Montag, 30. Juni 2014

Unterwältigt und genervt


Selbst schuld, ich hätte es wissen können. Nein, wissen müssen hätte ich es. Schließlich habe ich die Erfahrung schon gemacht. Extraschicht bei schönem Wetter kann toll sein, Extraschicht bei schlechtem Wetter ist Mist, immer. Habe mich trotzdem breitschlagen lassen mal wieder. Bin weich geworden, weil es Menschen gibt, die einem, wenn man es wagt, abzusagen, ihnen somit seine Gesellschaft für den Abend zu verweigern, die tellergroßen, tränenumflorten Kuhaugen zeigen und menschlich ganz doll enttäuscht sind. Also dackelte ich mit durch den Nieselregen, der zum Glück irgendwann aufhörte. Weil mein Idol Albert Schweitzer ist und mein Hobby Gutes tun.

Samstag, 28. Juni 2014

Vorrundenbilanz und kleine Presseschau


So, die Gruppenphase, die mit bis zu vier Spielen pro Tag auch beim ärgsten Fußballfan gewisse Ermüdungserscheinungen hervorzurufen vermochte, wäre überstanden und die Achtelfinals stehen an. Jetzt geht’s also richtig los, ohne Punkterechnerei, hopp oder topp. Zeit also für eine erste Zwischenbilanz, zumal ich mich ja letztens ein wenig festgelegt habe.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Leuchtturm der Bildungsrepublik


Der spanische Lehrer Pablo Pineda ist der erste Europäer mit Down-Syndrom, der einen Hochschulabschluss hat. Bekannt geworden ist er auch wegen seines schauspielerischen und komischen Talents durch den biografischen Film 'Mee too – wer will schon normal sein?', in dem er selbst die Hauptrolle spielte.

Nun gibt es Menschen, denen die Vorstellung, auch ihr Nachwuchs könnte eines Tages von einem Behinderten unterrichtet werden, ganz und gar nicht behagt. Einer von ihnen ist Thomas Hartung, pardon, so viel Zeit muss sein: Doktor Thomas Hartung (52), Diplom-Pädagoge, Dozent für Journalistik und Medienproduktion an der TU Dresden und rein zufällig noch Vizevorsitzender der sächsischen AfD, jener chronisch missverstandenen politischen Vereinigung, die schließlich nichts für ihre Anhänger und Sympathisanten kann. Via Twitter wrang Hartung zum Fall Pineda sich folgende Verlautbarungen aus der Runkel:

Montag, 23. Juni 2014

Leseempfehlungen


Zu viel Fußball und anderes im Augenblick. Daher nur ein Paar Lesetipps.

Eigentlich überflüssig zu sagen, dass ich nicht wirklich ein Anhänger von Peter Gauweiler (CSU) bin. Vieles von dem, was er vertritt und für das er eintritt, liegt alles andere als auf meiner Linie, bewegt sich sogar entgegengesetzt dazu. Unbedingt zu respektieren aber ist meiner Meinung nach seine für die politische Klasse eher unübliche Bereitschaft, Parteigrenzen Parteigrenzen sein zu lassen, wenn die Sache es erfordert. So schloss er sich zum Beispiel 2013 gemeinsam mit vier anderen Abgeordneten dem Antrag der Linken im Bundestag gegen die Privatisierung der Wasserversorgung an.

Freitag, 20. Juni 2014

Kabinenwanzen


2003 sind wir ja bekanntlich erstmals Weltmeister geworden. Genauer gesagt, die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. Ein kleiner Denkanstoß fürs Wochenende: Wie wären wohl die Reaktionen ausgefallen, was hätte der politische Gegner gesagt, wenn Kanzler Schröder sich damals in ähnlicher Weise zu den Damen in die Umkleide gedrängelt hätte wie das seine Nachfolgerin bei den Männern tut? Man weiß es natürlich nicht, aber ich vermute, der Vorwurf, er sei ein schlabbriger alter Saftsack, der sich nicht nur am Anblick junger, trainierter weiblicher Hardbodies ergehen, sondern das auch noch schamlos politisch ausnutzen wolle, dürfte hier und da zumindest im Raum gestanden sein. Das muss dieses berühmte Genderdings sein. Außerdem gab es damals noch so was wie einen politischen Gegner.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Lord Helmchen on the road


