Freitag, 10. Juni 2016

Streifzüge (1). Man viewt wieder public


Ist man es wie ich gewohnt, mehrmals in der Woche zu schwimmen und alle kürzeren Wege mit dem Rad zu erledigen und haben die Ärzte einem genau das untersagt, dann tut man gut daran, sich möglichst jeden Tag zu einem längeren Fußmarsch aufzuraffen. Anderfalls drohen schnelles und komplettes Einrosten sowie ein Platz in den Top Ten beim Jabba The Hutt-Ähnlichkeitswettbewerb. Ein paar Kilometer per pedes fördern zudem den Heilungsprozess (wegen Kreislauf) und tun insgesamt der Stimmung gut. Gestern etwa waren sie vor dem Rathaus in den letzten Zügen des Aufbaus der Public Viewing-Arena für das ab heute dräuende Wettkicken.

Dienstag, 7. Juni 2016

The Gypsum King


Einmal ist halt immer das erste Mal. So konnte mein Gerippe trotz etlicher, teils heftiger Stürze auf fast 50 bruchlose Jahre zurückblicken. Bis gestern. Stolperkante erwischt und den Landeanflug verpatzt. Erst gedacht: Nur ein Kratzer, wird schon wieder. Wurde aber nicht. Heute früh daher das volle Programm. Röntgen, CT, Diagnose, Gips. Nun ja, das Gerüst ist wohl nicht mehr so elastisch wie einst. Und so ein Handgelenk gehört zu den eher komplexeren Baugruppen im Stützapparat, wenn ich die heilkundige Frau von der Chirurgie, wo man mich verstrahlt und verputzt hat, richtig verstanden habe. Glück im Unglück: Es war ein Arbeitsunfall.

Sonntag, 5. Juni 2016

Kontinuitäten


Sieh an, dachte ich, als ich jüngst über die Kunstfigur des BWL-Studenten Justus stolperte, es gibt sie also offenbar immer noch, diese Typen, die einen reflexhaft zur Marx-Engels-Gesamtausgabe greifen lassen, und die sich kein bisschen verändert zu haben scheinen seit damals. Hauptberufliche Söhne und Töchter, deren von jeglichen materiellen Sorgen freies Leben eine einzige Party zu sein schien. Am 18. kamen sie mit geschenktem Auto zur Schule (auf dem Wagen pappte bereits vor der Zulassung ein Sylt-Aufkleber), trugen schon in den Achtzigern Kaschmirpullover locker um die Schultern geschlungen und interessierten sich ausschließlich für Dinge, die man kaufen kann, und zwar möglichst teuer.

Freitag, 3. Juni 2016

Schmähkritik des Tages


Heute: Maxim Biller über Thomas Mann

"[...] Es geht ja auch gar nicht um Thomas Mann, sondern darum, warum dieser schlechte Schriftsteller, der besser ein Parfumeur geworden wäre, heute in Deutschland so populär ist. Die Leute machen nur den zu ihrem Gott, in diesem Fall zu ihrem literarischen Gott, in dem sie sich wiedererkennen können. Und in wem erkennen sie sich da wieder? In einem karrieristischen Bürger, der vollkommen unehrlich mit seiner sexuellen Orientierung umgeht und heimlich die Juden hasst, sich aber natürlich irgendwann nicht mehr traut, das offen zu schreiben, außer in seinen Tagebüchern, und der eines Tages auch noch beschließt, nicht mehr Monarchist und Extrem-Nationalist zu sein, sondern für die Republik zu sein, der also über Nacht bei seiner politischen Orientierung völlig umschaltet und plötzlich ein Verfassungsdemokrat wird. Das ist ganz einfach die Geschichte von 90 Prozent der Deutschen nach dem Krieg. Deshalb ist er für sie ein Gott." (taz, 31.5.2016)

Dienstag, 31. Mai 2016

Antirassismus im Sonderangebot


Es ist mittlerweile Routine, und sie geht ungefähr so: AfD-Grande lässt einen grenzwertigen Spruch fahren, worauf reflexhaft allgemeine Empörung von Medien und Netzöffentlichkeit einsetzt, plus der obligatorische Shitstorm. Es folgt das große dementier- und relativier-Limbo des übrigen Parteipersonals u.a. mithilfe z.T. hanebüchener bis peinlicher Erklärungen (Missverständnis! Unterstellung! Hatter nie gesagt! Mit der Maus ausgerutscht! Boateng ist voll super!). Das ist aber egal, weil es darum, und nur darum geht, Aufmerksamkeit oben zu halten und der mehr oder minder latent rassistischen Kernklientel zu signalisieren: Bei uns seid ihr richtig. Zwinker, zwinker, wir verstehen uns.

Sonntag, 29. Mai 2016

Pussies und Mullahs


Wir sind, wie Tom W. Wolf sehr richtig bemerkte, schon arge Pussies. Während französische Gewerkschafter der Welt gerade zeigen, wie man sich gegen ein als Reform getarntes Verarmungsprogramm wehrt, heulen bei uns nicht eben wenige schon herum, wenn mal ein paar Züge ausfallen. Ei, des gehd doch ned! Mer müsse doch schaffe. Weddbewebbsfähisch bleibe. Des gehörd doch verbohde, so was! Pussies sind die Deutschen, zumindest die deutschen Männer, ja angeblich auch, weil sie kollektiv zu Weicheiern geworden sind, die jetzt, da nordafrikanische Grapscher und Antänzer in Kohortenstärke ihr Unwesen treiben bei uns, nicht mehr in der Lage sind, ihre Frauen angemessen zu verteidigen. Also rumheulen, anstatt auch mal nen Satz heiße Ohren zu verteilen. Ey, machsu meine Ische an oder was? Isch mach disch Krankenhaus!

