Mittwoch, 8. August 2012

Romeo und Julia in braun


Wenn unsere Gegner sagen: 'Ja, wir haben euch doch früher die Freiheit der Meinung zugebilligt.' - Ja, ihr uns! Das ist doch kein Beweis, daß wir das euch auch tun sollen. Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis, wie dumm ihr seid." (Joseph Goebbels am 4.12.1935)
Die äußeren Umstände des Falls der Ruderin Nadja Drygalla sind bekannt: Als herauskam, dass Drygalla mit Michael Fischer liiert ist, der 2011 in Mecklenburg-Vorpommern für die NPD zur Wahl angetreten ist, verließ sie letzte Woche nach einem Gespräch mit Michael Vesper, Chef de Mission der deutschen Mannschaft, das Olympische Dorf und reiste aus London ab.

Seitdem ist das Geschrei groß: Wie kann man es wagen, die arme Frau wegen einer reinen Privatsache derart zu drangsalieren? Es gehe schließlich niemanden etwas an, mit wem sie zusammen sei. Das sei üble Gesinnungsschnüffelei, Sippenhaft und Rufmord. Unerträglich! Alarm, Meinungsfreiheit und Demokratie in Gefahr! Einige entblöden sich noch nicht einmal, diese Episode hochzustilisieren zu einer Art Romeo und Julia in braun. In der Art von: Hach, das arme Mädchen, dem das Recht beschnitten wird, den Mann ihres Herzens zu lieben! Gehts noch oder tut es sehr weh?

Man muss einiges zurecht rücken: Weder ist ihr die Teilnahme an den Spielen verboten worden noch wurde sie aus der Mannschaft ausgeschlossen. Schon gar nicht hat jemand ernsthaft so eine Forderung erhoben. Sie wurde auch nicht unter allgemeinem Hallo aus dem Olympischen Dorf gejagt, nachdem man sie geteert und gefedert hatte. Nein, sie ist von sich aus abgereist, nachdem ihr letzter Wettkampf vorüber war. Sie ist aufgrund ihres Partners, der nicht nur NPD-Landtagskandidat, sondern auch Mitglied der militanten 'Nationalen Sozialisten Rostock' war (oder noch ist), ins Gerede gekommen, weiter nichts. Wenn das neuerdings schon eine Hexenjagd sein soll, dann muss die Frage gestattet sein, wohin einigen wackeren Streitern für Meinungsfreiheit und Pluralismus ihre Maßstäbe inzwischen gerutscht sind und wer hier eigentlich hysterisch ist. Merken diese Leute nicht, wie sie sich gemein machen mit der Opferrhetorik von Neonazis, die in einer Tour greinen, wie grausam sie doch unterdrückt würden für ihre teils verbrecherischen Forderungen? Oder merken die das aus einem bestimmten Grund nicht?

Natürlich ist es allein Nadja Drygallas Sache, mit wem sie sich privat abgibt. Wo aber steht geschrieben, dass das keine Konsequenzen haben und man ihr deswegen auch keine kritischen Fragen stellen darf? Es ist schlicht Augenwischerei zu meinen, Politik sei grundsätzlich reines Privatvergnügen. Nein, sich politisch zu engagieren, ist etwas anderes als Kassenwart eines Kaninchenzuchtvereins zu sein. Wer sich, wie auch immer, politisch engagiert, will in irgendeiner Form die Gesellschaft mitgestalten, Einfluss auf die Geschicke der Allgemeinheit nehmen. Daher kann politisches Engagement ab einem gewissen Punkt eben nicht mehr als reine Privatsache angesehen werden. Selbst wenn man Frau Drygalla glauben möchte, an den Aktivitäten ihres Lebenspartners nicht aktiv teilgenommen zu haben, ist es schwer vorstellbar, dass sie, wie sie es glauben machen möchte, immer nur quasi im luftleeren Raum nebenher gelaufen ist.

