Dienstag, 9. Mai 2017

Ronny des Monats - Mai 2017


"Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!" (Xavier Naidoo Georg Büchner, Dantons Tod)

Zwar kann man das Wetter noch nicht wirklich guten Gewissens als frühlingshaft bezeichnen, aber Ronny und seine Kameraden sind, vor allem im Vergleich zum letzten eher mageren Monat, zusehends fleißiger geworden. Wer weiß, ob's am wegen die 1940 wieder eingeführten Sommerzeit gewonnenen Zuwachs an Tageslicht liegt? Auch das Spektrum der gemeldeten Entgleisungen ist wieder in gewohnter Breite vorzufinden, hier und da tatsächlich so was wie ein Bemühen um Kreativität zu erkennen. Respekt auch vor der AfD, die trotz ihres momentanen Abwärtstrends immer wieder aufs neue darauf bedacht ist, die Bevölkerung mit unterhaltsamen Episoden zu erfreuen.

Schluss der Vorrede, die Top 5 des Monats:


Platz 5: Die AfD-Ecke
Die Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Holzkirchen besuchten die Gedenkstätte Dachau und lauschten dem Bericht eines Überlebenden. Normaler Move an deutschen Schulen, sollte man meinen, oder besser: hoffen. Mitvorbereitet und inhaltlich begleitet wurde die Aktion vom Bildungskollektiv 'Die Pastinaken' der Arbeitsgemeimschaft Friedensforschung e.V. Wie gut, dass es Constantin Prinz von Anhalt-Dessau gibt, seines Zeichens Vorsitzender der AfD Oberbayern-Süd, der da ein wachsames Auge drauf hat. So verfasste seine Prinzliche Durchlaucht einen offenen Brief an den Elternbeirat, die Schulleitung und das Kultusministerium, in dem er die Integrität der 'Pastinaken' infrage stellt. An die Eltern richtet er die Frage: "Wollen Sie Ihre Kinder im Rahmen der normalen Schule politisch einseitig indoktrinieren lassen?" Ganz normaler Move auch das.

Wenn jemand wie der Emmericher AfD-Kandidat Christoph Kukulies zwei junge Syrer dafür einsetzt, in seinem Wahlkreis Plakate für ihn aufzuhängen, dann fragt man sich schon: Hoppla, nehmen die nicht Deutschen die Arbeitsplätze weg? Darauf angesprochen meinte Kukulies zu Rheinischen Post: "Viele Flüchtlinge stehen in weiten Teilen hinter unserem Programm, etwa, was den Stellenwert der Familie oder die Abschiebung krimineller Flüchtlinge anbelangt." Ah ja. Na ja, wir haben auch nichts gegen Homosexuelle, unsere Co-Vorsitzende ist lesbisch. Wir sind auch keine Nationalisten, unsere patriotische Co-Vorsitzende versteuert ihre Kohle in der Schweiz. Und wir wollen natürlich auch niemandem ein tradiertes Familienmodell aufzwingen, unsere Ex-Vorsitzende ist geschieden und wiederverheiratet.


Platz 4: Schweinepriester
Schweineteile an irgendwas Islamisches dranzunageln scheint ein neuer Volkssport geworden zu sein. Dieses Mal haben die Schweinepriester in Brandenburg zugeschlagen. Mit dem Hammer. Schweinefüße an Bäume einer Sportanlage in Strausberg bei Berlin genagelt, kurz bevor dort der Muslim Cup 2017 stattfinden sollte. Nun, langsam langweilt's dann doch ein wenig. Erstens spielt man nicht mit dem Essen (die Schweinefüße hätte man hervorragend in der Küche verwenden können, etwa für eine schöne deutsche Erbsensuppe) und zweitens nutzt auch die kreativste Aktion sich irgendwann mal ab. Also, liebe Vaterlandsverteidiger, wie wäre es mal mit einer neuen Idee? Vielleicht was mit Spatzenhirnen?


Platz 3: Inländischer Intensivtäter
Maik M. (25) - ein Mann, der die vermischten Meldungen über die üblichen Übergriffe gegen alles Undeutsche im Alleingang erledigt. Ein lebendes Gegenbeispiel zum qua kultureller Prägung kriminellen ausländischen Intensivtäter.


