Dienstag, 30. Dezember 2014

Das Ende ist nah!


Ist es Zufall oder doch Fügung? Wladimir Putin kann sich momentan ein wenig zurücklehnen und sich in Ruhe auf das orthodoxe Weihnachtsfest vorbereiten. Seine Jobs als personifizierter Untergang des Abendlandes, Lieblingswatschenmann und Irrer vom Dienst ist er erst einmal los. Die hat neuerdings alle Alexis Tsipras inne, der Vorsitzende des griechischen Linksbündnisses Syriza. Es heißt, wenn es richtig schlecht liefe für die Märkte und das Volk in Griechenland falsch wähle, dann werde sehr bald schon die Welt untergehen, weil dann mit Tsipras einer an die Macht käme, der so shockierende Ansichten vertritt wie die, dass marktkonforme Demokratie vielleicht doch nicht so ganz das Gelbe vom Ei sein könnte.

Es ist aber auch ein Kreuz mit diesen Griechen. Rein gar nichts können sie richtig machen. Erst fälschen sie ihre Bilanzen, um in die Eurozone aufgenommen zu werden (was bekanntlich exakt die getan haben, die seit Jahren am meisten unter jenem Massenverelendungsprogramm leiden, das als 'Reformen' verkauft wird). Dann leben sie jahrelang über ihre Verhältnisse (anders ausgedrückt: Das Volk hat den Fehler gemacht, jener politischen Klasse zu glauben, die ihnen den Schlamassel eingebrockt hat, und fröhlich konsumiert). Und jetzt wählen sie auch noch einen linksradikalen Hallodri (weil sie, was man verstehen kann, ein wenig die Schnauze voll haben von der Kaputtsparerei, aber deswegen noch lange nicht gewillt sind, das Land in die Hände von Faschisten zu geben, was ich persönlich eigentlich ganz löblich finde). Und der wird nun wegen ein paar ganz klassisch sozialdemokratischer Forderungen, die er vertritt, von denen er im Fall eines Wahlsieges aber vermutlich kaum eine 1:1 wird umsetzen können, mit Sicherheit ganz Europa in den Abgrund reißen.

Und so wird der dunkelrote Alexis in jedem größeren Medium als größte Bedrohung für Europa seit Menschengedenken hingestellt, gern illustriert mit unvorteilhaften Fotos. Daran, dass Politiker aus anderen EU-Ländern meinen, das Recht zu haben, den wahlberechtigten Griechen in paternalistisch-herablassendem Tonfall vorschreiben zu dürfen, wen sie gefälligst zu wählen haben und wen nicht, daran hat man sich eh längst gewöhnt. Dass übrigens auch der amtierende Ministerpräsident Samaras sich schon des öfteren geweigert hat, Spardiktate aus Brüssel umzusetzen, fällt dabei gern unter den Tisch.

An dem apokalyptischen Gebarme lässt sich jedenfalls wieder einmal sehr schön studieren, was einer wirtschaftsnahen Presse und einer den Märkten völlig ergebenen Politik so hehre Begriffe wie Volkssouveränität wert sind, wenn ein Volk es wagen sollte, sich bei Wahlen mal nicht brav marktkonform zu benehmen. Eines habe ich am neoliberalen Weltbild ja nie verstanden: Neoliberale behaupten gern mit Adam Smith, dass es letztlich allen besser ginge, wenn jeder nur aus Eigennutz und Eigeninteresse handelte. Nur scheint das irgendwie nicht immer und nicht für alle zu gelten.

Wenn nämlich eine Mehrheit einer Bevölkerung es ablehnt, weiter zu verelenden und statt dessen Politiker wählt, die ihrer Meinung nach ihre Interessen besser vertreten und weil eben jene Mehrheit es ablehnt, weiter zu bluten für einen Mist, den nicht sie, sondern ein Horde raffgieriger Schlipsträger auf den Finanzmärkten und eine mit ihnen verfilzte, überwiegend konservative Politkaste angerichtet haben (und für den sie nicht im geringsten geradestehen) - mit anderen Worten: Wenn diese Mehrheit nichts anderes tut als sich eigennützig und ihren eigenen Interessen gemäß zu verhalten, dann ist das auf einmal nicht mehr segensreich, sondern verantwortungslos und der Untergang des Abendlandes. Verstehe das noch einer.

So denn, das Ende ist nah. Schluss für dieses Jahr. Das 'Guten Rutsch!'-Posting mit obligatorischem Feuerwerksbild verkneife ich mir. Braucht keiner. Wünsche gutes Rüberkommen!


Kommentare :

  1. Wieder mal alles schön auf auf den Punkt gebracht, Stefan!

    Ist aber auch ein Kreuz mit der Demokratie, wenn >falsche< Kreuze gemacht werden!

    Und die Griechen wählen undankbarerweise eine 'linksradikale' Parteie, die folgendes fordert:
    Steuersenkungen,
    höhere Mindestlöhne,
    die Schaffung von 300.000 neuen Jobs im öffentlichen und privaten Sektor,
    kostenlose medizinische Versorgung für alle Griechen,
    Lebensmittelmarken für 300.000 arme Familien,
    einen Krediterlass für überschuldete Haushalte

    Da verschreibt man Griechenland Armut um die Banken zu bedienen, und dann sowas!
    Wie unvernünftig ist das denn?
    Da gibt man denen demokratische Wahlen und die Griechen wählen und die Griechen wählen nicht im Interesse der EZB sondern in ihrem eigenen Interesse?
    Wo soll das denn hinführen?
    Sozialismus, Kommunismus, Stalinismus?
    Droht nun der Untergang des Abendlandes?

    Es wurde doch von Merkel & Co. genau gesagt, was zu wählen ist!
    Und diese renitenten Griechen wählen einfach was anderes!

    Diese Griechen haben die Demokratie erfunden, aber sie verstehen sie immer noch nicht!
    Aber die Politiker und die Medien werden ihnen schon sagen, wo sie ihr Kreuzchen zu machen haben.

    Und, wenn das nicht funktioniert werden sicher andere Möglichkeiten gefunden werden.

    Denn Demokratie wird nur solange hochgehalten, wenn sie die gewünschten (herbeimanipulierten) Ergebnisse bringt.

    Auch ich habe mich auf meinem Blog diesem Thema gewidmet:

    http://aufzeichnungen-eines-gutmenschen.blogspot.de/2014/12/linksradikale-armutsbekampfung.html

    Ich wünsche Dir einen guten Rutsch

    Liebe Grüße
    Dude

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  2. Die ärmsten Neoliberalen sind diejenigen , die an ihr eigenes Geschwafel wirklich glauben , die Klügeren wissen genau , welchen Bullshit sie von sich geben.

    Adam Smith?
    Scheiß der Hund drauf , wer neoliberal ist , bestimmen wir , in den Chefetagen der Konzerne.

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