nicht blenden zu lassen. Natürlich kann Wirtschaftwissenschaft im Detail ausgesprochen knifflig sein. Nur ist das in jeder Wissenschaft so. Auch die gern als unterkomplexe Laberfächer geschmähten Geisteswissenschaften kennen Teildisziplinen, die sich nur Fachleuten wirklich erschließen.

So hat es selbstverständlich Gründe, dass uns in einer Tour vermittelt wird, die immer noch grassierende Finanzkrise sei eine übermenschlich komplexe Angelegenheit. Dass das keineswegs so ist, sondern in ihren Grundzügen sehr wohl verständlich. Es kommt halt nur, wie immer, darauf an, wie man's den Leuten vermittelt. Heinz-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Gelsenkirchen, kann so was. Man wird durch seine Vorträge natürlich nicht zum Experten, aber man hat genug an der Hand, sich nicht einlullen zu lassen und kritische Fragen zu stellen.


(Von der Länge des Videos sollte man sich nicht abschrecken lassen. Der Vortrag selbst dauert etwa neunzig Minuten, der Rest ist Diskussion).


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