Freitag, 29. Januar 2016

Schwarmdummheit, lokal


"Mit der Menschenmenge ist nicht zu spaßen. Nicht einmal, wenn sie in friedlicher Absicht versammelt ist." (Arno Frank, Meute mit Meinung)

Die Lokalpresse weist die eine oder andere Besonderheit auf, die sie vom Rest der Presse unterscheidet. Da wären einmal, jene als Bratwurstjournalismus bezeichneten, aus Textbausteinen zusammengeklöppelten Elaborate, die zu Anlässen wie Karneval, Gemeindefesten, Jubiläen, Schützenfesten u.ä. unters wissbegierige Volk gebracht werden. Ferner gehört Berichterstattung über so genannte 'Kleinkriminalität' zum täglichen Brot der Lokalpresse. Raubüberfälle, Einbrüche, Schlägereien und so was. Für die Betroffenen selbstverständlich alles andere als klein, rein statistisch im Hinblick auf das große Ganze gesehen, meist schon. Weil Kriminalität aber so bald nicht aussterben wird, eine nie versiegende Quelle an Nachrichten.

Ich muss kurz ausholen. Die frühesten Erinnerungen an meine selige Großmutter fallen in eine Zeit, in der zahlreiche so genannte Gastarbeiter ins Ruhrgebiet kamen. Und so sehe ich sie manchmal vor mir, wie sie Zeitung lesend am Küchentisch sitzt und entsetzt den Kopf schüttelt. "Es wird alles immer schlimmer! Wo soll das noch enden mit Deutschland? Neineinnein, wo soll das hinführen? Schon wieder ein Überfall! Man traut sich ja kaum mehr auf die Straße! Letztens habe ich gehört, wie die Kleine von Krümpelmanns drei Häuser weiter..." Und immer waren's die Türken damals. Italiener, Spanier, Portugiesen, die zehn Jahre zuvor gekommen waren, gingen in ihren Augen noch (auch wenn sie froh war, dass die in Vierteln wohnten, in die sie niemals einen Fuß setzen musste). Stanken zwar nach Knoblauch, waren aber wenigstens gut katholisch. Bei Türken aber, da hörte der Spaß auf, denn die hatten doch, das war schließlich allgemein bekannt, eine ganz andere Mentalität.

Alles wie immer also. Man ersetze 'Türken' durch 'Flüchtlinge', 'Mentalität' durch 'Kultur' und bekommt  sehr alten Wein in leidlich neuen Schläuchen. Was mein persönliches Erleben angeht, kann ich also sagen, dass die Welt, in der ich mich meist so bewege, seit mindestens vierzig Jahren qua Migration untergeht und ich unerklärlicherweise nicht nur immer noch lebe, sondern mich auch noch bester Gesundheit erfreue. Ist es am Ende gar so wie Brecht sagte, der alte Kommie? "... Der Lachende / Hat die furchtbare Nachricht / Nur noch nicht empfangen."

Seitdem nämlich die Lokalpresse, meine örtliche Lokalzeitung bildet da keine Ausnahme, nicht nur im Internet ist, sondern ihrer Leserschaft dortselbst auch das Kommentieren erlaubt, wird man den Eindruck nicht los, dass einige Zeitgenossen tatsächlich so empfinden. Das meiste an Lokalnachrichten bleibt unkommentiert, nur wenn irgendwie Migration im Spiel ist, geht die Party los. Dann wetzt die immergleiche Truppe aus fünf bis sechs Stammkommentatoren, die offenbar über viel Tagesfreizeit verfügen, die Messer und legt los: Jaja, unsere 'Kulturbereicherer' mal wieder! Und die Gutmenschen meinen immer noch, dass Ausländer weniger kriminell seien. Armes Deutschland, kann ich da nur sagen! Früher, da konnte man noch ungehindert überall hin aber heute... Wo soll das noch enden?

Richtg böse werden sie, wenn das lokale Käseblatt es wagt, bei der Meldung einer Straftat die Herkunft des Tatverdächtigen zu unterschlagen. Auf diese Information haben Sie nämlich ein Anrecht, finden sie. Das sei sonst kein wahrer Journalismus, sondern Hofberichterstattung, die die wahren Probleme im Land im Dienste einer grotesken Political Correctness sträflich verschweige. Aha, moppern sie, wo bitteschön ist der Hinweis auf die ihrer Ansicht nach höchstwahrscheinlich südländische Herkunft der Täter? Hat die Presse wieder einen Maulkorb bekommen?

Ich verstehe das nicht. Meines Wissens nach hat eine privatwirtschaftlich betriebene Zeitung  immer noch das Recht, selbst zu entscheiden, was sie schreiben möchte und was nicht. Ein wie auch immer geartetes Anrecht von Lesern, dieses oder jenes zu erfahren, existiert nicht (es ist überhaupt lustig, auf was gewisse Leute so alles ein Anrecht zu haben meinen). Zumal gerade die Sache mit den Nationalitäten alles andere als einfach ist. Wenn es nicht einen sehr konkreten Verdacht auf die Herkunft eines Täters gibt, was vor allem bei Straftaten, die im Dunkeln verübt werden oder bei denen das Opfer traumatisiert ist, fast immer der Fall ist, dann tut die Polizei sehr gut daran, dazu im Zweifel nichts zu sagen. Was, wenn der oder die Täter vermummt waren und gar nichts gesagt haben? Das Opfer bedrohen und nach Handy und Brieftasche grabbeln geht auch ohne Worte. 

Auch sollte man meinen, dass Herkunft, Nationalität und so weiter keine Rolle spielen, wenn die Polizei etwa per Zeitungsartikel Zeugen sucht. Glaubt jemand, es würden sich mehr Zeugen melden, die dann bessere, detailliertere und brauchbarere Aussagen machen, wenn die Polizei bei so einer Bitte auf die mögliche Nationalität der Täter hinweist? Würden sich weniger melden, wenn zu befürchten stünde, dass die Tatverdächtigen Deutsche sind? Was sagt das aus über das Weltbild derer, die so was glauben? Und selbst wenn das so wäre, handelte sich das dann nicht um einen Verstoß gegen das Gebot der Gleichbehandlung?

Hach, Fragen über Fragen! Am meisten liebe ich ja die einfachen, die scheinbar dummen. Die mit denen sich wahre Motive offenlegen lassen.



Kommentare :

  1. Dem übergroßen Schatten, den das Internet als nicht zu ubersehendes Defizit vor sich her trägt und hinter sich her schleppt, ist es zu verdanken, das humanee, oft mentale und soziale Defizite das Licht der realen Welt erblicken.

    Dort auf Zustimmung stossen oder kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen werden.

    Eine schlichte Sichtweise auf die Dinge, Dummheit, Arroganz, Ignoranz, Brasigkeit sind systemrelevant, sind unabdingbar, sonst bricht das System zusammen.

    Das war vermutlich schon immer so, Politkasten aler Epochen haben das erkannt und genutzt.

    Das Internet sorgt nur für eine raschere und flächendeckerende Verbreitung als TV, Zeitungen, der Volksempfänger und Märchenerzähler auf Jahrmarkten dazu imstande waren. Es ist zweidimensional, darüber hinaus relativ gefahrlos zu benutzen.

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  2. .... dass Herkunft, Nationalität und so weiter keine Rolle spielen ....

    Ich frage mich die ganze Zeit schon, wie man diesen nationalistisch-völkisch-weltoffenen Widerspruch, der genaus das niemals ehrlich angestrebt hatte, die ganzen Jahre leben konnte, ohne auch nur einmal einen Gedanken daran zu verschwenden, dass er einem auf die Füße fallen könnte.

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