Montag, 5. Oktober 2015

Glückwunsch nach München


Als fairer Sportsmann muss man dem FC Bayern München gratulieren. Nach gerade acht Spieltagen ist, wenn nicht noch völlig Unvorhergesehenes passiert, die Meisterschaft quasi entschieden, das Rennen um den Titel, so es eines war, vorbei. Den Tabellenzweiten mit einer Klatsche nach Hause geschickt und wenn überraschenderweise doch einmal ein Unentschieden droht, eilt der Schiri zu Hilfe - was soll da noch passieren? Für die Bayern dürfte es im folgenden nur noch um zwei Fragen gehen: a) Mit wie viel Punkten Vorsprung werden wir dieses Mal Meister? b) Holen wir einen, zwei oder drei Titel? Die siebzehn übrigen Vereine der Liga dürfen sich mit Fragen quälen wie: a) Wer wird Zweiter? b) Wer kommt in die europäischen Wettbewerbe? Willkommen in der spannendsten und attraktivsten Liga der Welt.

Insgesamt liefert die Fußball-Bundesliga zur Zeit auch für jene, die dem Ballgetrete nichts abgewinnen können, ein mahnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man die unsichtbare Hand des freien Marktes zu lange einfach machen lässt, ohne beizeiten einzugreifen. Am Ende bleibt ein Wettbewerber übrig - hier: der FC Bayern München - der alles dominiert und nach Belieben schalten und walten kann. Während es in Spanien immerhin noch um die Frage geht, ob nun Real oder Barca Meister wird, in England das Titelrennen zwischen fünf, sechs Clubs ausgetragen wird, herrschen bei uns inzwischen schottische Verhältnisse. Sportlicher Wettbewerb sieht anders aus.

Gut, auch in anderen Sportarten hat es schon vergleichbare Konstellationen gegeben. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen es zum Beispiel beim Tennis nur noch um die Frage ging, ob es mal einer wackeren Gegnerin gelingen würde, der schwäbischen Balldreschmaschine Steffi Graf einen Punkt abzutrotzen, vielleicht wenn diese erkältet war. Oder ob ein gewisser Michael Schumacher, der unter dem Jubel der Schuuumi-Brüller jahrelang alles in Grund und Boden gefahren hat, freundlicherweise einen Fahrfehler machen würde, der die gähnende Langeweile seiner Start-Ziel-Siege wenigstens für einen Moment unterbrochen hätte. Allein, Tennis und Autorennen sind Individualsportarten. Irgendwann macht der Körper der Athleten nicht mehr mit und sie treten zwangsläufig ab. Ein Fußballclub kann sich permanent erneuern und das Spielchen theoretisch ewig weitertreiben.

Ich habe da ja so eine Theorie: Die totale Dominanz der Bayern ist nichts anderes als ein von langer Hand eingefädeltes Komplott. Damit wertkonservative Fußballromantiker wie ich, die sich immer noch hartnäckig gegen den Gedanken sträuben, auch die Bundesliga müsse nunmehr vollends zum Produkt werden, das premierleaguemäßig totalvermarktet wird, ihren Widerstand endlich aufgeben.

Vielleicht bin ich als Anhänger der Schwarzgelben aus Lüdenscheid-Nord nach so einem Spieltag ein wenig befangen. Doch ist es höchst interessant, wie mein Verhältnis zur Liga so nach und nach ändert. Es zeugt sicher nicht von Sportsmanship, doch kommst du irgendwann an einen Punkt, an dem du nur noch die Bayern verlieren sehen willst und wie deren Breitarsch-Fans das selbstzufriedene Grinsen gefriert. Inzwischen bin ich so weit, ausnahmslos jedem Verein meine Sympathien zu schenken, der in der Lage ist, den Dominatoren von der Isar irgendwie einen reinzutun. Meinetwegen sogar Schalke. Ja, ich würde es sogar begrüßen, wenn die finanziell gedopten Aufputschbrausekicker aus Leipzig den Aufstieg schafften, wenn sie nur den Bayern tüchtig einheizen würden. So weit ist es also gekommen.



Kommentare :

  1. In Spanien und England ist es auch nicht besser , vor allem in England gibt es nur deshalb Spannung , weil sie gleich mehrere Vereine an irgendwelches semikriminelle und superreiche Gesocks verscheuert haben.

    "Meinetwegen sogar Schalke"

    Ebenfalls an Kriminelle verscheuert , sind aber trotzdem zu blöd für den Erfolg , was zeigt , daß selbst sehr viel Geld nicht genug ausrichten kann gegen die tiefsitzende Vollverblödung bei Umfeld und Fans von traditionellen Arbeitervereinen .
    Immerhin , in solchen Fällen ist Tradition stärker als Kohle.

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  2. Bei den Traditionsvereinen fällt auf, daß sie sich immer wieder selber ins Knie schießen , weil sie einfach keine Kontinuität auf die Reihe kriegen und damit kein Gegengewicht aufbauen können gegen die gar nicht so unschlagbaren Bayern , darauf wollte ich eigentlich hinaus.
    Bayern macht , muß man zähneknirschend zugeben , eine solide Politik , die werfen vor allem nicht ständig die Trainer raus, ein ganz einfacher , aber wesentlicher Vorteil. Könnten die anderen auch , sind aber zu blöd dazu.

    Und sei nicht so kleinkariert , was zählen Gesetze bei einer Lichtgestalt...

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  3. Der FCB, BILD und der Spiegel schäumen über vor Mitleid mit dem früheren Fussballspieler (Bomber) Gerd Müller (69) Gehirnstruktur, Mikrotraumen, Dabei ist er ein ähnliches Opfer seines Berufes wie der Weltklasseboxer Muhammed Ali, dem ebenfalls Alzheimer nachgesagt wird. Beide sind aber Opfer ihrer Profikarriere im Fall Müller im Dienste des Vereins.

    In seinen 585 Einsätzen hat Müller eine Menge Kopfbälle gespielt, die je nach Geschwindigkeit und Aufschlagpunkt seine Gehirnmasse in horizontale Schwingungen versetzten. Das hinterläßt Mikrotraumen und verändert die Gehirnstruktur. Experten sprechen in derartigen Fällen von chronisch traumatischer Enzephalopathie (CTE), eine noch relativ junge Diagnose.

    Dass Kopfbälle beim Fußball eine Demenz auslösen können, wird durch Einzelfälle sicher noch nicht belegt. Radiologen hatten im letzten Jahr jedoch bei kopfballstarken Fußballern Hinweise auf Nervenfaserrisse im Gehirn gefunden, die mit schlechteren Leistungen in Gedächtnistests assoziiert waren. Völlig aus der Luft gegriffen scheint der Zusammenhang deshalb nicht. Bevor der Kopfball beim Fußball verboten wird, dürften allerdings noch weitere Belege notwendig sein.

    Sollte sich derartiges bei Gerd Müller herausstellen, können noch einige Kosten auf den FCB zukommen. Aber es bleibt alles in der Familie.

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