Mittwoch, 30. Dezember 2015

Was noch war


So denn, das wär's beinahe schon wieder mit 2015. Und, war noch was? Weihnachten war. Das bedeutet für mich, wie für viele andere, sich mit der lieben Verwandtschaft auseinandersetzen zu müssen bzw. mit zusammensitzen müssen. Bei dieser Gelegenheit wurde mir wieder einmal klar, dass ich es mit meiner bzw. mit dem Teil, mit dem ich Teile des ersten Weihnachtstages verbracht habe, vergleichsweise wirklich gut getroffen habe und mich nicht beklagen darf. Andere haben diesbezüglich weit tiefer ins Klo gegriffen und hatten an den Feiertagen daher echte Prüfungen durchzustehen. Ich bewundere deren Gelassenheit.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Zum Fest: Ein Gruß von Lars Krismes


Fast ist Weihnachten und auch in diesem Jahr wird niemand, absolut niemand diesem Song entkommen. Dafür werde notfalls ich sorgen, muhahahaha! Wer bislang noch nicht gewhamt wurde, wird es hier und jetzt, keine Gnade. Weil ich aber meine, auch einen Bildungsauftrag zu haben, ein Stück weit, übergebe ich das Wort an Marti Fischer, der uns allen einmal erklärt, wie das Weihnachtslied des Bösen eigentlich genau funktioniert:

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft - Weihnachtssondernummer


Fall 1: Der von Oma geerbte E-Herd gibt nach sehr langer Nutzungsdauer seinen Geist auf. Reparatur lohnt nicht, erst recht nicht bei der Energieaufnahme des Teils. Es hilft nichts, ein neuer muss her, und zwar fix, denn die Antiquität ist komplett hinüber und tut keinen Mucks mehr. Mal das Deutsche Museum fragen, vielleicht hätten die noch Verwendung. Ein Neugerät sitzt finanziell drin und ich beschließe, Hobbykoch, der ich bin, mir ein ordentliches Arbeitsgerät zu gönnen. Zunächst suche ich einen lokalen Händler weißer Ware auf, einen Einzelunternehmer. Im Ladenlokal sitzt eine junge Auszubildende. Die kann mir weder zu Geräten noch zu Preisen irgendeine Auskunft geben, immer mit der Begründung, der Chef sei nicht da. Aha. Auf die Frage, wann der denn wieder da sei, bekomme ich zur Antwort, heute nicht. Aha. Ein Laden, der ohne den Chef offenbar komplett handlungsunfähig ist. Interessantes Geschäftsmodell!

Montag, 21. Dezember 2015

König Porno


Spulen wir eimal kurz um zirka 25 Jahre zurück. Es war die Zeit, in dem Rosa von Praunheim den Schwiegermutterliebling Hape Kerkeling als homophil outete und dafür Tags darauf vom Springerblatt den schwiegermütterlichen Anschiss "Pfui, Rosa!" kassierte. Es war eine Zeit, in der es vorkommen konnte, dass man sich dumme Sprüche anhören musste, wenn man erzählte, sich am Wochenende die weiß Gott harmlose, ja höchst spießige Sönke-Wortmann-Verfilmung von 'Der bewegte Mann' angesehen zu haben. Seitdem ist einiges passiert. Schwule Spitzenpolitiker, Entertainer, Schauspieler und andere öffentliche Personen locken heute kaum jemanden jenseits extremistischer und fundamentalistischer Milieus mehr hinter dem Ofen hervor, und das ist auch gut so. Man muss nur durch alte Zeitschriften stöbern, sich das verklemmte Geschwiemel zu Gemüte führen, das oft anhub, sobald es um Gleichgeschlechtliches ging, um zu ermessen, was sich seitdem getan hat

Freitag, 18. Dezember 2015

#zunahamwasser


Ahhh, ich hatte das fast verdrängt. Diesen Werbespot, in dem Grandpa Dalton Jahr für Jahr mutterseelenallein in der kalten Butze hockt, in vergeblicher Erwartung, dass die Familie gefälligst mal aufschlägt zum Fest. Wie gesagt: fast. Aber dann kam Kollege Epikur des Weges und musste mich ja unbedingt daran erinnern. Musser jetzt durch. Hatter jetzt davon. Fangen wir vielleicht mit etwas Höflichem an: Weil bald Weihnachten ist, kann man der Einkaufsgenossenschaft deutscher Kolonialwarenhändler durchaus einmal Respekt zollen für die Verdienste um die finanzielle Versorgung alternder Darsteller, die sonst nicht mal mehr in einer Daily Soap einen Schirmständer spielen dürften. Warum man sich aber bei der Schmierenkomödie die Augen aus dem Kopf flennen muss, wie dies Abermillionen rührseliger Klick-Zombies angeblich getan haben - schon das entzieht sich komplett meinem Verständnis.

Dienstag, 15. Dezember 2015

In eigener Sache: Nicht lustig


Normalerweise lösche ich keine von mir geschriebenen Beiträge nachträglich. Was ich geschrieben habe, ist in der Welt und dazu stehe ich, so viel Rückgrat muss sein. Anders liegt der Fall, wenn Dritte in unguter Weise involviert sind. In meinem letzten Beitrag 'Ronny des Monats – Dezember 2015' habe ich einen Ehrenronny vergeben an drei jüngere Leute (ob sie eine Familie sind, ist nicht bekannt) aus dem Mecklenburgischen Boizenburg, die sich in einem viral gegangenen, knapp dreißig Sekunden langen Video in übler bis lachhafter Weise über Flüchtlinge äußern. So scheint die eine Gerüchte über eine angebliche Vergewaltigung durch Flüchtlinge weiterzugeben. Eine andere, offenbar Minderjährige  behauptet gar, ein fünfjähriges Mädchen sei bei lebendigem Leibe gegessen worden.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Ronny des Monats - Dezember 2015


Ein wenig unheimlich ist mir das schon. Ich meine, da hebe ich letzten Monat diesen neuen Preis für die beste rassistische Einzelleistung aus der Taufe und schon legen sich die Ronnys der Nation so richtig ins Zeug. Die Flut an Widerlichkeiten, die es seit der letzten Verleihung zu verzeichnen gab, spricht da eine deutliche Sprache. Es war so viel los, dass mir die Wahl wirklich schwer fiel und ich Kandidaten, die ich schon sicher auf dem Treppchen glaubte, wieder aus der Wertung nehmen musste. Etwa jenen Bock in Gärtnergestalt, der ausgerechnet am Berliner LaGeSo Securitydienst schob. Oder die besorgten Nachbarn der Erfurter Zahnärztin Kathleen Trobisch, die ihr freundlicherweise dieses Schreiben (fb!) unterjubelten. Und die - hihi! - Ergüsse des renommierten Fickologen Björn H. sind mir natürlich auch wieder durchgegangen. Mist!

Wie gesagt, die Wahl fiel schwer. Hier die Top Five:

Freitag, 11. Dezember 2015

Glück durch Arbeit


Viel um die Ohren gehabt, die Woche – but there are still monsters to be slain. Zum Beispiel diese kreuzdämliche Leier vom Glück durch Erwerbsarbeit. Die von zig Karriereberatern bzw. -coaches gepredigte Schnurre, es sei mit ein bisschen gutem Willen und ein wenig (kostenpflichtigem) Coaching jedem möglich, eine erfüllende, den eigenen Neigungen und Stärken entsprechende Arbeit zu finden. Die Ratgeberliteratur ist voll von inspirierenden Geschichten über glückliche Hackfressen, die ihrem Herzen gefolgt sind und nun als kernzufriedene Spaßbacken ihr Restdasein verbringen. Und der Restwelt damit nicht selten gehörig auf die Eier gehen. Das Problem ist ja nicht, dass es solche Menschen gibt, sondern dass uns suggeriert wird, jeder, bei dem das nicht so sei, mache gewaltig etwas falsch.

Montag, 7. Dezember 2015

Zum einrahmen


Beim Stichwort 'FAZ.NET' fällt mir ja so einiges ein. Klar, konservativ als erstes, dann noch wirtschafts- bzw. neoliberal, Stimme der Arbeitgeberschaft und der Kapitaleigner. Ferner kommen einem in den Sinn: Jasper von Altenbockum, Don Alphonso und noch einiges mehr, aber you get the picture. Eines hingegen würde mir als Attribut für die alte Frankfurter Frakturtante als allerletztes einfallen. Wenn überhaupt. Und das wäre linksfaschistisch.

Samstag, 5. Dezember 2015

Orientalischer Adventskalender


Hier am Ort gibt es eine Kirche, in der eine Gruppe Ehrenamtlicher alle Jahre wieder eine riesige Krippe aufbaut. Obwohl agnostisch unterwegs, rührt mich solches Engagement, das keinen anderen Nutzen hat, als Menschen Freude zu machen, schon ein wenig an, das muss ich zugeben. Sie bemühen sich, der liebevoll gestalteten Landschaft einen orientalischen Touch zu verleihen. Weil Bethlehem ja irgendwie im Orient liegt. Auch kümmern sie sich darum, den drei Königen ein dezidiert orientalisches Aussehen zu verpassen, handelte es sich doch, der einschlägigen Überlieferung zufolge, um Weise aus dem Morgenland. Wo heute die Moslems sitzen. Kein Problem also, alles roger. Sollte man jedenfalls meinen.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Bavaria Blue


Mit der Polizei ist es ja ein wenig wie mit Hausmeistern. Leicht ist man genervt von ihnen, doch kann man in Situationen geraten, in denen man durchaus froh und dankbar ist, dass es sie gibt. Obwohl ich sie nicht ablehne oder gar hasse, bin ich normalerweise froh, mit der Truppe nicht allzuviel zu tun zu haben. Die machen ihres, ich mach meines. Daher sind mir auch Polizeiuniformen ziemlich egal. Bis vor zirka zehn Jahren war das diesem Staat auch ziemlich egal. Uniformierte Polizeibeamte liefen in einem Sammelsurium in grün, beige, schwarz, weiß und irgendwie erdfarben herum. Wäre die 'POLIZEI'-Aufschrift nicht gewesen, sie wären nicht nur von Menschen aus anderen Ländern mit der Forstaufsicht verwechselt worden.

Sonntag, 29. November 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (9)


So, erster Advent, der Geburtstag des Religionsstifters naht wieder einmal. Paar Geschenke kaufen gehen. Muss ja. So schön es ist, Menschen eine Freude zu machen, so unschön oft die Begleitumstände auf dem Weg dorthin. Denn obwohl ich natürlich alles online bestellen könnte, gehe ich in die Stadt. Rock the Kasbah, Baby, keine Schmerzen! Ich glaubte, einigermaßen abgebrüht zu sein. Schwer zu schocken. Ich dachte: Der Gedanke, dass für Bücher von Dieter Bohlen, Thilo Sarrazin, Akif Pirinçci und anderen Bäume gefällt werden, zieht dich längst nicht mehr runter. Schlimme Erlebnisse haben dich abgehärtet. So hast du verkaufsoffene Sonntage im Oberhausener Centro und in der Essener Innenstadt ohne bleibende Schäden überstanden.

Samstag, 28. November 2015

Umgekehrt, ein Schuh


Der Wendepunkt sei erreicht, so ist zu lesen. Angela Merkel sei von Mutti zur bösen Stiefmutti mutiert, ihre Flüchtlingspolitik mache die Deutschen ängstlich, heißt es. Das erstere mag stimmen oder nicht, so was weiß man in der Regel erst hinterher. Das letztere hingegen ist Mumpitz, denn umgekehrt wird ein Schuh daraus: Merkels Erfolg beruhte immer darauf, der ängstlichen Mehrheit des Wahlvolkes eine Komfortzone gebastelt zu haben. Seit August aber mutet sie exakt diesen Leuten die eine oder andere harte Wahrheit zu, die diese nicht goutieren. Unter anderem, dass man solche Migrationsbewegungen, selbst wenn man will, nicht wirklich aufhalten, sondern bestenfalls steuern kann. Dass Asyl ein Grundrecht ist, ob's einem passt oder nicht. Und dass es nicht funktionieren wird, die Grenzen dicht zu machen weil nicht wirklich machbar und alle Versuche nur noch mehr Tote brächten.

Dienstag, 24. November 2015

Im Premiumbereich


Das Etikett premium kriegt normalerweise aufgeklebt, was, aus welchen Gründen auch immer, teurer verkauft werden soll als nötig. Verbreitet ist das im Brauereiwesen. Im Zweifel bedeutet das bloß, mehr zahlen zu müssen für edlere, von Werbefuzzis gern als 'wertig' bezeichnete Aufmachung und weniger Geschmack. Wegen Massentauglichkeit und weil die ganzen teuren Werbekampagnen schließlich bezahlt werden wollen. Außerdem hat man meist Stanniolfetzen im Mund, wenn man aus der Flasche trinkt. Wegen premium.

Samstag, 21. November 2015

Wölfi for Xavier


Systemkritik, da bin ich mir vermutlich mit dem Großteil der hiesigen Leserschaft einig, ist grundsätzlich eine feine und sinnvolle Sache, wenn man die Veranstaltung namens Demokratie halbwegs ernst nimmt. Nur kann man das – wie alles andere – gut oder schlecht machen. Als beispielsweise 2011 in London massenweise Geschäfte geplündert wurden, meinte Slavoj Žižek, wenn er ein Geheimagent des 'Systems' wäre, dann würde er genau solche Aktionen inszenieren, um Systemkritik zu diskreditieren. Womit er den Knackpunkt moderner Systemkritik schön zusammengefasst hat: Sie darf alles sein, bloß nicht plump oder vergröbernd einfach, sonst hat sie keine Chance.

