Montag, 19. Januar 2015

Nominiert ist...


... Jan 'Chewbacca' Fleischhauer!

Nicht nur, weil es böse Buben gibt, die anderen nach dem Leben trachten, sondern auch, weil Menschen bekanntlich verschieden ticken, hat man‘s als Innenpolitiker nicht leicht in diesen schlimmen Zeiten. Da gibt es die, die sich andauernd von irgendwas bedroht fühlen, gern jedes Risiko nach Möglichkeit ausschließen würden und deswegen kein Problem mit immer noch schärferen Sicherheitsvorkehrungen hätten. Und es gibt welche, die das alles nicht anficht und die nach dem alten rheinländischen Motto "Et kütt wie et kütt!", durchs Leben gehen. Wie bekommt man das unter einen Hut?

Klar, was ein rechter Sherriff ist, der nutzt reflexhaft jeden Vorwand, um irgendwas zu verschärfen. Steckt ihm in den Genen. Was ein echter Citoyen ist, der skandiert: La liberté ou la mort! So sind auch innerhalb der Bundesregierung die Rollen klar verteilt: Innenminister de Maiziere (CDU) meint, die Vorratsdatenspeicherung habe den Anschlag von Paris zwar nicht verhindert, aber wir bräuchten sie trotzdem. Außerdem sei sie auch gar nicht so schlimm (hat übrigens absolut jeder Arzt damals gesagt, bevor es böse wehtat). Justizminister Maas (SPD) hingegen ist der Ansicht, man dürfe Terroristen nicht in die Falle tappen, Einschränkungen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit seien exakt das, was sie bewirken wollten.

(via netzpolitik.org)
Wie bekommt man das unter einen Hut? Eigentlich gar nicht, sollte man meinen. Man kennt sich ja eh nicht mehr aus, jetzt, da die Montagsmarschierer ob des Verbotes ihres Hobbys plötzlich sogar Unterstützung von Linken und Grünen bekommen, wenn auch nicht inhaltlich. Es braucht wohl ein Superhirn wie den hier lange nicht vorgekommenen Jan Fleischhauer, diesen Gordischen Knoten zu zerhauen. Seine Überlegungen, ventiliert in dessen letzter Kolumne, lauten sinngemäß in etwa wie folgt:
  • Wer gegen die Vorratsdatenspeicherung ist, ist so heroisch, im Namen der Freiheit sein Leben in die Waagschale zu werfen.
  • Wer dafür ist, gehört zu den weniger Mutigen, hat aber ein Recht darauf.
  • Wer meint, wir bräuchten auch in Zukunft keine Vorratsdatenspeicherung, bewegt sich nah am Dummenfang.
  • Die Vorratsdatenspeicherung hat zwar das Attentat nicht verhindert, was sie auch nicht braucht, da sie nicht der Prävention dient, hat aber dafür gesorgt, dass die französische Polizei sofort im Bilde war über das Umfeld der Täter.
  • Auf der NSA herumzuhacken, ist daher echt voll unfair.
  • Dass wir im Namen der freien Fahrt auf unseren Straßen auch jedes Jahr ein paar tausend Verkehrstote hinnehmen, stimmt zwar, ist aber etwas anderes.
Was nun den letzten Absatz angeht, so empfiehlt es sich, ihn ungekürzt und im Ganzen zu zitieren, allenfalls ergänzt um ein paar launige Bemerkungen:

"Eine Begleiterscheinung der postheroischen Gesellschaft ist eine Verkümmerung der Opferbereitschaft. [Konservativsprech für: nur noch verweichlichte Schlaffis hier, früher war alles besser!] Deutschland geht in sein 70. Friedensjahr, eine so lange Zeit ohne kriegerische Verwicklung hat dieses Land noch nie erlebt. [Kosovo? Afghanistan? Egal!] Die Mahnwachen und Demonstrationen, zu denen überall Tausende auf die Straße strömen, gelten als Beweis der Stärke - man kann sie aber auch als Zeichen einer großen Verunsicherung deuten.“ [Nun, wenn zwölf Menschen einfach so abgeknallt werden, dann kann es unter Umständen mal vorkommen, dass die Leute ein bissel verunsichert sind, das nur am Rande.]

Und nun, Ladies and Gentlemen, brace yourself for the conclusion von das Janze:

"Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, dass sie der Staat nicht wirksam schützen kann, wenden sie sich von ihm ab. Das wäre für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit weitaus fataler als ein paar Revisionen beim Datenschutz."

Kapiert? Wenn die Leute sich abwenden von diesem Staat, dann liegt das nicht etwa an immer wachsender Ungerechtigkeit oder dass sie ihre Interessen von der Politik nicht mehr vertreten sehen, sondern zuvörderst daran, dass zu viele in diesem Land glauben, der Staat könne sie nicht adäquat schützen. Und das nur, weil ein paar Bedenkenträger eben nicht postheroisch sind, sondern vielmehr den Helden spielen wollen und Stress machen wegen ein bisschen Datenschutz. Anders gesagt: Eine Begleiterscheinung unserer postheroischen Gesellschaft ist der Mangel an Bereitschaft, Bürgerrechte im Namen der Sicherheit zu opfern.

Respekt! Das muss erstmal einer in einen Gedankengang kriegen. Wenn das nicht in der Liga der legendären Chewbacca-Verteidigung spielt, dann weiß ich auch nicht. Es ist mehr so ein Gefühl, doch deucht mir, dass wir schon im Januar einen heißen Kandidaten für den diesjährigen Hegel-Preis haben. Steinschneider, übernehmen Sie!


Kommentare :

  1. Boah! Ich hatte ja nur den Titel im Reader gesehen und gedacht, das sei bloß irgendeine Glosse… Aber beim Autor Fleischhauer hätte ich erahnen können, daß das womöglich ernst gemeint ist...
    Auf jeden Fall Respekt, bei dem widerlichen Geblubber bis zum letzten Satz durchgehalten zu haben, das zeugt von seelischer Stärke! :)

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