Donnerstag, 26. Mai 2016

Zwölf Thesen zur Wahl vom Sonntag (2)


(Fortsetzung von Teil 1

7. Die bürgerliche Selbsttäuschung, so schlimm werde es schon nicht kommen, ist hochgradig gefährlich.

Man kann Georg Diez gar nicht genug zustimmen. Die bürgerliche Indifferenz, die Trägheit, die fehlende Entschlossenheit, die liberale Demokratie zu verteidigen, der vermessene Irrglaube, man könne eh nichts machen und so schlimm werde es schon nicht kommen, war im 20. Jahrhundert schon einmal fatal und droht es gerade wieder zu sein. Anders gesagt: Faschisten brauchen für ihren Aufstieg neben einer zerstrittenen, uneinigen Linken vor allem ein feiges, versagendes Bürgertum.

Dienstag, 24. Mai 2016

Zwölf Thesen zur Wahl vom Sonntag (1)


Natürlich gibt es gute Gründe, erleichtert zu sein (und ich bin es auch), dass der parteilose, aber von den Grünen unterstützte Alexander van der Bellen um Sackhaaresbreite noch österreichischer Bundespräsident geworden ist und nicht Norbert Hofer von der FPÖ. Allerdings ist die Angelegenheit zu knapp ausgegangen, als dass wirklich Grund zur Freude bestünde. Das ist eine Ansage, ein Ausrufezeichen, das allen übrigen Kräften in Europa als allerletzte Warnung dienen sollte. Wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn Ex-Kanzler Faymann nicht noch vor der Stichwahl zurückgetreten wäre.

Eine ganze Menge geht einem da durch den Kopf. Klar, die Sache ist ja auch ungeheuer vielschichtig. Einfache Erklärungen verbieten sich. Bruch- und Konfliktlinien, Unterschiede und Gemeinsamkeiten allerorten. Nicht weniger als zwölf mehr oder weniger zusammenhängende Thesen sind die letzten Tage so zusammengekommen bei mir. Vieles vielleicht vorläufig, ungeordnet und nicht ins Letzte ausgefeilt, teilweise vielleicht gar nicht mal sonderlich originell und überwiegend auf Österreich und Deutschland beschränkt. Work in progress eben. Man verstehe es also mehr als Selbstbedienungsladen, als gedanklichen Steinbruch. Viel zu lesen ist es allemal. Damit es keine Bleiwüste wird und nicht ganz so eitel rüberkommt, in zwei Teilen.

Freitag, 20. Mai 2016

Gewollt, nicht gekonnt (3)


Seit einiger Zeit lässt ein Saunaclub aus dem Rheinländischen aggressiv die Plakatwände dieser Gegend vollplakatieren ("Mama, was ist ein Saunaclub?" - "Da geht man hin, um zu schwitzen." - "Hä? Schwitzen ist doch voll doof. Warum geht man da extra hin?" - "Weil das gesund ist." -  „Wieso?“ - "Frag Papa."). Klar, auch dem minimalst aufgeklärten Passanten erschließt sich sofort, dass bei einem Besuch dieses Etablissements die Benutzung eines finnischen Schwitzbades zwar eine Option, aber eher zweitrangig sein dürfte. Dafür sind die Goldlettern einen Tick zu fett und zu glöööklerhaft, die beiden im Portrait abgelichteten Models (Angestellte?) einen Tick zu nuttig zurechtgemacht. Das ganze Teil atmet neureiches Ludengeprotze. Wie eine getunte Corvette C4. Oder ein Benz-Coupé mit güldnen Speichenfelgen.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Die Quotenmänner sollen's richten


Es ist gut dokumentiert und schwer zu bestreiten, dass es in Spitzen- und Führungspositionen einen deutlichen Männerüberhang gibt. Daraus aber nun zu schließen, Männer verdienten immer und überall mehr Geld als Frauen und seien auch sonst privilegiert wie nur was, ist hanebüchener Kokolores, der auch durch jahrzehntelanges, stoisches Wiederholen nicht richtiger wird. Gereon Asmuth fällt anscheinend immer noch darauf herein, wenn er behauptet, das treffe besonders auf Berufe zu, die :

Montag, 16. Mai 2016

Vermischtes. Mit Bilders.


Veranstaltungshinweis

Letzten Samstag gastierte die niederrheinische Pink-Floyd-Tribute-Band 'Meddle' im örtlichen, dicht gepackten (und gut geheizten) soziokulturellen Zentrum. Schon im letzten Jahr hatten sie mich mit ihrem Auftritt entzückt, bei dem unter anderem 'Dark Side Of The Moon' komplett gegeben wurde. Dieses Jahr wieder waren sie wie versprochen wieder da und spielten neben anderem 'Wish You Were Here' vollständig. Die Musiker beherrschen ihr Handwerk derart gut, dass man, die Augen geschlossen, zwischendurch fragen möchte: "Sind Sie das, Mr. Gilmour?" Nach knapp drei Stunden wundervoller Musik für gerade man einen Zehner verlässt man schweißnass und beseelt den Ort des Geschehens und guckt ringsumher in ausnahmslos glückliche Gesichter. Herzwärmend. So muss das.

Freitag, 13. Mai 2016

Car Crash TV mit Frau S.


