Mittwoch, 10. Oktober 2018

Ronny des Monats - Oktober 2018


Bei allem Üblen, was so vor sich geht, sollte man das Positive nie vergessen. Möge man mich deswegen für einen unverbesserlichen Optimisten halten - bitte sehr, da kann ich mit leben. Aber ich brauch das nun mal, um nicht durchzudrehen. So fand ich es sehr erfreulich, dass Ronny und seine Spießgesellen ein paar Mal tüchtig ins Klo gegriffen und auch mal Gegenwind bekommen haben. Etwa, dass diverse rechte Musikveranstaltungen in Thüringen krachend gescheitert sind, weil die zuständigen Staatsgewalten ihren Job ernst genommen haben. (Moral: Geht alles, wenn nur der politische Wille da ist). Oder dass die AfD in Hamburg mit ihrer dämlichen Lehrerdenunziations-Hotline mit massenhaft Nonsens-Meldungen getrollt wird.

Zumal es eh genug Negatives zu vermelden gibt. Etwa dass der der Lehrer Michael Csaszkóczy wegen Landfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 1.600 Euro verurteilt wurde weil er eine AfD-Kundgebung gestört haben soll und die Richterin zufällig die Schwiegertochter des AfD-Bundestagsabgeordneten Albrecht Glaser war.

Die Top 5 des Monats Oktober:

Platz 5: Isch mach disch Messah, Alda!
Die Angst vor messerstechenden Migranten ist inzwischen derart gediehen im christlichen Abendland, dass man in Österreich erwägt, das bestehende Verbot des Schusswaffenbesitzes für Asylbewerber und Menschen aus Nicht-EU-Ländern, auf den Besitz von Messern auszudehnen. Das beruht auf der Annahme, dass Asylbewerber und Menschen aus Nicht-EU-Ländern eine signifikant höhere Gefahr darstellen als andere. Fast könnte man auf die Idee kommen, es sollte Asylbewerbern und Menschen aus Nicht-EU-Ländern ein kulturell bedingter Hang zu Messerstechereien zugeschrieben werden. Das wäre dann aber Rassismus. Was ich nicht verstünde, denn auch Nicht-Asylbewerber und Menschen aus EU-Ländern, darunter auch Deutsche, metzeln mitunter gehörig was weg mit ihren handlichen Blankwaffen. So ist ein Dortiger im mecklenburgischen Ludwigslust wiederholt mit einer Machete auf Menschen losgegangen. Im sachsen-anhaltinischen Naumburg sollen Jugendliche einen Journalisten mit Messern attackiert haben. Wieso fordert niemand ein Messerverbot für Ossis?

(Überhaupt: Was, ein echtes deutsches Mannsbild ist, das wirft allenfalls mit Essen. In Essen. In Dortmund mit Wattebäuschen. Nee, Feuerlöschern.

Platz 4: Slam The Poetry!
Einen Moment lang habe ich ja gezögert, Ida-Marie M., die dichtende bzw. vielleicht auch die Gedichte ihrer Mutter vortragende Tochter von AfD-Frau Nicole Höchst, hier zu nominieren. Die junge Dame ist schließlich erst 14 und das hier nicht die Mini Playback Show. Andererseits: Ehre, wem Ehre gebührt. Wobei ich mir angesichts der formellen Strenge und Elaboriertheit des zu Gehör gebrachten nicht sicher bin, wem sie jetzt eigentlich  gebührt, die Ehre der Autorinnenschaft. Trotzdem schön zu sehen, dass es noch Familien gibt, in denen Eltern und pubertierende Kinder sich offenbar ganz  dufte verstehen. Übrigens: Welche Partei findet einseitige Indoktrination von Jugendlichen noch gleich solch ein Problem, dass sie jetzt überall Denunziations-Plattformen einrichten will, auf denen man Lehrer anschwärzen kann? Moment, gleich hab ich’s…

(Apropos Indoktrination: Im sächsischen Döbeln "sind Mitglieder einer Bürgerwehr […] im Rahmen der Schutzzonen-Kampagne der rechtsradikalen NPD jetzt auch vor dem Schulzentrum in Döbeln Nord aktiv geworden", indem sie Kinder auf dem Schulweg angesprochen und Flugblätter verteilt haben. Aha.)

Platz 3: Das geht mich an, das ist meine Heimatstadt
In selbiger haben Unbekannte Stolpersteine, die an die früheren Wohnorte jüdischer Bürger erinnern, mit Folie überklebt. Dabei waren "[die] angebrachten Folien […]im Design den Stolpersteinen gehalten, so dass die Manipulation auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen war." Nun bin ich da etwas zwiespältig. Wenn das schlichte Erinnern daran, dass irgendwo mal ermordete Mitmenschen gelebt haben, bereits solche Säuberungsreflexe auslöst – haben die 'Stolpersteine' dann nicht eigentlich ihren Zweck erfüllt, so als pain in the ass? Fragt sich nur, wann die irgendwann mit schwererem Gerät anrücken.