Das in jeder Hinsicht maßlose Gezeter von Sippenhaft und Rufmord ist genau so ein Mumpitz wie das Gejammer jener Irrsinnigen, die sofort was von Zensur quaken, wenn eine privatwirtschaftliche Online-Zeitung oder ein Blogger ihre Hetzkommentare nicht freigibt bzw. löscht. Weder Drygalla selbst noch ihre Familie hat irgendwelche staatlichen Repressionen zu fürchten, so lange ihr keine Straftat nachgewiesen werden kann. Dass man aufgrund ihres Freundes eine gewisse Nähe zum rechtsextremen Milieu vermutet und sie deswegen in ihrem Berufsleben Probleme bekommt, ist etwas anderes. Ob sie den Polizeidienst freiwillig quittiert hat oder dazu gedrängt worden ist, muss Spekulation bleiben, doch bestanden wohl Zweifel an ihrer Verankerung in der FDGO. Wenn der Deutsche Olympische Sportbund für Werte einsteht, die in vieler Hinsicht konträr stehen zu denen ihres Lebenspartners, dann muss sie auch damit rechnen, anzuecken.

Mag ja sein, dass die Reaktion der Öffentlichkeit und der Medien auf Drygallas Liaison überzogen war, aber das beantwortet nicht die zentrale Frage: Wie weit möchten wir politischem Extremismus erlauben, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen? Wie viel an Toleranz sollen oder müssen wir den Intoleranten zubilligen und wo ziehen wir die Grenze? Diese Frage muss sich unter anderem auch die Schulleitung der Schule gefallen lassen, die es ihrer Abschlussklasse erlaubt hat, zum Abschied das unverfängliche Lied einer Rechtsrock-Band zu singen.

Es ist naiv und ein Irrtum, zu glauben, jetzt da der Fall Drygalla erledigt ist, sei Ruhe im Karton. Höchstwahrscheinlich wird schon bald die nächste Zumutung kommen. Was macht der DOSB, wenn sich beim nächsten Großereignis herausstellt, dass einer der Athleten aktives NPD-Mitglied ist, wenn er auch nie im Rahmen des Sports diesbezüglich auffällig geworden ist? Heißt es dann auch: Naja, schon nicht in Ordnung irgendwie, aber der/die macht das doch rein privat, so lange er/sie sich im Olympischen Dorf und im Kreise der Athleten bedeckt hält, zählt allein die Leistung?

Wären die, die sich jetzt so vehement für Nadja Drygalla einsetzen und lauthals Sippenhaft und Gesinnungsschnüffelei beklagen, genau so nachsichtig, wenn bei den nächsten Spielen eine muslimische Deutsche mit Kopftuch anträte, deren Bruder Kontakte zu islamistischen Kreisen unterhielte, die sich selbst aber davon distanzierte? Oder bei einem Athleten, der über seine Freundin losen Kontakt zum linksautonomen Milieu hätte, aber glaubhaft versicherte, nie an strafbaren Aktionen beteiligt gewesen zu sein? Dann will ich wie immer nichts gesagt haben.


17 Kommentare:

  1. Bravo!
    Wieder mal ein sehr guter Text! Auch inhaltlich 100%ige Übereinstimmung!

    Grüße, Duderich

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  2. Ein guter Text zu dem Thema auch bei ad sinistram: http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/08/nicht-demokratisch-dumm.html

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  3. „Wenn unsere Gegner sagen:.... Das ist doch kein Beweis, daß wir das euch auch tun sollen. Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis, wie dumm ihr seid." (Joseph Goebbels am 4.12.1935)"

    Und dafür seid Ihr bereit, Goebbels auch noch Recht zu geben? Die Freiheit als Dummheitsgedanke? Quasi unter dem Motto: "Lieber nicht noch einmal so dumm sein, bevor man es uns nachher wieder vorhält?"

