Samstag, 31. Mai 2014

Neulich, im Asia-Laden


Vielleicht, Asiaten, seid ihr ja einfach cooler als wir Europäer. Vor allem wir Deutsche. Weniger verlogen. Schmerzfreier. Aufrichtiger. Der Gedanke befällt mich zuweilen, wenn ich im Asia-Markt meines Vertrauens Produkte wie diese sehe:

Donnerstag, 29. Mai 2014

Ein Luxusproblem?


Leser der Nachdenkseiten werden es zur Kenntnis genommen haben: Laut statistischem Bundesamt verzichtete 2012 zirka jeder fünfte Deutsche auf Urlaubsreisen, etwa ein Drittel musste größere Anschaffungen, wie etwa eine neue Wachmaschine, verschieben, weil das nötige Geld nicht da war. Nun kann man einwenden: Hey, wir haben schließlich Kapitalismus, pardon, marktkonforme Demokratie. Da kann halt nicht jeder gewinnen. Alles toll und normal. Es gibt eben kein Menschenrecht auf Luxus und damit auch nicht darauf, in Urlaub fahren zu können. Es ist doch nicht Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, nicht wahr?

Montag, 26. Mai 2014

Drei Fragen am Rande


Sagt mal, Politiker,

geht’s noch? Was ist denn in euch gefahren? Der Blitz beim Scheißen? Eigentlich hatte ich ja geglaubt, die Forderung, den morgendlichen Schulbeginn zu verschieben, wenn Deutschland bei der WM um 22:00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit spielt, sei auf dem Mist dieser hysterischen Supereltern gewachsen. Also denen, die grundsätzlich hochbegabten Nachwuchs in die Welt setzen, stillend die Latte-Macchiato-Läden des Landes flächendeckend verstopfen und glauben, mit dem Zeitpunkt der Geburt ihrer Thronfolger habe das Universum sich gefälligst ausschließlich um sie und ihre überzogenen Ansinnen zu drehen.

Samstag, 24. Mai 2014

Ach, Europa!


Eigentlich gibt es in Europa vieles, das es zu einem sehr lebenswerten Fleckchen Erde machen könnte. Schöne Gegenden, eine Menge meist durchaus ansehnliches altes Gerümpel, Kunst, Musik, Literatur, Geschichte, gute Küche und in einigen Gegenden einen höchst sympathischen Hang zum guten Leben nebst einer grundsätzlichen Aufgeschlossenheit für all diese schönen Dinge. Es könnte also alles so nett sein, wenn man in Europa nicht zunehmend in alte Gewohnheiten zurückfallen würde. Eines nämlich war dieses Europa nur ganz selten: Jene Insel des Friedens und der Humanität, zu dem es im Moment wieder einmal besonders heftig beschworen wird.

Dienstag, 20. Mai 2014

Bullshit Bingo selbst gemacht


Heute: Rechtspopulismus


Bauanleitung: Man öffne ein beliebiges handelsübliches Textverarbeitungsprogramm und lege in einem leeren Dokument eine Tabelle mit vier Spalten und vier Zeilen an. Dann verteile man nach dem Zufallsprinzip folgende Wörter auf die Tabelle:

Sonntag, 18. Mai 2014

Machen Sie doch mal ein Praktikum


Es ist klar, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn man mehreren Generationen von Jugendlichen über verschiedene Kanäle diverse Perfidien ins Hirn pflanzt. Zum Beispiel die, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben. Oder dass Erwerbsarbeit nicht etwa ein notwendiges Übel ist, das man halt auf sich nimmt, um an die nötigen Flocken für seinen Lebensunterhalt und eventuell ein paar Extras zu kommen, sondern eine Gnade, ein veritabler Lebensinhalt gar, für den man sich bis zum Anschlag zu verbiegen hat oder noch ein bisschen mehr. Oder dass Arbeitgeber nicht etwa Menschen sind, die mithilfe der Arbeit ihrer Angestellten Gewinne machen, sondern vielmehr große Wohltäter, die zu Nutz und Segen aller den Menschen 'Arbeit geben' und denen man deswegen jeden noch so absurden Wunsch zu erfüllen hat.

Freitag, 16. Mai 2014

Unter Säufern


Da haben wir's wieder einmal! Schwarz auf weiß. Die Deutschen sind unverbesserliche Saufnasen. Mehr als 11 Liter reinen Alkohols oder 500 Flaschen Bier kippt der mittelwertige Michel sich Jahr für Jahr hinter die Binde und damit doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. So heißt es in einem im 'Stern'  wiedergegebenen Bericht der WHO. Es steht also wieder einmal schlimm um Deutschland.

