Mittwoch, 9. März 2016

Ronny des Monats - März 2016


Nope, liebe Dödel in der Kölner Philharmonie, die ihr den aus dem Iran stammenden und in London lebenden Cembalisten Mahan Esfahani am 29. Februar lautstark annöltet, er solle gefälligst auf deutsch reden, als er ein paar einführende Worte zu dem Werk von Steve Reich sagen wollte, das er zu Gehör zu bringen im Begriff war. Und die ihr auch im Laufe der Aufführung nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg hieltet, bis abgebrochen werden musste - ihr bekommt (noch) keinen Ronny, tut mir leid.

Ja gut, eure Einstellung ist schon recht vielversprechend. Denn so ein hergelaufener persischer Klimperhannes hat gefälligst Deutsch zu reden, wenn er in Deutschland auftritt! Was bildet der sich auch ein, einem gebildeten, aufgeklärten, deutschen Publikum dreist Englischkenntnisse und ein Minimum an Höflichkeit abzuverlangen, nicht wahr? Auch mutig, dass ihr euch inzwischen auch in Konzertsäle traut. Also jene Stätten, in denen vornehmlich die verkehren, die sich gern auf ihre Kultiviertheit gewaltig einen runterholen. Trotzdem: Für einen Ronny müsste noch eine Schippe Rassismus drauf. Sogar Springers Abiturientenblatt meinte, euer Benehmen sei mitnichten ein Zeichen von Ausländerfeindlichkeit gewesen, sondern nur ein weiteres Zeichen der allgemeinen Verrohung. Na kommt, da geht doch mehr! Paar Morddrohungen vielleicht.

"Es fällt schwer zu glauben, dass die Pöbelei gegen einen iranischen Musiker und die unverschämte Anmaßung, die Aufführung eines Werkes zu verhindern, nicht im Kontext des derzeitigen gesellschaftlichen Klimas in Deutschland stehen." (Rainer Balcerowiak)

Ach so, ich habe immer gedacht, die Musikwelt sei seit jeher eine internationale. Was führen Leute, die offenbar Krämpfe bekommen, wenn ein iranischstämmiger Musiker ihnen nicht vertraute Musik spielt, eigentlich für ein Verständnis von Kunst Gassi? Außerdem steht doch in der Programmankündigung, wer da mit was auftritt. Selbst wenn man eine Konzertvormiete hat, zwingt einen keiner, denn dann kann man die Karte immer noch an jemanden weitergeben, der kein Problem damit hat. Warum gehen diese Leute dann trotzdem hin? Und geben Geld aus dafür? Nur, um anderen das Konzert zu versauen? Das finde ich nicht rechts oder faschistisch sondern einfach nur reichlich asozial.

Also, strengt euch gefälligst an! Zu den Preisträgern:


Platz 5: Veggie Day mal andersrum. CDU für Schweinefleischpflicht in Kantinen
Die CDU in Schleswig-Holstein sorgt sich um die flächendeckende tägliche Versorgung der Bevölkerung mit Schweinefleisch und darüber, dass am Ende noch Minderheiten aus falsch verstandener Rücksichtnahme bevorzugt werden könnten. Nicht wirklich rass- oder faschistisch, das. Allenfalls latent. Daher nur Platz 5. Man versucht halt ein wenig zu punkten bei denen, die den Untergang des christlichen Abendlandes qua Islamisierung quasi schon auf der Matte sehen. Deutschland wird in diesen schweren Zeiten eben nicht nur am Hindukusch, sondern auch beim Mittagessen verteidigt. Mit der Currywurst.

