Freitag, 31. Juli 2015

Reiseimpressionen (4)


Rupertus-Therme, Bad Reichenhall

Die Gegend hier nennt sich Rupertiwinkel. Diese alte, auf den heiligen Rupert bzw. Rupertus zurück gehende Bezeichnung wurde irgendwann für das Tourismusmarketing entdeckt. Alleinstellungsmerkmal, Baby! Daher bekommt hier so ziemlich alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist oder sich mit Händen und Füßen wehrt, das Präfix 'Rupertus-' bzw. 'Ruperti-' vorn dran getackert.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Reiseimpressionen (3)


Vorder- und Rückseiten

Eigentlich gibt es einiges, das die Altstadt von Salzburg für mich zu einem höchst unsympathischen Fleckchen Erde machen müsste. Fängt damit an, dass hier zu Festspielzeiten einer der größten Promi- Wichtig- und Adabei-Auftriebe des Planeten herrscht. Geht damit weiter, dass die Weltkulturerbe-Altstadt vielerorts aussieht wie ein auf Hochglanz poliertes Touristen-Disneyland. Und ist mit Phänomenen wie dem, dass um die proppenvolle Getreidegasse herum an gefühlt 80 Prozent der Lokale und anderen vom Fremdenverkehr lebenden Betrieben 'Nepper, Schlepper, Bauernfänger' als unsichtbare Leuchtschrift zu prangen scheint ("Authentic Austrian/Bavarian food!"), noch lange nicht zu Ende. Außer Venedig und Schloss Neuschwanstein gibt es wohl nur wenige andere Orte, an denen sich solche Touristenmassen, vornehmlich aus Fernost, Italien und den USA, so klischeehaft benehmen wie hier.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Ich will Kühe!


Da ich zunehmend das Gefühl habe, nix Vernünftiges mehr zusammengeschrieben zu bekommen, trifft es sich, dass ein paar Tage Urlaub anstehen. Verabschiede mich daher bis nächste Woche um diese Zeit in eine kurze Sommerpause. Wünsche gute Erholung von mir. Man liest sich!

Montag, 20. Juli 2015

Die Geister, die er rief


Eigentlich müsste ich jetzt sagen, dass Til Schweiger mir, ungeachtet seines filmischen Oeuvres und anderer komischer Auftritte, auf seine alten Tage noch direkt sympathisch werden könnte. Dass er sich für Flüchtlinge einsetzt, ist ehrenwert, verdient Respekt und darf unter Prominenten gern weiter Schule machen. Jede Unterstützung ist willkommen in Zeiten, in denen fast jeden Tag eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgeht. Auch dass er, als seine Facebook-Seite daraufhin von rechtem Deutschland zuerst!-Plebs geentert und vollgemacht wurde, klar Stellung bezog und diese Bande dabei keineswegs beschimpft, sondern vielmehr im genau angemessenen Tonfall angesprochen hat, geht in Ordnung.

Sonntag, 19. Juli 2015

Wir bloggen Food


Ich auch Essen fotofieren! Heute: Vom Einerlei des Frühstückengehens und einer rühmlichen Ausnahme

Frühstücken gehen, geplant und im Rudel (in der Anglizismenhölle auch brunchen genannt) - das Wochenendvergnügen jener Ältergewordenen, deren Schlafbedürfnis oder deren familiäre Verpflichtungen durchfeierte Nächte und ähnliche Exzesse nicht mehr zulassen. Man kann das verspotten als Kaffeekränzchen für junge Spießer, die bloß noch nicht wahrhaben wollen, dass sie welche sind. Ab einem gewissen Alter aber, let's face it, ist so ein gemeinsames Sonntagsfrühstück oft die einzige Möglichkeit, ein paar alte Freunde und Bekannte mal an einen Tisch zu kriegen, denn am Sonntagvormittag haben viele noch am ehesten Zeit, seitdem der sonntägliche Kirchgang eher zum Event einer Minderheit geworden ist.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Oans, zwoa, gsuffa!


Machen wir uns nichts vor, sie werden das mit der Prohibition wieder in Angriff nehmen. In Baden-Württemberg haben sie die ersten Schritte jetzt eingeleitet und öffentliches Trinken nach 22:00 Uhr untersagt. Sicher, es wird noch eine Zeit dauern, bis Alkohol so stigmatisiert sein wird wie heute Tabakrauch, aber er wird es irgendwann sein, da mache ich mir nur wenig Illusionen. Ich weiß das, weil ich die Anfänge der Anti-Rauch-Bewegung in den Achtzigern mitbekommen habe. Auch damals wurden die ersten Aktivisten noch allgemein belächelt, ihre hinkenden Vergleiche bespottet, ihr demonstratives Rumhusten ignoriert. Irgendwann um die Jahrtausendwende gewann das alles mächtig an Schwung und wenige Jahre später war die einst allgegenwärtige Fluppe aus dem öffentlichen Leben weitgehend verschwunden.

