Sonntag, 11. Juni 2017

Ronny des Monats - Juni 2017


Etliches wegzuarbeiten diesen Monat. Daher nur ein kurzer Prolog. Wenn sich ein Trend beobachten lässt, dann der, dass Ronny und seine Spaßgesellen sich längst nicht mehr nur in den Milieus der so genannten 'Abgehängten' tummeln bzw. derer, die sich als solche begreifen, sondern ihre Basis bis weit in bürgerliche Kreise hinein verbreitern. Das ist zwar für keinen halbwegs Geschichtskundigen wirklich eine Überraschung, aber beunruhigend ist es trotzdem. Daher liegt in diesem Monat der Schwerpunkt auf solchen Vorkomnissen. Natürlich sollen darüber nicht die üblichen Ausfälle und Gewalttaten nicht vergessen sein. Wer die nachlesen möchte, kann dies jederzeit bei der Presseschau von 'belltower.news' (ehemals netz-gegen-nazis') tun.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auch in diesem Monat die Wahl schwer fiel. So hätte es zum Beispiel beinahe der Meißener CDU-Stadtrat Jörg Schlechte in die Top 5 geschafft. Für die unnachahmlich Weise, in der er gegen das Dreckwerfen gegen das schöne Sachsen zu Felde zog.


Hat er aber nicht. Statt dessen haben es die folgenden:


Platz 5: Verena Friederike Hasel ist nicht mehr links
Falsch, Mädchen. Du warst es nie. Du hast lediglich deine kleinbürgerlich-privilegierte Kuschelwelt für Linkssein gehalten. Kommt vor, never mind. Die Linke wird den Verlust verkraften. Schwer zu verkraften hingegen wäre es, wenn Madame jetzt zu einer weiteren bekehrten Fleischhauerin mutierte, die die Welt allwöchentlich mit Weisheiten der Marke "Früher war ich selber links, aber jetzt ist mir klar geworden, wie schlimm und dolle falsch die Bande doch ist" behelligen täte.


Platz 4: Antifa auf Malle
Man hat's nicht leicht als Hammerskin. Da sucht man extra einen der deutschesten aller deutschen Orte auf, nämlich das Lokal 'Bierkönig' an der mallorquinischen Schinkenstraße, in der Hoffnung, die kleine Reichskriegsfeudel-Wedelaktion fiele wenigstens hier auf fruchtbaren Boden - und? Wieder nur linksgrünversifftes, "Nazis raus!" skandierendes Gesocks. Als, hihi, Einpeitscherin betätigte sich eine unzüchtige, ehrlose Multikultischlampe namens Mia-Julia (zu deren Videos sich der eine oder andere der Vorzeigearier bestimmt schon den einen oder anderen geschrubbt hat).


Platz 3: Twitter-Trixi wieder
Die Nachricht vom Anschlag in London war noch nicht über die Ticker, da hatte die Twitterziege der AfD schon wieder einen aus der Hüfte geschossen. Mit Blick auf ihren Lieblingsfeind Heiko Maas wrang folgenden Tweet sie sich aus der Runkel: "Sparen Sie sich Ihr Erschüttert-Unbegreiflich-Stehen-zusammen-In-Gedanken-bei-BLABLA. Sprechen Sie das Problem aus!" Also gut, Hochwohlgeboren haben es so gewollt. Sprechen wir es also aus: Das Problem ist, dass bei jedem Anschlag zuverlässig Sie, geehrte Frau von Storch, angeschissen kommen wie Kai aus der Kiste und die Toten und Verletzten sowie den Schrecken und die Trauer der Davongekommenen schamlos instrumentalisieren, indem sie kryptorassistische, volksverdummende Tweets ablaichen, um Ihr übelriechendes braunes Süppchen am Köcheln zu halten. Okay, das war ein Schachtelsatz. Aber war das deutlich genug? Fein. Immer gern.

Über die offenkundigen, auch hier wieder zu beobachtenden Probleme deutscher Rechter mit der deutschen Rechtschreibung schweigen wir uns dieses Mal großzügigerweise aus. Ach nee, doch nicht. Macht einfach zu viel Spaß.




(via watson.ch)

Ok, Werbepause für den Duden beendet, weiter im Text.


