Sonntag, 11. Januar 2015

Skandal in Sachsen!


Kaum zwei Wochen ist das Jahr alt, schon hat es seinen ersten handfesten Skandal! Das haben jedenfalls die Investigativ-Genies jenes Verlages herausgefunden, dessen Name hier aus Gründen der intellektuellen Hygiene nicht genannt werden soll. Was ist geschehen? Hat sich die sächsische Staatsregierung, das haben sie knallhart recherchiert, doch tatsächlich erfrecht, Steuergelder zu veruntreuen, um einseitig Propaganda gegen harmlose, patriotische Bürger zu machen. (Wie voll harmlos die sind, lässt sich übrigens hier nachlesen. Ich will nicht unnötig pauschalisieren, aber heißt es nicht immer so schön, der Fisch stönke vom Kopfe her?)

Bekanntlich hat es am Samstag in Dresden erfreulicherweise eine kleine Kundgebung für Weltoffenheit und Toleranz gegeben. Das scheinen nun ein paar 'Pegida'-Spaziergänger doof zu finden, obwohl es gar nicht speziell gegen sie ging, sondern, wie gesagt, bloß für Weltoffenheit und Toleranz demonstriert werden sollte, also alles Sachen für die sie doch angeblich auch sind. Gut, klar, war natürlich auch voll unfair, denn die Demo fand ja an einem Samstag statt, da haben viele frei. Insgesamt kann es aber in den Augen paranoider, pardon, patriotischer und beseppelter, pardon, besorgter Bürger, die sich für das eigentliche Volk halten, eigentlich nicht sein, dass die sächsische Regierung als Veranstalterin mal eben doppelt so viele Menschen auf die Straße kriegt wie sie. Einzig logische Schlussfolgerung: Da muss doch wer geschummelt haben.

Und siehe da, nach intensiven Recherchen hat sich tatsächlich herausgestellt, dass das Schweinesystem, pardon, die sächsische Regierung, den Demonstranten satte zehn Euro pro Stunde bezahlt hat. Ha, da haben wir's, alles bloß gekaufte Statisten! Es konnte ja auch gar nicht anders sein.

Ist natürlich Quatsch. Die Regierung hat niemanden fürs Demonstrieren bezahlt, sondern eine örtliche Event-Agentur beauftragt, ein paar tausend Heliumballons zu füllen, um sie dann in den Himmel steigen zu lassen. Dafür suchte die Agentur dann Hilfskräfte auf freiberuflicher bzw. gewerblicher Basis, die an sechs Stellen in der Stadt jeweils zu dritt drei Stunden lang Ballons befüllen und sie, nach Farben sortiert, in Netze packen sollten. Stundenhonorar: Zehn Euro. Macht bei achtzehn Leuten und drei Stunden, grübel, grübel... genau 540 Euro. Für so was hat jede größere Behörde normalerweise eine Handkasse, weil es schlicht unsinnig wäre, zum Beispiel jedes Mal für die Bewirtung eines Empfangs immer gleich ein Genehmigungsverfahren einzuleiten. Skandalös ist da gar nichts.

Eigentlich dachte ich ja, ich sei durch mit den dauermissverstandenen Montagsspazierern. Aber bei so viel Kreativität, da konnte ich einfach nicht anders. Immerhin: Ganz im Gegensatz zur notorisch verlogenen Mainstreammedien, lügen sie beim besagten Verlag nicht. Das Motto des Ladens lautet: "Informationen, die Ihnen die Augen öffnen." Und, was soll ich sagen? Es stimmt! Ich habe tatsächlich die Augen geöffnet - nachdem ich sie vor Lachen eine Zeit lang geschlossen hatte.


Kommentare :

  1. Eigentlich dachte ich ja, ich sei durch mit den dauermissverstandenen Montagsspazierern. Aber bei so viel Kreativität, da konnte ich einfach nicht anders.
    Du schreibst bestimmt auch für 10 Euro die Stunde für das System, oder? Muss eigentlich ;)

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