Samstag, 3. Oktober 2015

Ausgetrickst


Dieses Mal haben sie mich erwischt. Die von Springer. Haben es geschafft. Mich überlistet. Wieder einmal sollte allen Deutschen, auch jenen, die das überhaupt nicht wollten, zum Jubeltage der Annexion des Beitrittsgebietes umsonst eine Ausgabe der Vierbuchstabengazette in den Briefkasten genötigt werden. Die zugrundeliegende Botschaft: Deutschland gehört uns, B. ist Deutschland, Deutschland ist B., niemand entkommt uns, muhahaha! Bislang war es mir immer mittels selbstgebastelter, aus dem Internet heruntergeladener Aufkleber gelungen, eine Zustellung dieses ehrabschneidenden Blattes, in das sogar tote Fische sich schon geweigert haben sollen, eingewickelt zu werden, zu verhindern.

Und so dachte ich Donnerstag noch im Büro: Obacht! Am Samstag jährt sich einmal mehr der Gedenktag, an dem du als Treudeutscher gefälligst dankbar zu sein für die Gnade der Gechichte und dich in Feierstimmung zu begeben hast. Und dieser Gedenktag heißt übrigens Gedenktag, weil man ihn im Hause Achsel Springer wieder einmal schamlos für patriotisches Marketing auszunutzen gedenkt. Also fix einen Nein-danke-Aufkleber ausgedruckt und bei der Heimkehr auf den Briefschlitz gepappt, so der Plan. Nicht, dass noch Schlimmes passierte.

Gesagt getan. Doch ei sapperment, was sah ich da beim Nachhausekommen? Sie waren schneller gewesen. Waren mir zuvorgekommen. Outwitted and outsmarted. Die Schande! Sie hatten ihre vierfarbige nationalistische Hallelujapostille bereits allen Haushalten schnöde in die Kästen geprömpert. Hatten mich durchschaut. Mussten es gerochen haben, dass ich den Aufkleber schon am Ersten anbringen würde, um auf Nummer sicher zu gehen. Kein Zweifel, ihnen ist nach Eskalation. Können sie haben! Eine Schlacht ist nicht der Krieg. Und ich habe, Gott der Dicke ist mein Zeuge, nicht angefangen damit.

Allein, wie soll man das in Zukunft unterbinden? Welche Mittel wären angemessen? Wiewohl es zweifellos sehr wirksam wäre, den Briefkasten mit Abwehrmaßnahmen wie Wassergräben, NATO-Draht, Tretminen, Elektroschockern, Bärenfallen, Flammenwerfern und ähnlichem zu schützen und im Falle des Springerblattes sicher auch verhältnismäßig, könnte das aber aufgrund von Kollateralschäden erheblichen Ärger mit Krankenkassen nach sich ziehen. Gäbe es in so einem Fall bei Gericht eventuell mildernde Umstände wegen Notwehr? Schwierige Sache, das. Für Vorschläge wäre ich dankbar. Immerhin bleibt bis zur nächsten Gratisaktion noch ein wenig Zeit. Und praktische Verwendungszwecke für das Druckwerk soll es, Gerüchten zufolge, auch geben.




Kommentare :

  1. Mich haben sie ebenso dran gekriegt. Meine spontane Reaktion war das Gratis-Schmierblatt direkt in den nächsten gelben Postkasten zu befördern. Damit treffe ich zwar nur den Überbringer der Botschaft und nicht den Verantwortlichen Schmierfinken, aber:

    1. hat es mir im Moment gut getan und
    2. überlegt sich die Post beim nächsten Mal ob das Verteilen so ein gutes Geschäft ist wenn ein paar zehntausend Exemplare so quasi als "Echo" wieder zurück kommen und entsorgt werden müssen. Was habe ich schließlich mit dem Dreck anderer Leute zu schaffen?

    Mittelfristig bastle ich mir einen Aufkleber der nicht nur Werbung dankend ablehnt sondern auch explizit und fett jegliche Gratis-Bild. Für IMMER!

    AntwortenLöschen
  2. Hat Deine Mama Dir nicht beigebracht, wie Du mit Fundsachen verfahren sollst? Bei uns hatten sie auch so ein Dings im Briefkasten verloren. Das ging selbstverständlich unfrei im Briefumschlag zurück an die Redaktion. Wenn sie es verlieren, sollen sie es auch wieder bekommen :)

    AntwortenLöschen