Platz 2: Die Polizei, dein Held und Retter
Am letzten Freitag gratulierte die Frankfurter Ausgabe von Springers Großbuchstabenblatt der örtlichen Polizei, die sie ölig als unsere "Helden und Retter" beglitschte, und dankte für 150 Jahre Arbeit. Eigens gedankt wird den 21 Frankfurter Polizeipräsidenten. Unter ihnen befindet sich auch Adolf Heinz Beckerle (Präs. v. 1933-1941). Über den ist bei Wikipedia folgendes zu lesen: "Adolf Heinz Beckerle (…) war in der Zeit des Nationalsozialismus als deutscher Gesandter in Sofia an der Deportation von Juden in den von Bulgarien im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten beteiligt.", und: "Laut Ermittlungen der deutschen Nachkriegsjustiz war Beckerle "maßgeblich" beteiligt an der "Deportation und Ermordung von etwa 11.000 Juden, für die aber unmittelbar die SS verantwortlich war." Keine Ahnung, vielleicht liegt's ja an mir, aber "Held" und "Retter" sind nicht so die Begriffe, die mir da als erste in den Sinn kommen.


Und der Ronny des Monats Juni, hochverehrtes Publikum, geht einmal mehr ins Nachbarland Österreich. Nicht, um einer diffusen Österreichfeindlichkeit das Wort zu reden, sondern weil das entsprechende Personal dort halt schon einen deutlichen Tick schmerzfreier agiert als hierzulande. Etwa die ÖVP-nahe 'Aktionsgemeinschaft' am Wiener Juridicum, genauer gesagt, eine aus deren Reihen sich rekrutierende Facebook- und WhatsApp-Gruppe.

Platz 1: Die (ehemals geheime) Facebookgruppe 'FVJUS Männerkollektiv'
Wenn in einschlägigen Nazi-Gruppen bei diversen 'sozialen' Medien geschmacklose Bildwitze über Anne Frank, über eine baldige 'Machtergreifung', Witze über Behinderte, Hitlerbilder und ähnliches gepostet wird, dann ist das inzwischen, obwohl es das selbstverständlich sollte, kaum mehr eine Meldung wert. Zwar bleibt Rassismus Rassismus und Antisemitismus Antisemitismus, doch liegt der Fall schon ein wenig anders, wenn konservativ sich verortende Akademiker, in diesem Fall angehende Juristen, dergleichen tun. Handelt es sich bei denen immerhin um diejenigen, die in besonderem Maße für sich in Anspruch nehmen, künftig das Sagen zu haben. Nun sind angehende Juristen sicher keine besseren oder schlechteren Menschen als der Rest der Blase. Aber dass das offenbar über längere Zeit ging, ohne dass jemand widersprochen oder zur Mäßigung bzw. Abgrenzung aufgerufen zu haben scheint, ist schon ein starkes Stück.

Wer mag, kann das Zeug selbst nachlesen (hier oder hier). Ich mag das hier nicht wiederholen.

Was Kurt Tucholsky schon 1928 über den organisierten Teil der deutschen Studentenschaft schrieb, scheint also nach wie vor gültig:

"Und der da soll [...] Arbeiter richten dürfen? Ein solches Biergehirn, in dem auch nicht ein Gedanke über den sauren Muff seiner Kneipe reicht, entscheidet über Leben und Tod? Über Jahre von Gefängnis und Zuchthaus? Das will Provinzen verwalten? Ein solch minderwertiges Gewächs vertritt Deutschland im Ausland? verhandelt mit fremden Staaten? wird gefragt, wenns ernst wird? hat zu bestimmen, wenns ernst wird? Das ist der Boden, auf dem die Blüten des deutschen Richterstandes gedeihen, welche Blumenlese! Man wundert sich bei Gerichtsverhandlungen und bei der Lektüre von Urteilsbegründungen oft, woher nur diese abgestandenen Vorurteile, die unhonorige Art der Verhandlungsführung, die überholten Anschauungen einer kleinbürgerlichen Beamtenschaft stammen mögen. Hier, auf den Universitäten, ist der Boden, in dem eine Wurzel dieser Produkte steckt."