Mist, jetzt hatte ich gedacht, die Ronnys des aktuellen Monats so weit abgefrühstückt zu haben und sogar geglaubt, es kehrte ein wenig Ruhe ein, da grätschen mir die Kollegen von GWUP schnöde dazwischen und machen mich auf Stephanie Schulz aufmerksam. Eigentlich könnte ich mich entspannt zurücklehnen im Bewusstsein, die sichere Trägerin des nächsten ersten Preises schon mal im Sack zu haben, aber ich kann nicht. Ich will diesen Fund der Welt nicht so lange vorenthalten, denn die ist einfach zu gut. Man geht wohl nicht zu weit, die sauerkrautblonde Lady den Mensch gewordenen feuchten Traum eines jeden Reichsbürgers und national Gesinnten zu nennen. Für alle übrigen dürfte sie eine schwer zu beschreibende Mischung aus gebleichter Prinzessin Leia, BDM-Führerin mit Tourettesyndrom und Blondinenwitz sein.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Ronny des Monats - Mai 2016


Geübte Leser wissen es. Die zweite Woche eines jeden Monats ist Ronny-Zeit. Wobei ich dieses mal sagen muss, doch ein wenig enttäuscht gewesen zu sein. So richtig üble Kracher waren gar nicht dabei. Klar, es wird mal ein Demonstrant am Rande einer Demo aufgemischt und ich will das gewiss nicht verharmlosen, aber ich habe den Eindruck, da ging schon mal mehr. Was ist los? Lasst ihr nach oder verheimlicht die Pinocchiopresse uns am Ende was? Ja, es gab sogar echte Lichtblicke zu verzeichenen, wie die Verurteilung von Pegida-Mastermind Lutz Bachmann wegen Volksverhetzung. Der sächsischen Justiz wäre auch anderes durchaus zuzutrauen gewesen ("Wio lössen üns vom lings fo-siwwden Wesden nich vorschreiben, wie...").

Trotz allem hat es auch diesen Monat natürlich wieder für fünf Preisträger und einen Sonderpreis gereicht (wie gehabt, verweisen mit * versehene Links in die Untiefen von Facebook):

Sonntag, 8. Mai 2016

Großes Margot-H.-Nachruf-Bullshit-Bingo


"unbelehrbar"
"bis zuletzt"
"Unrechtsstaat"
"Unrechtsregime"
"eisern"
"mit eiserner Hand"
"Ideologin"
"Hardlinerin"
"starrsinnig"
"starrköpfig"
"verblendet"
"verbohrt"
"Realitätsverlust"
"realitätsfern"
"betonköpfig"
"bis zum Schluss"

Hab ich was vergessen?

Freitag, 6. Mai 2016

Schöner Scheitern


Ein gewisser Johannes Haushofer hat letztens ein wenig für Furore gesorgt, indem er einen Lebenslauf von sich veröffentlicht hat. In dem hob er nicht, wie üblich, seine Schokoladenseiten hervor, sondern listete all das auf, was so schief gegangen ist in seinem Leben. Sein Resümee: "Das meiste von dem, was ich angehe, scheitert." Sein Job: Professor in Princeton. Sein Ziel: Leuten Mut machen. Seht her, auch ich koche nur mit Wasser. Mir geht es letztlich auch nicht anders als euch. Keine uncharmante Idee auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist das eine ziemliche Frechheit.

Dienstag, 3. Mai 2016

Fast wie beim Schweden


Wenn ich Zeit habe und mich die Sehnsucht nach handfestem Essen und Hausmannskost überkommt, dann schaue ich gern mal bei Krümmel in Bochum vorbei. Kennt fast jeder in der Gegend. Ein Metzgerei-Werksverkauf, der direkt an der A 40, im alten Schlachthof untergebracht ist. Kommt man nicht mitten in der Nacht (geöffnet ist ab fünf in der Früh), dann sollte man Geduld mitbringen, erst recht an einem Tag wie heute. Donnerstag ist Feiertag, da wollen viele nach dem Sauwetter der letzten Wochen endlich die Grillsaison einläuten. Sich mit Grillgut für mehrere hundert Gäste zu bevorraten, ist kein Problem hier. Genau das scheinen nicht wenige vorzuhaben. Mir schwant schon Böses, als ich kaum auf den Parkplatz komme. Nichts geht mehr. Parken ist nur, wenn einer rausfährt. Das dauert. Schon Herbert Knebel wusste, dass die allerschlimmste unter den Schlangen die Wurstthekenschlange ist.

Samstag, 30. April 2016

Strudel der Mitte


"In Gefahr und höchster Not bringt der Mittelweg den Tod." (Friedrich von Logau)

Tempi passati

Möglicherweise bin ich ja familiär vorbelastet. Vor zwanzig Jahren wanderte meine Tante von Sri Lanka kommend, mit ihrer jüngeren Tochter nach Großbritannien ein. Nachdem sie Anfang der Siebziger eine Zeit in London, wo sie ihren Mann kennen gelernt hatte und in Oxford gelebt hatte, war sie mit ihm in seine Heimat Sri Lanka gezogen. 15 Jahre später war die Ehe am Ende. Sie nutzte die Chance, dass ihre Tochter in London studieren wollte und machte sich vom Acker, zurück nach Oxford. Beide hatten neben der ceylonesischen die deutsche Staatsbürgerschaft behalten und daher als EU-Bürgerinnen Anspruch auf Sozialleistungen. Es war übrigens das von John Major verwaltete post-Thatcher-Großbritannien, nur zur Information.

Dienstag, 26. April 2016

Ja, ist es denn...?


Da hört sich doch nun wirklich alles auf! Dieser verfluchte Dirk Roßmann! Der ist bekanntlich einer der Großdrogisten der Nation und liefert sich den üblichen Kosten- und Preisdumping-Wettbewerb gegen die buckligen Wettbewerber, vor allem dm und Müller. Jetzt haben investigative Reporter des 'stern' herausgefunden, dass dieser Haderlump es doch tatsächlich wagt, über eine Fremdfirma Undercover-Leute einzusetzen, um die Preise der Konkurrenz auszukundschaften. Schockschwerenot, was für ein Scoop! Spiegel-Affäre? Anfänger! Watergate? Ein Schiss dagegen!

