Sonntag, 30. November 2014

Sie tun es wieder!


Allem Antiamerikanismus zum Trotze, hat 'Star Wars' mich damals durch einen Teil meiner Kindheit und Jugend begleitet. Mehr noch: Eine Zeit lang beherrschte die Weltraumsaga förmlich meine Phantasie. Einmal ein edler Ritter sein wie Luke Skywalker! Dieses unter der Ägide weiser, gütiger Lehrer wie Obi-Wan Kenobi und Yoda vom jugendlichen Feuerkopf zum Zen-Meister gereifte Pilotenwunderkind. Einmal eine coole Sau und ein Draufgänger sein wie Han Solo, der noch auf dem Schafott mit der Schlinge um den Hals einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und am Ende die Prinzessin bekommt, die ihr mönchischer Bruder nur ganz asexuell retten durfte.

Freitag, 28. November 2014

Kein Grund zur Arroganz


Vor etwa zwanzig Jahren war ich in vieler Hinsicht antiamerikanisch eingestellt. Klar, ich wusste einiges, was so über den Großen Teich kam, durchaus zu schätzen. Etliches an Filmen und Literatur hatte schon meinen Respekt, aber bei vielem anderen war ich doch sehr dünkelhaft. So hätte ich vor gut zwanzig Jahren bei der Nachricht, dass nicht zum ersten Mal ein schwarzen Jugendlicher von einem weißen Polizisten mal eben auf Verdacht erschossen wurde, nach der ersten Reaktion ("Oh Gott, der arme Kerl!") bloß verächtlich geschnaubt. Tsss, Amerikaner! Dieses Land konnte man einfach nicht ernst nehmen als Europäer. Solcher Hochmut rächt sich, das ist mir erst später klar geworden. Vielleicht auch eine Frage des Alters. Aber die Amis lieferten einfach jede Menge.

Dienstag, 25. November 2014

Freaky Friday


Ach, 'Freitag'! Ich hatte dich immer für einen kleinen Lichtblick gehalten im trüben Einerlei des hiesigen Qualitätspressewesens, in dem Qualität nicht selten von quälen kommt, und zwar den Leser. Eine Insel des Geistes, der Recherche und des kritischen Denkens. Wo Leser ernst genommen werden und Propaganda eher kritisch hinterfragt denn betrieben wird. Eine Art Einäugige unter den Fastblinden. Aber was muss ich denn da jetzt lesen?

Sonntag, 23. November 2014

Lauf der Dinge


Aus, vorbei. Die kleine Bäckereifiliale nebenan ist ziemlich überraschend geschlossen worden. Die nächste ist über einen Kilometer entfernt. Ursprünglich war sie an einen Discounter angeschlossen. Als der vor zwei Jahren umzog und sich kein Nachmieter fand, ging es wohl bergab. Funktioniert heute einfach nicht mehr, zu wenig Laufkundschaft. Und, klar, die Konkurrenz der Backstationen in den Supermärkten, in denen Teiglinge aufgebacken werden und ein Brötchen die Hälfte kostet, wird immer stärker. Wieder geht ein Stück Vertrautes, denn so lange ich da wohne, gab es diesen Laden. Tempi passati.

Samstag, 22. November 2014

Mr Pickup im Anmarsch


Es ist ein schwer auszurottendes Missverständnis, dass die Befreiung unserer Sexualität in die allgemeine, frisch-fromm-fröhliche freie Liebe geführt hat. Sie hat lediglich neue Zumutungen geschaffen, die es zuvor so nicht gegeben hat. Michel Houellebecq hat schon 1994 scharfsichtig erkannt, dass es sich mit einer weitgehend liberalisierten Sexualität in etwa so verhält wie mit einer weitgehend liberalisierten Wirtschaft: Sie schafft Gewinner und Verlierer. Gewinner profitieren von der Lockerung moralischer Standards, indem sie eine Menge Spaß und Abwechslung haben können, ohne deswegen gesellschaftlich geächtet zu sein. Verlierer bleiben auf der Strecke, manchmal ein Leben lang, und bekommen von einer Begehrten allenfalls das Kompliment zu hören, ein echt netter Kerl zu sein. So was kann auf Dauer frustrieren.

Mittwoch, 19. November 2014

Wutbürgerlicher Checker


Gestern referierte Ulrike Herrmann von der taz in der hiesigen evangelischen Akademie über TTIP und CETA. Der Eintritt war frei, man bat bloß um eine Spende. Also Hintern hoch und hin. Präsenz zeigen, informieren, gegebenenfalls eine weitere Petition zeichnen gegen die geplante globale Konzernokratie. Mag nicht viel sein so eine Veranstaltung, aber immer bloß Sesselfurzen und hinterher meckern bringt erst recht nichts. Außerdem schätze ich Frau Herrmanns Arbeit und ein voller Saal ist auch ein Zeichen der Wertschätzung. Zudem bei solchen Gelegenheiten möglicherweise was zu lernen gibt und man eventuell auf Gleichgesinnte trifft. Das Gefühl, nicht allein dazustehen, kann wärmen.

Montag, 17. November 2014

Geschichtsvergessenheit als Staatsraison


Normalerweise neige ich nicht dazu, der endlosen Amtszeit des ewigen Einheitskanzlers Kohl übermäßig hinterherzutrauern, dafür war der Fremdschamfaktor zuweilen einfach zu hoch. Dauernd schien bei dem mächtigen Pfälzer irgendwo ein Mantel der 'Gechichte' zu wehen. In einer Tour auf die historische Dimension von irgendwas zu verweisen, ist eine unter Historikern verbreitete Berufskrankheit, die normalerweise dazu führt, dass Gesprächspartner irgendwann genervt die Augen verdrehen. Immerhin musste man Kohl lassen, dass er immerhin noch über so was wie Gechichtsbewusstsein verfügte. Dass das andere Extrem nämlich keineswegs erfreulicher ist, offenbarte gestern Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Freitag, 14. November 2014

Hört auf, meine Sachen zu verscherbeln!


