Montag, 31. August 2015

Eigene Medizin


Ich habe nichts gegen Ossis. Die meisten sind in Ordnung und haben sich gut integriert, AAABER ich habe ein Problem mit den Kriminellen unter ihnen, mit den Wirtschaftsflüchtlingen. Die nur Soli abgreifen, sich immer und ausschließlich als Opfer sehen, sich auch sonst kuschelig eingerichtet haben auf dem Planeten, auf dem immer die anderen Schuld sind, die Politik als Dienstleitungsbetrieb begreifen und die daher, so sie sich denn mal zur Wahlurne bequemen, Naziparteien wählen und sofort zu rumjammernden, randalierenden, zündelnden Wutbürgern werden, wenn die Politik nicht prompt liefert, was sie gern hätten. Aber das darf man ja nicht sagen in dieser gleichgeschalteten Meinungsdiktatur, ohne dass sie einem gleich über den Mund fahren und Vorträge darüber halten, dass das alles ein gesamtdeutsches Phänomen sei.

Und was, wenn nicht? Sicher, es mag wohlfeil sein, sich als Wessi zurückzulehnen und mit dem Finger auf den Osten zu zeigen. Natürlich gibt es auch im Westen eine Menge Selbstmitleidige, Intelligenzverweigerer, Dödel, Rassisten und Arschgeigen, so wie es im Osten großartige Beispiele der Hilfsbereitschaft und des Engagements gibt. Es hat, daran muss man erinnern, auch in westlichen Bundesländern Anschläge auf Flüchtlingseinrichtungen gegeben. Es gibt selbstredend auch im Westen Herrenmenschen- und Duckmäusertum, Denunzianten, Spießbürger und bösartige Kleingeister, keine Frage. Doch kann ich mich insgesamt des Eindruckes nicht immer erwehren, dass nicht nur deren Dichte, sondern auch deren Bereitschaft, ihren Frust in Form von Gewalt an tatsächlich oder vermeintlich Schwächeren auszulassen,  im Beitrittsgebiet signifikant höher ist.


Besonders schlimm benehmen sie sich in der Gegend um Dresden. Die Ausrede, sie hätten im 'Tal der Ahnungslosen' eben kein Westfernsehen gehabt, das sie beizeiten auf den Pfad der Tugend hätte bringen können, zieht nicht, wie der von dort stammende Schriftsteller und Journalist Peter Richter in einem interessanten Interview meint. Westradio habe man in Form des Deutschlandfunks sehr wohl gehabt und es sei auch fleißig gehört worden. Vielmehr habe man sich in und um Dresden ein selbstverliebtes Sonderbewusstsein zurechtgelegt. Klar, mit Bewohnern der allerschönsten, am allerschlimmsten und allergemeinsten bombardierten Stadt der Welt, die danach vierzig Jahre von Ulbricht und Honecker bedroochen und von Kohl angeloochen wurden, mit denen muss man eben nachsichtig sein, oder?


Nö, wieso? Eine ganze Reihe schöner alter Städte hat es ebenfalls noch 1945 ähnlich schlimm oder sogar schlimmer erwischt als Dresden (Würzburg, Pforzheim, Münster, Hildesheim, Düren, Wesel u.a.), allerdings veranstalten die Überlebenden und die Bewohner deutlich weniger Opferkult darum. Klar hat Kohl 1990 wolkige Versprechungen gemacht, aber es war halt Wahlkampf. Bekanntlich darf man, wie Pispers mal meinte, erst ab 18 wählen, damit man nicht wie ein Dreijähriger alles glaubt, was einem erzählt wird. Uns hat man damals auch erzählt, der Solidaritätszuschlag würde nur für ein Jahr erhoben. Kohls Gegenkandidat Lafontaine hat damals nichts versprochen, sondern im Gegenteil die Lage recht präzise anaylsiert und bis heute recht behalten. Und? Ausgepfiffen wurde er und an der Wahlurne abgewatscht. Für selbstkritische Menschen ist so etwas eine Chance, dazuzulernen, sie wissen, dass zum Tango tanzen immer zwei gehören, dass jeder Lügner auch welche braucht, die sich belügen lassen.