Samstag, 23. April 2016

Also schön: 'In eigener Sache'


Normalerweise schätze ich diese Grundsatzartikel Marke 'In eigener Sache' ("Warum ich blogge", "Wie ich die Welt und das Schreiben begreife" etc.) nicht sonderlich und bin da eher sparsam. Erstens läuft so was für meinen Geschmack allzuoft bloß auf eitle Selbstbespiegelung hinaus und ist meist auch grottenlangweilig zu lesen. Zweitens denke ich, dass man sich als Schreiberling ein Armutszeugnis ausstellt, wenn man meint, sich andauernd großartig erklären und immer wieder nachlegen zu müssen. Wenn man es jenseits von Fiktionalem und Philosophischem nicht hinbekommt, sich den geneigten Lesern in seinen Beiträgen einigermaßen klar zu machen, dann sollte man halt sehen, wie man das verbessern kann, eventuell schauen, wie andere das machen oder es vielleicht sogar lieber ganz bleiben lassen.

Freitag, 22. April 2016

Putting things into perspective


Re: "Hilfe, wir werden islamisiert!"

"Erstmals hat die Schulbehörde alle 338 staatlichen Hamburger Schulen nach Schulpflichtverletzungen mit religiösem Hintergrund gefragt. […] Obwohl die Hälfte der 180.000 Hamburger Schüler Migrationshintergrund hat, gibt es nur sehr wenige Konfliktfälle. [...]
Seit 2013 haben von über 150.000 Schülern auf Klassenfahrt nur 85 Eltern die Teilnahme verweigert. In 40 dieser Fälle hat die Schulbehörde die Teilnahme durchsetzen können. Unter den verbliebenen hartnäckigen Verweigerern machten weniger als zwei pro Jahr religiöse Motive geltend. Das sind 0,004 Prozent. […]
Muslimische Mädchen dürfen beim Schwimmunterricht einen Ganzkörper-Anzug ('Burkini') tragen. Aus dem gemeinsamen Sportunterricht von Jungen und Mädchen wurden keine Probleme gemeldet. […]
In den letzten drei Schuljahren haben nur drei Schülerinnen darauf bestanden, ihr Gesicht zu verschleiern. Die Schulbehörde hat in allen Fällen das Verschleierungsverbot durchgesetzt."

(MoPo, 17.04.2016, Dank an tammox)

Mittwoch, 20. April 2016

Rücksicht ja, Ehrfurcht je nach dem


Vor alten Menschen, heißt es, müsse man besonderen Respekt haben. Gut, ich finde es wichtig, unter anderem auf Menschen, denen das Alter bereits sichtlich zusetzt, besondere Rücksicht zu nehmen. Ihnen nach Möglichkeit einen Sitzplatz anbieten, sich im Supermarkt in der Schlange mit einer gewissen Langmut wappnen. Das hat etwas mit Zivilisiertheit zu tun und allgemein damit, dass durch solche kleinen Gesten das Leben einfach erträglicher wird. Außerdem weiß niemand, man selbst eingeschlossen, wann und wie es einen dereinst selbst erwischen wird und man selbst auf Freundlichkeit und Rücksicht der Mitmenschen angewiesen ist. Kann im Zweifel schneller gehen als man denkt. Vanitas. Memento mori and that jazz.

Sonntag, 17. April 2016

Verkloppt


Zum Sport: Als Fan von Borussia Dortmund tut man nach dem letzten Donnerstag gut daran, sich auf ein paar weniger spektakuläre Jahre einzustellen. Titel wird es bis auf weiteres keine geben, weil die Mannschaft wohl komplett neu aufgebaut werden muss.

Gegen Liverpool wollte Tuchel auf Nummer sicher gehen und ließ im Derby gegen Schalke etliche Leistungsträger auf der Bank. So kam der BVB über ein Remis nicht hinaus und verspielte damit die letzte theoretische Chance auf die Meisterschaft. Und dann kam die Nacht von Anfield, in der Jürgen Klopp demonstrierte, was ihn immer noch zu einem herausragenden Trainer macht: Seine Gabe, in einer Mannschaft und bei den Zuschauern nie geglaubte Energien freizusetzen, einem in allen Belangen überlegenen Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen und magische Nächte zu schaffen, über die man noch in 50 Jahren spricht. Genau dafür ist man Fußballfan und dafür lieben sie ihn in Dortmund noch immer. Als Kloppo vorletzte Woche seine alte Wirkungsstätte zum Auswärtsspiel besuchte, reagierte die Vereinsführung ungewohnt humorlos und verschnupft auf die Liebesbekundungen der Fans. Ob man ahnte, was passieren könnte?

Freitag, 15. April 2016

Richtige Entscheidung


(Auch wenn das bedeutet, Frau Merkel und die CDU zu verteidigen.)

Die jetzt angesichts der Entscheidung der Bundesregierung, ein Strafverfahren gegen Jan Böhmermann wegen Verunglimpfung eines ausländischen Staatsoberhauptes zuzulassen, Schaum vor dem Mund haben, sollten in ihrem Furor ("unerträglicher Kotau!", meinte Frau Wagenknecht), vielleicht die Möglichkeit ins Auge fassen, es mit Rechtsstaat und Demokratie nicht allzu genau zu nehmen. Als juristischer Laie erlaube ich mir die Behauptung: Die Regierung hatte kaum eine andere Wahl. Weil es bei uns eben genau nicht zugeht wie bei Erdogan oder bei Berlusconi. Richtig gelesen, ich nehme Frau Merkel gegen Frau Wagenknecht in Schutz; den heutigen Tag also bitte rot im Kalender markieren und sämtliche diplomatischen Beziehungen abbrechen.

Dienstag, 12. April 2016

Ronny des Monats - April 2016


So, Herr Erdogan, Herr Böhmermann, jetzt gehen Sie mal kurz zur Seite! Es ist nämlich Zeit für die allmonatliche Ronny-Verleihung. Wenngleich der ganz große Kracher seit der letzten Verleihung ausgeblieben ist, war die Bewerberszene wieder einmal so fleißig, dass ich mich schweren Herzens durchringen musste, einige nicht in die engere Wahl zu nehmen. Cathleen Martin etwa. Die ist sächsische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft und hat die Faxen dicke. Weder kann sie verstehen, wieso alle immer so voll gemein auf der sächsischen Polizei herumhacken, noch wieso es ein Problem sein soll, dass sie das in einem Interview mit der 'Jungen Freiheit' äußerte. Die Frau ist in ihrem ganzen echten oder gespielten Nichtwissen inzwischen einfach zum kotzen durchschnittlich.

