Sonntag, 8. September 2019

Pay Gaps


Hui, provokantes Eingangsstatement: Was haben Rechte und Feministinnen gemeinsam? Sie wissen immer sofort, wer schuld ist an ihrem Elend. Der Missstand, für den nicht Ausländer und/oder die Regierung Merkel bzw. die Männer verantwortlich sind, muss erst noch gebacken werden. Glauben Sie nicht? Zu heftig? Nun ja.

Nehmen wir das berühmte Gender Pay Gap. Das bedeutet, Frauen verdienten im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Dass das so pauschal gesagt schlicht Quatsch ist, konnte längst nachgewiesen werden. Das statistisch bereinigte Pay Gap bewegt sich im unteren einstelligen Prozentbereich. Dass Frauen in Spitzenjobs wie DAX-Vorständen tatsächlich sehr unterrepräsentiert sind, spielt dabei kaum eine Rolle, da Topverdiener dieser Liga bloß eine kleine Minderheit der Bevölkerung sind. Frauen sind auch in Berufen der Entsorgungswirtschaft sehr unterrepräsentiert, aber da belassen sie‘s interessanterweise bei Werbekampagnen und einem Women's Day. Kommt aber niemand auf die Idee, eine verpflichtende Quote zu fordern. Wieso?

Nun haben Kreuzzügler/innen sich noch nie für Fakten interessiert. Zumindest nicht für die, die ihnen lästig sind. Und so wird auch weiterhin der alberne Equal Pay Day begangen. Meistens in der Form, dass empörte Journalistinnen Zeitungen vollschreiben mit der Klage, was für ein Skandal es sei, dass Frauen immer noch ein Viertel bis Fünftel weniger verdienten als Männer.

(Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich als Mann sehr gern ein solch privilegiertes Leben als 21-Prozent-Mehrverdiener führen würde, wie es mir immer angedichtet wird? Egal.)

Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler etwas interessantes herausgefunden: Einer Studie zufolge werden in den USA immer weniger Ehen geschlossen, weil es einen Mangel an heiratsfähigen Männern gäbe. "Heiratsfähig" bedeute in diesem Zusammenhang einen festen Job zu haben und vor allem angemessen liquide zu sein. Im Schnitt 58 Prozent mehr als sie selbst müsse ein Mann im Schnitt verdienen, um von der durchschnittlichen Befragten für heiratenswert erachtet zu werden, so die Studie. Dieser Typ Mann scheint in letzter Zeit aber dünner gesät zu sein, also wird weniger geheiratet. Frau, so die Ableitung, will schließlich keinen Loser ehelichen.

Und wieder einmal sind wahrscheinlich die Männer schuld. Weigern sich aus purer patriarchaler Büberei, Karriere zu machen, um potenziellen Ehefrauen, die ja alles mindestens so gut können wie Männer, wenn nicht qua Doppel-X-Chromosom eh besser, ein angemessenes Einkommen zu bieten. Da hört sich doch nun wirklich alles auf.

(Moment mal! Habe ich das richtig verstanden? Ein Gender Pay Gap in Höhe von imaginierten 20 Prozent plus ist auf der Arbeit voll böse und Patriarchat und so, daheim darf es aber gern ein knapp dreimal so hohes Gender Pay Gap sein. Merkt ihr selber, ne?)

Na ja, 'Murica eben. Haha. Deutsche Frauen, top ausgebildete Feministinnen zumal, sind da gewiss ganz anders.






Kommentare:

  1. Bascha Mika,
    sollte sich mal die Liste der kognitiven Verzerrungen anschauen.
    Bin mir sicher, das auch Sie sich dort wiederfindet.

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  2. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass derartige Tage nur erfunden wurden, damit die Presse abseits des üblichen Getöses etwas zu kritzeln hat. Abseits solcher Equal-Pay-und-sonstwas-Tage ist es durchaus so, dass Frauen in identischen Berufen meist schlechter dran sind, wenn keine Tarifbindung herrscht und gegeben ist ebenfalls, dass sie in der Höhe des Gehalts/Rente durch Teilzeit und Unterbrechen der Arbeit durch Schwangerschaft und Kinder hintan stehen.

    Daran ändern in der Masse allerdings weder solche Tage noch künstlich herbeizelebrierte Quoten etwas, weil diese in Branchen mit hohem Frauenanteil wie Pflege, Reinigung usw. nicht zum Tragen kommen, sondern meist nur dort, wo sich das irgendwie verwursten lässt. Feminismus geht da für mich fehl, weil er auf diese Art in wenigen Potemkinschen Dörfern als Aushängeschild dient, während die meisten Frauen faktisch nichts davon haben. Um die Frauen kümmert sich so ein Tag auch nicht, die mangels Arbeit von Sozialleistungen abhängig sind und das trifft aus o.g. Gründen auch eher Alleinstehende und meist mit Kindern.

    Hinge statt Feminismus der Begriff Emanzipation drüber, fällt vielleicht auf, dass beim Verdienst neben Frauen z.B. auch anderweitige (real unbegründete) Gehaltsunterschiede existieren:

    Ost - West
    Stammbelegschaft - Leih-/Zeitarbeiter/Subunternehmen
    Deutsche - Migranten

    Den Fortschritt bei Frauenrechten und Gleichberechtigung am Punkt Gehalt festzumachen, ist ohnehin schwierig, denn da gilt durch die Bank: Gleiche Arbeit-gleiches Gehalt unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.

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