Mittwoch, 18. November 2015

Herr M. hatte Spaß


Noch mal zum Mitschreiben für alle, die es nicht kapieren wollen oder möchten: Meinungsfreiheit im Sinne von Artikel 5 des Grundgesetzes ist zwar ein Grundrecht gegenüber dem Staat, es gilt aber nicht absolut und steht nicht über allem. Denn es wird in Absatz 2 sehr wohl eingeschränkt. Wenn ich also etwa jemanden beleidige (was immerhin eine Straftat ist), dann muss ich mit eventuellen Konsequenzen klar kommen. Zum Beispiel kann ich deswegen meinen Job verlieren. Ist Herrn M. so gegangen, der seinen Chef, angeblich vor Zeugen, ein "durchgeknalltes Arschloch" genannt haben soll, woraufhin der Chef das Dienstverhältnis mit sofortiger Wirkung beendet hat. Kommt vor.

Sonntag, 15. November 2015

Krieg und westliche Werte


Es heißt, die IS-Killer von Paris hätten deswegen in einem Konzert um sich geballert, weil sie Musik für ein Zeichen westlicher Dekadenz halten, das sie bei sich zu Hause streng unterbinden. Wie Schweinefleisch, Alkohol, Erotik, Humor. Ja, ich weiß, wir, der Westen, sollten uns nicht einfach hinstellen und mit dem Finger auf die unserer Meinung nach Schuldigen zeigen. Den IS und vergleichbare Veranstaltungen vor ihm haben wir, der Westen, mit unserem Verhalten erst herangezüchtet und so richtig erfolgreich gemacht, ist mir bewusst.

Das bedeutet aber nicht, dass ich mich deswegen genötigt sähe, auch nur einen Funken Verständnis aufzubringen für Menschen, die sich aus lauter Heiligkeit für berechtigt halten, anderen schöne Dinge wie Musik mittels blauer Bohnen und anderer Mordwerkzeuge abklemmen zu dürfen. Ein jeder mag meinethalben gläubisch sein nach seiner Facon, aber das ist so ein Punkt, an dem meine Bereitschaft zum Differenzieren definitiv erschöpft ist.

Samstag, 14. November 2015

Hauptsache, Herr M. hat Spaß


Vor der Verwendung von Grinse- oder Zwinkersmileys muss mittlerweile gewarnt werden, will man sich nicht mit gewissen Leuten gemein machen. Mögen Sprachfundamentalisten auch Krämpfe kriegen, habe ich diese Kommunikationsmittel immer ganz praktisch gefunden, zumindest für die private und formlose Korrespondenz. Weil es manchmal unmöglich ist, Ironie und Humor per Schriftsprache zu transportieren, waren die Emoticons ein gutes Mittel um auf Ironie hinzuweisen oder eindeutig zu signalisieren: Ist nur Spaß!

Donnerstag, 12. November 2015

Ronny des Monats - November 2015


Angesichts dessen, was in diesem Land inzwischen binnen weniger Tage so an Meldungen zusammenkommt, kam mir spontan die Idee, einen neuen Preis auszuloben: Den Ronny des Monats. Ich weiß noch nicht, ob diese nicht dotierte Auszeichnung zu einer regelmäßigen Einrichtung wird bzw. werden muss. Ich hoffe nicht, ich fürchte ja. Ob ich nicht der Meinung bin, damit alle anständigen Ronnys, die es zweifellos auch gibt, vor den Kopf zu stoßen und zu diffamieren? Nu ja, sagen wir so: Die BRAVO verleiht auch seit Ewigkeiten diesen 'Otto' und drängt Promis, die meist nicht recht wissen, wie ihnen geschieht, eine hässliche Nippesfigur auf. Und? Gehen die Ottos der Nation auf die Barrikaden deswegen? Also!

Dienstag, 10. November 2015

Offizier, Demokrat, Kultfigur


Man sagt, bei einer Gala in einem New Yorker Hotel habe sich während der Neunziger folgendes ereignet: Der unter den geladenen Gästen befindliche Helmut Schmidt saß am Tisch, rauchte eine und aschte in eine Untertasse. Auftritt Kellner: "Entschuldigung, Sir, aber Sie dürfen hier nicht rauchen." Schmidt: "Das ist ja interessant!"

Ich mag mich hier nicht groß mit Leben und Wirken Helmut Schmidts befassen. Das werden genügend andere, Kompetentere zu Hauf und in epischer Breite tun in den nächsten Tagen. Für mich ist die Rezeption Schmidts schon zu Lebzeiten eh interessanter. Denn es war nicht allein seine ostentative Unangepasstheit, für die er, je älter er wurde, von den Deutschen so geliebt wurde. Auch den Offizier hat er, obwohl zweifellos Demokrat durch und durch, nie wirklich ablegen können, seine Lust am Führen und Anordnen nie verloren. Das ist die andere, die unangenehmere Seite.

Samstag, 7. November 2015

Mütter, sperrt die Töchter ein!


"In der moralischen Entrüstung schwingt auch immer die Besorgnis mit, vielleicht etwas versäumt zu haben." (Jean Genet)

Es gibt Leute, die sind so freundlich, die Welt unaufgefordert wissen zu lassen, was sie im Innersten umtreibt. Jürgen Mannke, Vorsitzender des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, hat in der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift ein von seiner Vize Iris Seltmann-Kuke mitunterzeichnetes Editorial verbraten, das sich mit den Gefahren befasst, die entstehen, wenn "viele junge, kräftige, meist muslimische Männer" hier einwandern und sich möglicherweise ganz bald schon an hiesigen Mädels vergreifen oder sie gar, "sicher oft attraktiv", wie sie nun mal sind, in "ein oberflächliches sexuelles Abenteuer" hineinzuquatschen trachten.

Freitag, 6. November 2015

Das China-Komplott


Im Nachhinein bin ich ja ganz froh, dass es zu meinen jüngeren Jahren noch keine All-you-can-eat-Chinabuffets gab. Wäre das nämlich so gewesen, dann wäre ich mindestens einmal pro Woche da gewesen und hätte mich auf eine Weise ins Koma gefressen, dass ein Anfänger wie Obelix bei dem Anblick heulend sein drittes Wildschwein in die Ecke gefeuert hätte und ein Möchtegern wie Gérard Depardieu aus Frust in einem Zen-Kloster verschwunden wäre, um den Rest seines verpfuschten Daseins bei trockenem Reis, Wasser und Meditation zu fristen.

Mittwoch, 4. November 2015

Jaja, die Unterschicht


Mehr Koinzidenz geht kaum: Erst Burkhard Schröders schönen Artikel, dann den nicht minder schönen, von ihm zitierten Artikel Britta Steinwachsens gelesen, nachmittags dann beim Friseur warten müssen und insgesamt eine knappe Stunde vom RTL-Nachmittagstrash vollgemüllt worden. 'Mitten im Leben'. 'Familien im Brennpunkt'. 'Betrugsfälle'. Mit Laiendarstellern besetzte, holprig inszenierte, ordinäre Brüll- und Anpöbelhöllen. Such dir nen Job, du faule Sau! Ey, isch hab nen neuen klargemacht. Na warte, du Schlampe! Darum bitten, dass das abgeschaltet oder wenigstens leiser gemacht wird? Keine Chance. Ich wette, das Gerät kann nur RTL und die Fernbedienung liegt in einem mit Zeitschloss gesicherten Tresor. Nach einigen Minuten ist es mir zum Glück gelungen, Smartphone und Ohrhörern sei Dank, das, was da den berühmten Tick zu laut aus dem Lautsprecher quoll, einigermaßen auszublenden.

Montag, 2. November 2015

Durchlauferhitzte Krähwinkelei


"History does not repeat itself but it rhymes." (Mark Twain)

Es gibt in Deutschland diese Tradition, Staatswesen, demokratisches gar, nicht als gemeinsame Aufgabe aller Bürger zu begreifen, sondern als Obrigkeit, an die man die Verantwortung für die Politik weitgehend abtritt, die man mal machen, von der man sich bereitwillig regieren lässt und sich ansonsten heraushält. Das ist natürlich höchst bequem, denn wenn's mal schief läuft, dann ist man's auch nicht gewesen als Bürger, sondern "die da oben", die "eh machen, was sie wollen". So bin ich mir alles andere als sicher, ob es sich nur um eine Einzelmeinung handelte, wenn etwa meine selige Großmutter zu sagen pflegte, am zweiten Weltkrieg sei ausschließlich und allein "die Politik" schuld gewesen. Es könnte sich als größte, nachhaltig schädliche Folge der Kanzlerschaft Merkels erweisen, dieser Art von Aversion gegen die Politik mit ihrer jegliche Kontroverse erstickenden Art Politik zu machen massig Futter gegeben zu haben.

Samstag, 31. Oktober 2015

Alibikirgisen


Der Geschichtslehrer, den man mir in der Oberstufe zugeteilt hatte, war schon älter und riss sich keine zwei Beine mehr aus für seinen Job. Das wurde ihm aber von den meisten nachgesehen, weil er ein prima Kerl war. Dem konservativen Bürgertum jedoch, aus dem die Mehrheit der Schülerschaft sich rekrutierte, war er ein Dorn im Auge. Er war Ende der Sechziger als Junglehrer einer der ersten gewesen, der es gewagt hatte, ohne Krawatte zum Dienst zu erscheinen und er war wohl einmal von einem Lokalreporter auf einer Veranstaltung der DKP, deren Mitglied er nie war, fotografiert worden. Daher hatte er seinen Ruf als eisenharter Kommunist weg, als fünfte Kolonne Moskaus, der unschuldige Kinderseelen mit seinen gottlosen Lehren zu indoktrinieren trachtete. Als der Mann auch noch Schulleiter wurde, sahen sie endgültig den Untergang des christlichen Abendlandes gekommen. Gab es also damals auch schon, so ein hysterisches Gehuste und es war damals schon Blödsinn.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Nachtrag


Vorgestern erschien hier bekanntlich ein Beitrag über die unsägliche Panikmache um rotes und verarbeitetes Fleisch bzw. Wurst. Unter anderem ging es dabei auch um Korrelationen, Kausalität und Wahrscheinlichkeiten (sehr lesenswert und anschaulich übrigens die Analyse von Jens Berger gestern). Das ist auch in anderen Bereichen von Bedeutung. Wie wichtig es auch jenseits von Gesundheits- und/oder Ernährungsthemen ist, ein wenig darüber Bescheid zu wissen, zeigt etwa die Propaganda, die entsprechend interessierte Kreise seit einiger Zeit um die angebliche Kriminalität von Flüchtlingen bzw. die sprunghaft ansteigende Kriminalität um entsprechende Einrichtungen veranstalten.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Leben ist lebensgefährlich


... ob mit Wurst oder ohne

Schlechte Nachrichten für Atheisten. Dass Religiösität, Kirchen und traditionelle Frömmigkeit in unseren Breiten tendenziell an Bedeutung verlieren, heißt keineswegs, dass entsprechende Mechanismen und Denkweisen mit ausstürben. Wenn einem dort, wo das Christentum herrschte, früher etwas abgeklemmt werden sollte, das man gern tat oder mochte, dann hieß es, das sei Sünde und man käme in die Hölle, wenn man das nicht schleunigst bleiben ließe. Heute heißt es mit einiger Wahrscheinlichkeit, davon könne man Krebs kriegen.

Samstag, 24. Oktober 2015

Schade, dass er gegangen ist


Wolfgang Lieb, sicher den allermeisten der hier Lesenden und Kommentierenden als Mitherausgeber der NachDenkSeiten bekannt, verlässt diese mit sofortiger Wirkung, wie gestern bekannt gegeben wurde. Seine Erklärung dazu, die freundlicherweise noch veröffentlicht wurde, drückt sehr gut aus, wie auch meine Bauchschmerzen sich anfühlen, die mich angesichts der - freilich großen, diffusen, vielgestaltigen - linken Szene seit einiger Zeit immer öfter und immer stärker befallen. Ich wollte mich schon länger zu einigem äußern, was mir an Teilen des linken Spektrums zunehmend missfällt und auch beunruhigt. Da gärte was, allein, mir fehlte ein wenig der Anlass. Der ist jetzt da. Lieb meint unter anderem:

Dienstag, 20. Oktober 2015

Cocooning ist keine Lösung...


... und Ängste machen dumm. Einige ungeordnete Gedanken zum ersten Geburtstag von 'Pegida'

In den Achtzigern prägten Soziologen den Begriff des 'Cocooning'. Frei übersetzen könnte man das mit 'sich verpuppen/in einen Kokon zurückziehen'. Beschrieben werden soll damit das Phänomen, dass Menschen in unsicheren Zeiten dazu neigen, sich in aus Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit in eine private Komfortzone zurückzuziehen. Es mag ein wenig hinken, dem Terminus vielleicht nicht ganz gerecht werden, aber vieles um das Phänomen Pegida kommt vor wie Cocooning im großen Stil. Deutsche zuerst. Grenzen dicht. Alle ausweisen aus meinem Vorgarten. Die da oben sind böse und jeder, der was anderes behauptet, will mir was.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Es gibt noch viel zu tun


"Paulus schrieb den Irokesen: / Euch schreib' ich nichts, lernt erstmal lesen." (Robert Gernhardt)
 
Kenneth Tynan meinte einmal, es gäbe nichts schöneres, als wenn Selbstgerechtigkeit eins aufs Dach bekäme. In diesem Jahr ist es diesbezüglich für den deutschen Michel besonders dicke gekommen. Bislang sind in diesem noch nicht beendeten Jahr folgende hiesige Lebenslügen derbe ins Rutschen geraten bzw. haben zumindest einen erheblichen Knacks bekommen:

Freitag, 16. Oktober 2015

Die Kulturpessimisten haben doch recht


Immer wachsam sein, liebe Besorgte Bürger, schön aufpassen! Nicht genug damit, dass Gevatter Migrant in Scharen hier angeschissen kommt, um uns zu überfremden und uns mit seinem Fremdsein in Angst und Schrecken zu versetzen, nein, jetzt nimmt er deutschen Hartzern auch noch jene Almosen weg, die die Tafeln so tapfer einsammeln. Und als sei das immer noch nicht genug, erkühnt er sich auch noch, frech zu werden. Und so pöbeln nunmehr angeblich Rassisten gegen ehrenamtliche Helfergutmenschen bei den Tafeln, wenn Sie’s wagen sollten, nicht exklusiv Deutsche zuerst zu bedienen. Und der verrohte Kommentarpöbel tutet artig zu zwei Dritteln ins gleiche Horn. Mission accomplished, so geht Machterhalt.