Zunächst zum Offensichtlichen. Den weltweiten Durchschnitt als Referenzgröße anzugeben, ist nicht nur willkürlich, sondern auch ziemlich sinnlos. Schließlich gibt es bekanntlich ganze Teile der Welt, in denen große Teile der Bevölkerung, meist aus religiösen Gründen, kaum oder gar keinen Alkohol trinken. Und wenn doch, dann geschieht das meist heimlich. Überhaupt: Wie sind die Zahlen erhoben worden? Es ist ein Unterschied, ob man medizinische Daten auswertet oder ob man einfach nur die Leute fragt. Ärzte wissen, dass bei kaum etwas so dreist gelogen wird wie bei der Frage, wie viel man so trönke. Vermutlich wird im WHO-Report auf solche methodischen Frage eingegangen, in den Medien wird gern darauf verzichtet.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Opfer der Globalisierung


Wenn der türkische Premier Erdogan angesichts der Katastrophe im Kohlebergwerk von Soma, bei der bislang über 200 Kumpel ihr Leben verloren haben, meint, solche Unglücke hätte es auch im 19. Jahrhundert in England gegeben, dann handelt es sich damit zwar um das steindümmste Nichtargument aller Dumpfkonservativen, aber der Mann hat im Prinzip recht. (Übrigens war das nicht nur England so, sondern überall, wo in Europa zu der Zeit Kohle abgebaut wurde. Das am Rande.) Was er verschweigt: Wenngleich es in einem nach wie vor gefährlichen Branche wie dem Bergbau niemals einhundertprozentige Sicherheit geben kann, müsste so was heute nicht mehr sein, wenn man auf moderne Technik setzt. Die aber kostet Geld. Und hebt damit den Preis für die Tonne Kohle. Wir haben schließlich Globalisierung.

Montag, 12. Mai 2014

Geräuschmuseen, sinnlich


Geht das? Werd ich es noch erleben, Sweetheart? Kriegt man das hin? In Deutschland einem Sonntagnachmittag verbringen zu können, ohne irgendwo was auf die Ohren zu bekommen? Leidet die Welt an einem kollektiven akustischen horror vacui? Als würde es nicht reichen, dass für diesen jung gebliebenen Besserverdiener aus der Gegend ein Sonntag offenbar kein Sonntag ist, wenn er nicht mindestens zwanzig Mal die Straße, an der ich wohne, mit seiner Harley rauf- und runterbollert, dass die Tassen im Schrank klappern, nein. Auch Museen, früher einmal Stätten der kontemplativen Ruhe, sind längst nicht mehr sicher vor den Geräuschemachern. Denn Radau gehört inzwischen immer öfter zum Konzept.

Samstag, 10. Mai 2014

¡Vamos, Conchita!


"It's now very common to hear people say, 'I'm rather offended by that.', as if that gives them certain rights. It's no more than a whine. It has no meaning; it has no purpose; it has no reason to be respected as a phrase. 'I'm offended by that.' Well, so fucking what?" (Stephen Fry)

Obwohl mir die Idee, einen ganzen Kontinent einen Abend lang in einem friedlichen musikalischen Wettstreit zu vereinen, grundsätzlich nicht unsympathisch ist, geht der Eurovision Song Contest mir normalerweise irgendwo vorbei. Das, was da mehrheitlich auf der Bühne veranstaltet wird, ist musikalisch nicht so meins. Sich an gröligem Partypatriotismus zu besaufen, bekanntlich noch weniger. Dennoch habe ich mich den letzten Jahren dann und wann überreden lassen, im Garten einer lieben Freundin an ESC-Grillpartys teilzunehmen. Habe da keine Berührungsängste. Außerdem wirkten die vorhandenen Speisen und Getränke eventuell aufkeimender Langeweile immer sehr effektiv entgegen. Dieses Jahr wird’s wohl nichts damit - das Wetter!

Mittwoch, 7. Mai 2014

1982 - der Sündenfall


Anfang der Achtziger war eine Mehrheit der europäischen Öffentlichkeit sich einig darüber, dass Krieg als Mittel der Politik ausgedient hatte. Die Friedensbewegung dominierte große Teile des politischen Diskurses. In Deutschland kamen die Grünen erstmals in den Bundestag, Kanzler Schmidt stürzte am Ende über den NATO-Doppelbeschluss. Es schien klar, dass der nächste Krieg im Zeitalter des aberwitzigen Rüstungswettlaufs der Supermächte und des nuklearen Overkills ein totaler und entgrenzter werden könnte, der das Ende der Menschheit bedeutet hätte. Überdies trugen die Amerikaner noch an ihrem Vietnam-Trauma, das sie zurückschrecken ließ, ihre Truppen in Kampfeinsätze zu schicken.

Sonntag, 4. Mai 2014

Zweischneidige Schwerter


Die überraschende Karriere der Jack Monroe

In diesem Land gäbe es keine Armut, heißt es. Kochbücher oder Rezeptsammlungen im Netz, die zeigen, wie man sich auch mit sehr wenig Geld, schlimmstenfalls dem Hartz-IV-Regelsatz, gesund und ausgewogen ernähren kann, können daher ein überaus zweischneidiges Schwert sein. Auf der einen Seite vermögen sie wirklich Ideen zu liefern, um Geld zu sparen. Es wird in der Tat zu vieles verschwendet und oft wird unnötig teuer eingekauft. Jede Hilfe ist da willkommen. Auf der anderen Seite bescheren sie denjenigen, die alles streng materiell sehen und meinen, Armut gäbe es überhaupt nicht und wenn doch, dann sei sie eben selbst verschuldet, einen gern genommenen Vorwand, um sagen zu können: Na siehste, geht doch. Niemand muss hungern, alles eine Frage von Köpfchen und etwas gutem Willen zur Sparsamkeit.