Donnerstag, 30. Januar 2014

Eine Frage, die nicht verschwinden will


Es will einfach nicht verschwinden, das Thema Markus Lanz. Und je länger das dauert, desto mehr brennt mir eine Frage in Bezug auf unsere deutsche Qualitätsjournalille zunehmend auf den Nägeln: Geht's noch oder tut es sehr weh? Natürlich muss man, wie immer, differenzieren. Gemeint sind selbstverständlich nicht alle Journalisten pauschal. Gemeint sind ausdrücklich nicht die Heerscharen von Freien und Praktikanten, die sich für wenig bis nichts abrackern, um Inhalte zu liefern und zu recherchieren. Nein, gemeint sind nicht wenige von denen, die nach wie vor warm und trocken auf ihren gut bis sehr gut dotierten Stellen sitzen und immer noch zu glauben scheinen, ein Monopol inne zu haben auf das Veröffentlichen von Meinungen.

Dienstag, 28. Januar 2014

Vermischtes 1/2014


Uschi At War

"Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins: Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!" (Wolfgang Borchert)
Tja, hat Wolle Borchert sich wohl doch verschätzt, als er inmitten der Trümmer des gerade durchlittenen zweiten Weltkriegs auf die friedensstiftende Macht der Mütter setzte. Supermutti Ursula von der Leyen jedenfalls ficht so etwas nicht an. Sie sei, so gab sie dem ehemaligen Sturmgeschütz der Demokratie zu Protokoll, für ein stärkeres internationales Engagement der Bundeswehr, denn man könne nicht zur Seite schauen, wenn, wie jetzt in Mali, Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung seien. Außerdem käme "Europa [...] im Spiel der globalen Kräfte nicht voran, wenn die einen sich immer dezent zurückhalten, wenn es um militärische Einsätze geht, und die anderen unabgestimmt nach vorne stürmen."

Sonntag, 26. Januar 2014

Alle Jahre wieder


Die belagerte Hofburg

Es gibt Dinge, für die mir jegliches Verständnis abgeht. Karneval zum Beispiel. Oder die Wiener Ballsaison. Mag daran liegen, dass ich eh ein ausgemachter Tanzmuffel bin, aber öffentlich inszenierte, prunkvolle Bälle, auf denen man bis in den frühen Morgen steife Kleidung tragen und noch steifere Etikette einhalten muss, sind nicht meine Welt. Auch werde ich den Eindruck nicht los, dass viele dergestalt Feiernde ihr Gewalze nicht etwa diskret im Stillen zelebrieren (was ja noch ginge), sondern sich an so einem Abend für was ganz Besonderes zu halten scheinen und daher Bewunderung und Bestauntwerden für sich reklamieren von den nicht eingeladenen Zaungästen. Wenn das so sein sollte, liegt das vermutlich an der höfischen Tradition solcher Veranstaltungen. Ich will das natürlich nicht verbieten oder so was, Blödsinn. Nur fehlt mir eben jeglicher Sinn dafür. Kann sein, dass ich ein kompletter Ignorant bin. Oder es liegt daran, dass ich kein Wiener bin.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Investigativer Journalismus a'la ZDF


Wie Markus Lanz sich einmal als großer Verehrer Sahra Wagenknechts erwies

Die Zwangs-Haushaltsabgabe für öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss ich bezahlen, ob ich will oder nicht. Mit dieser Abgabe, die einige Milliarden im Jahr einbringt, soll sichergestellt werden, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch in Zukunft ihren Bildungsauftrag wahr nehmen können. Demach zahle ich die Gehälter all jener mit, die irgendwie ihre Semmeln mit dem verdienen, was öffentlich-rechtlich so durch den Äther geht. Natürlich gefällt mir nicht alles davon. Im Gegenteil, das allermeiste gefällt mir nicht. Aber ich habe mich arrangiert. Ich kann im Großen und Ganzen damit leben, auch wenn ich mich schon zuweilen frage, was das alles soll, weil das deutsche Fernsehen mittlerweile zu einem unkreativen Hort des Verschnarchtseins degeneriert ist.

