Dienstag, 31. März 2015

Die anderen Aasgeier


Passiert eine Katastrophe wie Germanwings Flug 9525, dann sind unweigerlich die Aasgeier nicht weit. Neben den Gaffern sind Teile der Journaille mit Recht kritisiert worden. Dafür, wie sie jedes noch so windige Gerücht herausgeblasen und als Nachricht ausgegeben haben. Oder dafür wie einige besonders unappetitliche Vertreter der Zunft widerliche Kampagnen Marke 'Hängt das Schwein, wenn es nicht schon tot wäre!' gegen den Copiloten lostraten, ohne sich auch nur einmal mit Fragen aufzuhalten wie zum Beispiel der, wie es dessen ebenfalls trauernden Hinterbliebenen damit gehen könnte. Oder dafür, wie einige besonders eifrige Nachrichtensammler die Disziplin des Schülerschüttelns erfanden und Minderjährige gegen Bares um O-Töne ankoberten.

(via meistergedanke.de)
Auf keinen Fall vergessen werden sollten aber auch jene Aasgeier, die bei solch traurigen Ereignissen mit nicht minder großer Sicherheit angeschissen kommen. Etwa jene autoritären Zwangscharaktere, die den gerade verklingenden Schrecken dazu nutzen, um auf dem Rücken der Toten ihre politische Agenda aus Überwachung und Unterdrückung ein Stück weiter duchzudrücken. So wie jene, für die eine Tragödie wie der 11. September 2001 vor allem mal ein willkommener Anlass war, dem, was von Bürgerrechten und Privatsphäre noch übrig war, im Namen des Kampfes gegen den Terror die Luft herauszulassen. Oder jene, die jetzt eine Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht fordern für den Fall, dass ein in psychiatrischer Behandlung Befindlicher Mensch einem Beruf wie Pilot nachgeht.

Aber warum denn so zimperlich? Sicherheit ist schließlich ein Supergrundrecht. Warum also soll das nicht auch für Bus-, Taxi- und andere Berufskraftfahrer, Polizisten, Lokführer, Sicherheitsfachkräfte, Fluglotsen, Ärzte und andere sensible Berufe gelten, von denen Menschenleben abhängen können? Und warum bei solchen Informationen stehen bleiben? Wieso sollen die Leberwerte des Busfahrers Privatsache sein, wenn es um mein Supergrundrecht auf Sicherheit geht, hä? Wer nichts zu befürchten hat, der hat auch nichts zu verbergen, oder?

Man könnte sich auch einfach mal abregen und sich statt dessen vor Augen führen, wie sicher das Fliegen trotz des stetig wachsenden Flugverkehrs immer noch ist und dass einiges dafür spricht, dass ein Fall wie der des unseligen Andreas L. wohl einer jener Einzelfälle ist, wie sie sich eben niemals völlig ausschließen lassen. Eigentlich ist es doch ganz einfach - merke: Wer zu einem Zeitpunkt, an dem die Tränen noch nicht trocken sind, schon in hektischen Aktionismus verfällt, drastische Maßnahmen fordert und Vorschläge aus der Tasche zieht, führt oft weder Gutes im Schilde noch tut er das aus sauberen Motiven, sondern weil er eine Chance wittert und die Menschen ihm egal sind.


Apropos Italien

Ich muss sagen, was dieser Micky Beisenherz beim 'Stern' so schreibt, gefällt mir immer besser. Neben der Kolumne der wunderbaren, klugen Meike Winnemuth einer der ganz wenigen Gründe, diese Liveticker- und Klickstreckenhölle überhaupt mal aufzusuchen. Bislang trifft es bei Beisenherz die Richtigen. Dieses Mal den auf Edel-Italiener machenden Pizza-, Salat und Pastahöker Vapiano. Einen Systemgastronomen, der seine Gewinne vor allem damit macht, dass er wesentliche Teile der gastronomischen Tätigkeit an Konsumentenschafe outsourct, die, weil zum Tango tanzen immer zwei gehören, auch noch brav danke sagen dafür, dass sie den Job des eingesparten Personals mit erledigen dürfen.


1 Kommentar :

  1. Ich schlage vor, jedem Politiker der ein öffentliches Amt inne hat regelmäßig einen Intelligenztest und einen Psychotest machen zu lassen. Da diese für das Wohl von uns allen in hohem Maße mit verantwortlich sind würde mich auch regelmäßig die Qualität ihres Stuhlgangs sowie ihrer Libido interessieren. Öffentliche Listen der Resultate bitte monatlich in der BILD abdrucken. Mit Ranking und BILD-Kommentar versteht sich. Danke!

    PS: wer Zynismus in diesem Text findet darf ihn behalten.

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