Als es zu Beginn der Neunziger, kurz nach der Wiedervereinigung, zu einer Reihe rassistisch motivierter Gewalttaten kam, vornehmlich an Asylbewerbern und nicht selten mit Todesfolge, da bewies die 'Titanic', dass sie nicht nur Kuschelwitze a'la 'Zonen-Gabi' draufhatte. 'Endlich handelt Bonn – Helmpflicht für Ausländer', ätzten die Frankfurter und fingen damit das hilflose, unsensible Herumeiern der Bonner Politik besser ein als viele Druckseiten voll geschliffen geschriebener Essays. Zudem war das ein schöner Seitenhieb auf eine politische Klasse, die, anstatt etwas zu unternehmen, Schutzmaßnahmen lieber in die Verantwortung des Einzelnen stellt. Ist schließlich billiger.

Sonntag, 15. Juni 2014

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (4)


Obwohl dem Fußball durchaus zugetan, frage ich mich bekanntlich schon des Längeren, was Leute dazu treibt, anlässlich von Fußball-Welt- und Europameisterschaften ihre Autos mit diesen über die Maßen albernen Devotionalien in Landesfarben zu behängen wie nicht gescheit. Eigentlich wollte ich mich zu dieser Unsitte ja nicht mehr weiter äußern, denn ich glaubte, alles Nötige gesagt zu haben. Überflüssig zu sagen, dass ich eher meine rechte Hand in einen mit Volldampf laufenden Häcksler hielte, als meinem Auto so was anzutun. Wie dem auch sei, seit gestern weiß ich, was Menschen so tief sinken lässt. Es ist nicht etwa Patriotismus, wie man vielleicht meinen sollte, weit gefehlt! Es ist vielmehr weibliche List und Tücke, es sind jene Waffen der Frauen, gegen die kein entsprechend veranlagter Mann mit einem schlagenden Herzen in der Brust etwas auszurichten vermag.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Lasset das Ausblenden beginnen!


So, das Bier kaltgestellt, den Grill angeworfen, alle, die lächerliche Fanartikel am Körper tragen und auf einmal zu großen Fans mutieren, des Umfeldes verwiesen, das Gehabe der FIFA-Bonzen gnädig ignoriert - es geht lo-hos! Wie immer die große Frage: Wer wird es denn nun? Im festen Bewusstsein, dass Tipps eigentlich nie eintreten, lege ich mich dennoch mal ein wenig fest:

Dienstag, 10. Juni 2014

The Day After


Ein wenig Katastrophentourismus

Zugegeben, ich hatte mir bei dem ekelhaft schwülheißen Wetter gestern schon ein Gewitter herbeigewünscht, aber was dann kam, habe ich bestimmt nicht gewollt. Dagegen war Genosse Kyrill, der Anfang 2007 immerhin den Münsteraner Schlossplatz komplett abgeholzt hat, ein laues Lüftchen. Witzig ist das aber in der Tat nicht, sechs Tote sind bislang für NRW bestätigt worden, dazu etliche Leicht- und Schwerverletzte. Zum Glück konnte das Pfingst-Openair in Essen-Werden noch rechtzeitig evakuiert werden. Nicht auszudenken, wenn das nicht geklappt hätte.

Hier in der Stadt geht überhaupt nichts mehr. Keine Busse, keine Bahn und auf allen Straßen geht es zu wie auf der A7 am ersten Ferienwochenende. Trotz des Verkehrschaos tragen die Autofahrer es mit Fassung. Von ein paar Vollhonks abgesehen, verbreitet kaum jemand aggressive Stimmung. Ein Freund arbeitet bei der örtlichen Stadtreinigung. Jeder, der über zwei gesunde Hände verfügt, hat eine Kettensäge in die Hand gedrückt bekommen. Nicht zu beneiden, die Jungs. Ein gnädiges Schicksal hat dafür gesorgt, dass ich heute frei habe, also habe ich mich aufs Fahrrad geschwungen und ein paar der Schäden im unmittelbaren Umkreis per Handykamera dokumentiert.

