Sonntag, 29. November 2015

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (9)


So, erster Advent, der Geburtstag des Religionsstifters naht wieder einmal. Paar Geschenke kaufen gehen. Muss ja. So schön es ist, Menschen eine Freude zu machen, so unschön oft die Begleitumstände auf dem Weg dorthin. Denn obwohl ich natürlich alles online bestellen könnte, gehe ich in die Stadt. Rock the Kasbah, Baby, keine Schmerzen! Ich glaubte, einigermaßen abgebrüht zu sein. Schwer zu schocken. Ich dachte: Der Gedanke, dass für Bücher von Dieter Bohlen, Thilo Sarrazin, Akif Pirinçci und anderen Bäume gefällt werden, zieht dich längst nicht mehr runter. Schlimme Erlebnisse haben dich abgehärtet. So hast du verkaufsoffene Sonntage im Oberhausener Centro und in der Essener Innenstadt ohne bleibende Schäden überstanden.

Du weißt, im Zweifel wird jeder letzte Müll ver- und auch gekauft, sonst würde er nicht feilgeboten. Dir ist bewusst, dass Gelassenheit alles, Toleranz eine wichtige Tugend, Dünkelhaftigkeit und urteilen über anderer Leute Amüsement spießig ist. Und obwohl du da also inzwischen fast zenmäßig unterwegs bist und weißt, dass es rein gar niemandem hilft, sich über Konsumgüter aufzuregen und sich zu erheitern über die, die sie vermutlich kaufen, gibt es immer noch Momente, in denen sie dich auf dem falschen Fuß erwischen. In der örtlichen Filiale eines Medienverramscherduopols etwa halten sie einem unvermittelt so was unter die Nase (ich weiß, dass das vermutlich schon länger in der Welt ist, aber ich gehe halt selten DVDs kaufen):


Obwohl ich nun wirklich einiges gewohnt bin, konnte ich nicht anders als spontan zu denken: Na klasse, soeben ist wieder ein Stück Restglaube an die Menschheit flöten gegangen! Dann kamen die Fragen: Gibt es wirklich und allen Ernstes Leute, die sich gemütlich auf der Couch einmümmeln, eine DVD reinschieben, um dann mehrere Stunden am Stück einem Haufen geschmacksfreier Prolls, einer Art Familie Flodder mit zu viel Geld, deren Nachbarschaft den Wert jeder Immobilie vermutlich stärker senkt als die eines Truppenübungsplatzes, beim Kohleverballern und Danebenbenehmen zuzugucken? Kann es wirklich sein sein, dass Menschen so was verschenken, ohne dafür auf der Stelle verprügelt, enterbt oder geteert, gefedert und unter allgemeinem Hallo aus der Stadt verbracht zu werden? Warum ist so was frei verkäuflich und für alle zugänglich? Denkt denn niemand an die Kinder?

(Bei dieser Gelegenheit: Liebe AfD und Geistesverwandte! Ein Volk, das einerseits genug Geld hat, alle Nase lang lemminggleich die neuesten Smartphones zu kaufen, sich alle paar Jahre komplett neu einzurichten oder Geissen-DVDs käuflich zu erwerben, andererseits aber findet, ein paar Flüchtlinge seien eine unzumutbare, nicht zu schulternde Belastung, geht, um in eurer Gedankenwelt zu bleiben, völlig zu recht den Bach runter und braucht sich im Zweifel über gar nichts zu beschweren. Könntet ihr euch euer kulturpessimistisches Geunke vom untergehenden Deutschland also freundlichst dorthin schieben, wo es sehr dunkel ist? Danke.)

Das, was ich suchte, war natürlich nicht vorrätig. Egal, wird eben doch online bestellt. Muss ja nicht beim großen bösen Bezos sein. Aber viele andere schöne Sachen haben sie. Unter anderem echte technische Revolutionen:

(via fundstueckedesinternets.de)

Hauptsache, ihr habt Spaß.




3 Kommentare:

  1. I fought the mob , and the mob...won.

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  2. Ja, - RTL hat schon immer ein gutes Gespür für's reale Mentale zwischen Schiffskiel und der Unterseite von zu Wasser gelassenen Quietscheenten bewiesen.

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