Sonntag, 30. März 2014

Alle nur neidisch


Die sind doch nur neidisch! - so pflegen neureiche Deppeneltern ihre verzogenen Bratzen zu trösten, wenn die mal wieder mit verbeulter Visage aus der Schule kommen, weil sie mit Mamas und Papas dickem Geldbeutel angegeben haben. Ohhh, mein armer Prinz! Schau mal, die anderen Kinder sind doch nur neidisch auf dich, weil die nicht so dicke Häuser und Autos haben und nicht so tolle Urlaube machen. Das kommt alles nur daher, weil Mama und Papa so irre viel arbeiten. Wir sind nämlich Leistungsträger, weißt du? Und die Mamas und Papas von den anderen sind eben faul und können sich nicht so schöne Sachen leisten. Das sind die selbst schuld. Und jetzt melden wir dich an dieser teuren Privatschule an, da passiert dir so was bestimmt nicht mehr.

Samstag, 29. März 2014

Embattled Democracy


"There is, let me assure you, nothing in nature more egocentric than embattled democracy. It soon becomes the victim of its own propaganda. It then tends to attach to its own cause an absolute value which distorts its own vision [...] Its enemy becomes the embodiment of all evil. Its own side is the centre of all virtue." (George F. Kennan)

Was im neoliberal gefärbten, wirtschaftsnahen Lager immer wieder fasziniert, ist die komplette Blauäugigkeit, in die etliche dort verfallen, sobald jemand fette Geschäfte in Aussicht stellt. Nehmen wir als Beispiel die ukrainische Jeanne d'Arc und Wannabe-Präsidentin Julia Timoschenko.  Dass ihre Inhaftierung unter dem Regime des Ex-Präsidenten Janukowitsch zu verurteilen ist, darüber sollte man nicht diskutieren müssen. Nur macht das nicht automatisch zu einer Heiligen. Der Ausgewogenheit halber kann man zum Beispiel auch darauf hinweisen, dass seine mutige Tat, die Spioniererei von NSA und GCHQ aufzudecken, Edward Snowden nicht zu einem Messias macht. Der Mann ist und bleibt ein libertärer Republikaner und Waffennarr mit einem nicht unproblematischen politischen Weltbild. Aber zurück zu Timoschenko.

Dienstag, 25. März 2014

Satire a'la Bourgeoisie


Ist es das Alter? Manchmal verstehe ich's einfach nicht mehr und fürchte, langsam zu einem humorlosen, moralinsauren Mucker zu werden, was ich nie im Leben wollte. Eine Weile hielt sich Kai Twilfers Buch 'Schantall, tu ma die Omma winken!' ziemlich weit oben auf den Bestsellerlisten. Weil mir Bestseller normalerweise so egal sind wie die Essgewohnheiten von Supermodels, bekomme ich so was immer nur am Rande mit. Registriert habe ich es, weil mehrere gleichaltrige Leute aus meinem Umfeld, darunter durchaus gebildete, intelligente und anständige Menschen, von dem Buch als einem der lustigsten schwärmten, das sie seit langem gelesen hätten. Zu Weihnachten bekam ich es von einer lieben alten Freundin geschenkt. Am Wochenende habe ich es endlich zur Hand genommen und fühle mich zur zweiten Buchrezension binnen einer Woche genötigt.

Sonntag, 23. März 2014

Wann ist ein Haus ein Hohes Haus?


Roger Willemsens Buch über den Deutschen Bundestag in Zeiten der Alternativlosigkeit

(S. Fischer Verlag)
Von zwei Ausnahmen abgesehen, bin ich bislang davon verschont geblieben, mit der Justiz in Kontakt zu geraten. (Für den Rest meiner Lebenszeit darf das übrigens gern dabei bleiben.) Vor über zwanzig Jahren war ich Beklagter in einem absurden Zivilverfahren, das aber günstig für mich ausging, weil die Klage abgewiesen wurde. Vor fünfzehn Jahren dann war ich aufgefordert, in einem Zivilprozess als Zeuge auszusagen. In beiden Fällen übrigens ging es um banale Streitwerte infolge von Fahrradunfällen. Im ersten Fall erinnere ich mich noch gut an meine Verblüffung über den banalen Alltag der Rechtspflege hierzulande. Über die tiefe Kluft zwischen medialer Außendarstellung - Rechtsstaat! Rechtsstaat! - und kümmerlicher Realität. War ich naiv damals? Aber sicher.

