Sonntag, 13. November 2016

Ronny des Monats - November 2016


Kinder, wie die Zeit vergeht! Vor einem Jahr wurden zum ersten Mal die Ronnys des Monats vergeben, auf dass schöne Einzel- und Gruppenleistungen auf dem Gebiet des Rechtsradikalismus und Faschismus nicht der Vergessenheit anheim fallen. Und es sieht nicht danach aus, dass die Kandidaten mir ausgehen. Inzwischen mischt auch die CSU fast immer mit beim fröhlichen Niveau-Limbo. So etwa der dritte Bürgermeister von Altdorf bei Nürnberg, der sich angesichts der Tatsache, dass der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland zu einer Veranstaltung anlässlich des Reformationstages eingeladen wurde, zu der Vokabel "Islamschweinerei" hinreißen ließ. Das erinnert nicht nur an längst vergangen geglaubte Zeiten, in denen man politischerseits ähnliches Vokabular benutzte, sondern hätte ihn auch gleich von Null in die Charts gebracht, wenn, ja wenn nicht wieder im letzten Moment die AfD ums Eck gekommen wäre.

Dames et Heeren, die Top 5 des Monats (* = Facebook, wie immer):

Platz 5: Die Bettenschnüffler von der AfD
Mit gutem Grund gilt, wer den Menschen in ihr Privatestes, ja in ihr Sexuelles hineinregieren, wer festlegen will, was normal ist und was nicht will, als höchst verdächtig. Und kaum, dass man denkt, es gäbe so etwas wie gesellschaftlichen Fortschritt, weil sogar die CDU das langsam zu kapieren scheint, kommt eine Parteineugründung des Weges und grätscht dazwischen. Kürzlich hat das SPD-geführte säxische Wirtschaftsministerium eine Freiberger Firma, die den ersten komplett lautlosen Vibrator der Welt entwickelt hat, mit dem dritten Preis beim sächsischen Gründerwettbewerb 'Future Sax' ausgezeichet. Frechheit, meinte da der AfD-Landesvorsitzende Thomas Hartung, derlei Gummischwänze vermiesten der deutschen Frau bloß die Lust aufs Kinderkriegen. Soso. Aha. Was der alles weiß. Aber auch der sachsen-anhaltinische Landesverband der AfD und der Franktionsvorsitzende André Poggenburg waren nicht untätig. So forderte man auf dem Landesparteitag die "Aufnahme einer ausgeglichenen Geburtenbilanz als Staatsziel" in das Grundgesetz. 2,1 Blagen pro Frau müssten es schon werden, befand man. Gut, der Antrag wurde letztlich abgelehnt, aber bin ich der einzige, der da das gute alte Mutterkreuz am Horizont winken sieht? Bin ich ferner der einzige, der befürchtet, das gute alte Grundgesetz wüchse um mindestens 5.000 Seiten an, wenn all das aufgenommen würde, was die AfD so binnen eines Jahres alles aufzunehmen fordert?

Platz 4: Verteidiger des christlichen Abendlandes in Aktion
Ronny und seine Kumpels haben sich ja im Besonderen die Verteidigung des christlichen Abendlandes auf die Fahnen geschrieben, das sie durch die vom linksgrüngenderschwulen Mainstream betriebene Umvolkung existenziell bedroht sehen. Ich finde es ja eh immer schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die noch echte Probleme haben. Wenn Leute sich zum Beispiel aufkröppen darüber, dass ein Schokoladenhersteller einen Adventskalender auf den Markt bringt, der ihnen irgendwie islamisch vorkommt. Oder sich ereifern, dass die Firma Penny sich alle Jahre wieder erfrecht, zusätzlich zu den üblichen Schokoweihnachtsmännern ein religionsneutrales 'Zipfelmännchen' (nein, das ist nicht das, was ihr jetzt wieder denkt, liebe sächsische AfD!) in die Regale zu stellen. Ich sag's mal so: Wer in 'Zipfelmännchen' eine Gefahr für das abendländische Christentum sieht, gleichzeitig aber keinerlei Probleme mit total christlichen Symbolen wie Weihnachtsmännern und sexy Weihnachtsfrauen hat, der glaubt auch an Chemtrails. Eine weitere schöne Einzelleistung christlicher Kreuzritter auch, dass ihretwegen in Fürth ein Martinsumzug ausfallen musste, weil sie par tout nicht dazu zu bewegen waren, ihre doofe Dingensgida-Demo zu verschieben und deswegen sogar versuchten, den Fürther Bürgermeister telefonisch zu erpressen. Na, wenn Gevatter IS da nicht die Pluderhose randvoll hat ob soviel christlichen Mannesmutes, dann weiß ich nicht mehr.



