Montag, 3. November 2014

Rückwirkend zum Ersten


Diversen Schätzungen zufolge ernährt ein halbes bis ein gut Prozent der deutschen Bevölkerung sich vegan. Gemessen daran, ist es schon faszinierend, wie viel Medienpräsenz das Thema vegane Ernährung so genießt. Kaum ein Qualitätsmedium, das irgendwie auch in dem macht, was sich Lifestyle schimpft, kommt noch aus ohne eine vegane Rezeptecke oder Selbstoffenbarungen entsprechend Bekehrter. Die Betreffenden selbst nehmen diese Aufmerksamkeit gern als Beleg dafür, dass ihre Lebensweise in der Mitte der Gesellschaft ankommt oder dafür, dass eigentlich viel mehr Menschen auf alles Tierische verzichten würden, aber aus ihren Gewohnheiten einfach nicht herauskommen. Es könnte aber auch eine Rolle spielen, dass in Medien- und medienaffinen Kreisen überdurchschnittlich viele Vegetarier und Veganer sich tummeln oder damit, dass Minderheiten qua Status immer eine Art Exotenbonus haben.

Diesbezüglich besonders penetrant treibt es seit einiger Zeit der 'stern'. Weil der 1. November nicht nur Allerheiligen, sondern auch Weltvegantag ist (was zumindest im Deutschen Sprachraum irgendwie schon ein wenig passt), haben sie jetzt eine Liste gebracht mit 50 Sätzen, die Veganer angeblich nicht mehr hören können. Schön. Gut. Zur Kenntnis genommen. Zwar ist über die Frage zu diskutieren, wer nun wen andauernd missionieren will und wer wem mehr auf den Keks geht, ungefähr so müßig wie ein Streit über Henne und Ei, aber humorlos kann ich auch. Daher folgt hier eine Liste der zirka 300 Sätze von Veganern, die ich nicht mehr hören kann:

"Vegane Ernährung hat absolut nichts mit Verzicht oder Askese zu tun."

"Wie willst du das beurteilen, wenn du es noch nie versucht hast?"

"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Veganer gesünder sind und länger leben."

"Wenn die Menschen nur einmal ein wenig nachdenken würden, niemand würde mehr Fleisch essen."

"Mörder!"

"Jaja, weil's halt so lecker ist."

"Würdest du auch deinen Hund essen?"

"Der Mensch ist aufgrund seines Gebisses ja ein Pflanzenfresser."

"Es gibt mittlerweile so tolle Produkte, da braucht echt kein Mensch mehr Fleisch."

"Tiere essen ist reine Gewohnheit. Ihr wollt bloß nicht aus eurem Trott heraus."

Jene 95 Sätze, die anfangen mit: "Seitdem ich vegan lebe, bin ich/geht es mir..."

Sowie die knapp 200 Sätze, die anfangen mit: "Du weißt aber schon, dass...“ oder "Dir ist aber schon bewusst, dass..."



Kommentare :

  1. einfach nur genial geschrieben.Mir gehen die immer drauf hinweisenden Veganer und Vegetarier auch extrem auf den Geist.Alleine beruflich schon^^ Arbeite in der Gastronomie.Leidvoll finde ich es,wenn einer von denen erst ein paar Minuten vor dem servieren des Essens sagt,das er das nicht essen kann,da er Veganer/Vergetarier ist.Ja klasse,da kann unser Küchenchef auch noch sooo viel dran machen.Wenn man es vorher weiß,gibt es gute,schmackhafte Gerichte.So bleibt nur das schnell blanchierte Gemüse übrig :(.Was dann den Vegetaier/Veganer wieder bestätigt,das er diskriminiert wird^^.Das Gleiche gilt auch für Lebensmittelunverträglichkeiten.Dezenter Hinweis,und die Küche hat genug Vorlaufzeit,um auch dafür schmackhaftes auf den Teller zu zaubern.

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  2. Ich glaub , die vegsonstwas-Ecke hat das gleiche Problem wie praktisch alle Gesellschaftsbereiche , die Extremisten haben sich nach oben geschlichen und geben den Ton an.

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  3. Seitdem ich vegan lebe, muss ich mir dauernd blöde Sprüche anhören...

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  4. @Mausflaus
    Stimme dir zu. Blöde Sprüche geben blöde Sprüche. Bin zwar ganz proletarisch nur Vegetarier, aber da sieht's überhaupt nicht besser aus. Übrigens, eine interessante Erfahrung, - seitdem sich auch die Pflanzenfresser die ich kenne, entschlossen haben, sich jedwede Erwähnung davon oder überhaupt Argumentation (die meistens einfach nur aufgezwungen wird) einfach verkneifen.

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  5. Das Nervige ist, dass daraus ein so Riesen Häck-Mäck gemacht wird. Jeder inszeniert sich. Meine Güte, ich treibe mittlerweile auch regelmäßig Sport und esse vielleicht einmal die Woche nur Fleisch (weniger Blähungen^^). Erzähle ich das jetzt jedem (außer hier jetzt^^) oder mache ich mich damit wichtig? Nein! Ich tu es einfach und rede nicht darüber. Fertig. Wenn die Vegetarier/Veganer nicht ständig und überall über ihre Lebensweise reden/sich inszenieren würden, wäre das alles auch gar kein Problem. Leider ist häufig das Gegenteil der Fall.

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    1. Die Sache scheint mir tatsächlich eine Art Henne-Ei-Problem zu sein. Beide Seiten fühlen sich leicht angegriffen und geraten dann in Rechtfertigungsdruck. Wir Nichtveganer müssen uns schon die Frage gefallen lassen, warum einige sich so provoziert fühlen und dann mit Sprüchen rüberkommen wie in der verlinkten Liste. Umgekehrt habe ich schon auch Veganer erlebt, die meinten, das Recht zu haben, jedem ins Essen zu quatschen (war aber eine Minderheit).
      Das mit den Extremisten glit wohl für's Netz. Ingesamt habe ich nämlich den Eindruck, dass diese Debatte im Internet weit verbissener geführt wird als im Real Life. Habe immer wieder beobachtet, dass vieles sich in Luft auflöst, sobald genug Leute da sind, die Humor haben und zur Selbstironie fähig sind.
      @epikur: Weniger Blähungen? Wie langweilig...^^

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  6. Ich esse auch Hund. Ansonsten überzeugen mich schöne vegan/vegetarische Rezepte. Auf den Bumms drumrum verzichte ich gerne.

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