Nennen wir das Kind doch beim Namen: Die Nachsicht-Nummer hat offenbar die letzten 25 Jahre nicht funktioniert, warum also nicht mal absteigen von einem toten Pferd? Mit Nettsein allein kommt man nicht immer weiter im Leben und wenn die Klügeren immer nachgeben, regieren am Ende die Dummen. Weil Gewalt aber auch keine Lösung ist, begrüße ich es sehr, dass die Initiative 'KOA - Kriminelle Ossis abschieben' (google+/facebook) immer mehr Zulauf und Sympathien bekommt, sogar im Osten. Inzwischen wird sogar bei Auswärtsspielen von Westvereinen im Osten erfreulicherweise Flagge gezeigt.


"Um 1990 musstest du Mosambiquaner in der Straßenbahn zusammentreten, und Du bekamst zur Besänftigung einen eigenen Jugendklub, in dem der akzeptierende Sozialarbeiter dir noch die Fussel von den Störkraft-Platten putzt. Heute musst du lange genug vor einem Heim randalieren, bis die Flüchtlinge doch lieber im Westen untergebracht werden, und Heidenau deutsch bleiben darf." (Peter Richter, ebd.)

Klar, abschieben klingt zunächst hart, aber hey, warum sollte man all jenen Ronnys, Mandys und Enricos im Geiste, die förmlich darum betteln, in Onkel Wladimirs Demokratur unterzuschlüpfen, den Gefallen nicht tun? Oder warum nicht gleich ab nach Packistan mit ihnen? Nein, im Ernst: Wieso sollten Leute, denen angesichts der unmenschlichen Zumutung einer Flüchtlingsunterkunft in ihrer Nähe nichts besseres einfällt als "Volksverräter!" zu kreischen, "als ob sie Schöffendienst an Freislers Volksgerichtshof hätten" (Richter) oder sich unwidersprochen in völlig absurde Phantasien darüber hineinsteigern, was "die Ausländer alles in den Arsch geschoben bekommen!", nicht auch mal Hohn und Spott aushalten müssen, wenn ihnen ein Schluck ihrer eigenen Medizin verabreicht wird?

Geht doch nach drüben, wenn's euch hier nicht passt! (via focus.de)
Apropos eigene Medizin: Da macht die vor Geld nur so stinkende Premier League mit der Bundesliga exakt das, was der FC Scheckbuch München seinerseits seit Jahrzehnten mit der Bundesliga macht, und schon wird angesichts des Rekordtransfers von Kevin de Bruyne zu Manchester City gejammert und gebarmt, dass es nur so eine Art ist: Groteske Summen! Aderlass! Schlecht für die Bundesliga! Menno, voll gemein!- und so weiter. Na und? So geht eben das Geschäft. Wer Geld hat, hat Erfolg, und wer Erfolg hat, hat Recht. So hieß es doch immer, oder? Seit wann ist es Aufgabe der Premier League, für einen spannenden Spielbetrieb in der Bundesliga zu sorgen? Etwas in der Art musste sich hierzulande der bucklige Rest doch auch immer anhören, wenn die Nabobs von der Säbener Straße wieder einmal einen Konkurrenten schwach gekauft hatten.



Kommentare :

  1. Ohne Zweifel ist der Osten deutlich rechtslastiger , trotzdem Vorsicht mit den hohen Rössern.
    Der Grund dürfte einfach die geringere Zeitspanne demokratischer Erfahrung sein. Gut 20 Jahre nach der letzten Diktatur sahs im Westen kein Deut besser aus , dazu braucht man sich nur mal die Ergebnisse der NPD in Westdeutschland anzuschauen .
    Oder die bekannten TV-Bilder bei den Demos der 68er , wo der militant graue Mittelstands-Pöbel die sattsam bekannten Nettigkeiten absonderte , Vergasen und so.
    Oder eine so bezeichnete Zeitung , die es erfolgreich schaffte , aus einem Ruf- einen realen Mord werden zu lassen , selbstverständlich ganz versehentlich.

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    1. Ich weiß ja, dass das ein eher schmales Brett ist und die Gefahr, auf hohem Ross zu sitzen, tatsächlich hoch ist, obwohl mir das eher fern liegt. Aber wie ist man denn 68ff. mit dem von dir richtigerweise angesprochenen, tatsächlich vorhandenen Denkmustern umgegangen? Man hat das in die Öffentlichkeit gezogen und diskutiert, man hat das aber eben auch lächerlich gemacht - und das kommt mir eben ein bisschen zu kurz. Ich glaube, so Projekte wie 'KOA' sind Reaktionen von Leuten, die keinen Bock mehr haben, für Menschen, die schlicht unmenschliches Geschwalle von sich geben und auch gewalttätig werden, immer nur Verständnis haben zu müssen.