    "Weder ist ihr die Teilnahme an den Spielen verboten worden noch wurde sie aus der Mannschaft ausgeschlossen. "

    Sie können davon ausgehen, Frau Drygalla ist erledigt. Dieses öffentliche Spektakel hat massive und nachhaltige Konsequenzen, sowohl für ihren weiteren Berufsweg, als auch für ihre sportliche Karriere. Letzteres kann sie schlicht bereits jetzt in die Tonne kloppen, das weiß sie vermutlich nur noch nicht.

    "Wie weit möchten wir politischem Extremismus erlauben, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen? "

    Das habt Ihr doch klar und deutlich formuliert, Schluss ist spätestens bei Liebe und Bett. Nur unter Ihresgleichen dürfen sie, das kann man ja nicht verhindern.

    "Wo aber steht geschrieben, dass das keine Konsequenzen haben und man ihr deswegen auch keine kritischen Fragen stellen darf?"

    Natürlich darf man kritische Fragen stellen und es darf auch Konsequenzen haben (hatte es doch schon zuvor, beruflich wie privat). Doch wo steht geschrieben, dass das in der breiten Öffentlichkeit zu geschehen hat? Es wäre Aufgabe des DOSB gewesen, nicht die Aufgabe der breiten Öffentlichkeit, in der alle mal schnell ein Urteil abzugeben wünschen.

    "Heißt es dann auch: Naja, schon nicht in Ordnung irgendwie, aber der/die macht das doch rein privat, so lange er/sie sich im Olympischen Dorf und im Kreise der Athleten bedeckt hält, zählt allein die Leistung?"

    Nein, das heißt es nicht. Jetzt hat die breite Öffentlichkeit die Aufgabe ergriffen (und geht auch noch weit darüber hinaus), die dem DOSB zugefallen wäre. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend damit, die Öffentlichkeit hätte ein Recht darauf, das nimmt sie sich jetzt einfach.

    Passiert ist passiert, es wurde öffentlich (hätte der DOSB vorher geschaltet, hätte das gar nicht geschehen können). Sie musste m.E nach Hause fahren und das finde ich schon angemessen. Meiner einer möchte persönlich, das ist meine rein persönliche Einstellung keinen Repräsentanten (auch nicht im Sport), dem solche Kontakte nachzusagen sind. Deswegen steht mir jedoch als Öffentlichkeit noch kein Urteil zu, ob Frau Drygalla überhaupt einen solchen Menschen lieben darf, bzw. wie bei ad sinsitram und oeffinger freidenker geschehen, es als Beweis angesehen wird, sie selbst sei rechter Gesinnung, könne gar nicht sein, ansonsten wird man sich in einen solchen Menschen erst gar nicht verlieben können. Und darum geht es!!! Das tut Öffentlichkeit gerade und zur Rechtfertigung suchen alle verzweifelt nach Beweisen, ihr daraus einen Strick zu drehen. Und das reicht tief, viel zu tief in das Private. Küchenpsychologie per Öffentlichkeit würde ich das mal nennen.


    Gruss
    Rosi

    PS: Mir ist i.Ü. völlig gleich, wer meint, irgendwo mit dem Kopftuch auftauchen zu müssen (von mir aus auch mit rosa Punkten drauf). Was für Frau Drygalla gilt, gilt für mich für jeden Menschen, der sich selbst nichts zu schulden kommen ließ. Irrelevant, ob es um rein Justiziables, Politisches (wurscht: rechts, mittig, links) oder um Glaubensfragen geht. (Und nun?)

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    1. PSPS: Und wer das zweifelhafte "Vergnügen" hatte, meine Kommentare häufiger zu lesen, dem dürfte sicherlich klar sein, dass ich vorangegangenes PS auch wirklich so verinnerlicht habe ... und nicht nur simuliere ...

