Sonntag, 31. Januar 2016

Wollt's halt mal gesagt haben


Preisfrage: Warum ist die globale Mitfahrzentrale 'uber' eigentlich so sagenhaft erfolgreich? Wo 'uber' auftaucht, ist das klassische Taxigeschäft bald am Arsche und wo noch nicht, ist es nur eine Frage der Zeit. Wieso das? Wegen der brillanten Geschäftsidee? Des schlüssigen Konzeptes? Weil 'uber' eine Killer App ist? Weit gefehlt, es ist ganz einfach. 'Uber' ist erfolgreich, weil es von den steuerlich maximal begünstigten Räuberbaronen des New Gilded Age, denen Regulierungen aller Art ein Dorn im Auge sind, dermaßen mit Geld zugeschissen wird, dass es schlicht nicht interessiert, ob der Laden Gewinne macht oder Verluste und es dadurch möglich wird, jeden Preis noch zu unterbieten.

Zum Mitschreiben für alle, denen es noch nicht klar sein sollte: Es geht nicht um freien Wettbewerb oder darum, den Menschen eine tolle App und eine tolle Dienstleistung anzubieten. Es geht einzig und allein darum, im weltweiten Personenbeförderungsgewerbe jegliche Reste von Arbeitnehmerrechten und Sozialstandards wegzukonkurrieren. Das sollten vielleicht alle im Hinterkopf behalten, die jetzt noch von den sagenhaft billigen 'uber'-Fahrten schwärmen, wenn in ein paar Jahren exakt jene Rechte und Standards auch bei ihnen zur Disposition stehen werden. Klar, ist nicht besonders originell, die Erkenntnis. Ich wollt's halt mal gesagt haben. Nur dass sich dann auch wirklich keiner wundert, wenn's so weit ist.

Apropos Kapitalismus: An der Entwicklung der AfD lässt sich seit einiger Zeit sehr schön studieren, was an der weiß Gott nicht neuen These dran ist, dass Faschismus im Kern nichts anderes sei als ein rabiat gewordener Kapitalismus, der die Samthandschuhe abgestreift hat. Jüngster Höhepunkt: Frau Petrys Vorschlag, die Grenzen notfalls auch per Schusswaffe zu verteidigen. DDR andersrum halt. Früher wurde auf die geschossen, die rauswollten, heute soll - nur im allerhöchsten Notfall und mit dem Ausdruck größten Widerwillens, versteht sich, es muss ja! - per Ballermann das Einreisen verhindert werden.

Natürlich weisen AfD-Granden den Vorwurf des Faschismus meilenweit von sich. Wir? Iwo, Gott bewahre! Lernen Sie gefälligst Geschichte. Allenfalls würden sie sich als nationalkonservativ bezeichnen (was jene Kräfte, die Rotzbremsen-Adi damals ab der zweiten Hälfte der Zwanziger salonfähig machten, bekanntlich auch taten). Wenn halt nur diese Rhetorik nicht wäre. Das dickhalsige Drohgeschwalle vom Aufräumen. Die Mistforkenphantasien. Die Übernahme klassischer NPD-Claims wie dem Anspruch, die Avantgarde des Widerstands zu sein.

Und nein, der Laden repräsentiert auch nicht einen Querschnitt der gesamten Gesellschaft, wie gern von interessierter Seite kolportiert wird. Die Zugewinne, die die AfD in letzter Zeit in Umfragen zu verzeichnen hat, sind fast ausschließlich Verluste der ihr benachbarten Union. Hat sich was mit massenhaft frustrierten Linken, die plötzlich neue Seiten an sich entdeckt haben. Wollte auch das halt nur mal gesagt haben.



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