Dienstag, 17. März 2015

Verdammte Selbstkritik aber auch!


Einem Bericht der 'Süddeutschen Zeitung' zufolge, versuchen in den USA den Republikanern nahestehende Kräfte, Einfluss auf den Geschichtsunterricht zu nehmen. Besonders sauer stößt ihnen auf, dass Schüler im Rahmen des 'Advanced Placement Program' (AP), dessen Inhalte teilweise auf das Grundstudium an Universitäten angerechnet werden können, lernen sollen, die Geschichte der USA auch kritisch zu reflektieren. Das ist Konservativen, die beseelt sind vom Glauben an die amerikanische Sonderstellung in der Welt, vom Bewusstsein, die USA seien die tugendhaftere, die 'bessere' Nation, die die Fehler anderer nicht gemacht hat, natürlich ein Dorn im Auge und sie setzten schäumenden Mundes alles daran, diese Inhalte wieder aus dem Curriculum zu kippen.

Nein, also wirklich! Diese Amis aber auch! Politische Einflussnahme in der Schule. Bloß nicht kritisch denken lernen. Tss, tss, so was würde bei uns wirklich niemals vorkommen. Wir sind schließlich im aufgeklärten Europa, dem Kontinent von Bildung und Kultur.

Nun muss man ja weiß Gott nicht darüber streiten, dass in den U.S. of A. politisch so einiges drunter und drüber geht, zumindest aus europäischer Sicht. Bei allem Lobbyismus und bei allem, was schief läuft bei uns, in Amiland haben sie die Schraube des Wahnsinns mindestens noch eine Umdrehung weiter gedreht. Die Politik dieses Landes erscheint seit längerem gekapert von einer Horde ideologisch verstrahlter Kindsköpfe, die sich an so ziemlich gar nichts mehr gebunden fühlen und sich auf einem Kreuzzug wähnen. Mag alles sein.

Nur eignen sich solche und ähnliche Meldungen über Auswüchse im US-amerikanischen Bildungswesen, garniert mit einer Prise kulturellem Antiamerikanismus, nämlich wunderbar, von hiesigen, nicht unähnlichen Machenschaften abzulenken. Auf dass der hiesige Halbbildungsbürger sich über die kulturlosen Amis amüsiere, sich selbstzufrieden einen schrubbe auf unser Bildungswesen und dabei idealerweise nicht mitbekommt, wie sturmreif geschossen auch das längst schon ist. Zumindest in Teilen Bayerns sollte man als Schüler möglichst nicht allzu links sein, wie wir jetzt gelernt haben. Und Leute, die der Meinung sind, bei uns bekämen die Schüler im Geschichtsunterricht viel zu viel an Selbstkritik beigebogen, sind auch schon auf dem Sprung in die Parlamente.


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