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    2. Entschuldigung Rosi, aber den mit Pechfackeln und Mistforken bewaffneten wütenden Mob, der die Dame um jeden Preis erledigen will, vermag ich einfach nicht zu sehen. Ich wüsste auch nicht, wo und wie "die Öffentlichkeit" verzweifelt versuchen würde, der Lady einen Strick zu drehen. Im Gegenteil: Der Tenor der medialen Debatte schien mir eher Beschwichtigen und Relativieren zu sein.
      Grundsätzlich ist es ziemlich normal, dass Firmen, Verbände und sonstige Körperschaften ihren Leuten Verhaltenskodizes auferlegen,
      die mehr verlangen, als einfach nur nicht straffällig zu werden.
      Ich maße mir auch nicht an, auf die Frage, wie man mit so einem Fall umgehen soll, eine verbindliche Antwort zu haben. Ich glaube nämlich nicht, dass es eine geben kann, die alle zufrieden stellt, denn es handelt sich um ein klassisches Dilemma. Erinnert mich, nebenbei an Frischs 'Biedermann und die Brandstifter'.
      Ich weiß auch nicht, wie Sie darauf kommen, dass "wir" (ich denke, Sie meinen Blogger wie Roberto, meinereiner et al.) so heiß darauf seien, uns in Frau Drygallas Privatleben einzumischen. Ich bin ein großer Verfechter der Idee der Privatsphäre und habe geschildert, dass es zwar keinen etwas angeht, wer sich wie mit wem in privatim abgibt, dass aber Nähe zu radikalen Milieus aber eventuell keine reine Privatsache mehr ist. Sorry, aber dieses 'Liebe muss alles dürfen' ist mir zu platt. Dazu sind auch die Bestrebungen der rechten Szene zu offensichtlich, über Sportvereine einen Fuß in den Mainstream zu bekommen. Es bleibt die Frage, wo wir eine Grenze setzen wollen. Und das ist immer schmerzhaft.
      Und möglicherweise - reine Hypothese jetzt - befindet sich auch Frau Drygalla selbst in einem Dilemma. Vielleicht ist ihr ja klar, dass die Ansichten ihres Freundes nicht gehen, aber ihre Gefühle sind stärker. Dann müsste sie sich also entscheiden, ob sie ihrem Herzen folgt und ihre sportliche Karriere aufs Spiel setzt oder ob sie weiter Sportlerin sein will und die Beziehung beendet (dann wäre Frau Drygalla m.E. nicht erledigt). Sollte das so sein - wie gesagt, reine Spekulation - dann ist das eine Situation, die man keinem wünscht. Aber da würde sie leider durch müssen - manchmal ist es nicht machbar, den Kuchen nicht anschneiden und in trotzdem essen zu wollen. Life is sometimes tough.
      An Ihrer Einstellungen habe ich übrigens nicht gezweifelt, falls Sie das beschäftigen sollte.

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    3. Hallo Herr Rose

      Vermutlich reden wir in der Kernfrage schlicht und ergreifend aneinander vorbei (und wie @eb schon erwähnt, ein schwieriges Thema), weil wir - ganz natürlich - die Angelegenheit aus verschiedenen Standpunkten betrachten (und jeder individuell seine Kommunikationsnoten nutzt … hinzu kommt, rein schriftlich ist es schwieriger).

      Habe rundherum das Gefühl, nicht verstanden zu werden bzw. es nicht zu schaffen, mich verständlich zu machen (was voraussichtlich auf Gegenseitigkeit beruht). Dasselbe Gefühl habe ich auch bei Herrn De Lapuente.

      Wir zwei Beiden sind uns doch im Großen und Ganzen einig, meinte ich zu erkennen. Natürlich rollt der Mob nicht mit Pechfackeln und Mistforken, das macht er in der Neuzeit so gut, wie nie. Heute macht man das verbal (psychosoziale Gewalt) und so ist das auch von mir gemeint. Die Stricke werden nur noch aus Verbalitäten geknüpft und doch führen sie zu Fall.

      Und ich finde es ebenso völlig normal, dass Firmen, Verbände und sonstige Körperschaften ihren Leuten Verhaltenskodizes auferlegen (wie ich schon schrieb, sehe eher ein Versagen des DOSB, auf ganzer Linie), so wie ich es auch normal finde, das die Gesellschaft mit ihren Parametern das tut. Und alle sollten klare Position beziehen. Doch man geht m.E. weit darüber hinaus.