Sonntag, 10. April 2016

Vor Verehrern wird gewarnt


Als Harald Schmidt seine besten Zeiten hatte, war ich zwischen 20 und 30 und fand ihn genial. Ältere Generationen schüttelten nur verständnislos den Kopf. Wie man einen solchen Zyniker nur gut finden könnte, hieß es ein ums andere Mal. Für mich damals klarer Fall von Vergreisung, nix verstanden. 20 Jahre später geht es mir jetzt ähnlich mit Jan Böhmermann. Vor allem Zwanzig- bis Dreißigjährige finden ihn großartig. Ich habe ein, zwei mal versucht, seine Sendung bis zum Ende anzuschauen und fand es vor allem anstrengend. Klarer Fall von Vergreisung. Man tut aber gut daran, das nicht für den Untergang der Zivilisation as we know it zu halten, sondern für ziemlich normal. Das Alter.

Freitag, 8. April 2016

Großes Kino


Mo Asumang war mir vor Ewigkeiten einmal aufgefallen als Moderatorin der Sendung 'Liebe Sünde'. Eines dieser Formate aus der Frühzeit des Privatfernsehbooms über allerlei Sexuelles, das zumeist eine penetrante "Hach, was sind wir doch alle abgeklärt, urban und so erwaaachsen!"-Attitüde verströmte. Dann begegnete mir ihr Name letztens in einem Prospekt. Im örtlichen Multiplex wurde auf Einladung der Ortsgruppe der Linken ihr preisgekrönter Dokumentarfilm 'Die Arier' gezeigt, danach sollte es eine Diskussion mit ihr geben. Den Termin hatte ich mir - hihi! - rot im Kalender markiert, doch leider hatte mich kurz zuvor ein infamer Infekt auf die Couch gezwungen.

Dienstag, 5. April 2016

Peinliche Papiere


Den Journalisten, die jetzt die Panama Papers an die Öffentlichkeit gebracht haben, kann man handwerklich keinen Vorwurf machen. Sie haben offenbar einen Scoop im klassischsten Sinne des Wortes gelandet und scheinen dabei vielleicht nicht alles, aber doch wohl etliches richtig gemacht. Und machen gleich schon wieder alles falsch, indem sie diese Enthüllungen einseitig vor den Anti-Putin-Karren spannen. Es liegt mir fern, den Mann gegen irgendwas bzw. vor irgendwem in Schutz zu nehmen, aber die Vorstellung, dass Putin der finstere Mastermind der internationalen Finanzkriminalität sein soll, der bei weitem schlimmste Finger des 'guten' Westens hingegen der Fußballer Lionel Messi, ist schlicht grotesk.

Sonntag, 3. April 2016

Drama im Schwimmbad


Warum links zu sein manchmal wirklich nicht schön ist

Ähnlich öffentlichen Verkehrsmitteln, scheinen Schwimmbäder eine Art Mikrokosmos zu sein, in dem gesellschaftliche Entwicklungen sehr zugespitzt sichtbar werden. Schenkt man der taz Glauben, dann wird ein an sich simples Vorhaben wie das, schnöde eine Runde schwimmen zu gehen, mehr und mehr zur echten Herausforderung. So gab es Ende letzten Jahres kurzzeitig Unruhe, weil eine schwarze Trans* Person, äußerlich ein Mann, jedoch als Frau empfindend, von Angestellten aufgefordert wurde, die Damenumkleide zu verlassen. Das Personal, durchaus nicht völlig unsensibel oder unkooperativ, bot der Person an, ihre Garderobe in der Behindertenumkleide zu richten, dort sei Platz und niemand anders habe Zutritt. Woraufhin erst richtig Zoff war in der Bude, denn eine Trans* Person zu behandeln wie eine Behinderte, das geht nun wirklich gar nicht.

Mittwoch, 30. März 2016

Hüben und drüben


Für die britische Medienlandschaft gilt im Besonderen die alte Weisheit, dass wo viel Licht ist, auch viel Schatten ist. Die Tabloid- und Klatschpresse dort lässt nicht wenige der hiesigen Druckerzeugnisse aus diesem Sektor aussehen wie kritische Intellektuellenblätter. Dafür existiert dort andererseits eine Qualitätspresse, die diese Bezeichnung in Teilen durchaus verdient. Das liegt vor allem daran, dass es in Großbritannien ein Königshaus gibt. Das ist am ehesten das, was wir Obrigkeit nennen. Alle anderen, Abgeordnete, Minister, Polizisten, Bürgermeister etc., sind lediglich Angestellte der Bevölkerung, die vom Volk bezahlt werden, die auf Zeit gewisse Befugnisse verliehen bekommen und sich deswegen jederzeit und ohne zu murren kritischen Fragen zu stellen haben.

Sonntag, 27. März 2016

Ostereier


Ostern - Zeit für Fundstücke.

Kennen Sie dieses vage, aber doch irgendwie sichere Gefühl, wenn Dinge langsam ihren Zenit überschritten haben und es immer nur noch peinlicher wird? Zum Beispiel die Mode, Friseurgeschäften krampfhaft originelle Namen aus dem siebten Kreis der Wortspielhölle zu verpassen...

