Sonntag, 12. Oktober 2014

Augen auf im Straßenverkehr!


Über dämliche Aufkleber 

Wieder einmal eine dieser Situationen, bei denen man sich fragt: Geht's noch? Da gondele ich friedlich in meiner zwar überalterten, doch immer noch zuverlässig schnurrenden Karre durch den Stadtverkehr, um den wöchentlichen Einkauf zu tätigen und komme an eine rote Ampel. Kann passieren. Vor mir der Firmenwagen eines privaten Briefzustellers, der einst angetreten war, dem mächtigen gelben Riesen Konkurrenz zu machen. Neben dem Firmenlogo prangte noch eine weitere Aufschrift auf dem Heck. Die lautete: "Fahrstil o.k.?", plus einer gebührenfreien Telefonnummer, die man offenbar aufgefordert ist, zu wählen, sollte dies nicht der Fall sein.

Gut, der Sinn und Zweck der Sache ist offensichtlich. Zum einen täuschen die Postillone damit eine gewisse Kundenorientierung und Kommunikationsbereitschaft vor, zum anderen im Zweifel ein weiteres Mittel, schlecht bezahlte, prekär beschäftigte Mitarbeiter - Big Brother is watching - noch mehr unter der Knute zu halten ("Herr Koslowski! In den letzten zwei Monaten hat es drei telefonische Beschwerden über ihren Fahrstil gegeben. Was denken Sie sich eigentlich? Noch einmal und Sie können sich schon mal beim Jobcenter melden, ist das klar?"). Natürlich ist das Ganze komplett lachhaft, denn erstens ist die Frage, was ein okayer Fahrstil ist, jenseits offensichtlicher Verkehrssünden auch Geschmackssache, zweitens käme eine Kündigung aufgrund anonymer telefonischer Beschwerden wohl vor keinem Arbeitsgericht durch.

(Gilly's Playground)
Ich frage mich eher: Gibt es Leute, die da allen Erstes anrufen und, wenn ja, was sind das dann für Leute? Sitzen die am Steuer und sagen sich irgendwann: "Na warte, du Sonntagsfahrer, dir werd' ich's mal so richtig zeigen!", und notieren sich dann Telefonnummer, Kennzeichen, Ort und Uhrzeit, greifen gar illegalerweise zum Mobilgerät, um sich mal so richtig zu beschweren? Wer macht so was? In meiner Gegend kommen eigentlich nur die infrage, die bis vor einiger Zeit ehrenamtlich für den WDR als 'Staumelder' unterwegs waren und die Verkehrsredaktion mit so umwälzenden Neuigkeiten versorgten wie der, dass sich auf der A40 zwischen Bochum-Hamme und Essen-Huttrop zur Abwechslung mal wieder nichts bewegt.

Oder ist das vielleicht eine freundliche Einladung zum fröhlichen Denunzieren an jene Rentner, die gern einmal beim Ordnungsamt anrufen und mitteilen, dass Nachbar Neureich seinen Benz oder der gammelige WG-Student seinen alten Renault Clio schon wieder im Parkverbot abgestellt hat? Man weiß es nicht.

Fragen über Fragen. Wie wäre es statt dessen, das Ganze ins Positive zu wenden? Einfach mal anrufen bei dem Laden und denen mitteilen, der Fahrstil des Fahrers mit dem amtlichen Kennzeichen xy sei der beste gewesen, den man je gesehen habe, ein wahres Vorbild an umsichtiger Fahrweise und überlegener Fahrzeugbeherrschung. Jeder Fahrlehrer müsste vor Neid erblassen. Wetten, die dämlichen Dinger würden sofort verschwinden, wenn das eine Zeit lang nur genügend Leute machen würden?



Kommentare :

  1. Auf der einen Seite haben Sie nie Zeit für wirklich wichtige Dinge im Leben (weil busy busy, wichtig und so): sich mit Freunden verabreden, mit seinen Kindern was unternehmen, für gemeinsame Spieleabende oder interessante Diskussionsveranstaltungen - aber für ihr Auto und die dämlichen Aufkleber ist immer Zeit.

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  2. Die Frage, die sich mir stellt : Wer zum Henker hat so ein bescheidenes Dasein, sich ernsthaft solche Scheiße auszudenken ?

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