Mittwoch, 15. Juni 2016

Streifzüge (2). Wortspielhölle, Brechstange


Neu ins Westfälische Zugezogene sind normalerweise leicht daran zu erkennen, dass ihnen das hiesige Dehnungs-E nicht vertraut ist. Wer Städte wie Oer-Erkenschwick und Soest 'Öhr-Erkenschwick' und 'Söhst' ausspricht, outet sich ebenso schnell und zuverlässig als Auswärtiger wie jemand, der 'Bochum-Lähr' sagt. Gleiches gilt für Buer, jene stolze, einstmals autonome Stadt, die irgendwann schnöde an die Verbotene Stadt annektiert wurde (und mitnichten 'Bühr' heißt). Dabei ist das mit der Aussprache so schräg eigentlich gar nicht - den Keks- und Gebäckindustriellen De Beukelaer sprechen dank Werbefernsehen schließlich auch alle richtig aus, ohne etwas dabei zu finden. Wobei der Name allerdings belgischen Ursprungs ist.

(Ein verwandtes Phänomen ist, nebenbei bemerkt, das rheinische Dehnungs-I, das ebenfalls stumm ist. Horst Schlämmer lag daher falsch: Grevenbroich wird keineswegs 'Grevenbroisch' ausgesprochen. Wer sich nicht zum Obst machen will, sagt 'Grevenbroooch'.)

Und, was soll diese kleine Übung in Klugscheißerei? Nun, sie dient allein dem Zweck, einen kreativen Durchbruch, was sag ich, eine kreative Explosion, nein, einen kühnen Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne angemessen zu würdigen, der mir heute Vormittag unversehens begegnete (und mich einigermaßen unvorbereitet traf). Dass mit dem öden Wortspiel 'Ruhrgebeat' für irgendwelche musikalisch unmaßgeblichen Stumpfa!-Stumpfa!-Yo-man!-Events geworben wird, ist weiß Gott nichts Neues in der Gegend hier. Das aber war mir doch noch nicht bekannt und fügt dem Ganzen definitiv einen Twist ins leicht Schmerzhafte hinzu:


Es grassiert ja nach wie vor dieses Vorurteil, dass die Werbebranche ein Metier ist, wo die nächste Linie Nasenata nie weit weg ist. Wenn da was dran sein sollte, dann dürfte in den Werbeagenturen des Landes in EM- und WM-Jahren so richtig was weggerüsselt werden...





Kommentare :

  1. Da wundert mich nur, dass Beatburger bei den Werbepartnern/Sponsoren fehlt - Bitte ein Beat...

    AntwortenLöschen
  2. Höhö, in meiner Herkunftsgegend gibt's ne Stadt, da könnte man als Werbelurch doch glatt ein Fastfoodprodukt als »Beatburger« vermaketingen wollen. P.S.: nicht die mit dem Hau :D

    AntwortenLöschen
  3. Es gibt auch keine Logik, warum es Booooooochum ausgesprochen wird und Bocholt dagegen ohne langgezogenes Oh! Früher, nein ganz früher wollte man mir auch weismachen, dass Castrop-Rauxel der lateinische Name von Wanne-Eickel sei.

    Grüße aus
    Northrhine Westfalia

    AntwortenLöschen
  4. Saitenbacher Müsli. Das Müsli von Saitenbacher. Zwischen Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren, darf man sich Traditionelles im drei- oder zweilagigem Toilettenpapier anhand der Aussprache heraus suchen. Die Welt der Werbung ist keine Welt, - sondern ihr Image.

    AntwortenLöschen
  5. eb: Bist Du der "Bruzzler"?
    https://www.youtube.com/watch?v=MT3Bm8T2nI8

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also wenn man sich das Video konzentriert ansieht, dann stellt sich irgendwann so eine psychoaktive Wirkung ein...
      @eb: Nett, dass kein Spot verlinkt wurde...
      @gnaddrig: Eifelbrause in der Stadt des Schalke-Bräu? Nicht machbar!

      Löschen