Donnerstag, 24. März 2016

Högschd intransparent


Eine Quizfrage, mit der man auch Fußballexperten in Verlegenheit bringen kann, lautet: Welche drei Nationalspieler wurden bislang von einer Fußball-WM wegen unangemessenen Verhaltens vorzeitig nach Hause geschickt? Zwei Namen sind zumindest den Älteren meist noch geläufig: Da war einmal Uli Stein, der 1986 wegen Benutzung des Wortes "Suppenkasper" die frühe Heimreise antreten musste. Dann war da noch Stefan Effenberg, der 1994 den Stinkefinger zeigte, und dem der Nachfolger des Suppenkaspers darob das gleiche Schicksal angedeihen ließ. Der dritte? Da herrscht meist Ratlosigkeit. Ist auch kein Wunder, denn man muss ganz weit zurückgehen. Bis zur Weltmeisterschaft 1934 in Italien, um genau zu sein.

Dienstag, 22. März 2016

Je suis was auch immer


Über 30 Tote, über 230 Verletzte. Das ist furchtbar. Der einzige Fehler, den diese Menschen gemacht haben, war, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Die Politik reagiert inzwischen routiniert. Angriff auf uns alle. Auf unsere Werte. Unsere Art zu leben. Die Einschläge kommen also näher. Die Anschläge auch. Jetzt sind wir nicht mehr nur Charlie, sondern auch Brüssel. Komisch, die Aufrufe, gefälligst Ankara zu sein, fand ich letztens deutlich verhaltener. Wir bombardieren den IS, der IS bombt zurück. Nur eben nicht mit Flugzeugen. So einfach und so grausam ist es. Man legt uns Bomben unter den Arsch und wir reagieren teils genau so, wie die, die das getan haben, es wollen: Wir haben Panik, wir plustern die Backen auf, wir machen mit bei der Eskalation. Hasso, Fass! Braaav, Pawlow lässt grüßen.

Samstag, 19. März 2016

The loger read: Über die Achtziger


"Die Welt von Westeros nämlich ist bereits eine im Zustand der Entzauberung. Die Menschen hängen noch alten Legenden nach, sie träumen von einer besseren Vergangenheit; sie verhalten sich wie die Bewohner einer barbarischen, postheroischen Kultur zu einer heroischen Vergangenheit, in der, vielleicht, die Werte, auf die man sich gelegentlich bezieht, noch wirklich gegolten haben." (Georg Seeßlen)

Es war im letzten Sommer. Ich saß mit Teilen meiner bayerischen Verwandtschaft beim Grillen, als der neben mir sitzende, schweigend trinkende Beinahe-Ehemann meiner Großcousine auch mal was sagte. Im Hintergrund lief irgendeine Achtzigerjahre-Mucke und es wurde gerätselt, von wem sie sei. Da grummelte mein Sitznachbar plötzlich: "Die Achtziger waren eh des Beste, hernach is nur noch Schmarrn kemma." Ich zuckte innerlich zusammen. Sieh an, dachte ich, noch so einer, der die Achtziger für das tollste aller Jahrzehnte hält. Nicht rumdiskutieren, beherrschte ich mich, das bringt eh nix. Aber diese Achtzigerjahre-Nostalgie geht mir dermaßen auf die Eier! Glücklicherweise ließ er's dann auch bei dieser einen Bemerkung bewenden und wandte sich wieder seinen Weißbieren zu.

Mittwoch, 16. März 2016

Wie man es nicht machen sollte


Wenn ich beim letzten Mal meinte, man sollte sich nicht der Illusion hingeben, der AfD rein inhaltlich beikommen zu können, dann bedeutete das natürlich nicht, dass man ihr gar nicht entgegentreten sollte. Schön, aber wie? Als journalistischer Laie bin auch ich da auf Hilfe angewiesen. Da kann ein Blick über den Tellerrand helfen. Nach Österreich etwa, wo die FPÖ seit den Achtzigern das politische Leben mitprägt.

Montag, 14. März 2016

Lose Enden


Faktoren, die zum Erfolg der AfD beigetragen haben, und warum es nicht reichen wird, sie inhaltlich zu stellen.

Mit gewissem Recht lässt sich behaupten, dass ein Phänomen wie Pegida ohne die so genannte Flüchtlingskrise höchstwahrscheinlich bald wieder zur Randerscheinung geschrumpft wäre. Die AfD würde ohne dieses Kernthema wohl nicht jenen Schwenk in Richtung Rechtspopulismus hinbekommen haben, der ihre Gründer letztlich hinwegfegte und sie diesen Sonntag in gleich drei Landtage gebracht hat. Vermutlich würde sie als eurokritische Honoratiorenpartei im unteren einstelligen Bereich herumdümpeln und sich vornehmlich selbst zerfleischen.

Samstag, 12. März 2016

Wunderbare Welt der Dienstleistung


Dass Menschen, die dafür bezahlt werden, Dienstleistungen zu erbringen, selbstverständlich höflich zu behandeln sind, sollte nicht weiter der Rede wert sein. Dass einen das auch nicht davon entbindet, sie, wie alle Mitmenschen, mit 'bitte' und 'danke' freundlichst zu traktieren, ebenfalls nicht. Wer etwa in der Gastronomie meint, das Personal rüde und lautstark herumscheuchen zu müssen, offenbart damit nicht etwa ein ganz toller Hecht zu sein, sondern lediglich ein in der Regel neoliberal verbogener Peinsack mit ausgeprägter Sklavenhaltermentalität. Es gilt Drostes Diktum: Wer im Restaurant oder im Café bölkt: "Ich kriege eine Cola!", der soll sie auch bekommen, und zwar mitten ins Gesicht.

Dienstag, 8. März 2016

Aus aktuellem Anlass...