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    2. Ich mach mal den Ketzer: Was zum Geier meinst du mit "demokratischer Erfahrung", du alter Romantiker...!? ;) Doch nicht etwa das Kaspertheater, welches man uns hier als "Demokratie" verkauft? Was hat Fremdenfeindlichkeit mit Demokratie zu tun? Ich hab in der buckligen Verwandtschaft, im Schul- oder Arbeitsumfeld unzählige, völlig unverdächtige Mittelstandsspießer erlebt, die immer wieder CDU und SPD wählen, "sozial engagiert" sind, eine Musterfamilie haben, Sonntags in die Kirche gehen - und am Kantinientisch oder beim sonstigen Gespräch nicht minder rassistisch von uns die Haare vom Kopf fressenden Ausländern (oder meinet wegen auch Hartzern) zu schwadronieren. Unter meist kopfnickender, wenn nicht lautstarker Zustimmung der anderen...

      Die Sache mit dem Osten ist m. M. n. relativ einfach - es sind überwiegend sozioökonomische Gründe. Man hat die Menschen dort nach der Wende allein gelassen, grassierende Masssenarbeitslosigkeit - was soll da bitte beim auch ansonsten komplett unterbelichteten Ronny aus Hoyerswerda anderes bei raus kommen als: "die klaun uns unsre Jobs" oder "die sollen gefälligst was arbeiten"...?! Die Opfer suchen sich andere Opfer aus, auf die sie treten können. Das gibt es auch in den Hochburgen der Arbeitslosigkeit im Westen, ich lebe auch in einer Stadt, der in den 80er/90er-Jahren durch "Auswanderung" der Produktion nach Asien das gesamte ökonomische Fundament entzogen wurde...

      Die Pegidösen sind doch auch alle mustergütlige "Demokraten" und Mittelklassespießer; "besorgte Bürger" eben. Der einzige Unterschied ist, dass die Deppen der Marke NPD eben dass vollenden, wozu den meisten gut-bürgerlichen Großmäulern der Marke "alle Ausweisen; das Boot ist voll" der letzte Mumm fehlt... Die wenigsten aus der Mitte werden die Geister, die man rief wirklich bedauern. Hat man in der Ukraine auch nicht...

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  2. @Stefan Rose

    Man hats diskutiert , eben ,aber erst nach 25,30 Jahren , davor war nur Verdrängung , daher meine Vermutung , daß es da wohl ein paar Jahrzenhte zwischen braucht.
    Wir sollten uns nur hüten , die Besserwessis zu geben. Daß da Leute gegen vorgehen , ist genau richtig , Zeit wirds , und Verständnis haben müssen ist schon mal gleich gar nicht.

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  3. @Dennis 82
    Daß unsere Demokratie alles Andere als perfekt ist , ist klar , dennoch ist da ein Unterschied , Stefan erkennt völlig zurecht , daß sie im Osten offener und dreister sind als im Westen.
    Soziale Gründe , klar , reicht aber nicht , wir kritisieren die ja auch , ohne "Asylanten" anzugreifen , außerdem handelt es sich , wie du ja selber sagst , vor allem um ein Mittelstandsproblem.
    Und im Westen? Genau , was du beschreibst , hinter den sauberen Fassaden siehts düster aus , aber vielleicht machen diese 20 zusätzlichen Jahre der Demokratie genau diesen kleinen Unterschied. Vielleicht nicht so sehr durch die Abschwächung rechtskonservativen Gedankenguts , sondern durch den etwas größeren Mut derer , die es nicht mehr hören können und dem entgegentreten.

    Diese Hetzer funktionieren äußerst primitiv , wenn man sie läßt , werden sie frech , tritt man ihnen in den Arsch , kuschen sie plötzlich , auch das hat 68 gezeigt.

    Viele würden sich wundern , wie schnell Ruhe wäre vor Asylheimen , wenn die Polizei mal richtig tabularasa machen würde , die Spezialeinheiten dazu sind vorhanden und werden bei jedem kleinen Würstchen eingesetzt , das im Verdacht steht , auch nur eine Anscheinswaffe zuhause zu haben. Eigentlich eine konservative Domäne , wird aber nicht gemacht .
    Vielleicht weil es einfacher ist , die Sache laufen zu lassen , eine ernst gemeinte Analyse könnte ja dahinterliegende , sehr unbequeme Gründe zutage fördern , leider gilt diese Aussage auch für jenen Teil der Linken , der auf Biegen und Brechen an der politischen Korrektheit festhalten will.

