Mittwoch, 29. April 2015

Meritokratie, Baby!


Immer dieses Gemopper über die zunehmende Ungleichheit in Deutschland! Dabei wissen wir doch, dass jeder, der über die entsprechende Begabung verfügt und bereit ist, hart zu arbeiten, die Chance hat, es zu schaffen. Meritokratie eben, Herkunft zählt nicht und jeder ist seines Glückes Schmied und... ach was, Bilder sagen mehr als Worte. Sehen wir uns also ein kleines Beispiel aus den USA an:

Sonntag, 26. April 2015

Dürfen die das?


1. Ja natürlich, was soll diese Frage überhaupt?

Wie zu erwarten war, widmet die 'Titanic' sich in ihrer aktuellen Ausgabe dem recht diskutablen medialen Umgang mit jenem unseligen Germanwings-Flug (Screenshots 1,2,3), und schon sind sie schockiert: Um Himmels Willen, dürfen die das denn? Satire hat doch auch Grenzen! Was soll das? Ich verstehe das nicht. Es ist, wenn ich mich nicht irre, erst ein paar Wochen her, da hielt man dem Moslem noch hochfahrende Vorträge darüber, dass er gefälligst stickum zu sein habe angesichts von Witzzeichnungen. Er habe damit klarzukommen, dass Satire in westlichen Ländern nun einmal grundsätzlich alles dürfe, was eben auch Witze über Religion mit einschlösse.

Freitag, 24. April 2015

Schlimmer geht immer


Wenn jemand einen Hals kriegt bei billigen Wortspielen, vor allem in der Werbung, dann bin ich sofort dabei. Hege doch auch ich eine tiefsitzende Abneigung gegen diese fast immer mit Kuhfuß und Presslufthammer verzweifelt auf lustig ziselierten Kindereien. "Bill ich? Will ich! Harr harr harr!" Clown gefrühstückt, oder was? Dafür kriegen die auch noch Geld! Und zwar nicht wenig! Wer aber die Kampagne um diesen französischen Kaktus auf Rädern schon für die Höchststrafe in Puncto Brechstangenhumor hält, hat sich definitiv noch nicht mit der Werbekampagne dieses Essen-auf-Räder-Akkumulierers befasst. Wobei - letzteres ist eigentlich kaum vorstellbar. Zumindest wenn ich mir anschaue, in welcher Dichte das in meinem Sprengel so plakatiert wird.

Mittwoch, 22. April 2015

Und die SPD so?


Eine Frage hätte ich da mal: Was soll einem eigentlich als alter Sympathisant noch groß einfallen zu der von Sigmar Gabriel angeführten SPD? Haben die immer noch nicht begriffen, dass Angela Merkel eine Art FC Bayern München der deutschen Politik ist? Eine Partei, die es offenbar ums Verrecken nicht mitkriegt oder mitkriegen will, dass sie sich gerade den letzten Rest dessen wegschachern lässt, was von ihren Werten noch übrig ist und das auch noch als Erfolg ausgibt, muss sich fragen, von wem sie überhaupt noch gewählt werden will bzw. warum sie praktischerweise nicht gleich mit der Union fusioniert. Das würde vieles erleichtern und dem geneigten Beobachter des politischen Geschehens zudem eine Menge peinlicher Politiksimulation ersparen, die augenscheinlich nur für die Galerie veranstaltet werden.

Samstag, 18. April 2015

Diese fatale Distanz


Rückblickend kann ich das gut verstehen. Meine selige Oma wusste, was Hunger ist, hatte sie doch eine Familie mit zwei Kindern durch die schwierigen Nachkriegsjahre bringen müssen. So was prägt. Möglich, dass bei ihr Erinnerungen hochkamen, als in den Sechzigern zum ersten Mal Bilder von Hungerkatastrophen in Afrika durch die Medien gingen. Seinen Teller leer zu essen oder nicht, das hatte für sie eine völlig andere Relevanz als für uns Wohlstandskinder. Wenn ich den Rest von Omas portlandzementiger Erbsensuppe ums Verrecken nicht mehr herunterbrachte, weil sich langsam Brechreiz ankündigte und sie mit empörten Unterton sagte: "Und in Afrika hungern die Kinder!", dann war das todernst gemeint, weil wohl am eigenen Leibe erlebt.

Donnerstag, 16. April 2015

So long, Jürgen,...


... and thanks for all the fish!

Auch wenn es einen als jemand, der es mit den Schwarzgelben hält, schmerzen mag: Dass Jürgen Klopp seinen Posten als Trainer von Borussia Dortmund am Ende der Saison verlässt, ist ein souveräner und richtiger Schritt, der zur rechten Zeit kommt. Vielleicht gerade eben noch. Immer deutlicher wurde es, dass die Luft raus war aus dem System Klopp und dass er, dem ein paar Jahre lang alles zu gelingen schien, keine Antworten mehr hatte. Sosehr man es bedauern mag, ich war erleichtert. Mit zunehmender Sorge sah ich, dass da mit Klopp ein Charismatiker mir autokratischen Zügen agierte. Ich habe woanders selbst erlebt, welchen Flurschaden so jemand anrichten kann, wenn er ans Ende seines Lateins gerät und er als kleines Souvenir mal eben den ganzen Laden mit sich in den Abgrund reißt.