Man sollte vielleicht daran erinnern, dass die meisten Kantinen, auch in öffentlichen Einrichtungen, inzwischen privatwirtschaftlich geführt werden. Weil zumindest in größeren Städten die preiswerten Alternativen zum mittäglichen Kantinenessen inzwischen zahlreich sind, müssen gerade kleinere Kantinen sich nach der Nachfrage und den Wünschen der Kunden richten und können auch nicht ohne weiteres per Dekret gezwungen werden, bestimmtes Essen anzubieten oder nicht. Wenn Kantinenbetreiber sich also entscheiden, nicht jeden Tag Schweinefleisch anzubieten oder auch gar nicht, dann nicht zwingend, weil sie von der Scharia-Polizei bedroht werden, sondern weil sie sich schlicht besseren Umsatz versprechen. 


Platz 4: Ommas auf twitter - der neueste heiße Scheiß.
Wusste schon die Telekom. Jetzt hat Oma Erika wieder rumgetrollt. Einen abgelassen. Was man halt so von sich gibt als Sprecherin für Menschenrechte und für humanitäre Hilfe. Danach hat sie sich wahrscheinlich nen Ast gelacht über die ganzen empörten Humanitätsduseler und ihre big dislikes. Lachhaft, damals, 45, auf dem Flüchtlingstreck, den sie nur aus Erzählungen kennt, wurde ihr auch nix geschenkt! Das müssten diese ganzen wohlstandsverwöhnten Gutmenschen endlich mal kapieren. Regression ins Pubertäre halt. Das Alter vermutlich. Keine schönen Aussichten. Ob sie sich auch eingenässt hat?


Platz 3: Zonen-Ding in Zorneding

Der aus Kenia stammende Olivier Ndjimbi-Tshiende war seit 2012 katholischer Pfarrer in St. Martin in Zorneding bei München und hat nun um seine Entlassung gebeten. Nach dem die örtliche CSU-Vorsitzende sich im lokalen Parteiblatt über Flüchtlinge geäußert hatte, fand Ndjimbi-Tshiende in einer Predigt deutliche Worte dagegen. Die Folge waren rassistische Beschimpfungen und wohl auch Morddrohungen (die aber nicht im Wortlaut dokumentiert werden). Alle sind traurig, alle betroffen, alle können es sich nicht erklären. So geht es eben zu in Teilen Bayerns: Es gibt wunderbare Neger und weniger wunderbare. (Fairerweise sollte man erwähnen, dass es gestern eine große Soldaritätsdemo für Ndjimbi-Tshiende gab und eine Online-Petition, die den beliebten Pfarrer zum Bleiben bewegen soll, bislang über 69.000 Unterstützer mobilisierte.)


Platz 2: Besorgte 'Eltern'
Wir leben offenbar in Zeiten, in denen sogar das Titelbild einer Zeitschrift wie 'Eltern' zu einem hochpolitischen Statement werden kann. Besagtes Blatt hatte seine Jubiläumsausgabe vom Februar 2016 mit fünf verschiedenen Titelbildern zum Thema 'Warum jede Mutter die beste für ihr Kind ist' ausliefern lassen. Darauf waren - ei der Daus, man fasst es nicht! - fünf verschiedene Frauen mit ihren kleinen Kindern zu sehen. Unter anderem eine junge Mutter, die ein Kopftuch (Hijab) trägt. Es sollte, so hieß es, die ganze Bandbreite der Frauen und Mütter in Deutschland gezeigt werden. So weit, so gut und selbstverständlich.

Dann erschien auf dem notorischen Portal PI-News ein kurzer Beitrag darüber. In dem tauchten auch die Kontaktdaten aus dem Impressum der 'Eltern' auf. Damit die geballte Besorgnis auch die richtigen trifft. Ein paar Kostproben:

"Der Islam gehört euch in euren Schädel geschlagen!"
"Euch Arschlöcher sollte man allesamt aus Deutschland mit dieser Kalifa Al Merkel nach Syrien ausfliegen"
"Wartet ab, auch eurer Tag der 'Erkenntnis' wird kommen, Drecksbande!"