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  4. Hmm, schwierig das Ganze. Ich habe auch den Eindruck, dass der Osten Deutschlands generell offen Fremdenfeindlicher ist. Es gibt bestimmt viele Gründe, wieso das so ist. Ich möchte mich mal jetzt mal etwas aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass das auch vielleicht so eine Art Abgrenzung zu den alten Bundesländern darstellen könnte.

    Als ich ne Zeitlang im Osten Deutschlands gewohnt habe (3 Jahre) hatte ich immer das Gefühl, dass alles was aus "dem Westen" kommt, sehr kritisch beäugt wird. Jedem Wessi wurde erstmal Überheblichkeit und Arroganz unterstellt, selbst dann, wenn man jetzt nicht den Eindruck der eigenen Überlegenheit gemacht hatte. Mit Wessis hatte man keine guten Erfahrungen gemacht, also waren alle späteren Wessis auch irgendwie schlecht.

    Mein Eindruck war jetzt dieser, dass man sich durch das ewige Lamentieren über die bösen Wessis, das Rumjammern darüber, wie sehr man doch nach der Wende verarscht wurde usw. gezielt von Westdeutschland lösen wollte. Natürlich nicht geographisch oder politisch, aber doch soziologisch und mental. Man wollte sich gezielt abgrenzen und seine Vorurteile weiter pflegen.

    Mir ist klar, dass das nur mein Eindruck war und dass es keine allgemeingültige Aussage sein kann. Ich glaube auch nicht, dass der Osten allgemein rechtsradikaler ist, sondern dass es mit seinen Ressentiments anders umgeht. Im Westen ist man eher heimlich, hinter vorgehaltener Hand Nazi, im Osten spricht man es eher aus. Wieso das so ist, weiß ich nicht. Ich habe es aber selber erlebt, dass Dinge gesagt wurden, die hier "im Westen gar nicht gingen".

    Das Problem ist, dass wenn man die Ossis weiter immer nur belächelt und sie allgemein als rechtsradikale Terroristen darstellt, sich die Situation nicht bessern wird. Sie werden sich weiter zu abgrenzen versuchen und die Lage wird sich vielleicht noch verschärfen. Es ist, wie gesagt, eine These, die ich hier aufgestellt habe. Ich halte es aber für wenig sinnvoll immer aufeinander einzudreschen. Von beiden Seiten.

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    1. @MT, ich finde, dass du das sehr gut beobachtet hast, gerade im Bezug auf Ressentiments und dem offeneren Ausdruck dieser im Osten versus dem eher Äußern hinter der vorgehaltenen Hand im Westen. Ich weiß nicht, woher das kommt. Vielleicht hat man man im Osten das Gefühl, so die gewonnene Meinungsfreiheit ausleben zu können. Zu anderen ist aber generell zu beobachten, dass im Westen eher weniger persönliche Details oder Meinungen geäußert werden, wahrscheinlich aus einer längeren Kultur, sich möglichst gut oder makelfrei in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

      Sicher war die Erfahrung des kritischen Beäugens des "Wessis" im "Osten" real. Dennoch muss man sich vor Augen führen, dass "Ossis" im "Westen" ähnliche Erfahrungen machen: sie kritisch beäugt werden und ihnen bestimmte Verhaltens- und Denkweisen perse unterstellt werden.
      Ich kann jedoch nicht nachvollziehen, was ein Projekt wie KOA bei der gegenwärtigen Situation helfen soll, indem es alle Ostdeutschen in den Beiträgen und Kommentaren abwertet. Das straft nur die engagierten, hilfsbereiten und progressiv denkenden Menschen dort ab und erzeugt gewisse Solidarisierungsefffekte, da man sich ja offensichtlich "vom Westen generell nicht verstanden fühlt". Am dümmsten ist dabei das Spielen mit Namensklischees, wie es auch der Autor des Beitrags hier tut. Woher will er oder sie genau wissen, was im Einzelnen Ronny X. und Enrico Y. denken? Und wieso gerade die? Gibt es doch auch im Osten statistisch mindestens 10 mal mehr den Vornamen Karl-Heinz und Günther als Enrico und Ronny.

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