Montag, 12. Oktober 2015

Thüringer Knackwurst


Hach, die AfD gibbet ja auch noch! Und den jüngsten Umfragewerten sowie dem Gefühl ihrer Anhänger zufolge, ist sie der absoluten Mehrheit, wenn nicht der Machtübernahme der schweigenden, unterdrückten Mehrheit so nahe wie nie zuvor. Übrigens: Es geht mich vielleicht nichts an, aber hat die große Vorsitzende mit dem vorbildlichen christlichen Lebenswandel sich eigentlich schon ihren Anschiss von der obersten Hüterin des christlichen Ehe- und Familienmodells abgeholt? Egal. Jetzt will die thüringische AfD-Abgeordnete Corinna Herold per kleiner Anfrage von der dortigen Landesregierung wissen, wie viele Homo-, Bi- und Transsexuelle so leben im Lande Thüringen.

Samstag, 10. Oktober 2015

Keine Helden, nirgends


Wer Zuhälter für eine Profession hält, der trotz einiger unschöner Aspekte doch eine gewisse Romantik innewohnt, sollte sich Dominik Grafs Film 'Hotte im Paradies' mit dem grandiosen Mišel Matičević in der Hauptrolle ansehen. Ein Spielfilm, natürlich, also Fiktion, aber mit dem unbedingten Willen zur fiesen Wahrheit. Im Leben eines Zuhälters, das wird schon in der ersten Szene klargemacht, geht es um Geld und um nichts, absolut gar nichts anderes, alles weitere ist Augenwischerei. Dabei bleibt es bis zum Schluss. Als der tenzdenziell gewalttätige Hotte nämlich doch einmal auf seine Gefühle hört und sich von ihnen leiten lässt, ist er ein toter Mann. Das System, eines der Ausbeutung, ein auf seinen rohen Kern abgeschälter Kapitalismus, duldet solche Anwandlungen nicht.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Das Reich und seine Bürger


Mein damaliger Prof für neuere Geschichte war ein distinguierter Herr mit besten Manieren. Doch auch dieser Gentleman geriet zuweilen an seine Grenzen. Es gab da einen weit im Rentenalter befindlichen Gasthörer, der im zweiten Weltkrieg Offizier gewesen war, wie er selten versäumte mitzuteilen. Der besuchte jedes Seminar zum Thema Weimarer Republik/NS-Zeit/WKII und nutzte diese Veranstaltungen als Bühne, den Anwesenden seine ganz persönliche Sicht auf die Ereignisse und deren wahre Ursachen ausgiebig zu schildern. Leider entging dem alten Herrn des öfteren, dass es in so einer Veranstaltung nicht darum geht, Opa vom Krieg erzählen zu lassen, sondern vor allem darum, Studierende, die ein Examen zu wuppen haben, mit dem aktuellen Stand der Forschung zum Thema vertraut zu machen.

Montag, 5. Oktober 2015

Glückwunsch nach München


Als fairer Sportsmann muss man dem FC Bayern München gratulieren. Nach gerade acht Spieltagen ist, wenn nicht noch völlig Unvorhergesehenes passiert, die Meisterschaft quasi entschieden, das Rennen um den Titel, so es eines war, vorbei. Den Tabellenzweiten mit einer Klatsche nach Hause geschickt und wenn überraschenderweise doch einmal ein Unentschieden droht, eilt der Schiri zu Hilfe - was soll da noch passieren? Für die Bayern dürfte es im folgenden nur noch um zwei Fragen gehen: a) Mit wie viel Punkten Vorsprung werden wir dieses Mal Meister? b) Holen wir einen, zwei oder drei Titel? Die siebzehn übrigen Vereine der Liga dürfen sich mit Fragen quälen wie: a) Wer wird Zweiter? b) Wer kommt in die europäischen Wettbewerbe? Willkommen in der spannendsten und attraktivsten Liga der Welt.

Samstag, 3. Oktober 2015

Ausgetrickst


Dieses Mal haben sie mich erwischt. Die von Springer. Haben es geschafft. Mich überlistet. Wieder einmal sollte allen Deutschen, auch jenen, die das überhaupt nicht wollten, zum Jubeltage der Annexion des Beitrittsgebietes umsonst eine Ausgabe der Vierbuchstabengazette in den Briefkasten genötigt werden. Die zugrundeliegende Botschaft: Deutschland gehört uns, B. ist Deutschland, Deutschland ist B., niemand entkommt uns, muhahaha! Bislang war es mir immer mittels selbstgebastelter, aus dem Internet heruntergeladener Aufkleber gelungen, eine Zustellung dieses ehrabschneidenden Blattes, in das sogar tote Fische sich schon geweigert haben sollen, eingewickelt zu werden, zu verhindern.

Mittwoch, 30. September 2015

Ich bin kein Hippie!


Und, merken Sie schon was? Die Stimmung, meine ich, wie sie kippt. "Endlich!", scheint es da bei einigen insgeheim geradezu erleichtert mitzuschwingen. Bei jenen, denen es seit Wochen und Monaten viel zu multikulturell zugeht und die deswegen den ganzen Tag nichts anderes tun als unken und schwarzsehen. Wehe, die Überfremdung! Einwanderung in unsere Sozialsysteme! Von unserem Geld! All die jungen Männer, die bald schon unsere Frauen und Töchter schänden werden, und zwar massenhaft! Es steht schlimm um Deutschland! Gut, kann man alles so sehen, wenn man mag. Diplom-Schwarzseher und staatlich geprüfte Bedenkenträger sind immer irgendwo dabei. Eines aber kann ich ums Verrecken nicht leiden: Diese ewigen Unterstellungen.

Sonntag, 27. September 2015

Die nächste bitte!


Es ist wirklich entzückend. Jetzt haben sie die Doktorarbeit einer weiteren Unionsgranden am Wickel. Zwar ist noch nicht klar, ob die angeblich 60 Unregelmäßigkeiten die VroniPlag auf den 70 Seiten der Doktorarbeit Ursulas von der Leyen meint ausgemacht zu haben, ausreichen, um ihr den Titel abzuerkennen, aber der Spitzname 'Pfuschi' dürfte ihr, egal, wie's am Ende ausgeht, schon jetzt nicht mehr zu nehmen sein. Die Tatsache, dass Frau von der Leyen die Universität Hannover, die sie einst promoviert hat, um eine gründliche Prüfung der Arbeit und des Verfahrens gebeten hat, zeigt zumindest, dass sie die Sache sehr ernst zu nehmen scheint.

Donnerstag, 24. September 2015

Wenn der Klassenprimus schummelt


Die Geschichten sind zahlreich und wir kennen sie alle, nicht wahr? Wenn der Gebrauchtwagenhändler etwa sagt: "Also ich hatte das Modell ja selbst ein paar Jahre lang und bin den normalerweise mit fünfeinhalb Liter gefahren.", dann bedeutet das: Unter klimatischen Idealbedingungen, mit Fahrradbereifung, den Motor ausgekuppelt und bergab bei Rückenwind. Im wirklichen Leben tut gut, wer sich auf einen Verbrauch nicht unter acht, neun Liter einstellt. Mit Fragen wie der, wie viel Kilogramm Spachtelmasse durch das Wort "unfallfrei" semantisch noch abgedeckt sind, wollen wir gar nicht erst anfangen.

Montag, 21. September 2015

Kurzer Altherrenanfall


Wer deutschsprachigen Gangsta-Rap für die Höchststrafe in Puncto ödes Provokationstheater gehalten hat, kennt Schnipo Schranke nicht.

Um der Ehrlichkeit genüge zu tun: Ich bin nur deswegen beim Flanieren im Feuilleton darüber gestolpert, weil es in der Dachzeile durchaus korrekterweise hieß, Pisse sei ja kein besonders schlimmes Wort. Aufmerksamkeit erregt, job done, Schreiberling. Guter Mann! Man hat den Eindruck, als solle das Hamburger Frauenduo Schnipo Schranke, das sich einst an der Frankfurter Musikhochschule kennengelernt hat, als neue Hoffnung des deutschen Jungefrauen-Pop hochgeschrieben werden. Imagemäßig als eine Art böse Schwestern des enorm erfolgreichen Duos Boy. Und, wo wir schon mal beim Lesen sind, was kriegt man denn so geboten auf Schnipos Debutalbum 'Satt'? Jurek Skrobala von SPON hat die beiden interviewt.

Samstag, 19. September 2015

Der Superdirektor


Es gibt ja Leute in durchaus exponierter Stellung, von deren Existenz man erst Wind bekommt, wenn sie nicht mehr da sind. Manfred Schmidt ist so jemand. Der war bis vor kurzem Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und ist jetzt aus persönlichen Gründen zurück getreten. (Das Bundesministerium für Wahrheit gibt sich die Ehre, folgendes klar zu stellen: Egal, was Sie jetzt denken, Schmidts Rücktritt hat einzig und allein persönliche Gründe und absolut nichts, rein gar nichts mit irgendwelchen aktuellen, sein Ressort betreffenden Ereignissen zu tun, basta. Schreiben Sie sich das gefälligst hinter die frechen Rotzlöffel!)

Donnerstag, 17. September 2015

Nicht alles, was hinkt


Es ist eine Sache, den medialen Umgang westlicher Medien und Politik mit dem russischen Präsidenten Putin bzw. dessen Politik äußerst kritisch zu begleiten. Wer aber als Konsequenz daraus meint, uns Europäern täte allen etwas weniger Obama und mehr Putin gut, der hat in meinen Augen, bei aller ebenfalls berechtigten Kritik an Barack Obamas Amtsführung, nicht mehr alle Nadeln an der Tanne und offenbart damit unter Umständen mehr Sehnsucht nach Obrigkeit und einem starken Mann als ihm lieb ist.

Dienstag, 15. September 2015

The Jeremy Days


Die Wahl Jeremy Corbyns als demographisches Phänomen

Glaubt man den hysterischen Reaktionen der Journaille im In- und Ausland, dann handelt es sich bei dem mit knapp 60 Prozent zum neuen Chef der britischen Labour Party gewählten "Außenseiter" (ZEIT) Jeremy Corbyn um eine Art Mao von Islington. Ist natürlich Quatsch, trotzdem herzig, wie etablierte Journalisten gemeinsam mit New Labour-Profiteuren und 'sozialdemokratischen' Funktionären, da plötzlich das Ende aller Zivilisation heraufbeschwören. Und das nur, weil da die Basis einer sozialdemokratischen Partei sich symbolisch dazu entschieden hat, künftig lieber sozialdemokratische Inhalte statt Oberschichtinteressen zu vertreten, wie's ein Kommentator im 'Standard' schwer übertrefflich formulierte.

Samstag, 12. September 2015

Was ist typisch deutsch?


Wenn mich jemand fragt, was typisch deutsch sein soll, dann zucke ich normalerweise mit den Schultern. Keine Ahnung. Menschen nach Nationalcharakteren zu beurteilen ist etwas für Leute, die ohne Schubladen nicht klarkommen. Brauch ich nicht. Manchmal allerdings, gerät auch das ins Wanken. Etwa wenn ich Vorschläge sehe wie den von Hannelore Kraft, der (sozialdemokratischen) Landesmutter von Nordrhein-Westfalen. Die möchte Langzeitarbeitslose als Flüchtlingshelfer einsetzen und reiht sich damit ein in die stolze Reihe derer, die Langzeitarbeitslosen alles Mögliche zutrauen und sie für irgendwas einspannen wollen. Fairerweise muss man allerdings hinzufügen, dass bei Frau Kraft nicht die Rede davon ist, Langzeitarbeitslose dazu zu verpflichten. Das werden möglicherweise andere übernehmen.

Donnerstag, 10. September 2015

Leave Eddie alone!


1977 brachten die Damals-noch-nicht-Rock-Dinosaurier von Uriah Heep das Album 'Innocent Victim' heraus. Das arg gewollte Cover kann man für damalige Verhältnisse als durchaus ein wenig gruselig bezeichnen. Im Jahr darauf befand die Band sich auf großer Tournee, die wohl auch in die Nähe meiner Heimatstadt führte. Neben der Grundschule, die ich damals zu besuchen die Pflicht hatte, war zu dieser Zeit eine größere Baustelle, die mit einem hölzernen Bauzaun abgesperrt war. Jede Menge Platz für Plakate also. Und er wurde genutzt. So auch für das Plakat für Uriah Heeps 'Innocent Victim'-Tournee. Das Teil zeigte im wesentlichen das Cover des Albums und wurde flächendeckend verklebt.

