Mittwoch, 31. Januar 2024

Vermischtes und Zeugs (LXXV)


Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hat jetzt den World Mayor Award der City Mayors Foundation zur Bürgermeisterin des Jahres 2023 bekommen, und zwar für "für ihren selbstlosen Einsatz für ihre Stadt und deren Bürger", wie es in der Laudatio heißt. Eine Kommunistin! Geht es wieder los? Ist das der neuerliche Beginn des Langen Marsches? Der Kulturrevolution 2.0? Werden sie uns wieder alles nehmen, uns enteignen und ins Gulag stecken, wo nur noch der heiße Atem der Kosaken uns wärmen wird? Linke, die sich selbstlos um reale Sorgen realer Menschen kümmern! Was kommt als nächstes? Pünktliche Züge bei der Deutschen Bahn?

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Mit Recht wird darauf hingewiesen, dass es für viele, die mit der AfD sympathisieren oder sie gar wählen, höchst unklug wäre, sie zu wählen, da das Programm der Partei, würde es umgesetzt, etliche soziale Zumutungen und Kürzungen bereithält, die weit über das hinausgehen, was andere fordern. Gerade Menschen, die die AfD wählen, weil sie um ihren gewohnten Lebensstandard fürchten und Abstiegsängste hegen, würden sich bloß ins eigene Fleisch schneiden. Die Axt an das Sicherheitsnetz legen, das sie auch einmal schützen könnte.

So hilfreich Prinzipien wie 'Follow The Money' oder 'It’s the economy, stupid!' mitunter sein können für die Analyse politischer und gesellschaftlicher Phänomene, sollte man nicht den Fehler machen, den Menschen zum bloßen homo oeconomicus einzudampfen. Ein Fehler, den Neoliberale und Neoklassiker über Jahrzehnte gemacht haben. Im Falle der Partei Analfissur für Druiden könnte man sagen, das Gefühl, ein Ventil für seine Wut und seinen Frust zu haben, überdeckt hier offenbar vieles andere.

Die meisten Menschen entscheiden eben nicht nur nach rationalen Erwägungen für oder gegen etwas, sondern aufgrund von Gefühlen und Affekten, und es wäre arg gaga zu glauben, für einen selbst gälte das nicht. Gerade neoliberal Tickende sollten das eigentlich wissen, haben sie es doch Jahrzehnte lang geschafft, dass Menschen dazu zu bringen, für die Illusion künftigen Wohlstands gegen ihre eigenen finanziellen Interessen zu wählen.

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Oskar Lafontaine ist letzte Woche der Partei seiner Frau Sahra Wagenknecht beigetreten. Fünf Jahre gebe ich dem Verein noch.

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O Schreck und Graus! Ganz bald schon könnte der Weltuntergang über Fußball-Deutschland kommen. Mindestens. Das Bundeskartellamt hat die neue Ausschreibung der DFL für Senderechte genehmigt, die erstmals mit der 'No single buyer'-Regel bricht. Bundesligafreunde können sich also darauf freuen, dass eventuell ein Abo für alle Spiele ausreicht. Das könnte bedeuten: Die Bundesliga-Zusammenfassung in der 'Sportschau' am Samstag um 18:30 Uhr wäre am Ende. 19:15 Uhr wäre dann der frühestmögliche Sendetermin. Damit die Pay TV-Sender ihre Exklusivität behalten, wie es heißt. Man male sich das aus: Samstag ohne Sportschau und anschließende Tagesschau. Denn die steht unverrückbar fix um 20:00 Uhr.

Damit wäre ein Prozess einen Schritt weiter, der in den Neunzigern seinen Anfang genommen hat. Damals wurde seitens der Vermarkter und der ersten Pay TV-Sender argumentiert, ein Fußballspiel sei keine öffentliche, sondern im Prinzip eine privatwirtschaftliche Veranstaltung. Das kann man ärgerlich finden.

