Donnerstag, 20. August 2015

Zocken wie damals


Erinnert sich eigentlich noch jemand an Point-and-Click-Adventures? (Die die Frage mit 'ja' beantwortet haben, können diesen Absatz getrost überspringen.) Das waren Spiele, die man meist noch von Disketten auf seinem Desktop-PC installieren musste und in denen man per Maus einen oder mehrere Helden steuern musste. Man konnte in der Regel kein Leben verlieren, es gab auch keine Skills und Erfahrungspunkte zu holen oder Feinde zu bekämpfen. Es ging nur darum, Rätsel zu lösen, indem man mit anderen Charakteren redete, Gegenstände einsammelte, diese per Maus irgendwie verwendete, sie mit anderen Gegenständen kombinierte, bis man der Sache irgendwann auf den Grund gegangen war.

In den Neunzigern, der ersten Hochphase der Personal Computer, waren die Dinger allgegenwärtig. Es gab Putziges wie die 'Gobliiins-Abenteuer', Phantasrisches wie 'Simon The Sorcerer', leicht Frivoles wie die 'Leisure Suit Larry'-Reihe, vor allem tat sich das Studio LucasArts mit Schrägschrulligem hervor. 'Monkey Island' I und II, 'Indiana Jones', 'Sam And Max Hit The Road' und vor allem das geniale 'Day Of The Tentacle' dürften wohl jedem Zockerveteranen in wohlwollender Erinnerung geblieben sein

Nicht, dass wir - Achtung, Opa erzählt vom Krieg! - damals nichts anderes gespielt hätten. Es gab die ersten brauchbaren Ego-Shooter und Echtzeit-Taktikspiele, auch in der Luft und vor allem im Weltraum wurde geballert wie nicht gescheit. Das Schöne an diesen Point and click-Spielen war hingegen, dass sie einen nicht stressten oder unter Adrenalin setzten, sondern spannend und entspannend zugleich wirken konnten. Man knobelte, probierte aus, kombinierte und verzweifelte. Ein Wochenende ging leicht mal drauf, zumal das Internet - wir hatten ja nichts! - lediglich etwas war, von dem man einmal gehört hatte und man sich nicht mal eben Tipps holen konnte, wenn man mal nicht weiterkam. Es sei denn, man hatte die passende dieser schlauen Computerspielezeitschriften im Hause.

Wenngleich viele Spiele noch solche Elemente aufweisen, verschwand das Genre selbst irgendwann von der Bildfläche. Sicher, es gibt hervorragende, teilweise sogar künstlerisch ambitionierte Independent-Titel, aber groß bekannt wird so was nicht mehr. Überhaupt muss ich bei mir feststellen, mit zunehmendem Alter eher zum Casual Gamer zu mutieren, wie die jungen Leute das ja nennen, und einfach nicht mehr die Geduld und Ausdauer aufbringe, mich tagelang einem Spiel zu widmen (das letzte Mal ist mir das vor ein paar Jahren mal mit Torchlight II passiert, glaube ich). 

Wie schön, dass es Firmen wie Carmel Games gibt. Die entwickeln kleine Adventures im Flash-Format, die man im Browser spielen kann, ohne sich zu registrieren. Die Dinger sind nichts Großes und hat sie in der Regel in einer Viertel- bis einer Stunde gelöst. Zwar ähneln sie sich durchaus untereinander, allerdings bin ich bislang bei Spiel jedem einmal steckengeblieben. Vor allem aber sind die Dinger sowohl optisch als auch im Hinblick auf Settings, Dialoge usw. ganz im Stil der alten Zeit gehalten und haben zumindest mir daher einen Riesenspaß gemacht. Heißa!

Weil die eine ganze Menge online haben, vielleicht ein paar Anspieltipps:

'Vortex Point': Eine Serie von bisher sechs Spielen mit Abenteuern eines Ermittlerbüros für Okkultes a'la 'Akte X'.
Crazy Dad will einfach nur seine Ruhe. Vor seinen süßigkeitensüchtigen Kindern, der Stadtverwaltung oder in der Bibliothek. Wobei er er auch vor Wassermelonen und Sprengladungen nicht zurückschreckt.
'Luke Deluxe': Luke, ein reicher aber bescheidener Softwareunternehmer muss sich einer geldgierigen, heiratswütigen Dame erwehren, die ihn unbedingt heiraten will Nett fiese Parodie, ebenso wie 'Smells Like Art', wo der Kunstmarkt was abbekommt.