      Hhhm, ob Sie jetzt so sehr in das Private greifen ..., hatte eher Oeffinger Freidenker im Sinn und damit auch Herrn De Lapuente. Er mag bei seinen Worten anderes im Sinn gehabt haben, was sich jedoch durch seinen Applaus an Sickendieck nivelliert. Dort steht wortwörtlich:

      "Eine langjährige Beziehung führt man nicht mit einem Menschen, dessen Ideologie man nicht teilt."
      Aha, der Beziehungsberater Sickendieck spricht ... wenn der wüsste ...

      " Man lebt mit ihr, akzeptiert sie - oder man lässt es sein."
      "der handelt nicht aus Toleranz gegenüber dem eigenen Lebensgefährten, sondern aus Überzeugung"
      "Ob Drygalla der rechtsextremen Szene zugehört, durch ihren Lebensgefährten, als Mitläuferin oder gar aus Überzeugung, ist unerheblich. Ihr Verhalten beweist, sie gehört dazu."

      Man lebt in der Regel mit zunächst einmal mit einem Menschen (das ist mehr biologisch-emotional, wie rational), nicht mit seiner Ideologie (das wäre mehr rational); wenngleich Letzteres auch häufig im späteren Verlauf die Verbindung hinterfragt -> und häufig siegt (doch nicht so häufig, wie man das gerne hätte oder glauben möchte).

      Natürlich ist mir bekannt, dass sich Gleich und Gleich gerne gesellt, doch genau so kann es passieren, dass sich Gegensätze anziehen. Werden diese Gegensätze "radikal", so bleibt immer etwas Negatives aus dem Blickwinkel der jeweiligen Betrachter (Öffentlichkeit) am Partner hängen; sei es das Liebchen des Feindes, das Liebchen der Ethnie oder was auch immer. Wir, als zuschauende Gesellschaft im gerechten Licht, betrachten (fühlen/empfinden .. und behandeln) das in der Regel als eine Form Verrat und dieser Gedanke ist m.E. gefährlich.

      ff.

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    4. Teil 2.

      Etwas anderes als das Private steht doch als Beweis gar nicht zur Verfügung und so wird das Private zum Beweis. Wie zwischen zwei Mühlsteine eingeklemmt, als Mittel zum Zweck. Und wir wissen doch alle, wie das ausgeht, für das "Teil" zwischen den Mühlsteinen.

      Das Private selbst ist für mich ein völlig unpolitisches, subjektbezogenes Dingens, welches sich der Beurteilungskriterien der Moral durch die Öffentlichkeit über sein Sein, seine Existenz entzieht, weil es eben Privat ist (wie soll ich das denn ausdrücken .. bin nun mal kein Adorno). Zieht man es in die Öffentlichkeit, hat es seine Existenz verloren.

      Und es ist doch schon markant, dass es sich über Jahrtausende hinweg gegen solche Angriffe verteidigen muss, die es zu zu nivellieren wünschen und es dazu objektivieren (Objektivierung über den Weg der Öffentlichkeit, die einen Wertungsstempel auf etwas nicht mehr existierendes kleben, somit etwas anderes daraus machen). Zu dem Zeitpunkt, an dem etwas Privates öffentlich wird, ist es doch gar nicht mehr privat. Dabei trägt Privat weder Schuld noch Unschuld (geschweige denn Beweiskraft, m.E verwechselt man die Objekte, die sich aus dem Privaten resultieren mit Privat, dem Subjekt selbst), Privat ist einfach Privat. Und ganz besonders gerne kommen diese Angriffe aus dem Politischen (von den zeitgeistigen aus dem Neokapitalistischen abgesehen, naja, ist letztlich auch politisch … was solls). Dabei ist völlig irrelevant, ob von ganz rechts, über die Mitte, bis hin zu ganz links. Die Rechtfertigung für den Angriff rekrutiert sich aus der jeweiligen politischen Haltung im Sinne der Moral.