Montag, 13. April 2015

Aus der Welt der Wirtschaft


Endlich mal eine gute Nachricht für die noch junge Branche der Mindestlohn-Panikmacher. Bislang wollte ja auch nach 100 Tagen Mindestlohn keine ihrer Schreckensvisionen so recht eintreffen und von großen Jobverlusten ist bislang nicht viel zu spüren. Vielleicht zahlen viele Leute sogar brav etwas mehr für den Haarschnitt oder akzeptieren moderate Preiserhöhungen im Restaurant, wenn sie nicht das Gefühl haben, dreist über den Leisten gezogen zu werden. Jetzt aber könnte es doch noch knüppeldicke kommen, denn: Der Spargel wird teurer! Und da muss der Spaß sich doch endlich mal aufhören. Denn frischer Spargel aus der Region während der Saison hat in Deutschland mittlerweile fast schon Menschenrechtsrang.

Freitag, 10. April 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (8)


"Der Deutsche bastelt gern und der Schwede hat's herausgefunden." (Jochen Malmsheimer)

Natürlich hätte ich es wissen müssen. Jeder Dödel mit mehr als einer Handvoll halbwegs normal vor sich hin tuckernder Gehirnzellen unter der Schädeldecke weiß das. Ist ein Besuch im bekanntesten schwedischen Möbelhaus der Welt zu normalen Zeiten schon nichts für jene, die eine Abneigung gegen Menschenaufläufe haben, so ist das zu gewissen Zeiten im Jahr eine noch schlechtere Idee als sonst. Zum Beispiel vor Weihnachten oder während der Ferien. Da haben nämlich nicht nur alle Lehrer Zeit, nein, auch die Eltern schulpflichtiger Kinder genießen bei vielen Arbeitgebern Vorrang bei der Urlaubsplanung. Deswegen haben auch sie Zeit und Gelegenheit, dem Laden einen Besuch abzustatten. Und zwar alle wie sie da sind. Mit der ganzen Familie. Mit Oma und Opa. Aber die sind Rentner und haben eh immer Zeit.

Mittwoch, 8. April 2015

Bitte recht talentfrei!


Leider, leider wurde das Video schon wieder gelöscht. Aus Copyright-Gründen, nicht wegen groben Unfugs, was weitaus angemessener gewesen wäre. Nur ein Screenshot ist geblieben (facebook!). Daher müssen wir uns hier notdürftig mit Beschreibung, Analyse und dieser Parodie behelfen. Schade, das Teil war wirklich allerliebst. Eine Tante, die sich Jera nennt, wohinter sich die Bogida-Initiatorin Melanie Dittmer verbirgt, hatte ein voll cooles Projekt mit eigenem YouTube Channel ins Leben gerufen um das schlafende Volk mal so richtig aufzuwecken. In dem gelöschten Video latschte sie, von vorn gefilmt, zu den Klängen von Bob Marleys 'Get Up Stand Up' über die Kölner Hohenzollernbrücke, trällerte dazu vier Minuten lang immer wieder den Refrain und pappte etwa in der Mitte des Videos einen Aufkleber mit der Aufschrift 'REFUGEES NOT WELCOME' auf einen Laternenmast. Wow! Nun, Migrant, besinne dich, Volk, steh' auf und Sturm, brich los!

Montag, 6. April 2015

Die verschiedenen Gesichter des Mobs


Sicher, man sollte im Hinterkopf behalten, dass noch nicht abschließend geklärt ist, ob die Brandstiftung in einem als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenen Haus in Tröglitz einen rechtsextremen Hintergrund hat. Wenn nur Teile der Bevölkerung des sächsischen Kaffs im Verein mit einigen Zugereisten in der jüngeren Vergangenheit nicht so vieles dafür getan hätten, dass dieser Verdacht so plausibel erscheint. Die Fairness gebietet natürlich trotz allem, viel Konjunktiv zu verwenden. Nach wie vor ist es sehr wohl möglich, dass das Feuer von einem durchgeknallten Einzeltäter ohne jeden politischen Hintergrund gelegt worden ist.

Donnerstag, 2. April 2015

Chronist eines anderen Landes


So traurig es ist, dass der große Helmut Dietl in einem Alter gehen musste, das heute eigentlich kaum noch eines ist, so ist die Nachricht von seinem Tod auch eine Erinnerung daran, wie anders dieses Land einmal tickte, damals in den Achtzigern, als München so etwas wie die heimliche Hauptstadt war. Mochte Hamburg das Tor zur Welt sein, in Frankfurt die Finanzen erledigt und von Bonn aus regiert werden, wer kulturell und in puncto Lebensart etwas zu sein begehrte, kam, anders als heute, um München eigentlich nicht herum, trotz schon damals legendärer Wuchermieten.