Freitag, 31. Oktober 2014

Es mieft nach Kleinbürger


Woran erkennt man unter anderem einen miefigen Kleinbürger? Er hat grundsätzlich Angst und fühlt sich und seine kleine Gartenzwergwelt immer von irgendwas existenziell bedroht, woraufhin er nach Verbot und Durchgreifen schreit, wenn er nicht gleich selbst zur Gewalt greift. Ohne Angsthaben kann er einfach nicht, dauernd geht die Welt unter. Wer in Gegenwart solcher Leute äußert, sich selbst, Deutschland oder die Welt eben nicht permanent von irgendwas bedroht zu sehen und statt dessen meint, sicher, es gäbe schon Probleme, auch durchaus ernste, aber es werde nichts so heiß gegessen wie es gekocht werde, ist entweder Kölner oder verdächtig.

Momentan sind Salafisten ja der ganz heiße Scheiß unter den Bedrohungen. Eine vergleichsweise kleine Gruppe Supermuslime, die in Fußgängerzonen den Koran verschenkt und Deutschland radikalislamisch machen will. Die Lieblingsbeschäftigung des Salafisten ist bekanntlich, brave deutsche Jugendliche zu bekehren. Gut, das versuchen fast alle Unterorganisationen fast aller Religionen irgendwie, aber glaubt man dem Rauschen im Blätterwald, scheinen diese Salafisten da geradezu magische Kräfte zu haben. Wenn man da nicht aufpasst, dann haben wir hier ratzfatz den Gottesstaat in der Bude. Ja klar, wer so wenig gefestigt ist, sich mittels einiger Koransuren auf Selbstmordattentäter umpolen zu lassen, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Nun ist Wachsamkeit grundsätzlich nichts Schlechtes. Wenn aber Wachsamkeit umschlägt in Hysterie, zum veritablen Lebensinhalt mutiert mit Angst als alleinigem Ratgeber und das Ganze am Ende in Gewalt ausartet, dann ist mal eine Grenze erreicht.

Dabei gibt es für Hysterie überhaupt keinen Grund. Nichts spricht dagegen, dass es sich bei dem Spuk um eines jener höchst vorläufigen Phänomene handelt, mit denen wir alle Nase lang zugetextet werden. Es geht alle paar Wochen die Welt wegen irgendwas unter, würde man das alles ernst nehmen, dann hätte man viel zu tun. Apropos Köln: Erinnert sich noch einer an den Kalifen von Köln? Wer war das noch gleich? Richtig, auch so ein Größenwahnsinniger, den heute keiner mehr kennt. Alle Erfahrung zeigt, dass in ein paar Monaten, spätestens aber in einem Jahr, höchstwahrscheinlich auch kein Hahn mehr nach dieser Salafistenveranstaltung krähen wird.

Wie gesagt, es gibt Probleme auf der Welt: Klimawandel, Peak Oil, Hunger, Ausbeutung, Schnüffelei der Geheimdienste, schleichende Abschaffung der Demokratie, die immer weiter sich öffnende soziale Schere, immer höhere Konzentration von Kapital bei immer weniger Leuten und andere Sauereien. Sich dagegen zu wehren macht sehr wohl Sinn, ist aber ein frustrierendes Geschäft, bei dem es keine klaren Gegner gibt und bei dem keine schnellen Erfolge zu erwarten sind. Und man muss sich mit den Mächtigen anlegen. Da ist es natürlich weit bequemer, mit Gewalt den eigenen Vorgarten auszuräumen und nach unten zu treten. Macht auch mehr Spaß.

Wenn es dann zu Vorfällen wie am letzten Wochenende in Köln kommt, heißt es gern, so etwas sei ohne Frage schlimm, doch müsse man auch die Ängste der Menschen, die sich da artikulieren, ernst nehmen. Blödsinn! Muss ich wirklich gewalttätige Blitzbirnen für voll nehmen, deren dringenstes Problem offenbar ein Haufen islamistischer Rübezahls ist, den ohne die Panikmache der Medien keine Sau kennen würde und dem sie jetzt intelligenterweise noch mehr Aufmerksamkeit sowie eine bequeme Opferrolle verschafft haben?

Der Salafistenpopanz ist ein weiterer, der dem angstlüsternen Kleinbürger vor die Nase gehalten wird, damit er seine Energie und seine Aufmerksamkeit auf Nebenkriegsschauplätzen vergeudet. Gegen die wirklichen Probleme dieser Welt jedenfalls sind so ein paar rauschebärtige Fanatiker nichts weiter als ein feuchter Furz.


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