Platz 3: Geisterbahn im Gasthaus
Eines muss man den Betreibern des im südthüringischen Kloster Veßra siedelnden Gasthofs 'Goldener Löwe' (Platz 2 beim Ronny des Monats April übrigens) ja lassen: Sie verstehen sich darauf, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Führers Geburtstag etwa. Oder die so genannte 'Unruhnacht'* - was wohl eine Ari..., pardong: Teutonisierung des fremdrassigen Begriffs 'Helloween' sein soll. Besonders apart: Wer in weißer Kostümierung erschien, bekam einen kleinen Preis. Keine Ahnung, was. Vermutlich irgendwas braunes.

Platz 2: Die Helden von Heidenau
Muss man ja sagen: Die Bewohner des Heldenstädtchens Heidenau, jener idyllischen Hauptstadt von Packistan, liefern. Regelmäßig und zuverlässig. Muss der Neid ihnen lassen. Dieses Mal wurden 30 erlebnisorientierte deutsche Mannsbilder heimtückisch von drei Afghanen angegriffen. Ist ja wohl klar, dass man sich da wehrt, oder? Würden Sie doch genau so machen. Also wirklich!

So, Ladies and Gentlemen, der Ronny des Monats November geht an einen Neueinsteiger, der sich aber als echter Senkrechtstarter erwiesen hat. Es ist, und es kann nur einen geben:

Platz 1: Günther 'Frei von der Leber' Oettinger
Was täten wir bloß ohne die EU? Ohne die Brüsseler Megabürokratie müssten intellektuelle Schwergewichte wie die Günther Oettinger am Ende noch Stütze beantragen. So aber hat so einer die Chance, EU-Kommissar zu werden und damit Gelegenheit, seine überreichen Talente wie schlechtes Englisch, seinen analytischen Scharfsinn, seine Kunst als Realsatiriker auch einer breiteren Öffentlichkeit vorzuführen. Pflicht-Homoehe. Schlitzaugen. Haare mit Schuhcreme gekämmt. Harr, harr! Unbedingt zu loben ist aber auch die soziale Ader der Eurokraten um Jean-Claude Juncker. Woanders würde man für so ein rassistisches, dämliches Geschwafel auf der Stelle gefeuert und stünde mit seinen Papieren draußen im Regen. Als EU-Kommissar kommst du mit einer gestammelten, abgelesenen Entschuldigung in einer Sprache, die entfernt an Englisch erinnert, durch. Schön, dass es noch solche Arbeitgeber gibt!

Und auch dieser Monat soll nicht verstreichen, ohne dass ein Ehrenronny für besondere Verdienste um das Vergiften des gesellschaftlichen Diskurses vergeben wird. Zur Feier des einfährigen Jubiläums geht er dieses Mal ins benachbarte deutschsprachige Ausland, und zwar an:

Die Fans von FPÖ-Supremo Heinz-Christian Strache
Es heißt, in Österreich pflege man, sagen wir, einen weniger direkten Sprachgebrauch als etwa im nördlichen Teil des nördlichen Nachbarlandes. Vieles werde eher indirekt gesagt, angedeutet, verklausuliert, in verbalen Zuckerguss gehüllt. Was für ein völliger Blödsinn das ist, beweisen immer wieder aufs Neue die Anhänger des FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian, oder 'HC', wie seine Freunde ihn liebevoll nennen, Strache. Zumindest in den sozialen Netzen machen die aus ihren Herzen weiß Gott keine Mördergruben und nennen die Dinge klar und unmissverständlich beim Namen - vor allem, wenn Ausländer betroffen sind.




Kommentare :

  1. Könnte nicht mal ein Süßwarenhersteller rote Weihnachtsmänner
    mit grünem Turban herstellen? Grüne Weihnachtsmänner gibt es
    ja schon :D

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    1. Oder ne Weihnachtsfrau mit entsprechend dekoriertem Niqab - da wär was los, aber auf beiden Seiten des Grabens! XD

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