Als Höhepunkt wurde 'Eltern'-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki per Telefon ein Tod in der Gaskammer gewünscht. Wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Wir erinnern uns: Wenn im Kopfe islamistisch Verdrahtete sich von einem Satiremagazin provoziert fühlen und es daraufhin dergestalt knallen lassen, dass Menschen zu Tode kommen, dann sind wir alle Charlie. Dann gilt es, die uneingeschränkte Presse- und Redefreiheit zu verteidigen, die eben – wo gehobelt wird, da fallen eben Späne und da kann auf religiöse Empfindlichkeiten im Einzelnen nicht immer Rücksicht genommen werden – notfalls auch das Recht auf Diffamierung und Beleidigung mit einschließt. Muss Kollege Muslim halt mit klarkommen bei uns im Westen. So weit, so schön.

Wenn aber eine biedere Mutterkindgazette nichts anderes tut als exakt von diesen Rechten Gebrauch zu machen, indem sie eine junge Mutter abbildet, die ein Kopftuch trägt, dann ist auch das wieder nicht recht. Dann wird Zeter und Modio krakeelt und der verantwortlichen Redakteurin eine NS-Sonderbehandlung an den Hals gewünscht. Interessantes Verständnis von Bürgerrechten, nebenbei. Sollte man im Hinterkopf behalten, wenn diese Leute mal wieder anfangen mit: "Ich bin ja kein…", und: "Ich will doch nur…".


Und der Sieger des Monats? Also bitte, was für eine Frage! Darauf kann es nur eine Antwort geben.

Platz 1: Wahrer Reisegenuss für Kenner. Die mutigen Flüchtlingsverhinderer von Clausnitz
Ist vielerorts schon alles Nötige zu geschrieben worden. Vielleicht fehlt ja einfach nur was zum Spielen:
(via Schlecky Silberstein)

































Kommentare :

  1. Ich nehme ja ungern die CDU in Schutz, aber die hat nie eine Schweinefleischpflicht in Kantinen gefordert. Im Antrag, aus dem diese Forderung abgeleitet wurde, steht: "Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt." (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/schweinefleischpflicht-gefaehrliche-verkuerzung-kolumne-a-1080250.html) Die wollten vermutlich irgendeinem Schweinefleisch-Lobbyisten einen Gefallen tun und... Okay, wer bei vollem Bewusstsein Schweinefleisch-Lobbyisten Gefallen tun will oder muss, steht zurecht auf der Loste.

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    1. Hm, letzteres ist wohl das Wahrscheinlichste, danke für die Ergänzung. Ich unterstelle auch, wie gesagt, keinen Rassismus, doch liefert so was natürlich Futter für alle, die sonst auch bei jedem Fitzelchen grölen "Ich lasse mir vom linken Mainstream/der Lügenpresse/den Grünversifften nicht vorschreiben, was ich zu denken/lesen/essen habe!!"

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  2. Die Erika hat schon lange einen Ronny für ihr "Lebenswerk" verdient. Der Horstl auch.
    Wird immer schwerer, würdige Nr.1en zu finden.
    Bei dem Riesenangebot an rechter, nationaler, völkischer und patriotischer Jauche. Oder einfach an abgrundtiefer Idiotie.

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  3. Ich habe schon viele Konzerte in diversen Städten Mitteleuropas live miterleben dürfen - aber NUR in der Kölner Philharmonie habe ich es bislang mehrmals zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich das Publikum erlaubt, noch während der Darbietung einfach aufzustehen - und zu gehen. Das beginnt oftmals bereits schon eine gute halbe Stunde vor dem offiziellen Ende des Konzerts. Mal hier, mal dort vereinzelt; dann schon ein paar Leute mehr, bis schließlich daraus ein nicht mehr versiegender Strom von Menschen wird, der stetig den Ausgängen zufließt. Es ist nicht nur extrem störend für alle Bleibenden, sondern auch eine grandiose Zumutung für die Künstler. Wie gesagt - nur in Köln. Da ist das ganz normal. Das war neben der Rheinischen Lebensart eines der ersten Dinge, die ich als Zugezogener dort lernen musste...

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