Platz 2: Es sind doch nur Ostereier!
Dabei handelt es sich bekanntlich um uralte Fruchtbarkeitssymbole zu Ehren der germanischen Göttin Ostara. Und was machen die kulturlosen, linksgrünversifften Gutmenschen? Müssen da wieder zwanghaft irgendwelche abstrusen Nazi-Bezüge hineininterpretieren und ihre mächtige Nazikeule schwingen. Deswegen wurde jetzt eine unschuldige Dresdner Rentnerin verurteilt. Es ist doch zum Mäusemelken!


Und der Ronny des Monats geht an:

Platz 1: Xavier Naidoo
Neinneinnein, der Mann ist selbstverständlich kein Nazi. Würde ich nie und nimmer behaupten. Aber schon gern daran erinnern, dass er in der Vergangenheit durchaus Parolen gekloppt hat, wie sie schon auf NPD-Demos Gassi geführt wurden. Oder mit wirren Einlassungen zum Völkerrecht jene "organisierte Denkverweigerung" (Nils Markwardt) namens Reichsbürgerbewegung erfreut. Auch ostentativ vorgetragene Homophobie und Gewaltphantasien in Bezug auf Kinderschänder am Rande der Volksverhetzung werden in gewissen Kreisen immer gern genommen.

"Ein Sujet, zu dem alle Idioten dieser Welt eine Meinung haben, jeder für sich natürlich die richtige und gesunde: Kopf ab! Da treffen sich dann Nazis und Islamisten, Biedermänner mit gesundem Volksempfinden, Schwerverbrecher, Steuersünder und nicht-pädophile Vergewaltiger und rufen nach autoritären Strukturen und der Todesstrafe, immer mit dem Argument: 'Um jeden Scheiß kümmern sich die da oben, aber die Kinderschänder lassen sie frei herumlaufen!'" (Marcus Steiger)

Geht es vor diesem Hintergrund ferner viel zu weit bzw. ist es absurd weit hergeholt zu vermuten, dass auch die wolkigen Andeutungen im neuesten Werk des "Mannheimer Wimmerschinkens" (Droste) über eine Augsburger Puppenkiste namens Bundesrepublik Deutschland besonders gut bei denen ankommen, denen ein kryptoantisemitisches Weltbild im Kopfe herumblubbert, in dem ein elitärer Zirkel unendlich mächtiger jüdischer Bankiers alle Strippen zieht? Wie gesagt, man weiß es nicht, aber für möglich halte ich das schon.

Das Netteste ist aber nun, dass jene, die sich am lautesten die Zuschreibung verbitten, einer Querfront anzugehören, den Mann dergestalt in Schutz nehmen, dass sie ihn allen Ernstes zum Opfer einer Hetzkampagne der Mainstream-Medien und Märtyrer stilisieren. Der Trick geht übrigens ganz einfach: Nimmt man Naidoos Text wortwörtlich, löst man ihn aus jeglichen semantischen Zusammenhängen heraus und ignoriert man weiterhin konsequent jegliche intertextuellen Bezüge zu anderen, früheren Werken, dann ist das Machwerk in der Tat komplett harmlos. Alle anderen, die ihren Hermeneutik-Schein nicht bei der Tombola gewonnen haben, fragen sich hingegen: Geht's noch? Und benutzen Kopf mit Tischplatte. Und kramen in der Max-Frisch-Werkausgabe.


Und auch diesen Monat gibt es wieder, Ladys and Gentlemen, die übliche Honourable Mention:

Weil's immer wieder so schön ist: Die Rechten und die Rechtschreibung
(Sören Kohlhuber via Facebook)


Kommentare :

  1. ... dabei weiß doch jeder, dass es "anderster" heißt!
    Schön auch die Leerzeichen vor- und nach den (typographisch falschen) Anführungszeichen-Darstellern.

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  2. Nazikeule, mit Thymian und Rosmarin geschmort, dazu grüne
    Prinzessböhnchen und junge ofengegarte Rosmarinkartoffeln – hmmm!

    P.S.: Bitte nix gegen die Augsburger Puppenkiste! Das ist ganz große Kleinkunst (und mit schönen Kindheitserinnerungen verbunden) :D

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    1. Schön, dann einigen wir uns auf Pupsburger Augenkiste...
      Ich empfehle unbedingt, noch ein paar Dosentomaten und ordentlich Knoblauch dazu zu geben!

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