Immer wenn öffentliche Haushalte aushungern, wird nach privaten Investoren gerufen, die frisches Kapital bringen sollen. Man wandelt ehemals staatliche Firmen in privatwirtschaftliche um, um sie dann zu verkaufen. Auch anderer öffentlicher Besitz wird privatisiert, zum Beispiel, indem man kommunale Grundstücke verkauft. Oder man verhökert gleich das Tafelsilber. So jetzt geschehen im Fall zweier Warhol-Bilder aus dem Aachener Casino der Westspiel GmbH, die sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen befindet. Die Werke waren in den Siebzigern für 185.000 und 204.000 Mark zu Dekorationszwecken angeschafft worden. Inzwischen hat ihr Wert sich vervielfacht.

Dienstag, 11. November 2014

Da geht was!


Kartoffelchips meide ich normalerweise. Nicht, weil ich sie nicht mag, sondern weil ich sie zu sehr mag. Einmal angefangen, kann ich meist nicht aufhören und schwuppdiwupp ist die ganze Tüte leer. Ich bin weiß Gott kein manischer Kalorienzähler, aber so eine große Tüte Chips hat leider nun einmal einen Energiegehalt wie ein frischer Uranstab und man muss ja nicht alles übertreiben. So habe ich nur welche im Haus, wenn ich mal ein paar Leute einlade. Eine Ausnahme von der Regel gibt es: Wenn ich in einer Stadt bin, in der englische Lebensmittel zu haben sind, sehe ich zu, dass ich einen großen Sack Walker's bekomme. Am liebsten die heilige Dreieinigkeit der Klassiker: Salted, Cheese & Onion, Salt & Vinegar.

Samstag, 8. November 2014

Opa Drachentöter


Es ist verbreitet und geht selbstverständlich völlig in Ordnung, ein Lebensthema zu haben und sich daran abzuarbeiten. Haben viele. Nur sollte man sich einen klaren Blick für die Dinge bewahren und nicht verkrampfen dabei. Bekommt man nämlich vor lauter Abarbeiten nicht mehr mit, dass die Welt sich weiterdreht, kann es überaus peinlich werden. Wie peinlich das werden kann, offenbarte Wolf Biermanns gestriger Auftritt vor dem Bundestag. Wer in den Achtzigern in Westdeutschland aufwuchs, erlebte Biermann als eine Art hauptberuflichen Ausgebürgerten, der sich vom Establishment als Paradeflüchtling herumreichen ließ. Sieh her, Bevölkerung der freien Welt! So geht man in dem Land, dessen Namen wir nicht nennen und das wir deswegen in Anführungsstriche setzen, mit Künstlern um.

Donnerstag, 6. November 2014

Schlechtes Timing


Den vorläufigen Niveaulimbo-Rekord in Bezug auf den GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky haben zweifellos Springers Vierbuchstabenblatt ("Bahnsinniger") und die Info-Eliten-Fakten-Gazette FOCUS ("Streikführer") aufgestellt, indem sie seine private Telefonnummer* und Bilder seines Privathauses* veröffentlicht haben. In der Luxushütte versteckt sich das Schwein, das euch euer Menschenrecht auf Bahnfahren nimmt! Gebt ihm Saures! Man sollte sich diese beiden Stücke Qualitätsjournalismus ausdrucken und sie gut aufbewahren, um sie später einmal seinen Kindern zeigen zu können. Oder damit man sie immer dann hervorholen kann, wenn sich wieder einmal jemand fragt, warum die Menschen nicht mehr bereit seien zu bezahlen, für das, was mittlerweile so alles 'Inhalte' genannt wird.

Dienstag, 4. November 2014

Auch mal schön


Fünf eher uncharismatische, unaufgeregte Typen, alles versierte Musiker, machen gute zwei Stunden lang wundervoll melodischen, entspannten Progrock. Ja, schon klar, hoffnungslos altmodisches Zeug, gepflegte Langeweile für Nostalgiker, die musikalisch irgendwo in den Siebzigern stehen geblieben sind und überlange Säuselsongs voll uncoolem, nerdigem Gefrickel goutieren (wofür es in diesem Fall aber wenig Anlass gab). Jene Musik, gegen die einst Punk angetreten ist und... Was soll's, mir doch egal, bin ich eben ein langweiliger alter Sack. Ich find's von Zeit zu Zeit herzerwärmend und habe es genossen. Schee war's! Sollte ich öfter machen.

Montag, 3. November 2014

Rückwirkend zum Ersten


Diversen Schätzungen zufolge ernährt ein halbes bis ein gut Prozent der deutschen Bevölkerung sich vegan. Gemessen daran, ist es schon faszinierend, wie viel Medienpräsenz das Thema vegane Ernährung so genießt. Kaum ein Qualitätsmedium, das irgendwie auch in dem macht, was sich Lifestyle schimpft, kommt noch aus ohne eine vegane Rezeptecke oder Selbstoffenbarungen entsprechend Bekehrter. Die Betreffenden selbst nehmen diese Aufmerksamkeit gern als Beleg dafür, dass ihre Lebensweise in der Mitte der Gesellschaft ankommt oder dafür, dass eigentlich viel mehr Menschen auf alles Tierische verzichten würden, aber aus ihren Gewohnheiten einfach nicht herauskommen. Es könnte aber auch eine Rolle spielen, dass in Medien- und medienaffinen Kreisen überdurchschnittlich viele Vegetarier und Veganer sich tummeln oder damit, dass Minderheiten qua Status immer eine Art Exotenbonus haben.