      Die eine Seite nutzt es als Rechtfertigung, die andere als Angriff oder zur Beweisführung der Schuld. Damit ist es schon Objekt und nicht mehr Privat. Und sei es nur über den Umweg, die Äußerungen des DOSB (oder der Frau selbst) in Zweifel zu ziehen. Dabei Liebe kann so etwas von blind machen ... und taugt aber so etwas von gar nicht zum Beweis einer Mittäterschaft (das ich gar nicht weiß, wie ich da schön formulieren soll ;)).

      Sie sagen: Privatsphäre ist ein zu verteidigendes Gut. Sofort dahinter kommt jedoch ein Aber. Und dieses Aber gilt für Sie bereits bei der Nähe zum Milieu und Liebe ist für Sie (eher für die Herren De Lapuente und Sickendieck) scheinbar kein adäquater Grund, der Menschen dazu bewegen könnte. Ergo muss ich davon ausgehen, die Nähe ist bereits das Verbrechen selbst und damit verliert man ein Recht auf Privatsphäre in der Öffentlichkeit (nicht nur vor dem Verband).

      Diese Liebesnähe ist für mich erst einmal kein Verbrechen (die Justiz sieht das gleich). Die Gesinnung zu pflegen, ist für mich ein moralisches Verbrechen und man sollte sich überlegen, ob man jemand mit einer solchen Nähe (aufgrund der sich hierdurch ergebenden Verdachtsmomente) überhaupt nach Olympia einlädt. Hätte ich zu entscheiden gehabt, wäre sie niemals dort angekommen (das wäre generell besser gewesen, für Deutschland, für den Verband und für die junge Frau). Doch eben nicht aus der Rolle der „gerechten“ breiten Öffentlichkeit, sondern als Aufgabenstellung des Verbandes, der sich stets darüber bewusst sein sollte, dass Sportler unser Land repräsentieren und dies weit über das Sportliche hinaus. Letzteres ist einfach so, wird sich auch nie ändern. Sport ist nicht nur Sport, sondern internationale Politik (das mag man traurig oder falsch finden, ändert nichts an den Tatsachen) und sei es zur Festigung freundschaftlicher Beziehungen. Deswegen ist für mich die Diskussion, ob Sport nun politisch oder nicht sei, völlig sinnlos.

      ff.

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    5. Teil 3

      Wie ich schon schrieb, auch für mich ist die Liebe nicht Freischein für alles. Bspw aus Liebe der Gesinnung folgen oder aus Liebe töten u.v.a.m. doch das sind alles Handlungen, die über das Gefühl Liebe als Beweggrund in Handlungen münden, nicht die Liebe als gefühltes Gefühl selbst. Und doch wird die Liebe gleich in Zweifel gezogen, mit Aussagen: „kann man nicht lieben, wenn nicht …“.

      Meiner einer wäre nicht bereit gewesen, einen solchen Preis zu zahlen (mir wäre auch bewusster gewesen, welchn es hat … doch ich bin schon ziemlich alt *grins*), angelehnt an Ihre Hypothese, die ich teile (bin vermutlich auch politisch wesentlich interessierter als Bestandteil meines Charakters selbst). Doch ich kann nicht von mir auf andere schließen (oder es als Standard setzen), es gibt genug, die interessieren sich nicht die Bohne für Politik, verschwenden kaum einen Gedanken daran. Sie hat deswegen ihren Job verloren, Freunde und Bekannte sollen sich distanziert haben, aus diesem Grunde wurde sie nach Hause geschickt (was wollt ihr noch?).