... übergeben wir einer Frau das Wort:

"Einer der Gründe für die schlechte Außenwirkung ist neben der Kritikresistenz die Übererregbarkeit weiter Teile der feministischen Bewegung. Sie pumpt oft jedes noch so kleine Konfliktchen zwischen den Geschlechtern zu einem staatstragenden Skandal auf, der unverzüglich zu einer Kündigung oder Verhaftung des Mannes zu führen hat. […]

Mit dieser Hysterie ist der Feminismus wie das Kind, das "Feuer!" schreit, obwohl es gar nicht brennt. Nachdem es die Leute zum x-ten Mal umsonst aufgeschreckt hat, glaubt ihm keiner mehr und als es wirklich brennt, winken alle nur verärgert ab. Die moderne Frauenbewegung gefährdet aktiv die Unterstützung für die Opfer männlicher Gewalt, indem sie immer nichtigere Anlässe zu gewaltsamen Akten erklärt, etwa
verbal violence nach verunglückten Dates. […]

Sonntag, 6. März 2016

Was macht der Irre jetzt?


"Die Idee, Donald Trump könnte Präsident der Vereinigten Staaten werden, ist alt, und sie stammt nicht einmal von ihm selbst. David Letterman und andere Komiker hatten den Witz seit Jahren im Repertoire. Die Idee war so albern, dass sie immer mal wieder für einen Kalauer gut war." (Markus Günther)

Ohne mich zum Experten für US-amerikanische Innenpolitik aufspielen zu wollen, der ich nicht bin, gehe ich wohl nicht völlig fehl in der Annahme, dass es sich bei den Kandidaten-Kandidaten der Republikanischen Partei im wesentlichen um einen Haufen vom Ganzgroßkapital ferngesteuerter, völlig zu Recht aus dem Rennen gefallener Profilneurotiker, Fanatiker, Egomanen und bestenfalls halb zurechnungsfähiger Blitzbirnen handelte. Die hatten wie üblich von ihren Geldgebern den Auftrag erhalten, Politik zum Nutzen der Reichsten als dem Allgemeinwohl dienlich zu verkaufen und sind daran grandios gescheitert. Übrig geblieben ist, wie die Kakerlake nach der Atomexplosion, Trump. The Donald. Und keiner weiß, warum.

Mittwoch, 2. März 2016

Déjà-vu


Zur Bundestagswahl 1987 trat unter anderem eine Splitterpartei namens Christlich Bayerische Volkspartei (CBV) an. Ich war damals Schüler und tags darauf war der einzige, bundesweit ausgestrahlte Wahlwerbespot der Partei auf dem Schulhof gleichermaßen Lachnummer und Gesprächsthema Nummer eins. Wegen der laienhaften Machart, dem ostentativ zur Schau gestellten Kitsch und vor allem natürlich wegen dem, was der greise Funktionär da ohne Punkt und Komma vortrug. Inzwischen wirkt das streckenweise wie ein Déjà-vu und man glaubt zu wissen, woher zum Beispiel die AfD nicht wenige ihrer Ideen hat.

Montag, 29. Februar 2016

Sie sind wieder da


"Die Geschichte ist nicht die stetige Entfaltung der Vernunft." (John Gray)

So genannte Psychotests haben ja, vor allem wenn sie in Illustrierten erscheinen, einen eher schlechten Ruf. Auch als psychologischer Laie würde ich sagen: meist durchaus zu recht. ("Mit wem würden Sie lieber einen zweiwöchigen FKK-Urlaub auf Spiekeroog verbringen? a) mit Beatrix von Storch, b) mit Jennifer Lawrence? Wenn Sie a) angekreuzt haben, sind Sie ein unkonventioneller Zeitgenosse mit exotischen Interessen, der sich nicht anpassen mag und seinen eigenen Weg geht. Wenn Sie b) angekreuzt haben, sind Sie ein Schlingel.")

Donnerstag, 25. Februar 2016

Irgendwie beruhigend


Es gibt so Dinge, die eine zutiefst beruhigende Wirkung auszuüben vermögen. Die aufgespritzten Lippen einer D-Prominenten etwa, deren Name mir entfallen ist, aber nichts zur Sache tut. Vor Jahren, es war ein paar Wochen nach Jenem 11. September, Nach Dem Nichts Mehr So Sein Würde Wie Zuvor, schlenderte ich durchs Städel und kam an einem Zeitschriftenkiosk vorbei. Deutschlands Meistverkaufte machte mit der prominent auf Seite eins platzierten Dachzeile auf, die eingangs erwähnte schlauchbootlippige Dame habe ein Geständnis abgelegt. Sie habe gelogen, schlagzeilte es mir ins Gesicht. Der Querschnitt ihrer Lippen sei mitnichten einer verschwenderischen Laune von Mutter Natur geschuldet, sondern künstlichem Tuning. Ja Potzdonner! Konnte es die Möglichkeit sein?

Montag, 22. Februar 2016

Noch ein Jubiläum


Gestern vor 100 Jahren, am 21. Februar 1916, eröffnete die deutsche Artillerie um 7:15 Uhr morgens das Feuer auf die französischen Befestigungen bei Verdun. 'Operation Gericht' war die Offensive, die wegen schlechten Wetters hatte verschoben werden müssen, vom deutschen Oberkommando genannt worden. Sie ahnten wohl nicht, wie recht sie haben sollten. Was folgte, ging in die Geschichte ein als eines der schlimmsten Gemetzel aller Zeiten. Eine nie da gewesene Barbarei, angerichtet von zwei Völkern, die sich gern damit schmückten, Inbegriff von Kultur und Zivilisation zu sein. Mochte das, was in den Jahren 1914 und 1915 bereits geschehen war, noch so furchtbar gewesen sein, was ab dem Februar 1916 kam, war schlimmer. 

Sonntag, 21. Februar 2016

Middle Of Nowhere


Am Wochenende Workshop am Niederrhein. Zwischen Kevelaer und Geldern. Bei Dauerregen. Zieht sogar mich ein wenig runter. Bei schönem Wetter bestimmt ganz reizend.

Freitag, 19. Februar 2016

Wissenschaftler sind schockiert!