Montag, 13. Juli 2015

Eine Nacht mit Folgen


Warum leider einiges dafür spricht, dass Europa seit heute offiziell am Arsch ist

Es ist mehr ein Gefühl, und es ist kein gutes. Normalerweise neige ich so wenig zum Unken und Schwarzsehen wie dazu, hier mehr als einen Text pro Tag zu veröffentlichen. Ich versuche normalerweise immer, einer Sache irgendwie noch etwas Positives abzugewinnen. Heute hingegen, wie gesagt, beschlich mich ungewohnt intensiv ein höchst ungutes Gefühl. Als ich von der sogenannten Einigung mit Griechenland erfuhr, dachte ich spontan: Das geht nicht gut aus, das wird uns in nicht allzuferner Zeit noch bitter auf die Füße fallen. Schuldenlogik hin oder her, aber so sollten befreundete Staaten nicht miteinander umgehen.

Es bröselt


Sag mal, AfD, bzw. das, was davon noch übrig ist: Was musste man denn da über diesen Essener Parteitag lesen, auf dem dein Gründer Bernd Lucke aus dem Amte gekegelt wurde? Ich meine, dass man ihn abgewählt hat, ist ja Demokratie 1.01 für Dummies und selbstverständlich völlig in Ordnung, nix dagegen. Aber dass er während seiner Rede rüde ausgepfiffen und ausgebuht wurde, das bringt mein politisches Weltbild dann doch ein wenig ins Bröseln.

Samstag, 11. Juli 2015

Fachfremde Expertise


Keine Ahnung, ob an der Geschichte mit dem durch den Menschen hervorgerufenen Klimawandel was dran ist. Scheint mir aber durchaus logisch zu sein. Immer mehr Menschen auf der Erde verballern immer mehr fossile Brennstoffe und verändern damit die Atmosphäre. Kann ich aber nicht beurteilen, fehlt mir das Fachwissen. Selbst, wenn an der Klimawandel-Nummer nichts dran sein sollte: Die Ressourcen unseres Planeten, also bewohnbare Gegend, Bodenschätze, Trinkwasser, urbares Land etc. sind endlich, während die Bevölkerung nach wie vor exponentiell zunimmt – keine schlechte Idee, wie mir scheint, fleißig daran zu forschen, wie die Gattung Mensch sich in absehbarer Zeit möglichst ressourcenschonend benehmen könnte. Just my two cents.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Thilos heiße Tipps


Nein, ich habe dieses Blatt nie gekauft und werde es auch nicht tun. Eines meiner wenigen unumstößlichen Prinzipien im Leben. Auch die Online-Variante meide ich, wo und wie immer es irgendwie geht. Ein Gebot des Anstandes und meiner persönlichen politischen Hygiene. Manchmal jedoch ist es aus Recherchegründen, trotz aller guten Vorsätze, unumgänglich, auf deren Internetseite vorbeizuschauen. Am Dienstag war das wieder einmal nötig geworden. Ich hatte von diesem ungeheuerlichen Pickelhauben-Titelbild Wind bekommen und meine erste Reaktion war: Das haben die jetzt nicht wirklich gemacht, oder? Parodie oder was? So blöd sind doch noch nicht einmal die! Es muss doch noch irgendwas auf der Welt geben, wovor sogar die sich ekeln.

Montag, 6. Juli 2015

Nuhr ein Scherz


Vor mehr als zehn Jahren habe ich einmal ein Liveprogramm von Dieter Nuhr gesehen. Eine ehemalige Studienfreundin hatte mich mitgeschleppt. Ich fands ganz nett, sie hingegen war hinterher hin und weg von diesem, wie sie sagte, "hübschen Kerl". Als ich mich im Foyer umsah, erkannte ich einen Teil von Nuhrs Erfolgsrezept: Viele Frauen mit leuchtenden Augen, die meisten Männer wirkten mäßig begeistert. Die Damenwelt scheint einfach abzufahren auf seinen Dackelblick, seine dunklen Wuschelhaare und seine vom Zahn der Zeit vergleichsweise wenig gebeutelte Figur und sie nötigt männliche Begleiter zum Mitkommen.

Sonntag, 5. Juli 2015

Blick in die Zukunft


Von Ausnahmen einmal abgesehen, finde ich diese Unsitte, andauernd sein Essen zu fotografieren, ja reichlich überflüssig. Kommt natürlich ein wenig drauf an. Es ist ein Unterschied, ob jemand das macht, um auf ein besonders gutes Restaurant hinzuweisen oder sich bloß mit exklusivem Gespachtel dicke tun will. Manchmal kann das aber auch aufklärerische Wirkung entfalten und etwas in Bewegung bringen. Als zum Beispiel die neunjährige Martha Payne jeden Tag Bilder ihres Schulessens ins Netz stellte, wirbelte das mächtig Staub auf. Viele Menschen waren entsetzt, was für eine billigstmögliche Schulabspeisung den Kindern und Jugendlichen da Tag für Tag vorgesetzt wurde und empörten sich, dass Caterer für den Conveniencemampf allen Ernstes 2,50 Euro pro Kopf und Tag abrechneten.

Freitag, 3. Juli 2015

Hitzefrei


Nicht, dass ich das hier jedes Jahr unnötigerweise ausbreiten möchte, aber wenn es ein Wetter gibt, das ich wirklich abgrundtief, glühend und aus ganzem Herzen hasse, dann so eine Bullenhitze wie im Moment. Macht mich körperlich wie geistig inaktiv. Thermisch induzierte Großhirninsuffizienz. Vom Körperlichen reden wir erst gar nicht. Und der Klimawandel verheißt diesbezüglich für die Zukunft auch nichts Gutes. Also lieber hitzefrei nehmen vom Schreiben. Besser für alle.