Sonntag, 19. Januar 2014

Gedanken zu einem überbewerteten Kraut


Glaubt man Fallbeispielen, wie sie früher immer in Drogenaufklärungs-Traktätchen oder in alten Politik- oder Sowi-Schulbüchern zu lesen waren, dann ist der eine, leichtfertige Zug an der Haschischzigarette auf der Party das Tor zur Hölle. Wer da nicht standhaft nein sage, der verfiele ratzfatz auch Sister Morphine und hinge hastdunichtgesehen an der Nadel, so wurde gedroht. Wer einmal neugierig am hingehaltenen Joint nuckele, der würde bald schon gezwungen sein, bei rapide fortschreitendem körperlichem Verfall seine Brötchen mit dem Ausrauben alter Damen oder dem Verhökern geklauter Autoradios zu verdienen, hieß es. Oder gar damit, gewisse Teile seines Körpers in übel beleumundeten Gegenden feilzubieten, bevor ihm lang vor der Zeit Freund Hein auf einer Bahnhofstoilette die Eieruhr um die Ohren hauen würde.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Quod licet Iovi non licet bovi


Erinnert sich noch wer an das Jahr 1998? Da wurde nicht nur Schröder Kanzler, sonder es war auch das Jahr, in dem der damalige US-Präsident Clinton sich als erster Präsident seit Nixon mit einem Amtsenthebungsverfahren auseinandersetzen musste. Er sagte feierlich aus, keinen Sex mit einer Praktikantin namens Monica Lewinsky gehabt zu haben und musste sein Intimleben vor dem vom Senat bestellten Oberinquisitor Kenneth Starr ausbreiten, der einen dickleibigen Report darüber verfasste, der wiederum bald im Internet herunter geladen werden konnte. 

Medien und Öffentlichkeit in Europa lachten sich damals entweder schlapp oder runzelten verwundert die Stirn. Der Tenor damals war Kopfschütteln über die prüden Amerikaner und lautete in etwa: Meine Güte, ist das wichtig? Das Privatleben von Politikern geht zunächst mal niemanden etwas an und politisches Kapital schlägt man auch nicht daraus. Bei uns im zivilisierten, aufgeklärten Europa wäre so eine Farce jedenfalls kaum vorstellbar, hieß es. Im Gegenteil, ein französischer Präsident, der nebenher keine Mätresse habe, würde gar nicht ernst genommen. Überhaupt, die puritanischen Amis sollten erst mal erwachsen werden. Lang scheint das her, wenn man sich ansieht, was für ein Wirbel im ach so aufgeklärten Europa unserer Tage darum gemacht wird, dass ausgerechnet ein französischer Präsident was mit einer Schauspielerin laufen hat. (Nebenbei bemerkt, hat der Mann durchaus Geschmack, finde ich. Das nur als kleiner sexistischer Ausfall am Rande.)

Dienstag, 14. Januar 2014

Verbales und Unverbales


Das Wort 'Sozialtourismus' ist zweifellos ein würdiges Unwort des Jahres 2013. Weil Tourismus etwas ist, was man freiwillig tut, steckt die Perfidie im Verknüpfen von Elendsmigration, die aus purer Not geschieht, mit Tourismus, also mit etwas, das Spaß macht. Flüchtlingen, zu denen zum Beispiel auch Menschen gehören, die sich irgendwie nach Lampedusa hinüber retten, wird so mal eben unterstellt, sie täten das vor allem mal aus Langeweile. Nicht nur das. Auch den Deutschen wird wieder einmal das Märchen aufgetischt, es gäbe hierzulande Sozialleistungen, die so üppig und luxuriös sind, dass die halbe Welt sich förmlich die Finger danach leckt und kein höheres Ziel kennt, als dem deutschen SteuerzahlerTM auf der Tasche zu liegen. In der Tat, ein schöner Eintrag im Wörterbuch des Unmenschen.

Sonntag, 12. Januar 2014

Wenn Toleranz verdächtig wird


Was den Umgang mit Minderheiten aller Art angeht, waren es vor allem zwei, drei Maximen, die mir in den letzten Jahrzehnten dabei geholfen haben, halbwegs entspannt durchs Leben zu gehen. Erstens: Es ist reichlich zweitrangig, welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe und Herkunft ein Mensch ist oder welche sexuelle Orientierung er hat. Viel wichtiger ist die Frage, ob jemand ein Schwachkopf ist oder nicht. Zweitens: Die allermeisten Angehörigen gesellschaftlicher Minderheiten wollen mitnichten das christliche Abendland mit einer klandestinen Agenda unterwandern und erwarten weder Bewunderung noch gesonderte Aufmerksamkeit, erst recht keine roten Teppiche oder Extrawürste, sondern eigentlich nur, dass man sie möglichst unbehelligt und ohne großes Bohei ihr Leben leben lässt. Und drittens: Mein Horizont, meine Wertvorstellungen sind nicht absolut und haben daher nicht für alle zu gelten.

Freitag, 10. Januar 2014

Vermischtes zum Wochenende


Das Schandgutachten (wenn man CSU-Anhänger ist)

Jochen Hoff über eine Stellungnahme der EU-Kommission zur Klage einer 24jährigen Rumänin vor dem Europäischen Gerichtshof. Die möglichen Konsequenzen dürften einige hiesige Dickbacken mächtig ins Plustern bringen.


