Mittwoch, 30. September 2015

Ich bin kein Hippie!


Und, merken Sie schon was? Die Stimmung, meine ich, wie sie kippt. "Endlich!", scheint es da bei einigen insgeheim geradezu erleichtert mitzuschwingen. Bei jenen, denen es seit Wochen und Monaten viel zu multikulturell zugeht und die deswegen den ganzen Tag nichts anderes tun als unken und schwarzsehen. Wehe, die Überfremdung! Einwanderung in unsere Sozialsysteme! Von unserem Geld! All die jungen Männer, die bald schon unsere Frauen und Töchter schänden werden, und zwar massenhaft! Es steht schlimm um Deutschland! Gut, kann man alles so sehen, wenn man mag. Diplom-Schwarzseher und staatlich geprüfte Bedenkenträger sind immer irgendwo dabei. Eines aber kann ich ums Verrecken nicht leiden: Diese ewigen Unterstellungen.

Sonntag, 27. September 2015

Die nächste bitte!


Es ist wirklich entzückend. Jetzt haben sie die Doktorarbeit einer weiteren Unionsgranden am Wickel. Zwar ist noch nicht klar, ob die angeblich 60 Unregelmäßigkeiten die VroniPlag auf den 70 Seiten der Doktorarbeit Ursulas von der Leyen meint ausgemacht zu haben, ausreichen, um ihr den Titel abzuerkennen, aber der Spitzname 'Pfuschi' dürfte ihr, egal, wie's am Ende ausgeht, schon jetzt nicht mehr zu nehmen sein. Die Tatsache, dass Frau von der Leyen die Universität Hannover, die sie einst promoviert hat, um eine gründliche Prüfung der Arbeit und des Verfahrens gebeten hat, zeigt zumindest, dass sie die Sache sehr ernst zu nehmen scheint.

Donnerstag, 24. September 2015

Wenn der Klassenprimus schummelt


Die Geschichten sind zahlreich und wir kennen sie alle, nicht wahr? Wenn der Gebrauchtwagenhändler etwa sagt: "Also ich hatte das Modell ja selbst ein paar Jahre lang und bin den normalerweise mit fünfeinhalb Liter gefahren.", dann bedeutet das: Unter klimatischen Idealbedingungen, mit Fahrradbereifung, den Motor ausgekuppelt und bergab bei Rückenwind. Im wirklichen Leben tut gut, wer sich auf einen Verbrauch nicht unter acht, neun Liter einstellt. Mit Fragen wie der, wie viel Kilogramm Spachtelmasse durch das Wort "unfallfrei" semantisch noch abgedeckt sind, wollen wir gar nicht erst anfangen.

Montag, 21. September 2015

Kurzer Altherrenanfall


Wer deutschsprachigen Gangsta-Rap für die Höchststrafe in Puncto ödes Provokationstheater gehalten hat, kennt Schnipo Schranke nicht.

Um der Ehrlichkeit genüge zu tun: Ich bin nur deswegen beim Flanieren im Feuilleton darüber gestolpert, weil es in der Dachzeile durchaus korrekterweise hieß, Pisse sei ja kein besonders schlimmes Wort. Aufmerksamkeit erregt, job done, Schreiberling. Guter Mann! Man hat den Eindruck, als solle das Hamburger Frauenduo Schnipo Schranke, das sich einst an der Frankfurter Musikhochschule kennengelernt hat, als neue Hoffnung des deutschen Jungefrauen-Pop hochgeschrieben werden. Imagemäßig als eine Art böse Schwestern des enorm erfolgreichen Duos Boy. Und, wo wir schon mal beim Lesen sind, was kriegt man denn so geboten auf Schnipos Debutalbum 'Satt'? Jurek Skrobala von SPON hat die beiden interviewt.

Samstag, 19. September 2015

Der Superdirektor


Es gibt ja Leute in durchaus exponierter Stellung, von deren Existenz man erst Wind bekommt, wenn sie nicht mehr da sind. Manfred Schmidt ist so jemand. Der war bis vor kurzem Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und ist jetzt aus persönlichen Gründen zurück getreten. (Das Bundesministerium für Wahrheit gibt sich die Ehre, folgendes klar zu stellen: Egal, was Sie jetzt denken, Schmidts Rücktritt hat einzig und allein persönliche Gründe und absolut nichts, rein gar nichts mit irgendwelchen aktuellen, sein Ressort betreffenden Ereignissen zu tun, basta. Schreiben Sie sich das gefälligst hinter die frechen Rotzlöffel!)

Donnerstag, 17. September 2015

Nicht alles, was hinkt


Es ist eine Sache, den medialen Umgang westlicher Medien und Politik mit dem russischen Präsidenten Putin bzw. dessen Politik äußerst kritisch zu begleiten. Wer aber als Konsequenz daraus meint, uns Europäern täte allen etwas weniger Obama und mehr Putin gut, der hat in meinen Augen, bei aller ebenfalls berechtigten Kritik an Barack Obamas Amtsführung, nicht mehr alle Nadeln an der Tanne und offenbart damit unter Umständen mehr Sehnsucht nach Obrigkeit und einem starken Mann als ihm lieb ist.

