Sonntag, 31. August 2014

Zur Verteidigung des Trolleykoffers


Zum Abschluss der Urlaubssaison eine kleine Apologie

Rollkoffer, auch Trolleys genannt, haben einen schlechten Ruf. Die Teile sind während der letzten Jahre zum Standardaccessoire jener Schlips-, Kragen- und Kostümbratzen geworden, die die ICEs und Flugzeuge dieser Welt in Legionsstärke bevölkern und die Nerven ihrer Umwelt nicht selten mit ihrem penetranten Wichtigsein maximalst strapazieren. Auch das Geräusch, mit dem er verzweifelt Schlaf suchende Anwohner von selbigem abhält, wenn er nächtens von vom Wochenendtrip heimkehrenden Partytouristen über das Katzenkopfpflaster Berliner In-Kieze gezerrt wird, ist für den Leumund des Trolleys nicht gerade hilfreich. Wer mit Trolley unterwegs ist, gilt entweder als karrierefixierter Schweinekapitalist oder als asozialer Ruhestörer.

Donnerstag, 28. August 2014

Bekämpfen und beherbergen


Wie immer gilt es, schleunigst Deckung zu suchen, wenn Deutsche sich Gedanken darüber machen, wie mit Ausländern umzugehen ist. Ein noch tieferes Loch zum Verkriechen sollte man sich buddeln, wenn die hiesige Politik dem deutschen Michel mithilfe von Ausländern Angst machen will.

In den frühen Neunzigern begann man zunächst an Asylbewerbern das vorzuexerzieren, was man später auf die ganze Gesellschaft ausdehnte: Penibel zu unterscheiden zwischen nützlich und unnütz im Sinne wirtschaftlicher Wertschöpfung. Nützliche Ausländer sind zum Beispiel indische IT-Experten und andere Hochqualifizierte, die den Standort voranbringen und die man mit einer Art Greencard ins Land locken wollte. Am unteren Ende stehen so genannte Wirtschaftsflüchtlinge. Die kommen, heißt es, allein aus niederen Motiven angeschissen. Wollen bloß Stütze abgreifen und sich hier einen lauen Lenz machen. Von unseren Steuergeldern! Anstrengungsloser Wohlstand eben.

Dienstag, 26. August 2014

Promis on the rocks


Grundsätzlich ist es ja schön, wenn die Initiatoren einer Spendenkampagne neue und originelle Wege beschreiten, um an möglichst viel Geld zu kommen. Ein Beispiel ist die ALS Ice Bucket Challenge, die seit einiger Zeit durchs Netz geistert. Es sollen Spenden gesammelt werden für Erforschung und Bekämpfung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer irreversiblen Nervenerkrankung, die so gut wie nicht zu behandeln ist und in der Regel tödlich verläuft (prominentestes Todesopfer in Deutschland ist der 2007 verstorbene Maler Jörg Immendorff). Ein seriöser und guter Zweck, gar keine Frage.

Sonntag, 24. August 2014

Sendungsbewusst und von sich ergriffen


Gewiss, Typen, die vor Dummheit nur so stinken, die permanent auf Opiaten sein müssten, wenn Dummheit weh täte, weil sie sich sonst die ganze Zeit vor Schmerzen auf dem Boden wänden und sich auch keine Hemmungen auferlegen, die Welt daran teilhaben zu lassen, sind ärgerlich. Zwar gelten Jähzorn und Rachsucht als schwere Sünden, doch ist es selbstredend verzeihlich, wenn jemand Gewaltphantasien bekommt, der es mit einem dieser Intelligenz- und Empathieallergiker zusammentrifft - so lange es bei Phantasien bleibt, versteht sich. Doch so nervig solche Typen sein können, sie stechen vielleicht am unangenehmsten ins Auge, sind aber nicht das größte Problem. Man kann ja bekanntlich auf viele verschiedene Arten Unterschicht sein.

Donnerstag, 21. August 2014

Die ganze Wahrheit - jetzt rede ich!


Nach gängiger Auffassung könnte das Folgende für Minderjährige eventuell nicht geeignet sein. Darauf hinzuweisen, ist übrigens eine sehr sinnreiche Vorsichtsmaßnahme in Zeiten von Youporn et al., wie ich finde. Nettere Blogger, also weniger schlimme Finger als ich, würden hier auch eine Triggerwarnung platzieren, aber warum sollte ich? Unsere Qualitätspresse tut sich diesbezüglich schließlich auch keinen Zwang an. Trotzdem: Klicken Sie nur auf "Weiter lesen", wenn Sie sicher sind, dass Sie über 18, moralisch gefestigt und schwer zu schocken sind. Sollten Sie eine Frau sein, dann halten Sie sicherheitshalber einen Eimer Eiswasser bereit, um die Begierde, die Sie fast zwangsläufig überkommen wird, halbwegs im Zaume zu halten. Und legen Sie um Himmels Willen etwas Saugfähiges auf den Stuhl. Sie wurden gewarnt!

Mittwoch, 20. August 2014

Zu Risiken und Nebenwirkungen


Gut, das ist schon eine Weile her, aber ich war ja auch ein paar Tage raus aus dem Geschäft. Manchmal, da fragt man sich mit Max Uthoff tatsächlich, welche Medikamente eigentlich in gewissen Kreisen so gereicht werden. Oder bei bestimmten Parteien. Wenn ich mir zum Beispiel die Wirkung der Präparate anschaue, die man sich offenbar in der SPD-Zentrale einwirft, dann will ich unbedingt auch was davon. Einen solchen Katapultstart aus dem irdischen Jammertal und seinen unbequemen Realitäten in eine andere Umlaufbahn bekommt man normalerweise nämlich auch mit den hochprozentigsten Spirituosen nicht zustande.