Quatarsis 2022

Man kann der Altherrenriege an der Spitze der FIFA einen gewissen Scharfsinn nicht absprechen. Kaum sechs Jahre, nachdem sie die Fußball-WM 2022 an das Emirat Katar vergeben haben, sind sie jetzt auf den Trichter gekommen, dass Katar irgendwie in der Wüste liegt. Das bedeutet, dass es dort im Sommer, also genau zu der Zeit, zu der Weltmeisterschaften normalerweise stattzufinden pflegen, unangenehm heiß werden kann. Und zwar so heiß, dass das Thermometer schon mal in Regionen vorstoßen kann, bei denen sich schon Fisch und Fleisch schonend garen ließen. Das will man den empfindlichen Gehirnen der Aktiven natürlich nicht zumuten und überlegt ernsthaft, die WM in den Winter zu verlegen.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Die Chaoten von Hamburg


"Die nachwachsende Generation hat es mit einer Gesellschaft zu tun, die sich ihr und ihren Anliegen vor allem durch Ignoranz in den Weg stellt. Die zahlreichen sozialen Probleme und Konflikte bleiben bemerkenswert ungelöst: Das Ansteigen von Armut in Deutschland, die je nach Schätzung bereits jedes dritte bis fünfte Kind betrifft, drohende Abwärtsspiralen der europäischen Wirtschaft, die Menschen in Ländern wie Griechenland bereits erreicht haben [...] und vieles mehr sind die Themen und womöglich der künftige Alltag der jetzt jungen Generation. Gleichzeitig werden deren Proteste immer öfter kriminalisiert und abgewertet." (Melanie Gross)
Natürlich sind Polizeibeamte genauso wenig per se gewalttätig wie der Rest der Bevölkerung. Weil sie aber weisungsgebunden sind, kann man sie sehr wohl gezielt in Situationen bringen, in denen sie kaum mehr eine andere Wahl haben, als Gewalt anzuwenden. Nach allem, was man weiß und nach allen Widersprüchen, die sich jetzt nach und nach offenbaren, scheint die Strategie der Hamburger Obrigkeit ungefähr so auszusehen: Erst provozieren, bis es knallen muss. Wenn es dann zu Zusammenstößen kommt, bei denen möglicherweise Beamte verletzt werden, wird die Opferkarte gezogen. Die wiederum dient dann als Rechtfertigung für drakonische Maßnahmen, wie etwa die, die halbe Hamburger Innenstadt auf unbestimmte Zeit zum Gefahrengebiet zu erklären und jeden Menschen, der sich dort bewegt, unter Umkehrung rechtsstaatlicher Prinzipien unter Generalverdacht zu stellen. Der feuchte Traum jedes obrigkeitsstaatlichen Law-and-Order-Fanatikers.

Sonntag, 5. Januar 2014

Hast du Sorgen, hau den Migranten!


Wie gut, dass wir Horst Seehofer haben. Als einziger der etablierten Politiker traut er sich, mahnende Worte zu sprechen, angesichts der osteuropäischen Apokalypse, die uns ins Haus steht. Heerscharen von rumänischen und bulgarischen Migranten werden nach der Öffnung der Grenzen in unsere Städte einfallen. Sie werden um unsere Häuser streifen, unsere Mülltonnen durchwühlen, uns das Essen vom Tisch klauen und sich in ihrem heimtückischerweise fremden Idiom in einer Tour über nichts anderes austauschen als darüber, wie sich hier am leichtesten Sozialleistungen abgreifen lassen.

Freitag, 3. Januar 2014

Was bleiben wird


So, hätten wir also 2014. Statt eines Jahresrückblicks, eine kleine wahllose Auswahl an Phänomenen in Medien, Politik und Gesellschaft, die uns leider wohl auch 2014 erhalten bleiben werden. 

Becker, Boris. Mister Too Much Information in Person. Der allgegenwärtige hauptberufliche Ex-Tennisspieler wird uns auch weiterhin mit jeder Menge Neuigkeiten aus seinem Privatleben behelligen, die wir nicht wissen wollen, denen wir aber auch kaum entkommen können.

Börsenberichterstattung. Das Geschehen an den Börsen hat zwar mit dem Leben der allermeisten Menschen nicht das Geringste zu tun, trotzdem posieren auf vielen Kanälen mehrmals täglich smarte Schlipsträger vor dem Bild eines Börsensaals und erleuchten uns mit ihren profunden Erkenntnissen. Botschaft: So lange DAX und Dow Jones steigen, geht's uns allen gut.