Dienstag, 18. März 2014

Auch mal Ausnahmen machen


Schon vergessen? Der Mindestlohn kommt! Anfang 2017. Satte 8,50 Euronen pro Stunde, drunter macht's die SPD nicht. Zieht sie jetzt knallhart durch. Für uns alle. Supi! In solch gechichchts-, Verzeihung, kleines Trauma aus der Jugend, ich meine: geschichtsträchtigen Momenten sollte man aber auch die nicht vergessen, die diese sozialistische Gleichmacherei an den Bettelstab bringen wird: Die Deutsche WirtschaftTM. Weil aber auch Sozis ein Herz haben, gehen noch knapp drei Jahre ins Land, bis der Mindestlohn dann wirklich eingeführt wird.

Nicht nur kann während dieser Zeit Tante Inflation ihr segensreiches Werk tun und schon mal ein wenig am Reallohn sägen. Nein, es bleibt auch massig Zeit, sich eine Menge schlauer Gedanken zu machen darüber, wer alles unbedingt vom Mindestlohn ausgenommen werden muss und warum, damit es am Ende nicht noch Arbeitsplätze kostet.

Montag, 17. März 2014

Langer Marsch in die Irrelevanz


Nachdem es im letzten Beitrag gelungen ist, den Schleier wenigstens einen Spalt breit zu lüften von dem Mysterium, wer zum Teufel eigentlich diese so gespenstischen wie teuren Künstlerpuppen kauft, wenden wir uns heute einer weiteren großen Frage der Gegenwart zu. Zunehmend frage ich mich, wer eigentlich noch die Grünen wählt. Beziehungsweise, warum sie überhaupt noch jemand wählen sollte. Ich gebe zu, das hat ein wenig was von einer enttäuschten Liebe, denn sie waren mir früher einmal wirklich sympathisch. Vielleicht auch, weil sie ein bisschen anti Establishment waren. Man muss es ja sagen: Daran, dass diese Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten bunter, freier und toleranter geworden ist, haben sie einen gewissen Anteil. Mittlerweile aber scheinen sie auf direktem Weg in die Bedeutungslosigkeit, wenn nicht ein Wunder passiert.

Samstag, 15. März 2014

In der Vinylgeisterbahn


Wichtiger Hinweis: Das Anklicken der mit einem * versehenen Links erfolgt auf eigene Gefahr!

Vor vielen Jahren bin ich einmal bei einem dieser Shoppingsender hängen geblieben. Es lief gerade eine Sendung*, in der ein gewisser Günther Winter auf seine ganz eigene Weise diese gruseligen 'Künstlerpuppen' feilbot. Ich erinnere mich noch gut an meine Reaktion, die sich am ehesten beschreiben lässt als äußerst schwer zu definierende Mischung aus Heiterkeit, Unglauben, Befremdetsein und Reihernwollen. Von Zeit zu Zeit, da kommt es auch vor, dass man auch über eine dieser Werbeanzeigen stolpert, in denen die Teile angepriesen werden. Vor allem bei der Lektüre der Begleittexte muss zu größter Vorsicht geraten werden. Kann leicht passieren, dass man hinterher zur Pediküre muss, weil sich einem die Zehennägel nach oben gekräuselt haben. Lässt sich dann in der Regel nur mit schwerem Gerät wieder beheben.

Mittwoch, 12. März 2014

Hoeneß ist unschuldig - noch*


Wer weiß, vielleicht werde ich diese Petition ja auch zeichnen, die dazu aufruft, Uli Hoeneß aus seinem Amt als Präsident des FC Bayern zu entfernen. Sinnvoll finde ich sie schon. Nur werde einen Teufel tun, sie jetzt schon zu zeichnen. Wieso? Weil das ein Gebot der Fairness und der Rechtsstaatlichkeit ist. Und weil ich es nicht leiden kann, wenn Leute, die die Moral auf ihrer Seite wähnen, glauben, das Recht nach ihrem Gusto auslegen zu können. Ich mag das auch dann nicht, wenn es Leute praktizieren, die ansonsten fast immer meine volle Sympathie haben. Leider passiert gerade genau so etwas in Form der erwähnten Petition auf den NachDenkSeiten.