Sonntag, 17. August 2014

Reiseimpressionen (2)


Dachau

Wer nach Dachau kommt, will meist zur KZ-Gedenkstätte. Damit haben die Bewohner der Stadt sich inzwischen arrangiert. Sie ist weiträumig ausgeschildert, wie es im Verkehrsfunk immer heißt. Vor knapp 25 Jahren war ich schon einmal dort. Ein ehemaliger Schulfreund studierte damals in München und als ich ihn dort besuchte, sind wir mit der S-Bahn da hin gefahren. Es war ein trüber Wintertag, der Wind pfiff über das verlassene, weitläufige, verschneite Areal, auf dem wir fast die einzigen Besucher waren und die Krähen krächzten dazu. Die erhaltenen Gebäude waren so grau wie der Himmel und die Farbe blätterte ab. Die Ausstellung im Haupthaus war bescheiden und sah aus, als sei sie seit den Sechzigern nicht mehr überarbeitet worden. Trotzdem, die stille, ein wenig unheimliche Atmosphäre hat sich mir nachhaltig eingeprägt.

Reiseimpressionen (1)


Salzburg

Markartsteg, Fußgängerbrücke über die Salzach. Beim Bau haben sie damals einen Riesenfehler gemacht und für das Geländer eine Art Maschendrahtzaun verwendet. Nun konnten die Planer damals auch nicht ahnen, dass die Kombination Brücke plus gemeinhin als romantisch geltendes Ambiente von verliebten jungen Menschen irgendwann dafür genutzt werden würde, ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen, indem sie namentlich gravierte oder bemalte Vorhängeschlösser an Brückengeländer hängen und den Schlüssel in den Fluss werfen. In Paris ächzen viele Brücken mittlerweile derart unter dem tonnenschweren Ballast, dass die eine oder andere einzustürzen droht und die Stadtverwaltung an die Vernunft des über alle Ohren verliebten Jungvolks appelliert. Man kann nur viel Erfolg wünschen.

Samstag, 9. August 2014

Wenn alles Hochkultur wird


Heute: Bier und Fritten

Wein hin oder her, ein gutes Bier ist was Schönes. Leider haben viele deutsche Brauer unter dem Deckmäntelchen des Reinheitsgebotes viel zu lange alles dem Massengeschmack geopfert und die Märkte mit traurigen 08/15-Gesöffen überflutet. Von denen kann man nicht wenige nur mehr als leicht alkoholische Erfrischungsgetränke mit dezentem Bieraroma bezeichnen, will man Sensorik und Semantik nicht allzu viel Gewalt antun. Was meinen häuslichen Konsum angeht, unterstütze ich schon seit langem keine dieser Monsterbrauereien mehr, sondern habe Regionales aus einem Familienbetrieb da. Nichts Großartiges, aber ein ehrliches Helles, das nur 30 Kilometer entfernt gebraut wird und zudem deutlich günstiger ist als fast alles, das 'Premium' sich schimpft

Mittwoch, 6. August 2014

Wenn Schützen sich schützen


Angenommen, direkt vor den Toren einer Kleinstadt, sagen wir im Sauerland, soll ein großes Einkaufszentrum gebaut werden. Um Kaufkraft in die Region zu locken, wie es bei so was immer heißt. Nehmen wir weiter an, in der Innenstadt gäbe es noch zehn Einzelhändler. Bäcker, Metzger, Buchhandlung, Schreibwaren, Blumenladen und was es noch so gibt. Die sind mit den Plänen verständlicherweise nicht einverstanden und gründen einen Verein. Um auf ihre Bedenken aufmerksam zu machen, um gemeinsame Aktionen zu planen, nach außen mit einer Stimme zu sprechen und so weiter. Klar, dass das der Firma, die den Shoppingtempel bauen will, nicht passt. Kann schon unangenehm werden, so ein Verein. Besteht aus alt eingesessenen Bürgern und kann die Stimmung negativ beeinflussen.

Montag, 4. August 2014

Nur Bares ist Wahres


Ich liebe dieses visionäre Nerd-Gerede. Diese Typen, die irgendeine neue Technik im Gepäck haben und deshalb herumtönen, dieses oder jenes werde ob dieser genialen Erfindung definitiv demnächst aussterben. Gern erinnert man sich da zum Beispiel an die Prophezeihung, die Vernetzung von Computern würde unsere Büros ganz bald schon völlig papierlos machen. Selten so gelacht! Jetzt meint James Barrese, seines Zeichens Technologievorstand bei PayPal, in einem Interview, das Bargeld sei am Arsch und völlig zu recht auf dem Rückzug. Es sei unpraktisch und vor allem unhygienisch, bargeldlos sei viel bequemer. Sein Fazit: Nur Freaks halten noch am Bargeld fest.

Samstag, 2. August 2014

Meine Suppe ess' ich nicht!


Was für seltsame Leute manche Menschen doch um sich haben. Zumindest, was das Essen angeht. Berlin zum Beispiel scheint inzwischen bevölkert zu sein von Mimosen und Suppenkaspern, die Gastgeber und Restaurantbetreiber reihenweise mit ihren diversen Pingeligkeiten in den Wahnsinn treiben. Die Tagesspiegel-Kolumnistin Julia Prosinger jedenfalls scheint dem Wahnsinn inzwischen recht nahe: