Sonntag, 30. November 2014

Sie tun es wieder!


Allem Antiamerikanismus zum Trotze, hat 'Star Wars' mich damals durch einen Teil meiner Kindheit und Jugend begleitet. Mehr noch: Eine Zeit lang beherrschte die Weltraumsaga förmlich meine Phantasie. Einmal ein edler Ritter sein wie Luke Skywalker! Dieses unter der Ägide weiser, gütiger Lehrer wie Obi-Wan Kenobi und Yoda vom jugendlichen Feuerkopf zum Zen-Meister gereifte Pilotenwunderkind. Einmal eine coole Sau und ein Draufgänger sein wie Han Solo, der noch auf dem Schafott mit der Schlinge um den Hals einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und am Ende die Prinzessin bekommt, die ihr mönchischer Bruder nur ganz asexuell retten durfte.

Doof fand ich als westdeutsches Durchschnittswohlstandskind ja, dass meine Eltern damals zu geizig oder zu vernünftig waren, mir auch nur eine dieser Action-Figuren oder gar anderen Spielkram zu kaufen. So ein Mist kam ihnen nicht ins Haus. Immerhin hatte ich irgendwann wenigstens ein Riesenpanoramaposter an der Kinderzimmerwand, gegen das die kopfschüttelnden Erzeuger nichts ausrichten konnten, weil ich es mir vom eigenen Geld gekauft hatte, das Oma zu Weihnachten hatte rüberwachsen lassen.

Auch wenn sich das irgendwann auswuchs, ganz losgelassen hat 'Star Wars' mich auch später nicht. Nur der Blickwinkel änderte sich. Fasziniert erkannte ich, was für eine schlaue, perfekt zum Zeitgeist der Siebziger passende Geschichte der studierte Soziologe George Lucas da gestrickt und wie virtuos er sich dafür bei klassischer Mythologie, mittelalterlichen Ritterepen und Entwicklungspsychologie bedient hatte. Trotzdem, dass 1983, nach 'Die Rückkehr der Jedi-Ritter', Schluss war, schmerzte mich umso weniger, je älter ich wurde. War eine nette Sache gewesen, aber zu Ende erzählt und siehe, es war gut.

Als es auf die Jahrtausendwende zuging, hieß es dann, es würde doch noch drei neue Teile geben, die sich der Vorgeschichte der legendären Trilogie widmen sollten. Woah, dachte ich - weil man mit knapp dreißig meist noch nicht wirklich wahr haben will, erwachsen zu sein und zu alt für so was - 'Star Wars' mit den ganzen tricktechnischen Möglichkeiten von heute. Das musste einfach, nein, das konnte einfach nichts anderes werden als ein Fest für die Augen. Und dann noch die Nachricht, dass Ewan McGregor, einer der amtlichsten Schauspieler der damaligen Zeit, den jungen Obi-Wan Kenobi geben würde. Was konnte da noch schief gehen?

Eine Menge, wie sich herausstellen sollte, und zwar gewaltig. Die nachgeschobenen ersten drei Teile von 'Star Wars' gehören zu den geistlosesten, unkreativsten, kitschigsten, fauligsten, langweiligsten und aufgeblasensten Ausflüssen menschlichen Geistes und menschlicher Arbeit, für die jemals Geld investiert und von viel zu vielen ausgegeben wurde. Unter anderem auch von mir.

[Wer im einzelnen wissen möchte, warum die ersten drei 'Star Wars'-Teile trotz ihrer exorbitanten Einspielergebnisse zu den misslungensten Filmen der Filmgeschichte gezählt werden müssen, kann sich das von den Profis von 'Red Letter Media' erklären lassen (Episode I, Episode II, Episode III). Man sollte sich aber etwas Zeit nehmen, des Englischen mächtig sein und sich von der Nebenhandlung um den irren Frauenmörder Mr. Plinkett nicht irritieren lassen.]

Die ersten drei Teile im Kino anzusehen, entpuppte sich als echte Strafarbeit. Beim ersten Teil war schon nach etwa zwanzig Minuten jegliche Vorfreude lähmender Langeweile gewichen. Trotzdem stand ich tapfer alle drei Filme durch. Vielleicht aus Nostalgie, in der Hoffnung, der Zauber von damals ließe sich wiederholen. Vor allem aber, weil ich jedes Mal hoffte, der nächste Teil würde bestimmt besser werden, weil schlechter als der letzte, das ginge eigentlich nicht. Weit gefehlt! Jedes Mal saß ich mir gelangweilt und unterwältigt den Hintern platt und zählte die Ungereimtheiten mit. Irgendwann wurden es so viele, dass ich auch damit aufhörte und in eine Art Wachkoma fiel, aus dem mich erst John Williams' Fanfare im Abspann wieder aufweckte.

Mein Urteil stand fest: 'Star Wars' ist mausetot, endgültig. Versenkt vom eigenen Schöpfer, der der Welt in einer Mischung aus Geldgier und Selbstherrlichkeit offenbar unbedingt zeigen musste, wie viel an digitalem Krimskrams er auf Kinoleinwände prömpern kann und wie herzlich egal ihm Dinge wie eine halbwegs stimmige und glaubwürdige Handlung sind. Netter Versuch!

Nächstes Jahr soll ja der siebte Teil ins Kino kommen. 'The Force Awakens', so wird das Opus geheißen. Ja ja, den Trick kenne ich. Aber nicht mit mir. Diesmal nicht! Sie werden mich nicht noch einmal drankriegen mit ihrer Nostalgienummer. Ich bin durch damit, endgültig erwachsen und definitiv zu alt für den Scheiß. Sie werden es nicht schaffen, mir noch einmal über dreißig Euro Eintritt für drei Filme aus der Tasche zu ziehen, um mir dann dreimal einen unausgegorenen Schlonz vorzusetzen. Bin ich maso oder was?

Regie führt diesmal nicht der bräsige George Lucas, sondern mit J.J. Abrams ein echter Könner seines Fachs. Aha, einen Teaser gibt es auch. Na wenn schon, das bedeutet gar nichts. Der Teaser für Episode 1, den man damals noch stundenlang mit einem 56k-Modem von andauernd zusammenbrechenden Servern herunterladen musste (wofür einem dann eine astronomische Telefonrechnung ins Haus flatterte), hatte auch ganz vielversprechend ausgesehen. Na gut, mal anklicken. Ups, was sehe ich denn da? Die Millennium Falcon! Und T.I.E. Fighter! X-Wings!!! Imperiale Sturmtruppen! Verrostete Gleiter in der Wüste! Yihaw Baby!

Ahhh, sie tun es wieder, die elenden Säcke! Das Pack hat augenscheinlich gelernt. Sie fixen mich schon wieder an. Geht das schon wieder los? Ich sehe mich förmlich nächstes Jahr um diese Zeit im Kino sitzen und hinterher beim Bier in der Kneipe herummeckern.



Kommentare :

  1. Ohne Starwars zu kennen , aber womöglich steht es stellvertretend für einen allgemeinen Abwärtstrend bei amerikanischen Filmen.

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    1. Allgemein würd' ich nicht sagen. Es kommen ja nach wie vor gute amerikanische Filme raus (die dann aber leider selten in Städten unter 300.000 Einwohnern im Kino zu sehen sind). Definitiv kann man sagen, dass es bei Blockbustern einen Trend zu immer mehr, immer lauter, immer länger und spektakulärer gibt, wobei die Skripte nicht immer mithalten...

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    2. Da ist was dran , immer wieder erwischt man positive Überraschungen , auch und nicht zuletzt auf den Privaten , vielleicht gabs so Phasen auch früher schon , wo der "Mainstream" allzu einseitig war.

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