Montag, 7. September 2015

Zwei mal Harald


Man sollte bedenken, dass sie beim Berliner 'Tagesspiegel' nicht einen, sondern gleich zwei Haralds auf der Gehaltsliste führen. Der eine hört auf den Zunamen Martenstein. Der hat sich jetzt daran gemacht, sozialistischen Träumerles im bewährten, schmunzelig-verschmitzten Tonfall des weisen Onkels zu erklären, wie so ein Sozialstaat eigentlich funktioniert, nämlich nicht ohne Reiche, und quargelt sich zu diesem Zwecke unter anderem folgende goldenen Worte aus der Runkel:

"Der Staat nimmt über Steuern den Bürgern einen Teil ihres Geldes weg und verteilt es um. Die Reichen, jedenfalls die ehrlichen, zahlen den Großteil der Steuern. Ohne Reiche kein Sozialstaat, keine Rente mit 63 und auch kein Flüchtlingsheim, verrückt, oder? Wenn der Staat die Reichen enteignet, dann kann er noch eine Weile von der Substanz leben, so lange, bis der Laden zusammenbricht."

Samstag, 5. September 2015

Zahn, Zeit und der Rest


Seien wir ehrlich: Älter zu werden ist ab einem gewissen Punkt scheiße. Ja, sicher, man gewinnt an Lebenserfahrung, wird abgeklärter, hat vielleicht nicht mehr dauernd das Gefühl, sich oder anderen was auch immer beweisen zu müssen, wenn man so drauf ist. Aber irgendwann fangen einfach die Nachteile an zu überwiegen. Andauernd zwickt es irgendwo, aber das ignoriert man nicht mehr so einfach, seitdem Gevatter Hein angefangen hat, seine knochige Hand auch nach der eigenen Altersklasse auszustrecken. Hoppala, kommt dieser ziehende Schmerz da im Schulterbereich jetzt von der etwas zu ambitionierten Runde schwimmen oder kündigt sich da etwa ein Infarkt an? Sollte man das nicht mal abklären lassen? Puh, schon drei Flaschen Wasser heute! Liegt das nur an den 35 Grad im Schatten, oder dräut da Diabetes?

Donnerstag, 3. September 2015

Eine kleine Bitte


Liebe Besorgte BürgerTM, Faschos und sonstige Volksdeutsche,

im Moment scheint eine klare Arbeitsteilung zu herrschen: Die Anständigen und Vernünftigen im Lande sehen zu, wie sie Flüchtlingen helfen können, organisieren was, spenden, engagieren sich ehrenamtlich. Und wenn nicht, dann stören sie wenigstens die nicht, die was tun. Völkisch-bräunliche Sesselfurzer hingegen tun das alles nicht. Daher haben sie auch Zeit, den ganzen Tag am Rechner zu sitzen und die Kommentarbereiche mit ihren apokalyptischen Überfremdungsszenarien und Volkstehauf-Phantastereien vollzumachen. Pardon, ich meine natürlich, sie opfern ihre karge Freizeit, um uns alle vor der Gefahr zu warnen, die da gerade dem armen deutschen Opfervolk droht.

Montag, 31. August 2015

Eigene Medizin


Ich habe nichts gegen Ossis. Die meisten sind in Ordnung und haben sich gut integriert, AAABER ich habe ein Problem mit den Kriminellen unter ihnen, mit den Wirtschaftsflüchtlingen. Die nur Soli abgreifen, sich immer und ausschließlich als Opfer sehen, sich auch sonst kuschelig eingerichtet haben auf dem Planeten, auf dem immer die anderen Schuld sind, die Politik als Dienstleitungsbetrieb begreifen und die daher, so sie sich denn mal zur Wahlurne bequemen, Naziparteien wählen und sofort zu rumjammernden, randalierenden, zündelnden Wutbürgern werden, wenn die Politik nicht prompt liefert, was sie gern hätten. Aber das darf man ja nicht sagen in dieser gleichgeschalteten Meinungsdiktatur, ohne dass sie einem gleich über den Mund fahren und Vorträge darüber halten, dass das alles ein gesamtdeutsches Phänomen sei.

Donnerstag, 27. August 2015

Marxloh to go


Preisfrage: Ist es wirklich bloß Zufall, dass ausgerechnet in diesem Sommer, in dem der hässliche Deutsche endgültig zurückgekehrt ist, "Mitleidlosigkeit zur Konsenshaltung" gerinnt (Georg Seeßlen) und das braune Pack sich nicht mehr genötigt sieht, sich irgendwie noch einen Zwang anzutun, so intensiv über den Stadtteil Duisburg-Marxloh berichtet wird? Glaubt man dem, was so geschrieben wird, dann ist das ja eine No-go-Area, in der Hell’s Angels und Clans aus  libanesischen Muskelbergen ein wahres Schreckensregime errichtet haben. Kein Biodeutscher, wird suggeriert, könne sich mehr dorthin trauen, ohne Gefahr zu laufen, ausgeraubt zu werden oder Drogen aufgeschwatzt, die Tochter geraubt, mindestens jedoch ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen. Oder, horror of horrors, ohne dass Kinder auf Autos trampeln. Oder alles gleichzeitig. Buh!

Montag, 24. August 2015

In sehr dickem Strahl


Nun ja, vielleicht müssen wir doch noch mal über Meinungsfreiheit reden, auch wenn der Hals schon schmerzt. Vor allem aber schmerzen die Augen. Da haben die Widerstandskämpfer und Besorgten BürgerTM der Nation am Wochenende wieder einmal wahre Heldentaten begangen bei der Rettung des christlichen Abendlandes. Im sächischen Heidenau haben sie besonders nachdrücklich gezeigt, was passiert, wenn man - mimimimimi! - ihre Sorgen und Nöte nicht ernst genug nimmt. Macht man dann, trotz aller Bedenken, dennoch den Fehler, sich den Kommentarbereich unter einem x-beliebigen Artikel zum Thema anzusehen, befällt einen das ganz dringende Bedürfnis, in sehr dickem Strahl zu kotzen ob des ganzen Relativierens, Beschwichtigens und sich in Opferpose Werfens.

Donnerstag, 20. August 2015

Zocken wie damals


Erinnert sich eigentlich noch jemand an Point-and-Click-Adventures? (Die die Frage mit 'ja' beantwortet haben, können diesen Absatz getrost überspringen.) Das waren Spiele, die man meist noch von Disketten auf seinem Desktop-PC installieren musste und in denen man per Maus einen oder mehrere Helden steuern musste. Man konnte in der Regel kein Leben verlieren, es gab auch keine Skills und Erfahrungspunkte zu holen oder Feinde zu bekämpfen. Es ging nur darum, Rätsel zu lösen, indem man mit anderen Charakteren redete, Gegenstände einsammelte, diese per Maus irgendwie verwendete, sie mit anderen Gegenständen kombinierte, bis man der Sache irgendwann auf den Grund gegangen war.

Dienstag, 18. August 2015

Bedrohte Arten


Heute: Das Kompliment


Wir wollen fair sein. Es mag sein, dass es nicht der Feminismus allein ist, der die Geschlechterbeziehungen in den Augen vieler so kompliziert gemacht hat. Nur ist, wenn es zwischen den Geschlechtern kompliziert wird, meist eine Feministin nicht weit. Ferner ist es ein Irrtum, wenn auch ein verbreiteter, dass Feminismus sich gegen Männer richte. Das stimmt insofern nicht, als dass Feminismus sich im Zweifel gegen alles richtet, was nicht auf dessen Linie liegt. Also durchaus auch gegen Frauen, das vielleicht gar in höherem Maße. Wer das nicht glaubt, sehe sich an, mit welchem Absolutheitsanspruch auf Deutungshoheit Alice Schwarzer gegen Amnesty International auskeilte - eine Organisation mithin, die bislang nicht eben als Zuhälter- und Mädchenhändlerring auffällig geworden ist.

Samstag, 15. August 2015

Ein Knackpunkt?


Es gibt Knackpunkte, die sich erst hinterher als welche erweisen. Im Frühjahr 1989 etwa ging in West- wie Ostdeutschland noch alles seinen gewohnten bleiernen Gang und jeder, dem man gesagt hätte, am Ende diesen Jahres würden die Grenzen offen sei, Reisefreiheit herrschen und man würde von Wiedervereinigung reden, hätte einen schallend ausgelacht. Im Mai des Jahres fanden in der damaligen DDR Kommunalwahlen statt. Die SED hatte nichts anderes gemacht als all die Jahre zuvor und die Ergebnisse ins Groteske frisiert. Doch dieses Mal schluckte das Volk die Wahlfälschungen nicht mehr achselzuckend und protestierte erstmals seit 1953.

Montag, 10. August 2015

Wunderland mit Rissen


Immer wenn ein Modellbahnhersteller pleite geht, wie jetzt Fleischmann, gibt mir das einen klitzekleinen Stich ins Herz. Sollte Fleischmann es nicht schaffen, wieder auf die Beine zu kommen und verschwinden, dann ginge da wieder ein Stück Kindheit und ein Stück ihres Zaubers. Natürlich ist mir bewusst, dass Modellbahnhersteller schnöde Unternehmen sind wie alle anderen auch, die Gewinne machen müssen und wollen und eben irgendwann weg vom Fenster sind, wenn das nicht mehr der Fall ist. Trotzdem hat sich bei mir der Rest des Kinderglaubens gehalten, dass Firmen, die die Menschheit mit so etwas schönem bereichern, vielleicht doch etwas Besonderes sind. Ist natürlich Quatsch, aber richtig objektiv bin da bis heute nicht, siehe oben.

Samstag, 8. August 2015

Jung & Fromm


Zu den mit Abstand unterhaltsamsten Eigenschaften des Feminismus zählt ja seine (warum eigentlich ist ausgerechnet 'Feminismus' ein Maskulinum?) immer wieder aufblitzende Doppelmoral. Frauen sind grundsätzlich die besseren Menschen, Männer hingegen Schweine. Sollten Frauen doch einmal nicht die besseren Menschen sein, dann nur aus Notwehr. Quod licet Iovi non licet bovi. Wahlweise sind Frauen höhere Wesen, die alles können, und das auch noch besser, oder hilf- und schutzlose Opfer, die mit aller Macht des Gesetzes geschützt werden müssen. Wie es eben gerade passt. So wird auch eine Titelzeile wie "Töchter sind die einfacheren Nachfolger" offenbar nicht als sexistisch empfunden. Stünde dort aber etwas wie "Söhne sind die einfacheren Nachfolger", es täte vermutlich gewaltig rappeln im Karton.

Freitag, 7. August 2015

Propagandistisches Eigentor


Einem Ratschlag Wiglaf Drostes zufolge (wann und wo er ihn gab, ist mir im Moment entfallen), sollte man sich in der Schweiz mit Komplimenten über das Land lieber zurückhalten. Wer sich Einheimischen gegenüber allzu schwärmerisch ergehe über die Schönheit der Landschaft, die dezente Freundlichkeit der Bewohner, die köstlichen Spezialitäten, die Sauberkeit und Sicherheit der Städte, mache sich damit nicht etwa beliebt, sondern müsse vielmehr damit rechnen, misstrauisch beäugt zu werden: Was führt der Ausländer im Schilde? Will er jetzt, nachdem er sein Geld dagelassen hat, etwa noch länger bleiben? Sich am Ende gar häuslich niederlassen hier? 

Mittwoch, 5. August 2015

Jagdszenen im Netz


Letzte Woche hat es ja Cecil erwischt. Walter Palmer, ein Zahnarzt aus Minnesota, hatte gegen entsprechendes Kleingeld die Lizenz erworben, in Simbabwe einen Löwen zu erlegen, heißt es, und tat nicht nur so, sondern postete auch noch Fotos von seinem Erfolg in die sozialen Netze. Sieh herab, Ernest Hemingway! Dummerweise hatte er mit Cecil so was wie das inoffizielle Maskottchen des Nationalparks weggepustet. Ach so, eine Angestellte begrapscht haben soll er auch noch, der Ungut.

Montag, 3. August 2015

In der Nudgokratie


Mein ehemaliger Adoptivhund, ein freundlicher Boxer, hatte mich schnell durchschaut. Er wusste, dass ich morgens nach dem Aufstehen meist noch einen Moment auf der Bettkante sitzen bleibe. Genau dann kam er, drängelte sich sanft zwischen meine Beine und setzte sich, den Rücken zu mir, vor mich auf den Boden. Wink mit dem Zaunpfahl: Ausgiebig kraulen bitte, sonst kommst du hier nicht weg, Kollege. Kein Zweifel, das Tier hatte begriffen, was Nudging ist. Hunde können das eh gut. Ein sozialisierter Hund weiß, dass er nicht in der Position ist, Befehle zu erteilen, also versucht er, auf die nette Tour seinen Willen zu kriegen. Etwa, indem er mit seinem Spielzeug im Maul ankommt und einen vorsichtig anstupst oder so.

Samstag, 1. August 2015

Reiseimpressionen (5)


TraumWerk, Anger


Längst nicht allen, die gern ihrem Stolz auf deutsche Wertarbeit Ausdruck verleihen, oft, ohne je selbst einen Handschlag dafür getan zu haben, ist bewusst, dass die Familie Porsche mitnichten aus Deutschland, sondern aus Österreich stammt. Auch die Familie Piëch haust hier in der Gegend. Gut, wir wollen nicht pingelig sein. Als der alte Ferdinand Porsche noch im Auftrag des Gröfaz KdF-Wagen und Panzer entwarf, war er zwangsläufig Deutscher, weil der Staat Österreich da gerade Pause hatte, aber das nur am Rande. Ist zwar unwichtig, mag aber die Frage beantworten, warum der Porsche-Spross Hans-Peter ausgerechnet in Anger bei Ainring ein Privatmuseum namens TraumWerk errichtet hat (man beachte übrigens die originelle Binnenmajuskel - ich sag's ja, Profis eben).

Freitag, 31. Juli 2015

Reiseimpressionen (4)


Rupertus-Therme, Bad Reichenhall

Die Gegend hier nennt sich Rupertiwinkel. Diese alte, auf den heiligen Rupert bzw. Rupertus zurück gehende Bezeichnung wurde irgendwann für das Tourismusmarketing entdeckt. Alleinstellungsmerkmal, Baby! Daher bekommt hier so ziemlich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist oder sich mit Händen und Füßen wehrt, das Präfix 'Rupertus-' bzw. 'Ruperti-' vorn dran getackert.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Reiseimpressionen (3)


Vorder- und Rückseiten

Eigentlich gibt es einiges, das die Altstadt von Salzburg für mich zu einem höchst unsympathischen Fleckchen Erde machen müsste. Fängt damit an, dass hier zu Festspielzeiten einer der größten Promi- Wichtig- und Adabei-Auftriebe des Planeten herrscht. Geht damit weiter, dass die Weltkulturerbe-Altstadt vielerorts aussieht wie ein auf Hochglanz poliertes Touristen-Disneyland. Und ist mit Phänomenen wie dem, dass um die proppenvolle Getreidegasse herum an gefühlt 80 Prozent der Lokale und anderen vom Fremdenverkehr lebenden Betrieben 'Nepper, Schlepper, Bauernfänger' als unsichtbare Leuchtschrift zu prangen scheint ("Authentic Austrian/Bavarian food!"), noch lange nicht zu Ende. Außer Venedig und Schloss Neuschwanstein gibt es wohl nur wenige andere Orte, an denen sich solche Touristenmassen, vornehmlich aus Fernost, Italien und den USA, so klischeehaft benehmen wie hier.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Ich will Kühe!


Da ich zunehmend das Gefühl habe, nix Vernünftiges mehr zusammengeschrieben zu bekommen, trifft es sich, dass ein paar Tage Urlaub anstehen. Verabschiede mich daher bis nächste Woche um diese Zeit in eine kurze Sommerpause. Wünsche gute Erholung von mir. Man liest sich!

Montag, 20. Juli 2015

Die Geister, die er rief


Eigentlich müsste ich jetzt sagen, dass Til Schweiger mir, ungeachtet seines filmischen Oeuvres und anderer komischer Auftritte, auf seine alten Tage noch direkt sympathisch werden könnte. Dass er sich für Flüchtlinge einsetzt, ist ehrenwert, verdient Respekt und darf unter Prominenten gern weiter Schule machen. Jede Unterstützung ist willkommen in Zeiten, in denen fast jeden Tag eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgeht. Auch dass er, als seine Facebook-Seite daraufhin von rechtem Deutschland zuerst!-Plebs geentert und vollgemacht wurde, klar Stellung bezog und diese Bande dabei keineswegs beschimpft, sondern vielmehr im genau angemessenen Tonfall angesprochen hat, geht in Ordnung.

Sonntag, 19. Juli 2015

Wir bloggen Food


Ich auch Essen fotofieren! Heute: Vom Einerlei des Frühstückengehens und einer rühmlichen Ausnahme

Frühstücken gehen, geplant und im Rudel (in der Anglizismenhölle auch brunchen genannt) - das Wochenendvergnügen jener Ältergewordenen, deren Schlafbedürfnis oder deren familiäre Verpflichtungen durchfeierte Nächte und ähnliche Exzesse nicht mehr zulassen. Man kann das verspotten als Kaffeekränzchen für junge Spießer, die bloß noch nicht wahrhaben wollen, dass sie welche sind. Ab einem gewissen Alter aber, let's face it, ist so ein gemeinsames Sonntagsfrühstück oft die einzige Möglichkeit, ein paar alte Freunde und Bekannte mal an einen Tisch zu kriegen, denn am Sonntagvormittag haben viele noch am ehesten Zeit, seitdem der sonntägliche Kirchgang eher zum Event einer Minderheit geworden ist.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Oans, zwoa, gsuffa!


Machen wir uns nichts vor, sie werden das mit der Prohibition wieder in Angriff nehmen. In Baden-Württemberg haben sie die ersten Schritte jetzt eingeleitet und öffentliches Trinken nach 22:00 Uhr untersagt. Sicher, es wird noch eine Zeit dauern, bis Alkohol so stigmatisiert sein wird wie heute Tabakrauch, aber er wird es irgendwann sein, da mache ich mir nur wenig Illusionen. Ich weiß das, weil ich die Anfänge der Anti-Rauch-Bewegung in den Achtzigern mitbekommen habe. Auch damals wurden die ersten Aktivisten noch allgemein belächelt, ihre hinkenden Vergleiche bespottet, ihr demonstratives Rumhusten ignoriert. Irgendwann um die Jahrtausendwende gewann das alles mächtig an Schwung und wenige Jahre später war die einst allgegenwärtige Fluppe aus dem öffentlichen Leben weitgehend verschwunden.

Montag, 13. Juli 2015

Eine Nacht mit Folgen


Warum leider einiges dafür spricht, dass Europa seit heute offiziell am Arsch ist

Es ist mehr ein Gefühl, und es ist kein gutes. Normalerweise neige ich so wenig zum Unken und Schwarzsehen wie dazu, hier mehr als einen Text pro Tag zu veröffentlichen. Ich versuche normalerweise immer, einer Sache irgendwie noch etwas Positives abzugewinnen. Heute hingegen, wie gesagt, beschlich mich ungewohnt intensiv ein höchst ungutes Gefühl. Als ich von der sogenannten Einigung mit Griechenland erfuhr, dachte ich spontan: Das geht nicht gut aus, das wird uns in nicht allzuferner Zeit noch bitter auf die Füße fallen. Schuldenlogik hin oder her, aber so sollten befreundete Staaten nicht miteinander umgehen.

Es bröselt


Sag mal, AfD, bzw. das, was davon noch übrig ist: Was musste man denn da über diesen Essener Parteitag lesen, auf dem dein Gründer Bernd Lucke aus dem Amte gekegelt wurde? Ich meine, dass man ihn abgewählt hat, ist ja Demokratie 1.01 für Dummies und selbstverständlich völlig in Ordnung, nix dagegen. Aber dass er während seiner Rede rüde ausgepfiffen und ausgebuht wurde, das bringt mein politisches Weltbild dann doch ein wenig ins Bröseln.

Samstag, 11. Juli 2015

Fachfremde Expertise


Keine Ahnung, ob an der Geschichte mit dem durch den Menschen hervorgerufenen Klimawandel was dran ist. Scheint mir aber durchaus logisch zu sein. Immer mehr Menschen auf der Erde verballern immer mehr fossile Brennstoffe und verändern damit die Atmosphäre. Kann ich aber nicht beurteilen, fehlt mir das Fachwissen. Selbst, wenn an der Klimawandel-Nummer nichts dran sein sollte: Die Ressourcen unseres Planeten, also bewohnbare Gegend, Bodenschätze, Trinkwasser, urbares Land etc. sind endlich, während die Bevölkerung nach wie vor exponentiell zunimmt – keine schlechte Idee, wie mir scheint, fleißig daran zu forschen, wie die Gattung Mensch sich in absehbarer Zeit möglichst ressourcenschonend benehmen könnte. Just my two cents.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Thilos heiße Tipps


Nein, ich habe dieses Blatt nie gekauft und werde es auch nicht tun. Eines meiner wenigen unumstößlichen Prinzipien im Leben. Auch die Online-Variante meide ich, wo und wie immer es irgendwie geht. Ein Gebot des Anstandes und meiner persönlichen politischen Hygiene. Manchmal jedoch ist es aus Recherchegründen, trotz aller guten Vorsätze, unumgänglich, auf deren Internetseite vorbeizuschauen. Am Dienstag war das wieder einmal nötig geworden. Ich hatte von diesem ungeheuerlichen Pickelhauben-Titelbild Wind bekommen und meine erste Reaktion war: Das haben die jetzt nicht wirklich gemacht, oder? Parodie oder was? So blöd sind doch noch nicht einmal die! Es muss doch noch irgendwas auf der Welt geben, wovor sogar die sich ekeln.

Montag, 6. Juli 2015

Nuhr ein Scherz


Vor mehr als zehn Jahren habe ich einmal ein Liveprogramm von Dieter Nuhr gesehen. Eine ehemalige Studienfreundin hatte mich mitgeschleppt. Ich fands ganz nett, sie hingegen war hinterher hin und weg von diesem, wie sie sagte, "hübschen Kerl". Als ich mich im Foyer umsah, erkannte ich einen Teil von Nuhrs Erfolgsrezept: Viele Frauen mit leuchtenden Augen, die meisten Männer wirkten mäßig begeistert. Die Damenwelt scheint einfach abzufahren auf seinen Dackelblick, seine dunklen Wuschelhaare und seine vom Zahn der Zeit vergleichsweise wenig gebeutelte Figur und sie nötigt männliche Begleiter zum Mitkommen.

Sonntag, 5. Juli 2015

Blick in die Zukunft


Von Ausnahmen einmal abgesehen, finde ich diese Unsitte, andauernd sein Essen zu fotografieren, ja reichlich überflüssig. Kommt natürlich ein wenig drauf an. Es ist ein Unterschied, ob jemand das macht, um auf ein besonders gutes Restaurant hinzuweisen oder sich bloß mit exklusivem Gespachtel dicke tun will. Manchmal kann das aber auch aufklärerische Wirkung entfalten und etwas in Bewegung bringen. Als zum Beispiel die neunjährige Martha Payne jeden Tag Bilder ihres Schulessens ins Netz stellte, wirbelte das mächtig Staub auf. Viele Menschen waren entsetzt, was für eine billigstmögliche Schulabspeisung den Kindern und Jugendlichen da Tag für Tag vorgesetzt wurde und empörten sich, dass Caterer für den Conveniencemampf allen Ernstes 2,50 Euro pro Kopf und Tag abrechneten.

Freitag, 3. Juli 2015

Hitzefrei


Nicht, dass ich das hier jedes Jahr unnötigerweise ausbreiten möchte, aber wenn es ein Wetter gibt, das ich wirklich abgrundtief, glühend und aus ganzem Herzen hasse, dann so eine Bullenhitze wie im Moment. Macht mich körperlich wie geistig inaktiv. Thermisch induzierte Großhirninsuffizienz. Vom Körperlichen reden wir erst gar nicht. Und der Klimawandel verheißt diesbezüglich für die Zukunft auch nichts Gutes. Also lieber hitzefrei nehmen vom Schreiben. Besser für alle.

Dienstag, 30. Juni 2015

Elitäre Abrissbirnen


Schreib doch mal was zu Griechenland! So meldete sich in letzter Zeit immer öfter eine innere Stimme. Leider fällt mir zu Griechenland wenig ein, das nicht schon x-fach gesagt worden wäre. Die ganze griechische Komödie, die sich da vor unseren Augen abspielt, scheint mir neben vielem anderen, von dem ich keine Ahnung habe, zunächst einmal eine totale Bankrotterklärung der Eliten und eine Kernschmelze der Mediendemokratie. Das kommt mir vor lauter Ultimaten und letzten Chancen ein wenig zu kurz. Eliten und Mediendemokratie sind nämlich gerade dabei, den letzten Rest an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Montag, 29. Juni 2015

Netter Versuch subtilen Sponsorings


Das Westmünsterland ist eine echt schöne Ecke. Fahren Sie mal hin, wenn Sie in der Nähe sind. Kann man kaum verfehlen. Alles, was westlich von Münster, östlich der niederländischen Grenze, nördlich der Lippe und noch in Nordrhein-Westfalen liegt, ist Westmünsterland. Viel Gegend, viel Grün, jede Menge Schlösser, viel Himmel, nette kleine Städtchen. Doch, nett.

Und die Kombination aus Sandstein und Klinker, überall. Fällt Auswärtigen meist sofort auf. Fassaden mit Münsterländer Kohlebrand verblendet, Tür- und Fensterstürze sowie eventuelle Zierelemente aus Baumberger Sandstein, so baut man seit Jahrhunderten hier, das ist der heilige Zweiklang, vom Bauernkotten bis zum Residenzschloss. Auch bei Neubauten kommt es übrigens vor, dass traditionsbewusste Bauherren wenigstens ein bisschen Sandstein an ihre nach Möglichkeit verklinkerten Reihenhäuser basteln, so sie sich's eben leisten können.

Freitag, 26. Juni 2015

Rettet die Bundesjugendspiele!


Da hat doch eine gewisse Christine Finke, allein erziehende Mutter und Bloggerin eine Petition ins Leben gerufen, die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Interessanter, wenn auch befremdlicher Gedanke. Begründung? Finke kann "... nicht verstehen, warum es heute noch für gut befunden wird, Kinder zu zwingen, sich in eine sportliche Wettbewerbssituation zu bringen, die mit Demütigung und Ohnmachtsgefühlen vor der Peer Group verbunden ist."

Weiter meint sie: "Sport sollte Spaß machen und ein positives Körpergefühl vermitteln. Aber die Bundesjugendspiele leben von Wertung: Aufwertung und Abwertung einzelner auf Kosten anderer. Oft ist das Lehrpersonal auch noch so unsensibel, die Unterschiede zwischen den Kindern besonders herauszustellen bei der anschließenden Vergabe der Urkunden in der Klasse. Bei einem Wettkampf gehöre es dazu, heißt es dann. Aber welchen Sinn hat ein Wettkampf, dem man sich nicht freiwillig stellt und bei dem Einzelne schon vorher wissen, dass sie am unteren Ende der Leistungsskala sein werden?"

Dienstag, 23. Juni 2015

Cherchez la femme!


Die Geschichte ist altbekannt: In Aristophanes' gleichnamiger Komödie schart die Athenerin Lysistrata mitten im Peloponnesischen Krieg (431-404 v.Chr.), in dem die Athener und ihre Verbündeten mit den Spartanern und ihren Verbündeten im Clinch lagen, Frauen aus allen beteiligten Stadtstaaten um sich. Die sollen sich ihren Krieg führenden Männern so lange sexuell verweigern, bis der Hormonstau die Streithähne zur Vernunft bringt. In der Literatur war das ein Erfolg, im wirklichen Leben neigt Gevatter Machtmensch mir doch arg dazu, seine Gespielinnen bei Bedarf auszutauschen.

Samstag, 20. Juni 2015

Lizenz zum Kinderkriegen


Samstagabend, mitten im Hochbetrieb, bricht es aus ihr heraus. Meine Frau Elisabeth verschafft sich Luft, den Grund kenne ich nicht, aber Ihre Rede ist klar und logisch: "Deutschland ist das Land der Verordnungen, Gesetze ohne Ende, Ausnahmen zu Gesetzen sind auch Legion. Zum Kindle machen braucht man aber komischerweise keine Prüfung wie beim Führerschein, oder gar wie beim sogenannten Idiotentest!"

Also berichtete Vincent Klink, des Landes bei weitem sympathischster medienpräsenter Koch, jüngst in seinem Tagebuch. Und wer würde der langjährigen, weltbesten Ehefrau dieses vielseitig begabten barocken Schwaben schon widersprechen wollen?

Donnerstag, 18. Juni 2015

Nutella, aus Prinzip


Es ist vielleicht besser, wenn ich vorwegschicke, dass ich mir kaum etwas aus Süßigkeiten mache. Wenn ich mal Schokolade da habe, etwa wenn ich welche geschenkt bekomme, dann wird sie regelmäßig schlecht, so ich nicht beizeiten daran denke, sie an Leckermäuler weiterzuverschenken. In letzter Zeit hat sich das ein klein wenig geändert. So habe ich jetzt deutlich öfter nicht nur Eiswürfel, sondern auch Speiseeis im Froster, weil ich manchmal Lust darauf bekomme. Vielleicht ist es das fortschreitende Alter, vielleicht liegt's auch daran, dass ich nicht mehr rauche. Irgendwo las ich, Nikotin griffe irgendwie in den Blutzuckerhaushalt ein. Keine Ahnung.

Dienstag, 16. Juni 2015

Alberner Kulissenzauber


"So Meester, der Rohbau is fertich. Wat soll jetzt für nen Stil außen dran?" (Anonymer Polier der Gründerzeit)

Das Land war gerade wiedervereinigt, da machte die konservative Elite sich daran, den Palast der Republik, eines von Erich Honeckers Lieblingsobjekten, aus Berlins Mitte herauszuexorzieren (natürlich war das ein Elitenprojekt, denn das Volk wurde nicht gefragt). Wiewohl die Asbestsanierung ab Beginn der Neunziger nötig gewesen sein mochte, verengte die Debatte darüber, was mit dem in den Rohbauzustand zurückversetzten Torso geschehen sollte, sich dank der beharrlichen Lobbyarbeit des einflussreichen Fördervereins Berliner Schloss e.V. sehr bald bloß noch auf die Frage, ob das 1950 gesprengte Stadtschloss nun wiederaufgebaut werden sollte oder nicht, sondern wie aufwändig sich das gestalten sollte.

Freitag, 12. Juni 2015

James, at last


Na, wer erinnert sich noch an Partykeller? Diese Räuberhöhlen des Frohsinns begannen sich westdeutsche Wohlstandsfamilien vermehrt ab den Sechzigern unter ihren Eigenheimen einzurichten (wie das im Osten war, weiß ich nicht, ich glaube, da war’s eher die Datsche, oder?). Die gab es nicht allein aus Spaß, sondern auch, weil genau der Platz im Keller frei war, den die vorige Generation noch zum Einlagern von Vorräten genutzt hätte, für schlechte Zeiten. In den Achtzigern wurde der Partykeller dann zunehmend von der Heimsauna verdrängt, danach von Fitnessgeräten. Seither verzichten immer mehr Häuslebauer gleich ganz auf einen Keller. Aus Kostengründen

Dienstag, 9. Juni 2015

Dresdner Phantasmagorie


"Im richtigen Leben können Nerds manchmal lästig werden, weil sie monomanisch Kommunikation auf einen Gegenstand konzentrieren oder ansonsten vollständig verweigern. Der Nerd wird indes ernsthaft dekultivierend, wo er den Geltungsbereich seines Kultes militant ausdehnen will." (Georg Seeßlen)

Von Vorzeigedemokrat Lutz Bachmann (der glaubt immer noch, für die Mehrheit zu sprechen und wollte daher den gewählten Dresdner Stadtrat per Unterschriftensammlung auflösen, bis man ihn darüber aufklärte, dass das so ohne weiteres nicht geht), war die bei der Hamburger AfD gescheiterte Tatjana Festerling ins Rennen um das Dresdner Oberbürgermeisteramt geschickt worden, um die dank Pegida strumreif geschossene reparierte Elbmetropole endgültig zu nehmen. Jetzt ist die Kampagne des Westimports gescheitert, Frau Festerling abgeschlagen hinter Eva Maria Stange (SPD), Amtsinhaber Dirk Hilbert (unabhängig) und Markus Ulbig (CDU) gelandet und sie tritt zum nächsten Wahlgang nicht mehr an. Haben sie jetzt wieder was zum Rumjammern übers Mundtotgemachtwerden und über Kampagnenjournalismus gegen sie. Einer außer ihnen selbst muss ja schließlich schuld sein.

Sonntag, 7. Juni 2015

In eigener Sache: Warum moderiert wird


Fast vier Jahre hat es gedauert, bis ich mich gestern zum ersten Mal gezwungen gesehen habe, einen Kommentar zu löschen und die Kommentarfunktion auf Moderation umzustellen. Musste wohl irgendwann passieren, ist vermutlich der Lauf der Dinge. Das tut mir aufrichtig leid für alle, die hier seit langem immer angemessen, freundlich und fair kommentiert haben, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanke. Es ist schade, dass ich vielen eine Freiheit einschränken muss, weil einzelne offenbar wirklich nicht damit umgehen können. Doppelt schade, weil die Schwelle zum Kommentieren dank der nicht abschaltbaren Captchas ohnehin schon hoch genug ist. Bestätigt andererseits auch wieder meine These von vorgestern.

Freitag, 5. Juni 2015

Es ist Sommer, zieht euch was über!


In den meisten Fällen ist es ja gut und richtig, dass viele unsinnige Konventionen und Einengungen, die nur existierten, weil sie halt immer irgendwie da waren und nie infrage gestellt wurden, im Orkus der Geschichte verschwunden sind. Zum Beispiel kommt es einem rückblickend völlig verrückt vor, dass der Komment einmal von Menschen in unseren Breiten verlangte, auch im heißesten Sommer grundsätzlich mit Schnürmieder, Bratenrock und Vatermörder herumzulaufen (und sich dabei vermutlich zu fühlen wie eine Sauna auf zwei Beinen). Wer solchen Zuständen ernsthaft hinterhertrauert, sollte sich fragen, ob er vielleicht nicht doch eine masochistische Ader mit sich herumträgt.

Dienstag, 2. Juni 2015

Unternehmertum, das Freude macht


Vor inzwischen etlichen Jahren, wir zahlten noch in guter alter D-Mark, jobbte ich an einer 24-Stunden-Tanke, um an ein paar Extraflocken fürs Studium zu kommen. Manchmal hatte ich Nachtschicht. Warf einem zwar ein wenig den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander und am Wochenende war meist ziemlich Stress, dafür hatte man werktags so ab eins ein paar Stunden Ruhe und ist zum lesen gekommen.

Gegen halb fünf in der Früh pflegte der Tag langsam zu erwachen. Ab da bis in den späten Vormittag war der mit Abstand meistverkaufte Artikel die meistverkaufte Tageszeitung Deutschlands. Zu Anfang, als ich meine Pappenheimer noch nicht so kannte (Tankstellen in Stadtgebieten haben zu bestimmten Tageszeiten vorwiegend Stammkundschaft) ist es mir zwei, drei Mal passiert, dass ich eine Art Tunnelblick bekam und bei jedem Kunden routinemäßig ein Exemplar aus dem Stapel neben der Kasse dazulegte und bonnierte. Nur wenige protestierten und meinten: "Hey, die wollte ich aber nicht!" oder so. Genau weiß ich es nicht, aber 150 bis 200 Stück sind pro Tag wohl locker über den Tisch des Hauses gegangen.

Sonntag, 31. Mai 2015

Zum weinen


Aus der Welt der Kinderbücher

Kinderlosigkeit hat ja - Platitüdenalarm! - so ihre Vor- und Nachteile. Die Nachteile könnte man jetzt lang und schmutzig ausbreiten, aber das würde hier vielleicht den Rahmen sprengen. Daher Kurzfassung: Natürlich sind Kinder oft eine Bereicherung. Sie können anstrengen, manchmal möchte man sie auf den Mond schießen, aber sie vermögen auch unendlich viel zurückzugeben. Ein wenig kann ich da mitreden, war ich doch eine Zeit lang patchworkender Stiefvater.

Freitag, 29. Mai 2015

Fairness für Blatter!


Natürlich war die Vergabe der WM 2022 an das Emirat Katar eine (vermutlich hervorragend vergütete) Schnapsidee, ihre Umsetzung in die Praxis ist bislang eine einzige Katastrophe, keine Frage. Natürlich liegt man wohl nicht ganz falsch, wenn man vermutet, dass der Verein komplett verfilzt ist. Selbstverständlich ist es richtig, dass jetzt Staatsanwaltschaften ermitteln, wenn der Verdacht auf Straftaten besteht. Allerdings, und da ist Jens Berger nur zuzustimmen, ist es höchst fraglich, ob eine Abwahl Blatters, vielleicht sogar eine Auflösung der FIFA irgendetwas an den herrschenden Zuständen im Weltfußball verbessern würde. Die nämlich sind das Problem, das Gebaren der FIFA ist bloß Symptom.

Dienstag, 26. Mai 2015

Ich will doch nur gutes Brot!


Oder: Was mein Brot inzwischen mit der Esoterikszene zu tun hat.

Die Welt der Esoterik gilt ja gemeinhin als Nische. Gibt es, hat ihre Anhänger, sollte man nicht allzu ernst nehmen. Sollte man vielleicht doch. Der österreichische Psychologe und Autor Johannes Fischler hat hautnah miterlebt, wie ein Paar, mit dem er viele Jahre gut befreundet war, mehr und mehr in die Szene abdriftete, immer stärker in eine Parallelwelt geriet, sich dabei wirtschaftlich komplett ruinierte und schließlich jeden Kontakt zu ihm abbrach. Für ihn der Auslöser, sich näher mit der Szene zu befassen.

Samstag, 23. Mai 2015

Homophobie, Homophobah...


Es eine Binsenweisheit, dass Leute, die besonders aggressiv kundtun, Probleme mit homosexuell orientierten Mitmenschen zu haben, vor allem mit schwulen Männern, dies nicht selten als Kompensation dafür tun, dass sie diesbezüglich selbst was am stecken haben. Es ist in meinem Umfeld mehr als ein mal vorgekommen, dass Männer, die sich auch im reiferen Alter entsprechend geoutet haben, noch Monate zuvor meinten, Homos auf die Fresse geben zu müssen oder jedem Prügel androhten, der aus reinem Interesse fragte, ob es denn nett gewesen sei gestern in dieser einschlägigen Kneipe. Wiewohl Anekdoten keine Beweise sind, ist dieses Phänomen unter dem Namen Homophobie recht gut erforscht und kann weitgehend als etabliert gelten.

Mittwoch, 20. Mai 2015

War's das?


Lange habe ich mich ja gefragt, wie man diese unterhaltsame politische Veranstaltung namens AfD inhaltlich/semantisch irgendwie zu fassen bekommen könnte. Gut möglich, dass die Frage sich bald erledigt hat, weil der Verein sich, allen Weckrufen zum Trotze, endgültig zu einem scheiternden Sammelbecken für rückwärtsgewandte, wissenschaftsresistente, geschichtsvergessene und rechthaberische 'besorgte Bürger' mausert, womit er sich aus der politischen Landschaft subtrahieren dürfte. Gute Nachrichten für all jene, die es für keine gute Idee halten, senile Fellini-Faces und reaktionäre Gewitterziegen auch nur in die Nähe politischer Ämter zu lassen, in denen sie irgendetwas Amtliches zu entscheiden hätten.

Sonntag, 17. Mai 2015

Neues vom Protestantismus (2)


Dass hier länger als üblich nichts erschienen ist, liegt daran, dass ich letzte Woche einen völlig unerwarteten Todesfall zu verdauen hatte und daher den Kopf einfach nicht frei hatte. Ein ehemaliger Chef und vor allem ein wunderbarer Mensch, der bald auch zu einem Freund geworden war, ist mit nicht einmal sechzig Jahren verstorben. Er hinterlässt eine Ehefrau, vier erwachsene Töchter und seinen im Januar geborenen ersten Enkel, auf den er mächtig stolz war. Zwar bin ich selbst als katholisch sozialisierter Agnostiker unterwegs, doch war es natürlich Ehrensache, den Trauergottesdienst zu besuchen, denn der Verstorbene war tief gläubig, übrigens weitgehend ohne missionarischen Eifer (sonst wären wir vermutlich auch keine Freunde geworden).

Mittwoch, 13. Mai 2015

Deutschlands Next Nichtzicke


Vor einiger Zeit habe ich mich hier für sauberen Trash im Fernsehen ausgesprochen und mich selbst zu gelegentlichem Konsum bekannt. Dafür habe ich teils Zuspruch erhalten, teils Kritik eingesteckt. Alles in Ordnung für mich, denn so lange man miteinander redet, ist alles gut. Trotzdem bleibe ich dabei, dass Fernsehen die Klugen klüger und die Dummen dümmer machen kann und dass es guten und schlechten Trash gibt. Guter erhebt lediglich den Anspruch, zu unterhalten und ein wenig abzulenken. Schlechter Trash manipuliert heimlich, hat miese Subtexte, pflanzt Menschen böse Narrative und destruktive Wertvorstellungen ein.

Samstag, 9. Mai 2015

Wenn die Dummheit mit der Eitelkeit...


Oder: Dummbeutel alter Schule

Keine Ahnung, wie das woanders läuft, aber wenn wir früher gemeinsam Fußball geschaut haben und jemand von der gegnerischen Mannschaft ein besonders brutales, besonders überflüssiges Foul beging, bei dem zudem noch der Schiedsrichter zwei Meter daneben stand, dann konnte es vorkommen, dass wir zusätzlich zur fälligen gelben Karte gleich noch eine zweite hinterher forderten, als Strafe für Dummheit. Gelegentlich passiert es auch, dass ich einem Verbrecher, der sich bei der Ausübung seiner Tätigkeit so richtig strunzblöd angestellt hat, im Stillen noch ein, zwei Extrajahre Bau für klinische Dummheit an den Hals wünsche. Ist natürlich utopisch, weil das leider nicht strafbar ist.

Freitag, 8. Mai 2015

Britische Lektionen


Vor allem Sozialdemokraten und ihnen Nahestehende können aus den gestrigen britischen Unterhauswahlen einmal mehr ein paar unbequeme Dinge lernen. Diese Wahl ist geradezu ein Lehrbuchbeispiel für das, was bei ihnen immer wieder schief läuft. Abgesehen von den Verzerrungen, die das reine, strikt lokal verwurzelte Mehrheitswahlrecht auf der Insel mit sich bringt und einigen landestypischen Besonderheiten ist bleibt es wohl unumstößlich so: Gerade in wirtschaftlich schwierigen, ungewissen Zeiten, in denen wenig Optimismus herrscht, macht bei Wahlen die Mehrheit ihr Kreuz grundsätzlich immer bei dem Kandidaten, der unabhängig vom tatsächlichen Wahlprogramm am überzeugendsten vermittelt, für Stabilität und Kontinuität zu stehen. Und das können Konservative nun einmal am besten von allen, das haben sie so perfektioniert, dass ihnen keiner was vormacht. Sie auf diesem Terrain angreifen zu wollen - aussichtslos.

Dienstag, 5. Mai 2015

Weltuntergänge und andere Bedrohungen


Es hilft nichts, man sollte sich vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, den ich immer seltener loswerde: Die Linke wird den Kapitalismus vielleicht nicht abschaffen, aber es werden paradoxerweise wohl Linke sein, die ihn einmal retten werden. Weil seine eigentlichen Protagonisten zu gierig, zu egoistisch und asozial, schlicht zu blöd dazu sind - mögen sie sich auch noch so sehr als Masters Of The Universe aufspielen. Weil sie nichts anderes können und nie etwas anderes gelernt haben als Ichichich. Linke werden es sein, nein, sie werden es sein müssen, die den Kapitalisten und ihren Stiefelspannern beibringen, dass es besser ist, ein wenig abzugeben als den ganzen Laden an die Wand zu fahren und alles zu verlieren.

Sonntag, 3. Mai 2015

Bildungsfernsehen


Herr Pispers in Hochform. Immer, wenn ich fürchte, der Mann wird langsam alt und verliert sich in Redundanzen, dann dreht er erst so richtig auf. Immer wieder. Diese höchst erhellende halbe Stunde Aufklärung hatte die Tage schon Kollege Klaus Baum bei sich eingestellt. Für alle, die für sich beanspruchen, ein wenig durchzublicken und es noch nicht gesehen haben sollten, ergeht hiermit die als freundliche Empfehlung getarnte Anordnung: Ansehen, begreifen, lernen!

Freitag, 1. Mai 2015

Generation Merkel oder: Fluch der Postmoderne


Wo alles gleich gültig ist, da ist alles gleichgültig.

Der Blogger Aidin Halimi Asl ist genervt von Aufrufen, er und seinesgleichen, vulgo: die junge Generation, solle mal den Arsch hochkriegen und richtig protestieren lernen: "Empört euch, posaunen die Wortführer! Protestiert richtig, schreien die Lehrmeister! Warum unsere Protestbewegungen keine Früchte tragen, fragen sich Kulturschaffende. Halbherzigkeit und Konzeptlosigkeit sind die Diagnosen." Der Ansatz ist mir durchaus sympathisch.

Wobei mir nostalgische Altachtundsechziger, die sich manchmal anhören wie Opa, der vom Krieg erzählt, weniger auf den Sack gehen. Schlimmer finde ich die von ihnen profitiert haben. Die eigentlich ihr ganzes Leben lang immer nur profitiert haben. Die sich, begünstigt auch von der weltpolitischen Lage, bequem im Windschatten der Achtundsechziger in den Siebzigern und Achtzigern in das gemachte Bett aus immer neuen Planstellen gelegt haben und nie wirklich um etwas kämpfen mussten im Leben, weil das immer andere für sie getan haben. Die nichts weiter tun mussten als dreißig, vierzig Jahre zur Arbeit zu gehen, die ihnen sicher war, um die sie weder bangen noch kämpfen mussten und die sie in der Regel nicht kaputt gemacht hat. Und die sich jetzt, als gut versorgte Rentner und Frührentner, von der Terrasse ihres Reihenhäuschens her über die unpolitische Jugend von heute mokieren.

Mittwoch, 29. April 2015

Meritokratie, Baby!


Immer dieses Gemopper über die zunehmende Ungleichheit in Deutschland! Dabei wissen wir doch, dass jeder, der über die entsprechende Begabung verfügt und bereit ist, hart zu arbeiten, die Chance hat, es zu schaffen. Meritokratie eben, Herkunft zählt nicht und jeder ist seines Glückes Schmied und... ach was, Bilder sagen mehr als Worte. Sehen wir uns also ein kleines Beispiel aus den USA an:

Sonntag, 26. April 2015

Dürfen die das?


1. Ja natürlich, was soll diese Frage überhaupt?

Wie zu erwarten war, widmet die 'Titanic' sich in ihrer aktuellen Ausgabe dem recht diskutablen medialen Umgang mit jenem unseligen Germanwings-Flug (Screenshots 1,2,3), und schon sind sie schockiert: Um Himmels Willen, dürfen die das denn? Satire hat doch auch Grenzen! Was soll das? Ich verstehe das nicht. Es ist, wenn ich mich nicht irre, erst ein paar Wochen her, da hielt man dem Moslem noch hochfahrende Vorträge darüber, dass er gefälligst stickum zu sein habe angesichts von Witzzeichnungen. Er habe damit klarzukommen, dass Satire in westlichen Ländern nun einmal grundsätzlich alles dürfe, was eben auch Witze über Religion mit einschlösse.

Freitag, 24. April 2015

Schlimmer geht immer


Wenn jemand einen Hals kriegt bei billigen Wortspielen, vor allem in der Werbung, dann bin ich sofort dabei. Hege doch auch ich eine tiefsitzende Abneigung gegen diese fast immer mit Kuhfuß und Presslufthammer verzweifelt auf lustig ziselierten Kindereien. "Bill ich? Will ich! Harr harr harr!" Clown gefrühstückt, oder was? Dafür kriegen die auch noch Geld! Und zwar nicht wenig! Wer aber die Kampagne um diesen französischen Kaktus auf Rädern schon für die Höchststrafe in Puncto Brechstangenhumor hält, hat sich definitiv noch nicht mit der Werbekampagne dieses Essen-auf-Räder-Akkumulierers befasst. Wobei - letzteres ist eigentlich kaum vorstellbar. Zumindest wenn ich mir anschaue, in welcher Dichte das in meinem Sprengel so plakatiert wird.

Mittwoch, 22. April 2015

Und die SPD so?


Eine Frage hätte ich da mal: Was soll einem eigentlich als alter Sympathisant noch groß einfallen zu der von Sigmar Gabriel angeführten SPD? Haben die immer noch nicht begriffen, dass Angela Merkel eine Art FC Bayern München der deutschen Politik ist? Eine Partei, die es offenbar ums Verrecken nicht mitkriegt oder mitkriegen will, dass sie sich gerade den letzten Rest dessen wegschachern lässt, was von ihren Werten noch übrig ist und das auch noch als Erfolg ausgibt, muss sich fragen, von wem sie überhaupt noch gewählt werden will bzw. warum sie praktischerweise nicht gleich mit der Union fusioniert. Das würde vieles erleichtern und dem geneigten Beobachter des politischen Geschehens zudem eine Menge peinlicher Politiksimulation ersparen, die augenscheinlich nur für die Galerie veranstaltet werden.

Samstag, 18. April 2015

Diese fatale Distanz


Rückblickend kann ich das gut verstehen. Meine selige Oma wusste, was Hunger ist, hatte sie doch eine Familie mit zwei Kindern durch die schwierigen Nachkriegsjahre bringen müssen. So was prägt. Möglich, dass bei ihr Erinnerungen hochkamen, als in den Sechzigern zum ersten Mal Bilder von Hungerkatastrophen in Afrika durch die Medien gingen. Seinen Teller leer zu essen oder nicht, das hatte für sie eine völlig andere Relevanz als für uns Wohlstandskinder. Wenn ich den Rest von Omas portlandzementiger Erbsensuppe ums Verrecken nicht mehr herunterbrachte, weil sich langsam Brechreiz ankündigte und sie mit empörten Unterton sagte: "Und in Afrika hungern die Kinder!", dann war das todernst gemeint, weil wohl am eigenen Leibe erlebt.

Donnerstag, 16. April 2015

So long, Jürgen,...


... and thanks for all the fish!

Auch wenn es einen als jemand, der es mit den Schwarzgelben hält, schmerzen mag: Dass Jürgen Klopp seinen Posten als Trainer von Borussia Dortmund am Ende der Saison verlässt, ist ein souveräner und richtiger Schritt, der zur rechten Zeit kommt. Vielleicht gerade eben noch. Immer deutlicher wurde es, dass die Luft raus war aus dem System Klopp und dass er, dem ein paar Jahre lang alles zu gelingen schien, keine Antworten mehr hatte. Sosehr man es bedauern mag, ich war erleichtert. Mit zunehmender Sorge sah ich, dass da mit Klopp ein Charismatiker mir autokratischen Zügen agierte. Ich habe woanders selbst erlebt, welchen Flurschaden so jemand anrichten kann, wenn er ans Ende seines Lateins gerät und er als kleines Souvenir mal eben den ganzen Laden mit sich in den Abgrund reißt.

Montag, 13. April 2015

Aus der Welt der Wirtschaft


Endlich mal eine gute Nachricht für die noch junge Branche der Mindestlohn-Panikmacher. Bislang wollte ja auch nach 100 Tagen Mindestlohn keine ihrer Schreckensvisionen so recht eintreffen und von großen Jobverlusten ist bislang nicht viel zu spüren. Vielleicht zahlen viele Leute sogar brav etwas mehr für den Haarschnitt oder akzeptieren moderate Preiserhöhungen im Restaurant, wenn sie nicht das Gefühl haben, dreist über den Leisten gezogen zu werden. Jetzt aber könnte es doch noch knüppeldicke kommen, denn: Der Spargel wird teurer! Und da muss der Spaß sich doch endlich mal aufhören. Denn frischer Spargel aus der Region während der Saison hat in Deutschland mittlerweile fast schon Menschenrechtsrang.

Freitag, 10. April 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (8)


"Der Deutsche bastelt gern und der Schwede hat's herausgefunden." (Jochen Malmsheimer)

Natürlich hätte ich es wissen müssen. Jeder Dödel mit mehr als einer Handvoll halbwegs normal vor sich hin tuckernder Gehirnzellen unter der Schädeldecke weiß das. Ist ein Besuch im bekanntesten schwedischen Möbelhaus der Welt zu normalen Zeiten schon nichts für jene, die eine Abneigung gegen Menschenaufläufe haben, so ist das zu gewissen Zeiten im Jahr eine noch schlechtere Idee als sonst. Zum Beispiel vor Weihnachten oder während der Ferien. Da haben nämlich nicht nur alle Lehrer Zeit, nein, auch die Eltern schulpflichtiger Kinder genießen bei vielen Arbeitgebern Vorrang bei der Urlaubsplanung. Deswegen haben auch sie Zeit und Gelegenheit, dem Laden einen Besuch abzustatten. Und zwar alle wie sie da sind. Mit der ganzen Familie. Mit Oma und Opa. Aber die sind Rentner und haben eh immer Zeit.