      Sehe es nicht so chancenreich, per „richtiger“ Reaktion von Frau Drygalla. Gehe davon aus, eben durch das Private, instrumentalisiert über Liebe (möglich: nein) als Beweis für ihre Gesinnung in die Öffentlichkeit gezogen: Der Verdacht wird -, egal, was sie auch macht - an ihr hängen bleiben. Für eine sehr, sehr lange Zeit, das Kind ist in den Brunnen gefallen und ertrunken, der Zug ist abgefahren. Selbst wenn sie sich heute trennen würde, sie ist quasi für die Öffentlichkeit nicht mehr tragbar. Denn wenn die Öffentlichkeit einen solchen Weg einmal eingeschlagen hat, die Deklaration der Person inkl. Ihres Privaten als untragbar, gibt es kein Zurück mehr. Kenne kein einziges Beispiel, muss nicht einmal politisch sein. Gehe davon aus, Frau Drygalla wird niemals mehr international für uns rudern, denke sogar, dass namensgleiche schon so ihre Probleme bekommen werden.

      Aber was heißt das genau: „Liebe muss alles dürfen“. Was darf sie denn, die Liebe? Darf sie lieben dürfen? Und darum ging es mir, neben dem Privaten. Liebe darf das, da kann man sich nicht hinstellen und sagen: „Wenn Sie liebt, muss sie gleichgesinnt sein“. Wer so etwas schreibt, dem mangelt es an Vorstellungskraft.

      Und es ist tatsächlich eine Grenzfrage, was wir als Gesellschaft bereit sind, der Moral zu opfern. Wie weit wir dafür als Öffentlichkeit in der breiten Masse in das Private hinein langen (es spiegelt auf uns zurück, wir werden uns alle dem unterwerfen müssen), es somit seiner Existenz berauben. Für mich liegt die Grenze zwischen Verband (und jene, die auf die Verbände zu schauen hätten) und der breiten Öffentlichkeit (äh, also quasi halbprivat *grins*). Vll wird Frau Drygalla der Präzedenzfall, an dem die Verbände sich zu orientieren haben (wobei sie das hätten vorher genau wissen können, was geht und was nicht).

      Nebenbei, ich bin mir der Gefahr von rechts bewusst. Sie reicht mitnichten nur in die Sportlerszene. Mir macht viel eher die Präsenz in Politik, an Schulen und Hüpfburgen Sorgen ... statt in Betten … In Betten waren sie zu jeder Zeit, davon können Sie ausgehen.

      Gruss
      Rosi

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  4. Naja, schwierige Sache. Ich wiege einfach mal die Sensibilitäten auf. Die Sensibilität im Umgang mit linken Extremen innerhalb der letzten Jahre, verglichen mit den Sensibilitäten von rechten Extremen. Für mich stimmt da immer noch einiges nicht. Ich mache dies nicht an Frau Drygalla fest. Jeder der der ultra-rechten Szene entsagt, - hat meine Sympathie. Aber ich kann weder das eine, noch das andere beweisen. Doch diese, wirklich ungewöhnliche Sensibilität, - fordere ich auch für die Linke. Ich sichte immer noch eine Schwerpunktverteilung, - die rechts bevorteilt. Und ich sichte eine schwer sensationslastige Presse, - die einfach nur nach Bedarf aktioniert. Ansonsten, erlaube auch ich mir, - kein Urteil. Ich habe nicht das Recht dazu. Hier steht allenfalls der Qualitätsjournalismus zur Debatte.

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    1. @Das hab ich irgendwie nicht verstanden :(

      Gruss Rosi

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    2. Die schnelle Umkehr der Berichterstattung, - also erst mal auf den vollen sensationsgierigen Nazizug fahren, und dann plötzlich hypersensibel das "für" und "wieder" gegenüber einer Privatperson auszuloten, ist mir aufgefallen. (Speziell dradio und Öffentl.Rechtl.) Bei Berichterstattungen in linken Randbereichen bleibts i.d.R. bei der Sensation bzw. bei deren Mythos, - ohne Interesse für die Rechte der dabei genannten Privatpersonen. So Sachen, dienen mir als Stimmungsbarometer für unbewusste Reaktionen. Man "ist" zurück gerudert. Was ich mir fairerweise, natürlich für alle wünsche. Besser ist, - auf die Sensationsheische nach gerade aktuellem Trend, - ganz zu verzichten. Bild-Zeitungsniveau, war die Geschichte am Anfang nämlich schon.