Ganz wohl ist mir übrigens nicht dabei, das online zu stellen. Ich mache das einfach mal, frage mich aber schon, ob das nicht Voyeurismus bzw. Katastrophentourismus ist, vor allem beim Gedanken an die Toten und Verletzten in der Region. Andererseits vielleicht Chronistenpficht, denn so einen Flurschaden habe ich hier in der Gegend noch nie erlebt.

Samstag, 7. Juni 2014

Ausblenden ist alles


Mit dem Fußball ist es wie mit allen schönen Dingen, die irgendwann von Geschäftemachern zum Produkt geadelt werden, das es möglichst gewinnbringend zu verkaufen gilt. Es wird größer, härter, bunter, marktschreierischer und es zieht Korrupte an wie das Licht die Motten. Die FIFA war bis in die Achtziger eine größtenteils namenlose Ansammlung älterer Herren, die vielleicht käuflich waren, aber wenigstens nicht weiter störten. Man veranstaltete alle vier Jahre eine WM, schraubte gelegentlich ein wenig am Regelwerk herum und der Präsident saß beim Eröffnungs- und Endspiel auf der Ehrentribüne neben dem Staatsoberhaupt, um die Spiele für eröffnet zu erklären. Ansonsten begegnete einem der Verein noch in Sportgeschäften, wenn offizielle FIFA-Bälle feilgeboten wurden.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Venedig sehen - nö!


Die Urlaubszeit dräut mal wieder, aber unabhängig von meinen finanziellen Möglichkeiten, steht für mich eines fest: Nach Venedig will ich nicht. Stimmt eigentlich nicht ganz, denn neugierig bin ich schon. Soll ja eine sehr schöne Stadt sein. Eine der schönsten überhaupt, sagt man. La Serenissima, Venedig sehen und sterben und so. Gut, das ist Geschmackssache, Mehrheitsmeinung. Außerdem würde ich gern noch ein wenig weiter leben. Aber was man so auf Bildern sehen kann, sieht schon recht reizvoll aus. Trotzdem mag ich nicht hin. Unter anderem, weil die Venezianer mir leid tun. Und weil ich im Urlaub besseres zu tun habe als mich durch Menschenmassen zu quälen.

Montag, 2. Juni 2014

Mittags. Pause am Rande des Ruhrpotts


Oder besser: Mein Problem mit Kantinen

Er nun wieder. Der Kiezneurotiker ist schuld, dieser Berliner Motzkopp. Hat mich auf den Trichter gebracht. Friederike Kroitzsch hat auf ihrem LandLebenBlog zu einer Blogparade eingeladen. Wer möchte, kann ihr bis zum 27. Juni ein Foto mailen (oder mehrere), das etwas darüber erzählt, wie man seine Mittagspause verbringt und ein paar Zeilen dazu schreiben. Schöne Idee, wie ich finde. Mache ich gern mit. Wer selbst einen Blog hat, ist eingeladen, etwas darüber zu schreiben, das dann bei ihr verlinkt wird. Auch eine schöne Idee. Da mache ich doch auch mit.

Ein Mittagesser bin ich schon lange nicht mehr. Zwar esse ich gern gut, aber dummerweise pflege ich nach einer ordentlichen Mahlzeit für längere Zeit in eine Art Fresskoma zu fallen. Muss ich nicht haben. Kann daran liegen, dass mein Organismus eher auf Nachteule gepolt ist. Wenn es im Sommer heiß ist, käme ich erst recht nicht auf die Idee, mir in der Mittagshitze noch etwas Warmes einzupfeifen. Normalerweise frühstücke ich solide, esse abends in aller Ruhe warm und rette mich mittags mit etwas Mitgebrachtem über den Tag. Mögen Ernährungsexperten meinetwegen rummoppern, aber so funktioniert's für mich nun einmal am besten.