Samstag, 28. Oktober 2023

Vermischtes und Zeugs (LXV)


Ärztefortbildungen haben ja so einen gewissen Ruf weg. Auf Kosten eines Pharmaunternehmens ein Wochenende all inclusive im Wellnesshotel, zwischen zwei Golfründchen ein Stündchen Fachvortrag für die Fortbildungspunkte. Nein, nicht beleidigt sein, liebe Weißkittel, ich weiß, dass das Stereotype sind, die mit eurem harten Alltag nix zu tun haben. Andererseits: Lehrer hören sich auch seit Jahrzehnten an, im Prinzip bloß staatlich alimentierte Faultiere zu sein, die zwölf Wochen Urlaub im Jahr haben und wenn gerade keine Ferien sind, vormittags recht und nachmittags frei. Ist auch Quatsch.

Dass die sich im Erholungsurlaub befindliche Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nun auf dem bayerischen Zahnärztetag (gab es da Punkte?) einen Vortrag gehalten hat mit dem Titel "Formen, um zu performen -- Mein Change Management im Frauenfußball." bestätigte dann aber auch wieder aufs Schönste diverse Vorurteile, die über Ärztefortbildungen so kursieren.

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Sieht irgendwie so aus, als sei das dauernde Schuleschwänzen einigen Kids von FFF doch nicht so gut bekommen


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Wer wissen will, wie weit sich Antisemitismus in unsere Gesellschaft, die immer "Nie wieder!" als stolzes Banner vor sich hergetragen hat, inzwischen hineingefressen hat, braucht sich nur das dröhnende Schweigen der hiesigen Kulturszene anzuhören über die als Terrorwaffe eingesetzte sexuelle Gewalt der Hamas. Darunter von welchen, die sonst zu jedem Furz eine klare Meinung kundtun. Darunter Feministinnen und ihre allys, die jede unpassende Bemerkung zur Vergewaltigung umdeuten, Männer am liebsten ohne lästigen Prozess dafür einbuchten würden und die Unschuldsvermutung eher lästig finden, die auch sonst die absurdesten Vorwürfe unter dem Rubrum "Glaubt den Opfern!" für bare Münze nehmen und durch die Asozialen Hetzwerke jagen. Die sind auf einmal sehr skeptisch und mahnen zur Vorsicht, ergehen sich allenfalls in wolkigen Abstraktionen. Aber wenn Jüdinnen vergewaltigt werden, muss man das wohl irgendwie verstehen. Weil: Israel = Westen = böse | Palästina = vom Westen unterdrückt = gut. Geht doch nix über ein einfaches Weltbild.

Judith Butler rechnete übrigens schon 2006 Hamas und Hisbollah allen Ernstes der progressiven Linken zu. Und da wurde mir dann schlagartig klar, wieso sie als große Denkerin gilt. Um auf so einen Trichter zu kommen, ist nämlich in der Tat einiges an Denkarbeit nötig.

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Warum erinnert mich ein Satz wie: "Das Massaker der Hamas ist durch nichts zu rechtfertigen, ABER..." eigentlich so an: "Ich bin ja kein Nazi, ABER..."?

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"Linke wollen ihre Safe Spaces, Rechte sehen bei jedem Widerwort ihre Meinungsfreiheit angegriffen." (Hasnain Kazim)

Der Opernverein der Universität Cambridge ließ nunmehr verlauten, eine Aufführung von Händels Oratorium 'Saul' abzusetzen. Wegen der "»frappierenden Synchronizität« des Werkes mit der gegenwärtigen Situation im Nahen Osten", wie der Direktor verlauten ließ. Denn es "leben Menschen in unseren Colleges und Haushalten, die beim Anblick der sich entfaltenden Situation mit unvorstellbaren Schwierigkeiten konfrontiert werden". Was das heißen soll? Keine Ahnung. Aber immerhin wurde ein Klugwort wie 'Synchronizität' verwendet.

Geht man einmal davon aus, dass hinter der Absetzung die Befürchtung steht, sensible Palästinenser*innen mögen seelischen Schaden erleiden dadurch, könnte man darauf hinweisen, dass das fragliche Sujet zu einer Zeit angesiedelt ist, zu der es noch gar keine Muslime gab. Abgesehen davon ist es ja nichts brutal Ungewöhnliches, dass ein Kunstwerk zu gewissen Zeiten frappierende Parallelen zur Gegenwart aufweisen kann. Aber deswegen gleich absetzen? Müssten dann nicht alle Ölschinken, die irgendwie einen alttestamentarischen Bezug haben, aus den Museen entfernt oder zumindest a'la documenta 15 verhüllt werden, weil theoretisch welche bei diesem Anblick "mit unvorstellbaren Schwierigkeiten konfrontiert werden" könnten?

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Bald geht die große alljährliche Jahresend-Schokoladenhohlfigur-Empörung wieder los. Ich kann es kaum erwarten!

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'Alternative' Medien werden nicht selten von welchen gemacht, die gern Journalisten geworden wären, über ein bisschen schlecht bezahlte Lohnschreiberei, von der sie nicht leben können, aber nie hinausgekommen sind. Für diese Demütigung rächen sie sich, indem sie professionellen Journalisten in einer Tour erklären, wie Journalismus geht und dass sie eh alle bloß Mietmäuler und -federn des Kapitals sind. Erinnern ein bisschen an wamperte Co-Trainer vor dem Fernseher und im Stadion, die ihre Fußballkarriere damals verletzungsbedingt aufgeben mussten bzw. genau wissen, wer ihren großen Durchbruch damals verhindert hat, und jetzt allen erklären, wie man Meister wird.









2 Kommentare:

  1. FFF: Lügenpresse, Gehirnwäsche, verschwiegener Genozid. Kommt mir alles aus der Corona-Zeit und aus der AfD-Propaganda bekannt vor. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine deftige Verschwörungstheorie. Bekommen die Palästinenser nicht in unterirdischen Labors irgendwas abgezapft, was die Reichen und Mächtigen für ihre Unsterblichkeit brauchen?

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    1. Tja, so geht es wohl zu, wenn kreuzbourgeoise, privilegierte Kiddies sich für links halten.

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