Sonntag, 18. Oktober 2015

Es gibt noch viel zu tun


"Paulus schrieb den Irokesen: / Euch schreib' ich nichts, lernt erstmal lesen." (Robert Gernhardt)
 
Kenneth Tynan meinte einmal, es gäbe nichts schöneres, als wenn Selbstgerechtigkeit eins aufs Dach bekäme. In diesem Jahr ist es diesbezüglich für den deutschen Michel besonders dicke gekommen. Bislang sind in diesem noch nicht beendeten Jahr folgende hiesige Lebenslügen derbe ins Rutschen geraten bzw. haben zumindest einen erheblichen Knacks bekommen:

  • Deutschland ist kein Einwanderungsland - check.
  • Die deutsche Autoindustrie ist eine sympathische Tüftlerveranstaltung, die die besten Autos der Welt baut und niemals tricksen würde, weil sie das - öchö, öchö! - überhaupt nicht nötig hätte - check.
  • Der DFB ist ein hochseriöser, unkorrumpierbarer Sportverband - check.
  • Schummeln tun immer nur die anderen - check.
  • Wolfgang Niersbach ist ein prima Kerl mit guten Ansichten - check.
  • Der Deutsche ist eine grundehrliche, unbestechliche, integre Haut, die sich den Wohlstand hart erarbeitet hat und immer nur von korrupten, betrügerischen Ausländern übervorteilt und ausgeplündert wird - check.

Keine schlechte Schlagzahl bislang. In dem Tempo kann's meinethaben gern weitergehen. Wenn dann auch noch die dickste aller Lügen in sich zusammenfällt, könnte man direkt zufrieden sein:

  • Deutschland ist ein ganz besonderes Land, weswegen Deutsche immer Vorzugsbehandlung verdienen und andere ungefragt a'la Blockwart anranzen dürfen, wie sie sich gefälligst zu benehmen haben - open.

Das wird leider ein besonders harter Brocken, weil das an den Kern hiesigen Selbstwertgefühls geht. Man muss sich dazu nur den vielzitierten 'Leitfaden für Flüchtlinge' ansehen, die die Stadt Hardheim im Odenwald online gestellt hat. Man muss fair sein, in Hardheim leben gut 4.500 Einwohner und man steht vor der Herausforderung, etwa 1.000 Flüchtlinge unterzubringen. Trotzdem bleibt die eine oder andere Frage.

So etwa die, wieso ein Leitfaden, der unter anderem die dringende Aufforderung enthält, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu erlernen, sich somit wenigstens zum Teil an Menschen ohne Kenntnisse derselben richtet, ausschließlich auf Deutsch erscheint und sich niemand die Mühe gemacht hat, wenigstens eine englische Version anzufertigen, aber wir wollen nicht allzu pingelig sein. Denn darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, dass man Menschen, die von woanders her kommen, aus falsch verstandener Political Correctness absolut nicht zumuten dürfte, Regeln und Gebräuche zu respektieren. Das ist selbstverständlich und das kann man selbstverständlich auch tun. Die Frage ist nur, in welcher Haltung man das tut. Der Leitfaden aus Hardheim jedenfalls könnte in etwa auch so lauten:
__________________________________________

Liebe fremde Frau, lieber fremder Mann,

da Sie höchstwahrscheinlich aus einer rückständigen Kultur zu uns kommen, in der man das Licht noch mit dem Hammer ausmacht, immer den Rasen betritt, unmotiviert Frauen notzüchtigt, nicht weiß, was Menschenrechte sind, es nirgends einen Supermarkt gibt, die Erfindung des Wasserklosetts ebenso unbekannt ist wie die des Mülleimers, man keine Nachtruhe kennt, wo die Menschen im Gegensatz zum Deutschen zu doof zum Radfahren und auch sonst nicht in der Lage sind, zu beobachten, zu sprechen, zu lernen, und eigene Schlüsse zu ziehen, weil sich bei Ihnen bekanntlich alle mit der Brechstange die Haare kämmen, erklären wir Ihnen im folgenden einmal, wie man sich gefälligst zu benehmen hat in einem ordentlichen, entwickelten Land. Ach so: Unterlassen Sie bitte niemals, es an der gebührenden Dankbarkeit und Demut fehlen zu lassen für die Tatsache, dass Sie überhaupt hier sein dürfen und dass wir Sie in unserem Superland dulden. Übrigens sind wir Deutschen sehr am Austausch mit anderen Kulturen interessiert, so lange die anderen Kulturen nicht rumnerven und sich so benehmen, wie wir uns das vorstellen. Und jetzt lernen Sie gefälligst erst Mal Deutsch, damit Sie das hier überhaupt verstehen!

-- Wie gesagt, es gibt viel zu tun. Eine Bitte hätte ich aber noch: Liebe Qualitätsjournalisten, bitte nennt das hardheimer Geschreibsel nicht 'Knigge'. Adolph Freiherr von Knigge war nämlich, einem verbreiteten Missverständnis entgegen, kein Benimmonkel, der Regeln aufgestellt hat, sondern ein edler, nobler Mensch, der sich im Grabe herumdrehte, bekäme er mit, dass sein Name mit dieser herablassenden Herumkommandiererei in Verbindung gebracht wird.


