Dienstag, 8. Juli 2014

Neues aus Umverteilistan


Seit ein paar Jahren vermittelt ein findiges Unternehmen online Schüler und Studenten, die sich nach englisch-amerikanischem Vorbild als selbstständige Tütenpacker an Supermarktkassen verdingen. Allerdings ohne jeden Stundenlohn, nur gegen Trinkgeld. Der branchentypisch schwer von seinen Visionen euphorisierte Gründer erging sich seinerzeit im üblichen Glücksbärchi-Leistungssprech: Wie begeistert die jungen Menschen bei der Sache seien, dass sie bis zu rekordverdächtigen fünfzehn Euro pro Stunde verdienten und dass ein fester Stundenlohn nur die rechte Motivation zum Leistungbringen mindern würde.

Zwar gibt es die Firma noch, aber so richtig durchgestartet ist der Laden offenbar nicht. Man musste auch ein wenig am Geschäftsmodell schrauben und garantiert inzwischen über ein Umlageverfahren jedem mindestens sieben Euro pro Stunde. Schien wohl doch nicht die Lösung aller Menschheitsprobleme zu sein. Mir jedenfalls hat noch niemand im Supermarkt angeboten, meine Tüten zu packen und die Kralle aufzuhalten dafür. Das kann natürlich daran liegen, dass ich in einer jener strukturschwachen Minderleistergegenden lebe, in denen man nichts anderes auf die Kette bekommt als ohne Sinn und Verstand die von fleißigen Bayern, Hessen und Schwaben mühsam erwirtschafteten Steuergelder zu verbraten.

Das heißt jedoch keineswegs, dass die Idee mit der Gratisarbeit damit vom Tisch wäre, im Gegenteil. Schon seit Jahren sind es weniger pfiffige Start-Ups, sondern eher die Jobcenter, die hier Pionierarbeit leisten. Heerscharen von Ehrenamtlichen rackern schon lange im Rahmen so genannter Wiedereingliederungs- oder betrieblicher Trainingsmaßnahmen in vielen Branchen unentgeltlich. Wenn nicht, werden sie sanktioniert. Aber warum die Gratismaloche noch irgendwie sozialstaatlich verbrämen, wenn es auch billiger geht, hat man sich vermutlich gedacht.

Daher plant nun der Hamburger Sozialsenator (der lustigerweise in der SPD ist), wie schon erwähnt, Null-Euro-Jobs für langjährige Hartz-IV-Empfänger einzuführen. Es fragt sich, was da eigentlich der nächste logische Schritt wäre. Da wir demnächst endgültig bei null Euro angekommen sind, bliebe eigentlich nur, die Leute bezahlen lassen für die Gnade, per Sanktion gezwungen zu sein, zur Arbeit erscheinen zu müssen und dadurch wieder fit gemacht zu werden für den Arbeitsmarkt. Dem braven Michel wird’s egal sein. Es trifft ihn ja nicht. Er strengt sich schließlich an.

Auch der deutsche Autofahrer schläft ruhig, weil er glaubt, ihn träfe es nicht. Die Maut kommt, aber nur für Ausländer. Hihi, Schwein gehabt! Glaubt wirklich jemand ernsthaft, es würde bei diesem für Einheimische angeblich kostenneutralen Modell - das wohl eh nicht mit EU-Recht vereinbar ist - bleiben? Es geht darum, das System erst einmal einzuführen und ans Laufen zu bekommen, danach werden die Preise sehr bald so steigen, dass selbstverständlich auch die Deutschen zur Kasse gebeten werden, und zwar alle, unabhängig von Einkommen und Hubraum. Überflüssig zu erwähnen, dass auch diese Abgabe, wie die Mehrwertsteuer, vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen überproportional treffen wird.

600 Millionen im Jahr soll die Maut nach Dobrindts Modell einbringen. Im Vergleich zum wirklichen Investitionsbedarf ist das der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Daher wird es wohl bald heißen, die Verrechnung mit der Kfz-Steuer bringe viel zu wenig ein, man sehe sich leider gezwungen, nunmehr alle Bürger an den Kosten zu beteiligen, werde das aber selbstverständlich moderat und mit Augenmaß tun. Und wenn dann alle zahlen müssen, wird er sich wieder empören, der Wutbürger: Moment mal, man hat uns belogen! Das konnte doch wirklich niemand ahnen! Die Politiker haben uns doch versprochen, dass nur die anderen... Abzocke, immer auf die Kleinen, Menno!


1 Kommentar :

  1. Da bist Du mir einmal mehr einen Schritt voraus - über Doofrinds Mautabzocke und die wundervollen Hamburger SPD-Pläne zur Gratis-Sklavenarbeit wollte ich mich eigentlich auch noch auslassen, aber das ist jetzt ja nicht mehr notwendig, denn Du hast alles Nötige erwähnt. Danke dafür. :-)

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