Man könnte dann sagen: Wenn schon Privatwirtschaft, dann bitte richtig. Wenn die Veranstalter alles für sich wollen, dann sollen sie auch bitte alle Kosten übernehmen. Die vollen Personalkosten für Polizei und Feuerwehr, für Sonderzüge und zusätzliche Öffis an Spieltagen, sie mögen zur Kasse gebeten werden, wenn Kommunen in die Infrastruktur um die Stadien investieren und so weiter. Und wenn krisengeschüttelte Clubs Bürgschaften und Notkredite brauchen, dann mögen sie bittesehr zur Bank gehen oder bei der milliardenschweren DFL anklopfen, anstatt bei Kommunen und Ländern angeschissen zu kommen.

Oder man entspannt sich mal und guckt die Sportschau fürderhin erst um 19:15 in voller Länge in der Mediathek. Ich meine, hey, dieses Land hat immerhin den Verlust von 'Wetten, dass…?' verkraftet.

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Ja watt denn nu?




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Nicht nur der Begriff der Freiheit wurde von Rechten okkupiert, sondern auch der des Mutes. Man feiert und heroisiert sich als irre mutig, weil man sich als Teil einer kleinen Schar von Aufrechten sieht, die sich wie einst Leonidas und seine Spartaner bei den Thermopylen dem quasi unvermeidlichen Untergang Deutschlands entgegenstemmen. Und weil man angeblich 'unbequeme Wahrheiten' ausspricht, die der 'linksgrüne Mainstream' nicht hören will. Dabei sind die meisten bloß rückgratlose Lappen, die im Schutze der Masse oder der Anonymität agieren. Konfrontiert man sie direkt, verfallen sie in weinerliches Opfergeheule.

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Brüller des Tages: Warum war noch kein Veganer auf dem Mond? Weil er da niemandem erzählen kann, dass er Veganer ist *schenkelzertrümmer*.










4 Kommentare:

  1. „ Die meisten Menschen entscheiden eben nicht nur nach rationalen Erwägungen für oder gegen etwas, sondern aufgrund von Gefühlen und Affekten, und es wäre arg gaga zu glauben, für einen selbst gälte das nicht.“ - Bei mir im Blog in den Kommentaren habe ich eine längere Diskussion mit einem AfD-Wähler geführt. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil er sich in einem AfD-unfreundlichen Umfeld als solcher geoutet hat. Ich fand die Argumente interessant, es ist eine Mischung aus Fakten und Emotionen, die zur Wahlentscheidung führen. Kurz gesagt ist er wütend auf die Regierung („Altparteien“) weil er sie übergriffig und autoritär findet (Zwang zur Impfung, Zwang zur Heizung etc.) und vermischt das mit den üblichen Narrativen von Medien, Wirtschaft und Justiz, die doch alle irgendwie unter einer Decke stecken. Die AfD ist für ihn die Partei, die damit mal ordentlich aufräumen soll …

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  2. Wie viele Millionen Bürger Ostdeutschlands haben nach 1990 von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe gelebt? Sie waren „Sozialschmarotzer“ im Jargon der AfD. Und ausgerechnet sie wählen jetzt die Partei, die den Sozialstaat massiv zusammenkürzen will. Die dümmsten Kälber …

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  3. Äh … bei des Hausherrn Getränkemarkt gibts Leffe Blonde und Grimbergen in Gebinden > 1 Flakon („Flaschen“ mag ich diese 0,3l-Tränenamphorchen nicht nennen)? Ich bin neidisch.
    An dieser Stelle sei mal das alkoholfreie Leffe empfohlen, das ist dank feiner Aromatik was ganz eigenes und schmeckt tatsächlich nach (belgischem) Bier. Habe ich nur noch nicht diesseits der Beneluxgrenzen gesehen.

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    1. Einen halben Meter höher gibt es auch noch La Trappe, Chimay, Kriek und La Chouffe. Auch z.T. in 0,7- oder Liter-Gebinden.

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