Dienstag, 15. September 2015

The Jeremy Days


Die Wahl Jeremy Corbyns als demographisches Phänomen

Glaubt man den hysterischen Reaktionen der Journaille im In- und Ausland, dann handelt es sich bei dem mit knapp 60 Prozent zum neuen Chef der britischen Labour Party gewählten "Außenseiter" (ZEIT) Jeremy Corbyn um eine Art Mao von Islington. Ist natürlich Quatsch, trotzdem herzig, wie etablierte Journalisten gemeinsam mit New Labour-Profiteuren und 'sozialdemokratischen' Funktionären, da plötzlich das Ende aller Zivilisation heraufbeschwören. Und das nur, weil da die Basis einer sozialdemokratischen Partei sich symbolisch dazu entschieden hat, künftig lieber sozialdemokratische Inhalte statt Oberschichtinteressen zu vertreten, wie's ein Kommentator im 'Standard' schwer übertrefflich formulierte.

Samstag, 12. September 2015

Was ist typisch deutsch?


Wenn mich jemand fragt, was typisch deutsch sein soll, dann zucke ich normalerweise mit den Schultern. Keine Ahnung. Menschen nach Nationalcharakteren zu beurteilen ist etwas für Leute, die ohne Schubladen nicht klarkommen. Brauch ich nicht. Manchmal allerdings, gerät auch das ins Wanken. Etwa wenn ich Vorschläge sehe wie den von Hannelore Kraft, der (sozialdemokratischen) Landesmutter von Nordrhein-Westfalen. Die möchte Langzeitarbeitslose als Flüchtlingshelfer einsetzen und reiht sich damit ein in die stolze Reihe derer, die Langzeitarbeitslosen alles Mögliche zutrauen und sie für irgendwas einspannen wollen. Fairerweise muss man allerdings hinzufügen, dass bei Frau Kraft nicht die Rede davon ist, Langzeitarbeitslose dazu zu verpflichten. Das werden möglicherweise andere übernehmen.

Donnerstag, 10. September 2015

Leave Eddie alone!


1977 brachten die Damals-noch-nicht-Rock-Dinosaurier von Uriah Heep das Album 'Innocent Victim' heraus. Das arg gewollte Cover kann man für damalige Verhältnisse als durchaus ein wenig gruselig bezeichnen. Im Jahr darauf befand die Band sich auf großer Tournee, die wohl auch in die Nähe meiner Heimatstadt führte. Neben der Grundschule, die ich damals zu besuchen die Pflicht hatte, war zu dieser Zeit eine größere Baustelle, die mit einem hölzernen Bauzaun abgesperrt war. Jede Menge Platz für Plakate also. Und er wurde genutzt. So auch für das Plakat für Uriah Heeps 'Innocent Victim'-Tournee. Das Teil zeigte im wesentlichen das Cover des Albums und wurde flächendeckend verklebt.

Montag, 7. September 2015

Zwei mal Harald


Man sollte bedenken, dass sie beim Berliner 'Tagesspiegel' nicht einen, sondern gleich zwei Haralds auf der Gehaltsliste führen. Der eine hört auf den Zunamen Martenstein. Der hat sich jetzt daran gemacht, sozialistischen Träumerles im bewährten, schmunzelig-verschmitzten Tonfall des weisen Onkels zu erklären, wie so ein Sozialstaat eigentlich funktioniert, nämlich nicht ohne Reiche, und quargelt sich zu diesem Zwecke unter anderem folgende goldenen Worte aus der Runkel:

"Der Staat nimmt über Steuern den Bürgern einen Teil ihres Geldes weg und verteilt es um. Die Reichen, jedenfalls die ehrlichen, zahlen den Großteil der Steuern. Ohne Reiche kein Sozialstaat, keine Rente mit 63 und auch kein Flüchtlingsheim, verrückt, oder? Wenn der Staat die Reichen enteignet, dann kann er noch eine Weile von der Substanz leben, so lange, bis der Laden zusammenbricht."

Samstag, 5. September 2015

Zahn, Zeit und der Rest


Seien wir ehrlich: Älter zu werden ist ab einem gewissen Punkt scheiße. Ja, sicher, man gewinnt an Lebenserfahrung, wird abgeklärter, hat vielleicht nicht mehr dauernd das Gefühl, sich oder anderen was auch immer beweisen zu müssen, wenn man so drauf ist. Aber irgendwann fangen einfach die Nachteile an zu überwiegen. Andauernd zwickt es irgendwo, aber das ignoriert man nicht mehr so einfach, seitdem Gevatter Hein angefangen hat, seine knochige Hand auch nach der eigenen Altersklasse auszustrecken. Hoppala, kommt dieser ziehende Schmerz da im Schulterbereich jetzt von der etwas zu ambitionierten Runde schwimmen oder kündigt sich da etwa ein Infarkt an? Sollte man das nicht mal abklären lassen? Puh, schon drei Flaschen Wasser heute! Liegt das nur an den 35 Grad im Schatten, oder dräut da Diabetes?

Donnerstag, 3. September 2015

Eine kleine Bitte


Liebe Besorgte BürgerTM, Faschos und sonstige Volksdeutsche,

im Moment scheint eine klare Arbeitsteilung zu herrschen: Die Anständigen und Vernünftigen im Lande sehen zu, wie sie Flüchtlingen helfen können, organisieren was, spenden, engagieren sich ehrenamtlich. Und wenn nicht, dann stören sie wenigstens die nicht, die was tun. Völkisch-bräunliche Sesselfurzer hingegen tun das alles nicht. Daher haben sie auch Zeit, den ganzen Tag am Rechner zu sitzen und die Kommentarbereiche mit ihren apokalyptischen Überfremdungsszenarien und Volkstehauf-Phantastereien vollzumachen. Pardon, ich meine natürlich, sie opfern ihre karge Freizeit, um uns alle vor der Gefahr zu warnen, die da gerade dem armen deutschen Opfervolk droht.