Montag, 10. März 2014

Öl ins Feuer


"In der Ukraine sieht das so aus: Die Bösen wollen das Land für ihren Staat, und die Guten wollen den Markt für ihre Wirtschaft und ihre Medien. Die Bösen drohen mit Soldaten, und die Guten locken mit Geld. Ihre Soldaten schicken die Guten lieber nach Afrika, weil das, wie Gerd Müller von der CSU im 'Morgenmagazin' sagt, schließlich ein 'Chancen- und Wachstumskontingent' ist. Da ist noch was zu holen, dafür bringen wir die Freiheit." (Georg Seeßlen)

Man darf davon ausgehen, dass nur wenige wirklich einen Krieg des Westens, also der NATO, wegen der Krim wollen. Zu denen, die es wirklich drauf ankommen lassen würden, gehören: Pro-westliche, von westlichen Marktradikalinskis und von superreichen Oligarchen geförderte Kräfte in der Ukraine, angeführt von Profiteuren wie der Gasmillionärin Julia Timoschenko und dem ehemaligen Preisboxer Vitali Klitschko. Die schrecken auch nicht davor zurück, sich notfalls zu Antisemiten und Faschisten ins Bett zu legen, gegen die Putins gelenkte Oligarchen-Geheimdienst-Demokratur sich ausnimmt wie ein Kindergeburtstag.

Freitag, 7. März 2014

Frau L. und ihr Leiden an der Gegenwart


In der Kunst und damit auch in der Literatur ist so ziemlich alles erlaubt. Wenn zum Beispiel ein Romanautor das Innenleben eines psychopathischen Massenmörders aus der Ich-Perspektive rekonstruieren will, dann ist das selbstverständlich legitim, weil unterschieden werden muss zwischen Erzähler- und Autoren-Ich. Dass diese Grenze längst nicht immer eindeutig zu ziehen ist, versteht sich von selbst, weshalb im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden ist. So war seinerzeit der Freispruch Jonathan Meeses, bei allen Bauchschmerzen, die man aus guten Gründen deswegen haben kann, im Sinne der Kunstfreiheit letztlich berechtigt, weil bei seinen Performances, die man mögen kann oder nicht, niemals wirklich klar ist, wer da gerade spricht.

Dienstag, 4. März 2014

Wir Gelähmten


Ben Carson hat es geschafft. Er ist ein international renommierter Neurochirurg und dazu noch Millionär. Und alles nur, weil seine Mutter sich damals geweigert hat, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen. Erst das Aufwachsen in bitterster Armut habe Carson mit jenem Willen ausgestattet, reich und berühmt zu werden. Moral von der Geschicht': Nur Armut macht am Ende reich, Sozialleistungen lassen die Armen arm bleiben. So jedenfalls wenn man Torsten Krauel glaubt, der uns mithilfe dieses gewiss repräsentativen Beispiels vor Augen führen will, wie sehr Deutschland mit seinen Verständnis von Sozialleistungen am Arsch ist.

Samstag, 1. März 2014

Mein Volksbegehren


Ein sonderlicher Partylöwe war ich nie. Und erst recht kein 'Clubgänger', wie die jungen Leute das heute ja nennen. Meine bisherigen Besuche in solchen Etablissements lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Was daran so toll sein soll, nach einer Gesichtskontrolle in finsterster Nacht in ein finsteres Verlies voller Aufgedonnerter eingelassen zu werden oder auch nicht, dort jene Nacht zum Tage zu machen, indem man grotesk zu endlosem, presslufthammerlautem Umz!-Umz!-Umz!-Gewummse herumzappelt oder betont lässig mit einem zu teuren Drink in der Hand an der Bar lehnt, dabei andauernd auf seine Lässigkeit zu achten und gleichzeitig abzuchecken hat, was so geht, war mir von jeher ein Rätsel. Muss ich auch nicht verstehen, so was. Und so lange solche Geisterbahnen in sorgsam verschlossenen Räumen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit veranstaltet werden, soll's mir herzlich egal sein.