Samstag, 11. Juli 2015

Fachfremde Expertise


Keine Ahnung, ob an der Geschichte mit dem durch den Menschen hervorgerufenen Klimawandel was dran ist. Scheint mir aber durchaus logisch zu sein. Immer mehr Menschen auf der Erde verballern immer mehr fossile Brennstoffe und verändern damit die Atmosphäre. Kann ich aber nicht beurteilen, fehlt mir das Fachwissen. Selbst, wenn an der Klimawandel-Nummer nichts dran sein sollte: Die Ressourcen unseres Planeten, also bewohnbare Gegend, Bodenschätze, Trinkwasser, urbares Land etc. sind endlich, während die Bevölkerung nach wie vor exponentiell zunimmt – keine schlechte Idee, wie mir scheint, fleißig daran zu forschen, wie die Gattung Mensch sich in absehbarer Zeit möglichst ressourcenschonend benehmen könnte. Just my two cents.

Wiewohl mir das einleuchtet, wäre es für mich als klimatologischen Laien natürlich arg vermessen, wenn nicht gar reichlich deppert, einfach so zu behaupten, der anthropogene Klimawandel sei eine unumstößliche Tatsache, Punkt und Ende der Diskussion. Klar, ich könnte mich darauf berufen, dass so gut wie alle diesbezüglich forschenden Wissenschaftler auf der Welt sich da einig seien, aber das muss nichts heißen. Worüber sich alle Experten schon einig waren, das geht auf keine Kuhhaut: Die Erde ist eine Scheibe, um die sich die Sonne dreht, Frauen haben kleinere Gehirne, sollten daher nicht wählen und auch nicht arbeiten, Sklavenhaltung ist legitim, Masturbation führt zweifelsfrei zu Rückenmarkserweichung und so weiter und so fort.

So finde ich es jetzt ein klein wenig vermessen, wenn jemand wie die Juristin und damit ebenfalls fachfremde FPÖ-Umweltbeauftragte Susanne Winter sich einfach so hinstellt und behauptet, bei Studien, die einen vom Menschen verursachte Klimawandel beweisen sollen, handele es sich im Zweifel um "ideologische Pseudowissenschaft", die "angebliche Klimaproblematik" sei "ein einziges mediales Lügengebäude, das zum Einsturz gebracht werden" müsse. Entschuldigung, bei aller möglichen und gewiss auch gebotenen Kritik an der Klimaforschung - intellektuelle Monokultur ist selten gut -  wer soll so was eigentlich ernst nehmen? Wie belegt sie das? Wo hat sie das gelernt? Auf der YouTube-Universität? Oder einfach nur von nix ne Ahnung, aber zu allem eine Meinung?

Natürlich ist es ihr unbenommen, zu allem und jedem eine Meinung zu haben. Nur sollte sie sich vielleicht nicht als armes, verfolgtes Opfer inszenieren, wenn sie die als unumstößliche Wahrheit verkündet und ihr daraufhin die Späne um die Ohren fliegen. Dummerweise ist diese Mitleidsmasche - buhuuu, gar nichts mehr darf man sagen hier! - ein Standard des rechtspopulitischen Diskurses.

Überhaupt scheint die mir bis dahin unbekannt gewesene Dame immer mal für so einen Klopper gut zu sein, unausgegorene, kaum bis nicht begründete Halb- bis Nichtwahrheiten zum Besten zu geben, eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. So hat sie schon 2008, mehrere Jahre bevor bei uns an nicht minder unappetitliche Pe- und andere -gida-Veranstaltungen überhaupt zu denken war, interessante Äußerungen über Menschen anderer Hautfarbe sowie den Islam rausgelassen, wobei letztere ihr ein Strafverfahren und eine entsprechende Verurteilung eingebracht haben.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist selbstverständlich nicht auf Österreich beschränkt. Auch wir in Deutschland sind ja mit durchaus schrägen Ladys in diversen Verfassungsorganen geschlagen. Da wären einmal übliche Verdächtige wie die berufsbetroffene Claudia Roth, die vor allem mal nervt. Ferner sollte man aber auch an Figuren wie Erika Steinbach erinnern, die Berufsvertriebene mit der  Betonfrisur und dem Faible für hufeisentheoretischen Schmarren. Auch in meinem heimatlichen NRW sitzt bekanntlich eine vulgärfeministische, missionarische Sauberfrau und Volxerzieherin namens Barbara Steffens, die zudem eine Vorliebe für Homöopathie pflegt, auf dem Stuhl der Landesgesundheitsministerin.

Dennoch, beim Blick auf Österreich werde ich manchmal das Gefühl nicht los, dass man uns dort in Bezug auf derartige provokante, von Fachwissen weitgehend freie Rabulistik lediglich den einen oder anderen Schritt voraus ist. Schlimmer noch, dass dieser chronische Sprechdurchfall schräger, leider aber auch gefährlicher Politvögel einen wenig angenehmen Blick in eine Zukunft bietet, die uns auch hier im Nordwesten blühen könnte. Frau Petry steht ja schon in den Startlöchern. Kollege Trosch, Kollege nömix, Hilfe! Sagt mir einfach, dass ich Unrecht habe, bitte!


1 Kommentar :

  1. Ach ja, die blaue Frau Winter mal wieder. Die kommt häufig mit derlei Hirnchristler-Weisheiten daher: die glaubt sogar an Sozial-Lamarckismus. Tun sich in der FPÖ ja bekanntlich nicht eben die größten Geisteslichter als eifrigste Schwurbelschwätzer hervor.

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