Mittwoch, 8. April 2015

Bitte recht talentfrei!


Leider, leider wurde das Video schon wieder gelöscht. Aus Copyright-Gründen, nicht wegen groben Unfugs, was weitaus angemessener gewesen wäre. Nur ein Screenshot ist geblieben (facebook!). Daher müssen wir uns hier notdürftig mit Beschreibung, Analyse und dieser Parodie behelfen. Schade, das Teil war wirklich allerliebst. Eine Tante, die sich Jera nennt, wohinter sich die Bogida-Initiatorin Melanie Dittmer verbirgt, hatte ein voll cooles Projekt mit eigenem YouTube Channel ins Leben gerufen um das schlafende Volk mal so richtig aufzuwecken. In dem gelöschten Video latschte sie, von vorn gefilmt, zu den Klängen von Bob Marleys 'Get Up Stand Up' über die Kölner Hohenzollernbrücke, trällerte dazu vier Minuten lang immer wieder den Refrain und pappte etwa in der Mitte des Videos einen Aufkleber mit der Aufschrift 'REFUGEES NOT WELCOME' auf einen Laternenmast. Wow! Nun, Migrant, besinne dich, Volk, steh' auf und Sturm, brich los!

Montag, 6. April 2015

Die verschiedenen Gesichter des Mobs


Sicher, man sollte im Hinterkopf behalten, dass noch nicht abschließend geklärt ist, ob die Brandstiftung in einem als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenen Haus in Tröglitz einen rechtsextremen Hintergrund hat. Wenn nur Teile der Bevölkerung des sächsischen Kaffs im Verein mit einigen Zugereisten in der jüngeren Vergangenheit nicht so vieles dafür getan hätten, dass dieser Verdacht so plausibel erscheint. Die Fairness gebietet natürlich trotz allem, viel Konjunktiv zu verwenden. Nach wie vor ist es sehr wohl möglich, dass das Feuer von einem durchgeknallten Einzeltäter ohne jeden politischen Hintergrund gelegt worden ist.

Donnerstag, 2. April 2015

Chronist eines anderen Landes


So traurig es ist, dass der große Helmut Dietl in einem Alter gehen musste, das heute eigentlich kaum noch eines ist, so ist die Nachricht von seinem Tod auch eine Erinnerung daran, wie anders dieses Land einmal tickte, damals in den Achtzigern, als München so etwas wie die heimliche Hauptstadt war. Mochte Hamburg das Tor zur Welt sein, in Frankfurt die Finanzen erledigt und von Bonn aus regiert werden, wer kulturell und in puncto Lebensart etwas zu sein begehrte, kam, anders als heute, um München eigentlich nicht herum, trotz schon damals legendärer Wuchermieten.

Dienstag, 31. März 2015

Die anderen Aasgeier


Passiert eine Katastrophe wie Germanwings Flug 9525, dann sind unweigerlich die Aasgeier nicht weit. Neben den Gaffern sind Teile der Journaille mit Recht kritisiert worden. Dafür, wie sie jedes noch so windige Gerücht herausgeblasen und als Nachricht ausgegeben haben. Oder dafür wie einige besonders unappetitliche Vertreter der Zunft widerliche Kampagnen Marke 'Hängt das Schwein, wenn es nicht schon tot wäre!' gegen den Copiloten lostraten, ohne sich auch nur einmal mit Fragen aufzuhalten wie zum Beispiel der, wie es dessen ebenfalls trauernden Hinterbliebenen damit gehen könnte. Oder dafür, wie einige besonders eifrige Nachrichtensammler die Disziplin des Schülerschüttelns erfanden und Minderjährige gegen Bares um O-Töne ankoberten.

Sonntag, 29. März 2015

Quotenpiloten


Gelegentlich fliege ich mit dem als Fluglinie getarnten Leutezusammenpfercher easyJet von Dortmund nach Luton und ein paar Tage später wieder zurück. Verwandtschaft besuchen, büschen Londoner Luft inhalieren and all that Jazz. Vor ein paar Jahren waren auf dem Hinflug, was die Crew des Fliegers anging, die hergebrachten Geschlechterverhältnisse auf den Kopf gestellt: Der obligatorischen Durchsage nach dem Start zufolge, war die Cockpitcrew rein weiblich, die Kabinencrew hingegen zu 100 Prozent männlich. Ok, vielleicht handelte es sich bei den Flugbegleitern, einem alten Klischee gemäß, in Wahrheit um im falschen Körper gefangene Flugbegleiterinnen, aber das tut hier nichts zur Sache.

Freitag, 27. März 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (7)


Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich in bestimmte Situationen gerate, passiert es mir manchmal, dass mir Szenen aus Filmen und oder Comics in den Sinn kommen, die aus irgendwelchen Gründen einmal auf meiner körpereigenen Festplatte gelandet sind, weil sie einfach passen wie Arsch auf Eimer. Weil mich das, was ich da gerade erlebe, mich so daran erinnert und man das einfach nicht besser sagen kann.

In Ralf Königs modernem Klassiker 'Der bewegte Mann' zum Beispiel kommt folgende, gleichermaßen zeitlos gültige wie hochkomische Episode vor: Die Co-Hauptfigur Norbert Brommer möchte sich gemeinsam mit zwei Freunden einen schönen Abend machen und sich in einem Programmkino die Visconti-Verfilmung von 'Der Tod in Venedig' ansehen. Als die drei vor Ort ankommen, stellt sich heraus, dass es sich um ein stinknormales 08/15-Kino handelt, von dem mit Rigipsplatten ein kleines, hellhöriges Nebengelass mit winziger Leinwand fürs ambitionierte Minderheitenprogramm abgetrennt ist. Dort läuft 'Tod in Venedig', während im Hauptkino das heute völlig zu Unrecht vergessene Meisterwerk 'Ruckzuck ist die Fresse dick' von und mit Sylvester Stallone gegeben wird.

Mittwoch, 25. März 2015

Unter den Opfern auch Deutsche


Es ist furchtbar, was passiert ist. Dass 150 Menschen bei jenem Flugzeugabsturz gestorben sind. Dass zirka 70 Deutsche darunter waren, macht es nicht schlimmer. Sicher, sie sind einem örtlich meist näher als Tote aus anderen Ländern, aber warum sollte es deswegen schlimmer sein? Hielte ich mich gerade in Frankreich auf, ginge mir der Tod der französischen Passagiere einen Millimeter mehr oder weniger nahe? Kaum. Menschen mussten sterben, zum Teil junge Menschen. Nur das zählt und es ist furchtbar, gar keine Frage. Begegnete ich jemandem der Hinterbliebenen und es käme dazu, ein paar Worte zu wechseln, ich würde natürlich mein aufrichtiges, ehrlich empfundenes Mitgefühl äußern. Nähme ich an einer Gedenkveranstaltung teil, bei der Hinterbliebene zugegen wären, es würde mich vermutlich sehr anfassen.

Sonntag, 22. März 2015

Tölen und Trottel reloaded


Einem verbreiteten Vorurteil zum Trotze, ist es nicht so, dass Fanatiker grundsätzlich humorlos wären, doch ist ihr Humor in der Regel ein armseliger und hinterhältiger. Lachen können sie wohl, aber nur dann, wenn es ihren Gegnern an den Hals geht. Sind sie hingegen qua Humor gefordert, auch mal über sich zu lachen, kann es schlimmstenfalls zu Aggressionen kommen. Das liegt, klar, an ihrer einseitigen Wahrnehmung der Welt, dass sie sich, resp. ihre Sicht auf selbige für die einzig Maßgebliche halten und daran, dass sie sich prinzipiell in der Defensive fühlen. Eine Zeit lang musste ich es beruflich mit einem Ultrafan des anderen, des königsblauen Vereins aushalten. Gewann sein Verein und verlor meiner, dann schien ihm die Sonne aus dem Hintern und alle mussten seine schalen Scherzchen ertragen. War es umgekehrt, dann kam man ihm besser nicht zu nahe.

Donnerstag, 19. März 2015

Terror in Bankfurt


Eröffnungen von Verwaltungsgebäuden sind normalerweise keine ausgelassenen Partys, sondern eher nüchterne Events. So konnte es nicht überraschen, dass auch die Eröffnung des babylonischen EZB-Turms kein fröhliches Volksfest werden würde. Dass es aber eine wurde, die gesichert werden musste wie eine Partie zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund, weil sonst zu befürchten gewesen wäre, dass Sicherheit und Gesundheit der Protagonisten um Mario Draghi und seine Handvoll Festgäste offenbar nicht mehr hätte gewährleistet werden können, sagt so einiges darüber aus, welche Formen das Verhältnis zwischen dem Volk und seinen Institutionen inzwischen angenommen hat.

Dienstag, 17. März 2015

Verdammte Selbstkritik aber auch!


Einem Bericht der 'Süddeutschen Zeitung' zufolge, versuchen in den USA den Republikanern nahestehende Kräfte, Einfluss auf den Geschichtsunterricht zu nehmen. Besonders sauer stößt ihnen auf, dass Schüler im Rahmen des 'Advanced Placement Program' (AP), dessen Inhalte teilweise auf das Grundstudium an Universitäten angerechnet werden können, lernen sollen, die Geschichte der USA auch kritisch zu reflektieren. Das ist Konservativen, die beseelt sind vom Glauben an die amerikanische Sonderstellung in der Welt, vom Bewusstsein, die USA seien die tugendhaftere, die 'bessere' Nation, die die Fehler anderer nicht gemacht hat, natürlich ein Dorn im Auge und sie setzten schäumenden Mundes alles daran, diese Inhalte wieder aus dem Curriculum zu kippen.

Sonntag, 15. März 2015

Seltsamkeiten


"Schön ist wüst, und wüst ist schön.", so sagen's die Hexen beim ollen Shakespeare. Und in der Tat, manchmal scheint es, als ob die Dinge sich tatsächlich in ihr jeweiliges Gegenteil verkehren. Durchaus oft zu hören ist ja die Klage, der Jugend von heute fehle es eklatant an Allgemeinwissen. Nur scheint das inzwischen längst nicht mehr auf schluffige Youngster beschränkt zu sein. So hätte ich etwa nie gedacht, dass ich als kompletter unternehmerischer Laie und notorisch abhängig Beschäftiger mich einmal bemüßigt fühlen würde, Unternehmern etwas über elementarste marktwirtschaftliche Grundbegriffe beibringen zu müssen, weil diese offenbar immer weniger beherrscht werden.

Donnerstag, 12. März 2015

Suspendierter Stinkstiefel


Warum die Suspendierung eines BBC-Moderators in Ordnung geht und das Gejammer von einer Politisch Korrekten Sprachpolizei Blödsinn ist

Top Gear ist angeblich das erfolgreichste Fernsehsachformat der Welt. Die Sendung läuft in über 200 Ländern und beschert der ehrwürdigen BBC, die sie produziert,  regelmäßig Traumquoten und ordentliche Einnahmen. Man sollte 'Top Gear' übrigens nicht als Autosendung begreifen. Es handelt sich vielmehr um eine Unterhaltungssendung, in der drei Komiker eine Stunde lang entweder Spaß mit dicken und/oder schnellen, auf jeden Fall teuren Autos haben, oder mit alten oder billigen Autos irgendeinen Spökes veranstalten und dabei klar zugewiesene Rollen spielen. Zwischendurch gibt es pro forma ein paar Nachrichten aus der Welt der Autoindustrie und ein Promi wird interviewt. Das Publikum liebt es. Ich meistens auch.

Dienstag, 10. März 2015

Kümmert mich ausnahmsweise


Wer hier schon ein wenig länger unterwegs ist, wird es wohl nicht überraschen zu erfahren, dass der Eurovision Song Contest mir weitestgehend egal ist. Sicher, die Idee hatte in den Sechzigern durchaus ihre Berechtigung. In Zeiten, in denen vielen Deutschen Länder wie Italien oder Spanien so fremd erschienen wie fremde Planeten und nicht wenige einen Teller Spaghetti für eine außerirdische Lebensform hielten, war im Prinzip alles willkommen, das irgendwie taugte, dem gegenseitigen Kennenlernen und der Völkerverständigung zu dienen. Mit den Jahren setzte das Wettsingen dann aber arg Staub an und als ich ab einem gewissen Alter dazu überging, erste zaghafte Versuche zu unternehmen, so etwas wie einen Musikgeschmack zu entwickeln, da wusste ich, dass es besser war, den Grand Prix wegen der Irrelevanz des dort Gebotenen besser zu ignorieren.

Samstag, 7. März 2015

Nicht nur ein Problem


Was genau ist eigentlich das Problem mit denen, die im Fall Edathy aus ihren Löchern gekrochen kommen und so unverhohlen ihre Rachegelüste und Gewaltphantasien in diverse Netze blasen, dass man Jakob Augstein nur zustimmen kann, wenn er meint, wir könnten von Glück sagen, dass Facebook nicht der Rechtsstaat sei? Ist die Empörung des Schauspielerdarstellers Til Schweiger, der in passiv-aggressiver Weise mit seiner Unbildung kokettiert und hartnäckig dem Missverständnis aufsitzt bzw. ihm aufsitzen will, man habe Sebastian Edathy etwas nachgewiesen, oder die groteske Tirade von Jan Leyk, eines Kavaliers alter Schule übrigens, der an der Person Edathys gleich mal eben alles abarbeitet, was mit ihm nicht stimmt und ihm an der Gesellschaft nicht passt, etwa illegitim?