"'Volk' wird jetzt beim Reden und Schreiben so oft verwandt wie Salz beim Essen, an alles gibt man eine Prise Volk: Volksfest, Volksgenosse, Volksgemeinschaft, volksnah, volksfremd, volksentstammt." (Victor Klemperer, 1941)

Platz 2: Friedlich feierndes Folk und andere Gruseligkeiten

Hach, deutsche Leitkultur at it’s very best: SS-Tattoos und Hitlergruß gehören offenbar dazu. A bissel an Inderklatschen, Grapschen und Gewaltschnackseln anscheinend auch. Mei, so a Gaudi!  Aber auch woanders wurde wieder gut hingelangt. Etwa in Sebnitz, wo ein Syrer mit einer Eisenkette angegriffen wurde oder in Brandenburg an der Havel, wo Eltern allen Ernstes ein ausländerfreies Krankenhauszimmer für ihr Kind verlangten und und und...

"Die deutsche Haltung zum Araber ist eine eigentümlich ambivalente: Einerseits ist er, wenn es um Israel geht, als schuldlos in Bedrängnis geratener Lagerinsasse unserer umfänglichen Anteilnahme würdig. Wird der Araber aber gerade einmal nicht benötigt, um den Juden als Schergen und KZ-Wächter dastehen zu lassen, kann man ihn halb totschlagen, und eine deutsche Staatsanwaltschaft kümmert es einen Scheißdreck." (Stefan Gärtner)

Platz 1 und Ronny des Monats geht an:

Die Vereinigung 'Juden in der AfD'
Und zwar in der Kategorie 'Die allerdümnmsten Kälber / Wählen sich den Schlachter selber'. Natürlich würde ich Juden niemals als Kälber diffamieren wollen, wohl aber dezent darauf hinweisen, dass die Hoffnung, man könne Antisemiten durch Anpassung und patriotische Überkompensation irgendwie beschwichtigen, schon einmal gewaltig nach hinten losgegangen ist ("Ich steige nicht in diesen Lkw! Ich bin keiner von denen! Gucken Sie nochmal auf ihre Liste, ich habe immer die Guten gewählt!" - die letzten Worte, die von Bürger X überliefert sind). Wie ich auf die abenteuerliche Idee komme, in der AfD bewegten sich zumindest zum Teil Antisemiten? Nun, als der Zentralrat der Juden gegen die Gründung der preisgekrönten Veranstaltung protestierte folgte – ein antisemitischer Shitstorm. Kannste dir nicht ausdenken. Sagen wir so: Auch Luke Skywalker hat einst stur an der Idee festgehalten, es sei noch Gutes in Darth Vader. Dabei handelte es sich allerdings um Science Fiction.

Was den Ehrenronny des Monats angeht, erfülle ich mir diesen Monat ein langgehegtes Bedürfnis und verleihe ihn an:

Den unbekannten, unerschrockenen rechten Framer

Unermüdlich treibt er sich unter vielen Namen in den Kommentarspalten der großen Zeitungen herum. Etwa unter dem Pseudonym 'Mats Bergstroem' in der Frankfurter Rundschau. Und auch dort versäumte er es nicht, dem linksgrünversifften Kommentariat seine zwei Standardargumente unter die Nase zu reiben:

1. "Faschismus sehe ich eher bei Ihnen, Sie unterdrücken hier schließlich alles, was nicht in Ihr Weltbild passt."
2. "Gähn, haben Sie vielleicht auch Belege dafür, dass die AfD rechtsradikal ist?"

So viel Beharrlichkeit ist schon einen Ronny wert. Fürs Lebenswerk. Oder ist das am Ende bloß ein Bot?





4 Kommentare:

  1. Na ja, das Latein des Afd-gesteuerten Mädels (oder ihrer Mutter) ist ganz schön makkaronisch. Zum Großen Latinum wird´s wohl nicht reichen …

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    1. Romanes eunt domus! Überhaupt rappelt das Versmaß zwischendurch so derbe (nachzulesen hier), dass sie als Büttenrednerin im Kölner Karneval keine Chance auf einen Auftritt hätte...

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  2. @ »Die Vereinigung 'Juden in der AfD'«

    Man lese dazu die Erlebnisse jüdischer Kriegsteilnehmer nach 1918 bis 1933. Zum Teil hochdekoriert (was für ein Begriff!) und außerstande sich vorzustellen, daß ihr Einsatz fürs Vaterland nicht gewürdigt werden würde.

    Jetzt neu: Wie Beatrix von Storch um Muslime wirbt

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    1. Ziemlich genau an diese Zielgruppe hatte ich auch denken müssen. Man könnte noch ergänzen, dass Juden in Deutschland so integriert waren wie kaum irgendwo sonst auf der Welt - so viel zum Thema, vor was Integration einen im Zweifel schützt.

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