Montag, 29. Mai 2017

Angeber-Salat 2.0


Heute morgen vergessen, das Portemonnaie einzustecken.
Im Büro dann den USB-Stick vergessen, auf dem ein zündender Beitrag über die aktuellen Versuche zur Helenefischerisierung des deutschen Fußballs lagert und dem ich in der Mittagspause noch ein paar letzte Korrekturen habe angedeihen lassen. Also Essig damit.
Auf dem Rückweg: Klimaanlage im Auto kapituliert.
Apropos Auto: Irgendwie fühlte sich das Fahren komisch an heute. Aha, vergessen anzuschnallen. Zum Glück war die Staatsgewalt auch nicht allzu aktiv bei der Witterung.

Kurz gesagt: Hitze jenseits der dreißig Grad bekommt mir einfach nicht, und zwar nicht nur körperlich. Reizbar, fahrig, vergesslich, lethargisch.

Das sind so Tage, an denen ein Salade niçoise die einzig wahre Mahlzeit ist. Weil eine der wenigen, die man bei Bruthitze ohne Schweißausbrüche und Herzrasen runterbekommt. Sättigt angenehm und beschwert nicht. Wenn man schlau war, am Vortag den Wetterbericht beachtet, Böhnchen, Eier und Kartoffeln (jawohl, bei mir kommen Kartoffelwürfel rein -- ein Glaubenskrieg, ich weiß) vorgegart hat, macht das auch kaum mehr Arbeit. Stückchen Baguette dazu, Gläschen kühlen Rosé vielleicht noch, und du weißt, wo Gott wohnt.

Felicity Cloakes perfekter Salade niçoise (via theguardian.com)

Es ist auch kein Problem, wenn ambitionierte Köche traditionelle Gerichte 'dekonstruieren', wie man das heute nennt. (Bis vor kurzem hieß das noch: neu interpretieren.) Bei so was pöpmpelig auf Tradition herumzureiten, ist kleingeistig, der Traditionskram steht weiterhin in unzähligen Kochbüchern und verschwindet schließlich nicht deswegen. Außerdem zwingt einen keiner, jede modische Verrenkung mitzumachen. Manchmal aber, da gerät auch meine diesbezügliche Toleranz an Grenzen. Oder zumindest mein Verständnis. Zum Beispiel, wenn Hobbykoch Peter Wagner einen Salade niçoise dekonstruiert und ihn wichtigtuerisch 'Salade niçoise 2.0' nennt. Weil das so gnadenlos am Sinn und Zweck  der Sache vorbeigeht. Außer, man ist so fett im Geschäft, dass man vollklimatisiert haust und einem Außentemperaturen schnuppe sind.

Nicht nur muss man stundenlang alles mögliche, inklusive des Romanasalates, in heißen Pfannen braten, brutzeln und in den heißen Backofen schieben, man muss auch noch mit rohen Eiern hantieren und Sahne aufschlagen, um eine Eiermousse herzustellen. Dabei macht es doch den Charme eines Niçoise aus, dass man an einem heißen Sommertag so was eben nicht tun bzw. nur sehr wenig kochen oder backen muss. Außerdem fehlt die an heißen Tagen so willkommene erfrischende Komponente aus Tomaten und Gurken völlig. Statt dessen werden die Bohnen wie im Steakhaus auch noch in Bacon gewickelt und im Ofen gebacken. Bei aller Offenheit für Neues: Was soll das?

Erschreckend jedenfalls, um was man sich so alles einen Kopf macht bei der Hitze.



Kommentare :

  1. An heißen Tagen einen Salat, für den man am Vorabend vorkochen muss?

    Nixda. Wurstsalat: Stadtwurst, rote Zwiebel, Essiggürkchen, Essig, Öl, frisches Brot, fertig. Geht mit dem feinen Pils vom Hausbrauer oder notfalls auch mit Rosé.

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  2. Passt nicht Toast Hawaii zu diesem Wetter?

    Oder man geht zum Griechen, bestellt sich Krautsalat und zum Nachtisch Joghurt mit Honig und Nüssen.

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    1. @frater mosses:
      Wie gesagt, Kartoffeln sind kein Muss, Eier gibt es fertig gekocht im Supermercato und es sollen schon, shocking!, Salades nicoises mit Dosenbohnen gesichtet worden sein. Aber Wurstsalat geht natürlich auch immer...

      Gut, die griechische ist natürlich die ganz bequeme...

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