Sonntag, 29. Oktober 2017

Burgermeister Attila


Vielleicht ist es ein Fehler, diesen Beitrag zu schreiben. Denn er verschafft Attila Hildmann, seines Zeichens Oberveganer und Chefmimose der Nation, weitere Aufmerksamkeit, wenn auch in bescheidenem Rahmen. Und darum allein scheint's ihm, hierin nervenden Epigonen wie Til Schweiger und Oliver Pocher nicht unähnlich, bestellt zu sein. Für alle, die es nicht mitbekommen haben sollten: Eine Mitarbeiterin des 'Tagesspiegel' war nach einem Besuch in Hildmanns Berliner Schnellrestaurant ein wenig unterwältigt. Ihr Fazit lautete in etwa, dass Hildmanns Besserweltbutze mitnichten ein weltlicher Wallfahrtsort des Genusses und der Achtsamkeit gegenüber Bruder Brathuhn und Schwester Spanferkel ist, sondern im Prinzip nichts anders als eine fettmiefende Frittenschmiede, in der hygienisch herausgeforderte Stiernacken zwar tierfreien, aber schwer genießbaren Fraß zu überteuerten Preisen verabfolgen.

Die Reaktion des Padrone bestand aus einer Reihe wüster Beschimpfungen auf Facebook ("Ich freue mich, dass ich Sie nicht erkannt habe, sonst hätte ich Ihnen meine Pommes in Ihre Wannabe-Journalistinnen-Visage gestopft.") sowie aus einem Bild, auf dem er sich nicht entblödete, mit einer Pumpgun zu posieren. Dann verkündete der in seiner Ehre gekränkte Porschefahrer großartig, er werde alle Journalisten Berlins in seinen Laden einladen und ihr Urteil über das Essen einholen. Sollte dies nicht durchweg positiv ausfallen, dann werde er vor aller Augen ein Steak verzehren. Als das passierte, was vorherzusehen war, nämlich dass die anwesende Journaille sein Futter eher so lala fand, kam er mit einem Anhänger um die Ecke, auf dem zwei süße Kälbchen standen. Er habe verloren und werde selbstverständlich das Steak essen, versprach er, sobald einer der Anwesenden sich anböte, eines dieser niedlichen Tierchen zu töten, denn das könne man ihm - mimimimimi! - ja wohl nicht auch noch zumuten. Aha. Eigentlich war doch nur von Steak essen die Rede gewesen, oder?

Woran erkennt man einen Veganer auf der Party? - so wird gern scherzgefragt. Antwort: Er wird es erzählen, und zwar allen. Haha, haben wir gelacht! Bei Hildmann könnte man noch hinzufügen: Woran erkennt man einen aufgeblasenen Großkotz? Unter anderem daran, dass er großspurig Wetteinsätze verkündet, um dann, wenn er verloren hat, die Bedingungen im Nachhinein zu seinen Gunsten zu verdrehen und sich dafür noch als moralischer Sieger aufzuspielen. Ich weiß nicht, aber wenn ich dort zugegen gewesen wäre, ich hätte per Handy ein schönes Steak medium liefern lassen und es ihm unter die Nase gehalten. Nur um zu sehen,  was dem Weltenretter dann noch Schlaues eingefallen wäre.

Zuvor hatte er sich herausgeredet, indem er unter Tränen bekannte, immer so leicht auszuflippen, weil ihm das allgemeine Tierleid so naheginge. Wozu er erschröckliche Bilder gequälter Kreaturen zeigte, zu denen er öffentlich ein paar Tränchen verdrückte. Der Ärmste! Man könnte auch sagen, wer es nötig hat, öffentlich zu heulen und moralischen Druck aufzubauen, um seinem Statement Nachdruck zu verleihen, hat das möglicherweise aus einem ganz bestimmten Grund gewaltig nötig. Dabei hatte die 'Tagesspiegel'-Autorin das Konzept veganer Ernährung nicht einmal ansatzweise infrage gestellt, sondern war lediglich mit dem Essen unzufrieden. Solch feine Differenzierung aber ist in der Welt von Holzhammer-Egomanen normalerweise nicht vorgesehen.

Hildmann ist auf dem Trip, auf dem selbstherrliche Moralkreuzzügler, denen es primär um sich und ihre eigene Großartigkeit geht, nicht selten unterwegs sind: Zu glauben, für sie und ihre Arbeit hätten gefälligst andere Maßstäbe zu gelten, weil man sich schließlich auf einer edlen Mission zur Rettung des Planeten befände. Falsch. Auch in einem veganen Restaurant geht es zunächst einmal und mit großem Abstand ums Essen bzw. dessen Qualität. Ist das schlecht, dann ist das ein Problem, vegan hin oder her. Und zwar nicht, weil es vegan ist, sondern weil es schlecht ist. Dass zahllose beseelt grinsende Apostel für den Fraß Schlange stehen, mag sein, tut aber nichts zur Sache. Weiterhin geht es auch in einem veganen Restaurant sehr wohl darum, dass der Laden ordentlich geführt wird, wozu auch Hygiene gehört. Und entsprechende, durch Außenstehende sofort zu erkennende Defizite anzusprechen, ist durchaus legitimer Teil von Restaurantkritik.

Warum schreibe ich das alles eigentlich? Gebe ich ihm damit doch, wie gesagt, nur das, was er am meisten will, Aufmerksamkeit nämlich. Nun, erstens schreibe ich das, weil solche Typen mich triggern. Weil sie mir seit frühester Kindheit auf den Sack gehen. Weil ich's nicht leiden kann, wenn einer das Leid von Tieren für seine Prominenz instrumentalisiert. Und zweitens, weil ich "Attila dem Hungerkönig" (Beisenherz) dankbar bin. Dank seiner habe ich nämlich herausgefunden, dass der Algorithmus, der für Google immer die Anzeigen schaltet, tatsächlich so was wie Humor zu besitzen scheint. Letzte Woche erschien nämlich unter dem SPON-Artikel über die Farce...

(Screenshot SPIEGEL online)
… noch folgende Anzeige:
(ebenda)

Made my day. Immerhin habe Hildmann, so heißt es, sich am Ende seiner Gaga-Aktion für die Aufmerksamkeit bedankt. Er kann also auch höflich.




Kommentare :

  1. Youtube/"The vegan couple man vasectomy". Solange sich die Bevölkerung wie die Karnikel vermehrt ist dies die beste Lösung gegen den immensen Fleischverbrauch.

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    1. Ich finde es eine gute Nachricht, dass diese beiden selbstgerechten Flitzpiepen sich gegen das Vermehren entschieden haben.

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  2. Sehr schön geschrieben.
    Pumpgun, Porschefahrer, humorbefreiter Veganer, soll noch einer sagen, die Integration würde nicht funktionieren.

    "Würden Tiere nicht wollen, daß man sie ißt, würden sie scheiße schmecken"

    (Sean Brummel alias Tommy Jaud, aus "Einen Scheiß muß ich")

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    1. Das humorbefreite ist Resultat eines medizinischen Domino-Effekts: um die vegan bedingte Mangelernährung auszugleichen, braucht es diverse Nahrungsrgänzungspräparate. Das schlägt aufs Gemüt, wenn nicht zuverlässig eingenommen. Da hilft dann nur noch ein veganer Downer (oder Kräuterschnaps), der augenscheinlich ebenfalls vergessen wurde.

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  3. Schon früh lerne ich als ethisch motivierter Vegetarier das Dogma "Fleischessen macht aggressiv" kennen.

    Pumpgun?

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