Kommentare :

  1. Ja, gut, zugegeben, das waren jetzt ein paar üble Schläge für das deutsche Selbstbild. Aber davon müssen wir uns doch nicht demotivieren lassen! Wir Deutsche haben immer noch verdammt viel drauf! So einen Brocken wie einen Flughafenbau zum Beispiel, den ziehen wir doch mit einer deutschen Gründlichkeit durch, schnell, effizient und präzise, da beneidet uns die Welt drum! Oder nehmen wir die Bahn! Züge, die pünktlich und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk rollen. Da kann es Raureif auf den Gleisen oder Sommertemperaturen von über 30 (!) Grad (im Schatten!) geben - nichts bringt uns aus dem Takt! Auf den Schienen der Baghdad-Bahn rollen nach 100 Jahren noch immer die Züge auf deutschen Originalgleisen! Es ist ja nicht so, daß deutsche Schienen schon nach ein paar Jahren auseinander fallen würden! Nee, wir haben es schon noch drauf, wie schon unsere Väter und Großväter und Urgroßväter und deren Urgroßväter...

    Puh, so, jetzt fühle ich mich in meiner deutschen Seele wieder etwas wohler und bestärkter. Jetzt kann ich wieder zu facebook rüber und ein bisschen gegen diese faulen, korrupten, inkompetenten Südländer feuern! ;)

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  2. Wenn in Deutschland, Österreich usw. der politische Wille vorhanden wäre, wenn von vorn herein klar ist, dass nur wenige aufgenommen und bei illegalem Einreiseversuch zügig wieder abgeschoben werden, dann würden sich die Flüchtlingsströme schon von sich aus stark reduzieren. Dazu noch schnellere Asylverfahren, sofortige Abschiebung bei Straftaten und konsequente Grenzsicherung – und das wars. Komischerweise scheinen andere Länder das zu können. Polen hat angekündigt, bis zum Jahr 2017 etwa 2000, in Worten: zweitausend Asylanten aufzunehmen. Und nu? Gibt es in Polen auch kein Asylantenproblem. Anderes Beispiel Australien, hier die Original Überschrift im „Focus“:

    „Australiens Anti-Flüchtlingspolitik ist seit jeher radikal – eine neue Kampagne zeigt nun jedoch besonders eindrücklich, wie energisch das Land die Problematik angeht. Die Aussage ist eindeutig: Ihr habt keine Chance, hier einzuwandern.“

    Genial oder? Indem ein Staat sich SEINEM Volk gegenüber verantwortlich zeigt, indem ein Staat einfach mal klare Kannte gegenüber potentiellen Asylanten zeigt, ist das Problem gelöst. Die Vorstellung sollte endlich ad acta gelegt werden, dass „wir überrannt werden“. Es ist einfach irreführend zu behaupten, man könne gegen den Ansturm der Asylanten aus aller Welt überhaupt nichts tun. Es ist genau umgekehrt und gerade in Deutschland ist die Situation eigentlich an Perversion nicht zu überbieten: Der Staat schafft durch seine finanziellen Anreize die Grundlage dafür, dass sich ein Millionenheer an Asylanten auf dem Weg zu uns gemacht hat. Die Ankömmlinge bekommen alles was man zum Leben braucht vom Staat, dazu noch ein Taschengeld und bei Straffälligkeiten garantierte Milde von den Rechtsverdrehern im Gerichtssaal. Das Geld dafür nimmt er sich natürlich von seinen eigenen Bürgern, die ihre eigene Verdrängung somit auch noch finanzieren dürfen. Das Geld, das der Staat für millionen Fremde auf einmal in Hülle und Fülle zu haben scheint, ist für Rentner die jahrzehntelang gearbeitet haben, komischerweise nie dagewesen. Ebensowenig für Schulen, Straßenbau und sonstige Infrastruktur. Bei Kapazitätsproblemen in der Unterbringung werden dann eben auch Schulen, Kindergärten, Sporthallen, Hotels und sogar das Eigentum der Deutschen beschlagnahmt, wie neuerdings immer häufiger zu vernehmen ist…Man muss eben Prioritäten setzen, gell?!

    Fast man diese und noch einige weitere Punkte zusammen, ist klar, dass wir nicht überrannt werden, sondern das die Ansiedlung Fremder bewusst gefördert wird. Wer noch nicht verstanden hat, das der größte Feind der Deutschen der eigenen Staat ist, dem ist echt nicht zu helfen. Die Probleme sind hausgemacht und politisch gewollt!

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  3. Hallo Stefan.
    Zu 1. Ja das ist richtig, aber ich denke das ist nicht schlimm wenn ich ihren Artikel als Aufhänger genommen habe. An diesem Tag hatte ich Zeit und vermutlich Lust zu schreiben^^

    Zu 2. Das denke ich auch, dennoch habe ich gerne ihren Artikel gelesen und mir Zeit genommen drauf zu antworten. Ich sollte mich aber trotzdem etwas mehr einlesen in diese ganze Geschichte ;)

    Zu 3. :D

    Zu 4. Nein das ist mein eigener Blog wo ich meine Texte selber schreibe, und danach mit einer Test Software etwas versuche. Und dadurch enstehen diese Texte. Ich bearbeite einzelne Themen auf der Internetseite von der OTZ Zeitung. Aber das ist nun offtopic ;)

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