Übrigens wird wird denen, die so was aufbringen, von den Ertappten ja gern mal Humorlosigkeit vorgeworfen. Ich sag mal so: Wenn die jungen Herren bei geschmacksarmen bis -freien Witzchen über ausgebombte Familien und kriegsbedingt vergewaltigte Frauen ähnlich locker und tolerant sind wie bei welchen über Juden, Behinderte und andere Minderheiten - dann will ich mal wieder nichts gesagt haben.


Und auch in diesem Monat gibt es selbstverständlich wieder einen Ehrenpreis. Der geht an den

Berliner CDU-Generalsekretär und AfD-Ranwanzer Stefan Evers
Nein, Angriffe auf Polizisten gehen selbstverständlich nicht in Ordnung. Eine Reaktion wie die von Evers allerdings auch nicht. Der nannte die Angreifer wörtlich "widerwärtiges Gesindel" und "Linksfaschisten", die man "ausräuchern" müsse. Nuff said. Kann man einfach so stehen lassen, denke ich.




Kommentare :

  1. Der Ronny geht ja in die Ostmark! Ich dachte, der Preis wird nur in den Grenzen von 1937 vergeben.

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    1. Ach was, think big! The sky is the limit! Und nicht wenige ronnyverdächtige Österreicher betrachten die Ostmark ja sowieso als Teil Deutschlands, das passt also.

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    2. Die weinen immer noch dem Ausschluss aus dem Deutschen Bund nach Königgrätz nach. Deswegen hauen sich hier in Österreich tatsächlich die Monarchisten und die Nazis...immer noch.

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  2. Dickes Danke für Platz Fünf F. Hasel – die und links, dass ich nicht lache.

    Und Kritik an deiner Grammatik – „… geht einmal mehr ins Nachbarland Österreich …“ – einmal mehr: das ist eine falsche (weil wörtliche) Übersetzung des englischen „once more“. Hat sich in den letzten fuffzehn Jahren so eingeschliffen, dass die deutsche (korrekte) Übersetzung „wieder einmal“ in die Sofaritze gerutscht ist. Ja ja ja ich weiß, das ist der Gaul, der automatisch nach Hause findet … aber zu Hause bedeutet halt „wieder einmal“.

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    1. Unschön ist es vielleicht, ich mag "einmal mehr" auch nicht so. Aber falsch ist es sicher nicht, nicht einmal, wenn es tatsächlich eine Lehnübersetzung aus dem Englischen ist. Es ist grammatisch korrektes Deutsch und beschreibt das, was gemeint ist.

      Klar klingt es ungewohnt und es gibt mit "wieder einmal" schon eine andere feste Wendung, die ungefähr dasselbe sagt. Aber falsch ist es eigentlich nicht, und es gibt keinen Grund, weshalb man dieselbe Sache nicht auf unterschiedliche Arten ausdrücken dürfte. Von daher gibt es gegen Sachen wie "einmal mehr" keine rechtliche Handhabe, man muss es einfach aushalten ;)

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  3. An Tagen wie diesen lass ich den Oberlehrer raushängen … natürlich ist es nicht falsch. Keine Wort-für-Wort-Übersetzung ist das. Außer dein Englischlehrer korrigiert dein Heft, dann steht rechts mit Sicherheit ein Kringelstrich in Rot mit Ausrufezeichen.

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    1. Alles richtig. Könnte es aber dennoch sein, dass ich diese schiefe Wendung bewusst eingesetzt habe? Zu parodistischen Zwecken?

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    2. Stefan, alles ist gut! Außerdem kann sich die Redewendung ins Deutsche einschleifen wie beispielsweise der „Keks“, der ursprünglich auch mal „Cakes“ hieß und ein Himmelherrgottnochmal-Plural-Oh-Untergang-der-Sprache darstellte. Wir greifen auf die Zukunft vor! Wir sind was? Avantgarde!

      Alles nicht so tierisch.

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    3. Nein, unter tierisch mache ich es nicht!einself!

      Ich neige immer zu einer gewissen Unentspanntheit wenn ich meine, irgendwo Anklänge an den VDS, Bastian Sick und anderen selbsternannten Bewahrern der Sprache Goethens auszumachen. Davon abgesehen - klar, alles gut :)

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