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    3. Hallo @eb

      Ah, danke, jetzt hab ich Dich verstanden ;-)und da ist was dran

      Lieben Gruß
      Rosi

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  5. Mir stößt an der Sache ja was anderes auf:
    Da, wo es uns nichts kostet, da zeigen wir endlich mal so richtig klare Kante. Da demonstrieren wir so wenig Toleranz gegenüber rechter Gesinnung, daß wir eine Frau nicht wegen ihrer Taten oder ihrer Überzeugung, sondern nur aufgrund einer zu vermutenden Akzeptanz rechter Ideologie in ihrem privaten Umfeld hin abkanzeln. Aber da, wo die NPD mit Steuergeldern gesponsert wird, wo Nazis ganze Dorfstrukturen unterwandern. Oder wo auch nur die üblichen Kandidaten in den üblichen Mainstreammedien ungehindert mit ihren kruden Thesen gegen Migranten, Südländer, Asylbewerber hetzen dürfen und dabei mächtig daran mitarbeiten, rechte Ideen gesellschaftsfähig zu machen - Da, wo es wirklich drauf ankäme, da können wir ja leider nix machen. Also, wenn ich Nazi wäre, ich würde die Demokraten ja immer noch für dumm halten...

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  6. Puh, die Sache scheint eine Menge Staub aufgewirbelt zu haben. Wie auch in den Kommentarspalten anderer Blogs zu sehen, scheint das teils ein emotional aufgeladenes Thema zu sein. Es bleibt schwierig...

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    1. Hihi, - kann ich verstehen. Nur so am Rande. Mir hat, als Linken, nur schon mein Kommentar hier, privat mal wieder schwer linientreue Schelte eingebracht. Deshalb bin ich erst mal Humanist, und dann erst sekundär politisch motiviert. Das schützt einen vor allzu ideologischem Pragmatismus, und auch linientreuem Symbolismus mit Automatismus. Leider weniger, vor den Pawlowschen Hunden beider Seiten. Nachdem ich mich auch noch ein wenig umgesehen habe, stört mich da aber noch etwas anderes. Unsereiner kommt aus Solingen. Ich hab genug von diesen jungen Dingern im braunen Sumpf verschwinden sehen. Aber auch einige, die sich davon, im wahrsten Sinne des Wortes, - auch wieder befreit haben. Wahrlich, - wirklich keine einfache Sache, - so was. Und ich verstehe nicht so recht den Automatismus in besagtem Falle, - dass so etwas unmöglich sein soll. Das scheint fast überall Status-Quo einer Grundannahme zu sein. Aber gibt es dafür Beweise? Einmal braun, - immer braun? Ich denke, dass ist ein wenig arg einfach. Unter dieser Prämisse, kann man sich nämlich durchaus auch mal, in das Leben eines Einzelmenschen hinein versetzen, - über den dann die ganze Meute her fällt. Motivierend für andere, ähnliche Schritte zu wagen, - ist so was sicher nicht.(Übrigens kann ich Rosi bezüglich ihrer Argumentation wegen Liebe unter ideologisch Fremden nur zustimmen. Da hab ich schon wildere Sachen gesehen. Von Liebe, versteht ein Sickendieck anscheinend eher weniger, sonst würd er keinen so'n Blödsinn schreiben).

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    2. Stimmt, darin sind wir uns alle einig, ein aufgeheiztes und generell ein sehr schwieriges Thema.

      Doch, das möchte ich noch anmerken, empfand ich die Diskussion hier doch sehr besonnen; dazu muss man sich nicht einmal untereinander einig sein ... dös heißt schon was, wird selten, darum: vielen herzlichen Dank und

      lieben Gruß
      Rosi

      PS: @eb, halte das ebenso, bin erst einmal Mensch und danach kommt die politische Motivation. Und stimmt, dafür gibt es hin und wieder eine Menge Schelte, nicht immer unbedingt der einfachste Weg im Miteinander der politischen Diskussion .. aber wem erzähle ich das hier ... :)

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