Richtig enttäuscht hat mich bislang nichts. Bevor ich mich daher noch vergesse, mögen sich hiermit alle, die mit derart altmodischem Kram was anfangen können, vielleicht gar selbst eine entsprechende Vergangenheit haben, freundlichst beratschlagt fühlen. Bei mir ist das letzte Wochenende draufgegangen. Sage noch einer, ich hätte keine Ausdauer mehr.




Kommentare :

  1. @ Stefan: Ich weiß ja nicht, woher Du Deine Informationen beziehst, aber nach meinem Wissen ist das Adventure-Genre alles andere als "tot". Auf Anhieb fallen mir da bekannte und erfolgreiche Titel ein wie beispielsweise die "Jack Keane"-Reihe, die "Vieh-Chroniken", diverse Teile aus den Welten des "Schwarzen Auges" und der "Grim Tales" oder auch verschiedene Spiele aus dem Hause Daedalic, deren Titel "A New Beginning" 2010/11 gar mit Preisen geradezu überhäuft worden ist. Diese Liste ließe sich noch stundenlang fortführen - "Point & Click"-Adventures gehören nach wie vor zu den am weitesten verbreiteten Computerspielen überhaupt.

    In Deiner Auflistung habe ich leider wesentliche "historische" Meilensteine dieses Genres vermisst, wie etwa die "Black Mirror"-Trilogie oder den grandiosen Klassiker schlechthin, der mich seinerzeit in den 90ern als erstes Spiel überhaupt angefixt hat und der bis heute unübertroffen geblieben ist, nämlich "The Seventh Guest".

    Sehr empfehlen kann ich auch "Faust - Die sieben Spiele der Seele", "Gabriel Knight 3: Blut der Heiligen, Blut der Verdammten" und "The Moment of Silence".

    Es gibt hier jedenfalls keinen Grund zu klagen oder nach "aufwandlos" zu bewältigenden "Schmalspurspielen" zu suchen. ;-)

    Liebe Grüße!

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  2. Ich kann Chrlie nur Recht geben, allein die Deponia-Trilogie ist das Beste was ich seit Jahren gespielt habe.
    Geh mal auf Adventrue-Treff.de , da sieht man wie "tot" dieses Genre ist - nämlich überhaupt nicht!

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  3. @ Anonym: Ich fand ja insbesondere "Edna bricht aus" (2008) und "Harveys neue Augen" (2011) ganz besonders allerliebst. ;-)

    Edna: “Brauchst du einen Helm, Harvey?”
    Harvey: “Nein, danke. Wenn man nur Watte im Kopf hat, verliert man sein Gefahrenbewusstsein.”
    Edna: “Ja. Dieselben Tabletten habe ich auch bekommen.”

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  4. Ich bin kein Roboter (oben: Anonym)22. August 2015 um 13:05

    Die sind natürlich auch klasse :)

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  5. Ich bin kein Roboter (verdammt nochmal!)22. August 2015 um 13:07

    Nachtrag, an Charlie:
    Wenn du Dystopien "magst", dann spiele mal Dead Synchronicity (Spanischer Entwickler, Deadalic ist Publisher).
    Der Held ist zwar recht unsympathisch und die Musik ist stellenweise sehr unpassend, aber das Setting, die Story ist beängstigend real und "gut" (gemacht)

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  6. Als Zocker gibt es derzeit wirklich keinen Grund zu klagen, wenn man sich ein wenig umsieht. Es gibt jedemenge Indie- und Kickstarter-Titel, die sehr innovativ sind, viele Retro-Games, große AAA-Titel, mobile und Browser Games, Daedalic-Adventures mit sehr gut geschriebenen Dialogen und Rätseln...Zurzeit gibt es im Games-Bereich wirklich eine große Auswahl. Sofern man Zeit und Lust hat.

    Meine Wenigkeit ist ja eher der Rundenstrategie-Typ. Ich will mir den Kopf zerbrechen, tüfteln, basteln, grübeln. Das hält mich jung ;-)

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  7. @ no robot: "Dead Synchronicity" ist mir bislang kein Begriff, danke also für den Tipp. :-) Ich werde das beizeiten sehr gerne mal ausprobieren.

    @ epikur: Nach Deinem Kommentar scheint mir für Dich das bereits erwähnte grandiose Spiel "The Seventh Guest" völlig passend zu sein. Leider läuft es auf PC-Systemen nach XP nicht mehr und meines Wissens gibt es da auch (noch?) keinen Patch.

    Wer beispielsweise Edgar Allan Poe und zum Teil sehr kniffelige Rätsel, die den Spieler gerne zur Verzweifelung treiben, immer wieder aber auch in himmelhoch jauchzende Regionen entführen, mag, ist hier bestens bedient.

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