Mittwoch, 20. Mai 2015

War's das?


Lange habe ich mich ja gefragt, wie man diese unterhaltsame politische Veranstaltung namens AfD inhaltlich/semantisch irgendwie zu fassen bekommen könnte. Gut möglich, dass die Frage sich bald erledigt hat, weil der Verein sich, allen Weckrufen zum Trotze, endgültig zu einem scheiternden Sammelbecken für rückwärtsgewandte, wissenschaftsresistente, geschichtsvergessene und rechthaberische 'besorgte Bürger' mausert, womit er sich aus der politischen Landschaft subtrahieren dürfte. Gute Nachrichten für all jene, die es für keine gute Idee halten, senile Fellini-Faces und reaktionäre Gewitterziegen auch nur in die Nähe politischer Ämter zu lassen, in denen sie irgendetwas Amtliches zu entscheiden hätten.

Zurück zur Ausgangsfrage. Im Wesentlichen zwei Flügel gibt es, so hört man. Da wäre einmal die Clique ultrawirtschaftsliberaler Honoratioren und Wohlstandschauvinisten um Parteigründer Lucke und seine Kumpels Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty. Die stemmen sich mit aller Gewalt gegen die Erkenntnis, dass der Kapitalismus am Arsch ist, meinen, unter Gleichgesinnten stemmt sich's angenehmer und noch viel angenehmer auf einem mit Staatskohle finanzierten Sitz im Parlament. Dann ist da jener - Überraschung! - vorwiegend im Osten angesiedelte Flügel, der die Partei gern rechts von der CDU postiert sähe, nur mühsam vom Schmusen mit Pe- und anderen -gidas abgehalten werden kann und in dem man durchaus Leute findet, bei denen man sich qua Inhalt ihrer Hirnwindungen fragt, warum sie nicht in der NPD sind. Wer weiß, vielleicht weil sie mal einen Satz halbwegs unfallfrei hinbekommen. Oder weil sie einfach kein Bier mögen.

Abgesehen davon, dass diese Leute Fragen des 21. mit Lösungen des 19. und 20 Jahrhunderts begegnen wollen, gibt es wohl doch noch so was wie einen gemeinsamen Nenner, wenigstens einen kleinen: Rechtskonservative und straff Neoliberale eint ihr exklusives Weltbild, ihre Neigung, Menschen zu klassifizieren in nützlich einerseits und parasitäre Kuffnucken andererseits, die eben sehen müssen, wo sie bleiben. Das war es aber auch schon wieder mit den Gemeinsamkeiten. Die Unterschiede fangen schon damit an, dass der national Gesinnte - Deutschland zuerst! - da gern mal nach Herkunft bzw., weil man 'Rasse' ja nicht mehr sagen darf, 'Kulturkreis' entscheidet, dem straffen Wirtschaftsliberale es hingegen eher wumpe ist, wer ausgebeutet wird, so lange nur die eigenen Privilegien unangetastet bleiben und die Gewinne weiter sprudeln.

"Dekadenz, das Losungswort des Lumpenbürgers, das Psychopharmakon des Angstgepeitschten. Oben sind die Fetten, unten verlebt man wie gewohnt die mageren Jahre, doch die Mitte schmilzt. Der eingebildete Abstiegskandidat greift nicht zum Hammer, er greift zum Prügel: hart durchgreifen jetzt! Die brüllende Minderheit besteht größtenteils aus Saubermännern mit Hund und Eigenheim. Was steckt hinter dem Geschwätz? Größeres Haus, größere Hundehütte, die anderen sind egal." (Feridun Zaimoglu)

Sollte die ganze Veranstaltung nun im Orkus der Bedeutungslosigkeit versinken, dann würde die AfD zum jüngsten Mitglied jener stolzen Reihe strunzdämlicher deutscher Rechtspopulisten werden, die sich für das wahre Deutschland hielten, aber allesamt zu blöd zum Milchholen waren. Zwei, drei Jahre mit dicker Hose rumlaufen und einen auf große Volkspartei machen, dann aber zunehmend reden wie ne durchgebratene Splitterpartei und sich zur Lachnummer machen wie einst die yogischen Flieger von der Naturgesetz-Partei.

Das verbände Luckes Satireensemble im übrigen auch mit diesen drolligen Piraten. Die sind zwar alles mögliche außer rechtspopulistisch, doch ließen auch sie mit zunehmender Dauer ihres Bestehens zunehmend Unverständliches verlauten, vor allem nachdem sie sich einen radikalfeministischen Flügel eingefangen hatten. Ferner vermochte sie - Achtung, FDP! - auch eine ansehnliche U30-Schnalle als Aushängeschild nicht zu retten.

So gute Nachrichten das, wie gesagt, ja sind, wäre es aber auch klein wenig schade. Was machen jetzt die ganzen Sympathisanten mit der vielen Tagesfreizeit? Jene sich für die absolute Mehrheit im Lande haltenden Wutbürger, die rund um die Uhr zuverlässig alle Kommentarsektionen deutscher Online-Medien mit "Hetze!", "Bashing!", "Mimimi, die Lügenpresse mag uns nicht!", "Multikuliti-Träumerei!", "Genderwahn", "Islamisierung!", "Schwule Agenda!", "Kampagnen-/ Schweinejournalimus!" und ähnlich goldenen Worten vollmachen, wenn mal wieder ein linksgrün versiffter Pressbengel es gewagt hat, etwa einen auf bloßen Tatsachen beruhenden Kommentar zu verfassen. Wo sollen die jetzt hin mit ihrer ganzen Energie? Wieder ab zum Kieser Training?



Kommentare :

  1. @Stefan Rose: "Was machen jetzt die ganzen Sympathisanten mit der vielen Tagesfreizeit?"

    Sie werden sich wieder ihrem Zierrasen bzw. den Kieselplantagen zuwenden und ggf. den Hund zum Coiffeur bringen.

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  2. So liebe ich es,bissig,knackig.
    Bedenken habe ich nur,denn es gibt zuviele von denen.Und was für ein Gefasel die von sich geben.Ich arbeite ja in der Gastronomie.Da darf man nicht immer seine Meinung kundtun..vor allem nicht,wenn man nur unfreiwilliger Zuhörer des geistigen Dünnschisses ist(Es gibt immer noch Leute,die ignorieren völlig diejenigen,die sie bedienen)Manchmal möchte man solche Leute nur schütteln^^

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    1. Nun, ich habe mal gehört, eine gewisse Langmut gegenüber Gästen sei eine der zentralen Anforderungen, wenn man in der Gastronomie arbeiten will. Da sitzt natürlich auch überproportional viel abstiegsangstgeplagte Mittelschicht rum (unbedingt den verlinkten Artikel von Zaimoglu lesen, so nicht schon geschehen).
      @Rosi: Vielleicht wenden sie sich auch der AzAfD (Alternative zur Alternative für D-land) zu und krakeelen "Spalter!" Lustig wär's...

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