Mittwoch, 4. März 2015

Unser Mann in Kiew


Was soll nur werden? Jetzt, da der Oligarch uns zuscheißt mit seinem Geld, einfach so auf Einkaufstour geht und uns die besten Köpfe abwirbt? Ich meine, was machen wir in Zukunft ohne ein Superhirn wie Peer Steinbrück? Der wird ja jetzt unser Mann in Kiew. Sein Chef wird übrigens der österreichische Exvizekanzler Michael Spindelegger. Wundert es wen, dass man auch im Nachbarland bereits entsetzt aufschreit ob des schmerzlichen Verlustes eines so charismatischen Schwerdenkers und anerkannten Intellektuellen. Steinbrück, Spindelegger - wenn das kein brain drain ist, was dann?

Steinbrück et al., heißt es, stünden demnächst auf der Gehaltsliste eines namhaften ukrainischen Beraterklubs, dessen Ziel die Stabilisierung des vom Krieg im Donbass zerrütteten Landes sei. Für die 'Agentur zur Modernisierung der Ukraine' soll er, so wird berichtet, die aus den Fugen geratenen Staatsfinanzen in Kiew neu ordnen. An dem Projekt sind angeblich auch mehrere ukrainische Oligarchen beteiligt. Hm, soso, aha. Jetzt mal ehrlich: Wird Pressluft-Peer wirklich nur für den ausgelobten Job gebraucht? Nach allem, was in letzter Zeit so vorgefallen ist, könnte man immerhin auch auf die nicht völlig abenteuerliche Idee kommen, dass da gerade ein paar U-Boote für die angestrebte "zunehmend enge Partnerschaft mit der Ukraine […], die die allmähliche wirtschaftliche Integration und eine Vertiefung der politischen Zusammenarbeit zum Ziel hat", wie man das im Kolonialismus 2.0 ja nennt, installiert werden, so als Vorposten. Hätte zumindest eine gewisse Logik.

Zumal  Beratung a’la neoliberal nun wirklich jeder Depp irgendwie hinbekommt. Dringende Empfehlungen aussprechen für Maßnahmen, die dazu beitragen, dass im Sinne der  Auftraggeber Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, sie also noch reicher werden, sonst droht Untergang des Abendlandes oder, schlimmer noch, Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Also alles an Volkseigentum, das nicht niet- und nagelfest ist, privatisieren und verhökern, Wirtschaft und Arbeitsmarkt deregulieren, Unternehmens-, Vermögens-, Erbschafts- und Kapitalertragssteuern sowie Spitzensteuersatz der Einkommensteuer senken, dafür tüchtig Verbrauchssteuern erhöhen. Ferner Sozialversicherungen plündern, restliche Sozialstandards senken, wenn nicht gleich ganz abschaffen. Das übliche, in der Regel als 'Reform getarnte Verelendungs- und Plünderprogramm eben.

Entschuldigung, aber für solche originellen Vorschläge braucht's nun wirklich keine millionenschweren Berater! Ich weiß natürlich nicht, wie das in der Ukraine ist, aber bei uns kriegt das gefühlt knapp die Hälfte aller Studenten in den ersten Semestern ins Hin geschissen (die anderen machen Jura, werden Inscheniör oder Lehrer, der Rest fällt dem Prekariat anheim, weil er 'was Sinnvolles', 'was mit Menschen' oder 'was mit Medien' macht). Die stoppeln einem die passenden Excel-Tabellen und Präsis in der Cafeteria vor dem Mittagessen für nen Hunni zusammen. Hübsch verpackt, Etikett drauf wie 'Fit für die Zukunft', 'Modernisierung', 'Der Weg ins 21. Jahrhundert' und fertig ist der Lack.

Kann natürlich sein, dass es darum gar nicht geht. Vielleicht hat man bei Oligarchens ja endlich die wahren Talente von Peer Steinbrück erkannt und wie wertvoll der Mann als Geheimwaffe an der Ostfront wäre. Wofür auch der zu erwartende Überraschungseffekt spräche: Bislang war das nämlich nur in Kreisen um den politischen Arm eines randständigen Untergrundmagazins bekannt (der obige war der einzige Bildnachweis, der online irgendwie aufzutreiben war). So viel ist klar: Wenn DER erst mal in Fahrt kommt, dann kann der Russ' sich mal warm anziehen.


Kommentare :

  1. Entschuldigung, aber für solche originellen Vorschläge braucht's nun wirklich keine millionenschweren Berater!

    Natürlich nicht, darum geht es bei solchen Beraterverträgen aber auch gar nicht. Inhaltlich kann das jeder BWL-Student im 2. Semester machen, keine Frage. Aber man braucht PR. Man muss das Ding doch verkaufen. Internationales Knowhow, große Namen aus dem Westen. Hochglanz, keine zwischen Party und Wochenende zusammengeschusterte Hausarbeit.

    Teuer muss der Berater v.a. deshalb sein, weil was nichts kostet bekanntlich nichts wert ist. Was dagegen teures Geld kostet, ist zwangsläufig auch gut. Und wenn man dann schon viel Geld ausgegeben hat, gilt: "Wir haben für das Reformprogramm x Euro ausgegeben, das wird jetzt bitteschön auch umgesetzt!"

    Außerdem macht es ja gar keinen Spaß, stinkreich zu sein, wenn man nicht hier und da mal ein bisschen mit Geld um sich werfen kann, oder? Und Oligarchen mit schlechter Laune sind schlecht für das Land! Außerdem sorgt die geplante Neuordnung der Staatfinanzen sicher dafür, dass die Kassen der betreffenden Oligarchen lustig klingeln werden, sodass diese kleine Ausgabe (eigentlich Portokasse, nicht einmal Peanuts-Niveau) schnell wieder drin ist.

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  2. Mal völlig off topic: Die neuen captchas sind wenigstens lesbar, die schaffe ich im ersten Anlauf, die alten waren so verzerrt, dass ich manchmal ein Dutzend durchgeklickt habe, bis endlich mal eine erratbar war. Definitiv eine Verbesserung!

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    1. Das freut mich, habe ich aber keinen Einfluss drauf, werde es aber bei Gelegenheit an Google weitergeben ;-). Fällt auch nicht so auf, wenn ich angemeldet bei blogspot-Kollegen kommentiere.

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