Montag, 20. Juli 2015

Die Geister, die er rief


Eigentlich müsste ich jetzt sagen, dass Til Schweiger mir, ungeachtet seines filmischen Oeuvres und anderer komischer Auftritte, auf seine alten Tage noch direkt sympathisch werden könnte. Dass er sich für Flüchtlinge einsetzt, ist ehrenwert, verdient Respekt und darf unter Prominenten gern weiter Schule machen. Jede Unterstützung ist willkommen in Zeiten, in denen fast jeden Tag eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgeht. Auch dass er, als seine Facebook-Seite daraufhin von rechtem Deutschland zuerst!-Plebs geentert und vollgemacht wurde, klar Stellung bezog und diese Bande dabei keineswegs beschimpft, sondern vielmehr im genau angemessenen Tonfall angesprochen hat, geht in Ordnung.

Wie gesagt, ich müsste eigentlich, denn inhaltlich hat er ja recht, doch bringe ich es einfach nicht über mich. Weil ich mich frage, ob der Typ wirklich so naiv ist oder bloß so tut. Da wäre einmal, dass er Facebook nutzt für seinen Aufruf. Ich will nun wirklich nicht als der schlaue Onkel erscheinen, der es immer gewusst haben will, aber ich hatte immer eine Abneigung gegen diese Veranstaltung. Ursprünglich wegen der Datenschnüffelei, inzwischen, weil das eitel sich sozial nennende Netzwerk langsam zur reinen Jauchegrube zu mutieren scheint. Wo gedeihen die schönsten Perlen aus Freital? Richtig, dort, wo sie nicht sofort wegmoderiert werden. Nicht zufällig lässt Facebook sich frei mit 'Fratzenbuch' übersetzen und es scheint seinem Namen in Bezug auf die, die es bevölkern, immer mehr Ehre zu machen.

Der Pöbel nämlich, der Schweiger jetzt so anekelt, ist keineswegs vom Himmel gefallen. Im Gegenteil, er hat ihn sich selbst heran gezüchtet, denn er dürfte sich zumindest zu Teilen aus genau denjenigen rekrutieren, die ihm damals applaudiert haben für seinen flammenden Auftritt bei Markus Lanz, bei dem er mehr Härte für Sexualstraftäter forderte, insbesondere für jene, die sich an Kindern vergehen.

War dem Mann wirklich nicht bewusst, dass es, sagen wir, die eine oder andere Schnittmenge gibt zwischen jenen besorgten Bürgern, die für Kinderschänder gern die Todesstrafe fordern und und jenen, nicht minder besorgten, die das eine oder andere kleine Problem mit Zuwanderern haben? Ist dem so, dann müssen wir leider annehmen, dass Schweiger mindestens genau so treudoof ist wie die dackelblickigen Patchworkpapa-Machos mit dem goldenen Herzen, die er immer im Film verkörpert. Ist dem nicht so, dann wäre er nicht nur verlogen und feige, sondern man müsste auch zähneknirschend konstatieren, dass er ein viel besserer Schauspieler ist als man die ganze Zeit über gedacht hat.


1 Kommentar :

  1. Blogs über Til "Nuschellippe" Schweiger verbieten sich eh von selbst... Kommentare über "so etwas" daher gleich doppelt!
    Schönen Urlaub Herr Rose. [Bitte Fotos von Kühen mitbringen und posten...^^]

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