So in der Art heißt es ja gern als Clickbait unter immer mehr Online-Publikationen. Nun ja, wir wollen alle irgendwie leben. Problematisch ist allenfalls, dass nicht wenige das ernstzunehmen scheinen. "Die Evolutionstheorie ist auch nur eine Theorie!" - "Einstein ist widerlegt!" - "Außerdem war er Jude und hat sein widerlegtes Wissen bloß geklaut." - "Wenn es den Klimawandel gibt, warum hat es dann letzte Woche geschneit, hä?" - "Wenn wir vom Affen abstammen, wieso gibt es dann immer noch Affen?". Wieso auch mühsam studieren und forschen, wenn es Facebook gibt? Ich glaube ja, diese Leute stellen sich das ungefähr so vor:

Mittwoch, 17. Februar 2016

Zahlen lügen nicht


Zu den wichtigsten Aufgaben neoliberaler Lobbyisten und Lautsprecher gehört es, dafür zu sorgen, dass die Besitztümer des obersten Prozentes so unangetastet bleiben wie irgend möglich. Dazu ist es unter anderem hilfreich, möglichst allen einzureden, der Staat bzw. der Fiskus sei ein unverbesserlicher Gierlappen, der die Hälfte des hart errackerten Inhalts unserer Lohntüten gleich mal einkassiere, die direkten Steuern, vor allem auf Arbeitseinkommen, Vermögen und andere daher gar nicht genug gesenkt werden können. Entscheidend ist, dass gerade Kleinverdiener das auch glauben. Nicht dass am Ende noch jemand die Vermögensverhältnisse infrage stellt.

Sonntag, 14. Februar 2016

Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (10)


Sprüche, nichts als Sprüche!

Wann hat das eigentlich angefangen? Geschäfte, in denen mit mehr oder weniger (meist weniger) witzigen Sprüchen versehene Sachen zu kaufen sind, kenne ich, so lange ich denken kann. Klo-Ordnungen. Türschilder. Lustige Abreißkalender und Kaffeepötte fürs Büro. Solange mein Chef so tut als würde er mich bezahlen, tue ich so als würde ich arbeiten. Hahaha, so funny because it's true! Diddelmaus-, Namens- und Sternzeichentassen. Fußmatten, auf denen "Tritt mich!" steht. Nur galt so was einmal als Scherzartikel und es gab das ausschließlich in einschlägigen Läden oder eigenen Kaufhausabteilungen. Heute ist das überall. Schaut man sich das Sortiment gewisser Etablissements so an, dann könnte man auf die Idee kommen, der Großteil der hiesigen Wohnungen sei inzwischen irgendwelchen Sentenzen zugepflastert.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Gewollt, nicht gekonnt (2)


"Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über 'Persönlichkeit' redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge 'Entscheidung' mitteilt, und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre."

Montag, 8. Februar 2016

Ronny des Monats - Karnevalssondernummer


"Die 'närrische Zeit' beginnt traditionell am 11.11. um 11 Uhr 11. Was in seiner Pünktlichkeit zum deutschen Wesen zu passen scheint. Um 11 Uhr 10 noch eben eine afghanische Familie abgeschoben - zack! - jetzt Frohsinn mit der Stechuhr. Das ist verbeamtete Fröhlichkeit, wie man sie nur noch Sonntag morgens in der ARD findet. Klasse!" (Micky Beisenherz)

Lustigkeit kennt keine Grenzen, Humor ist eine ernste Sache  und - tatäh! - lachen auf Kommando. Zwischen diesen Eckpfeilern torkelt zu Karneval das deutsche Feiervolk herum und sorgt damit dafür, dass ich mich rosenmontags mit ein paar Berlinern bewaffnet zu Hause verbarrikadiere. Da lasse ich den lieben Gott dann einen guten Mann sein und bin meinem geliebten Arbeitgeber dankbar, dass er mir den halben Tag freigibt und mir dieses Fluchtverhalten ermöglicht. Und natürlich meinem Schicksal dafür, dass es mich gnädigerweise nicht ins Rheinland oder eine andere der so genannten Karnevalshochburgen verschlagen hat.

Sonntag, 7. Februar 2016

Kein Verlass mehr


In Zeiten wie diesen haben ja jene unangenehmen Zeitgenossen Hochkonjunktur, die ihr unbedingtes Recht auf einen eigenen Standpunkt dahingehend missbrauchen, dass sie selbigen aller Welt hereinzudrücken trachten. Am liebsten mit erhobenem Zeigefinger und so richtig schön von oben herab. Im Moment wird muselmanischen Grabschern Mores gelehrt, dass es nur so eine Art ist. Gern auch mit bunten Bildern. Denn, merk auf, oh Morgenländer, der du, wie wir alle wissen, aus einer Kultur kommst, in der Frauen als minderwertig gelten: In Deutschland sind Frauen, deren gleiche Rechte und deren Ehre seit jeher quasi heilig, sie zu schützen höchster Lebenszweck eines jeden hiesigen Mannsbildes.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Nur Bares ist Wahres (2)


Wieder einmal wird die Abschaffung des Bargelds diskutiert. Manchmal frage ich mich, ob die, die das fordern, sich wirklich klar machen, was sie da eigentlich fordern. Technik-Nerds, die nichts anderes kennen und die jede elektronische Lösung per se allen anderem vorziehen, okay. Aber Menschen aus Fleisch und Blut, die noch am Leben teilnehmen? Was meinen Standpunkt angeht, wiederhole ich mich gern: Sie werden mir die letzten Münzen und Scheine aus meinen kalten, toten Händen reißen müssen. Jede elektronische Transaktion kann theoretisch überwacht werden. Was ich hingegen mit meinem Bargeld anstelle, ist allein meine Privatsache. Bargeld entzieht sich der Überwachung und der Kontrolle, und das ist auch verdammt gut so. Denken wir nicht an Wirtschaftskriminalität oder organisiertes Verbrechen, denken wir an unseren ganz normalen Alltag.