Sonntag, 23. Februar 2014

Parfum und Pahfühm


Bei Männern gibt es zwei Arten von Duftwässerchen, beziehungsweise zwei Arten, welches zu tragen: Einmal Parfum, vornehm französisch ausgesprochen, und dann noch die breitdeutsch gesprochene Variante, das Pahfühm. Obwohl ich mir selbst nicht viel daraus mache, weiß ich ein gutes, im richtigen Maße appliziertes Parfum an einer Frau durchaus zu schätzen. Auch gegen ein dezent riechendes After Shave beim Manne ist nichts zu sagen. Die Betonung aber liegt auf: Dezent. Eine Pest ist es nämlich, wenn Männer sich Pahfühm draufklatschen wie nicht gescheit. Wo immer so eine lebende Stinkbombe aufkreuzt, werden im Umkreis von zehn Metern umgehend alle Nasenschleimhäute zu Hornhaut, trüben sich die Linsen im Auge und die Milch wird sauer. Schwer geschlagen all jene, denen ein ungnädiges Schicksal einen reservierten Platz im vollbesetzten Zug oder Flugzeug neben so einem Stinkmorchel beschert. Ein verstorbener Verwandter von mir, der sein Berufsleben im Bergbau zugebracht hatte, pflegte immer zu sagen: "Weißte Junge, der Gestank iss ja nich dat Schlimme. Dat Schlimme iss dat Brennen inne Augen."

Meist sind es Typen, die auch äußerlich der Philosophie 'Viel hilft viel' anhängen. Alles an ihnen strahlt nicht Reichtum aus oder Wohlhabenheit, sondern: Zu viel Geld. Ihre Schlipse, ihre Treter und ihre Anzüge sind jene Spur zu teuer, die sie wieder billig aussehen lässt und die fetten Chronometer, mit denen sie ihre Macherflossen beschweren, sind jenen Tick zu fett, der ihren Trägern etwas Zuhälterhaftes verleiht. (Was durchaus passt, nannte man doch in der Gegend, aus der ich stamme, aufdringlich riechendes Duftzeugs früher auch 'Nuttendiesel'.) Damit auch die Trommelfelle ihrer Mitmenschen etwas abbekommen, pflegen sie mit ihren Geräuschluken in gleicher Weise umzugehen. Mobiltelefone sind für sie kein Mittel der Kommunikation, sondern eines, ihrer gesamten Umwelt mit ihrer grenzenlosen Wichtigkeit maximalst auf den Sack zu gehen. Überflüssig zu sagen, dass sie auch finden, Kopfhörer seien nur etwas für Loser, wenn sie auf ihren auf volle Lautstärke gestellten Tablets herumwedeln. Wagt es tatsächlich jemand, sie höflich auf die Unzivilisiertheit ihres Verhaltens anzusprechen, dann drohen sie sofort mit dem Anwalt und entblöden sich nicht, zu fragen, ob man überhaupt wisse, mit wem man es zu tun habe. Sage nie wieder einer, nur die Jugend von heute wisse sich nicht zu benehmen.

Leider sind unsere Sinne, wie Wiglaf Droste schon vor Jahren klugerweise feststellte, von der Natur so eingerichtet, dass man zwar wegsehen und weghören, nicht aber wegriechen kann. Hat man keine Chance zu flüchten und keine Nasenklemme zur Hand, hilft nur die Methode, die ich damals im Zivildienst gelernt habe für den Fall, dass pflegebedürftige Patienten, die die Kontrolle über ihren Schließmuskel verloren hatten, versorgt werden mussten: Sich darauf konzentrieren, nur durch den Mund zu atmen. Ich habe sogar schon überlegt, für den Notfall immer einen geruchsdicht verpackten, vollreifen Limburger oder Romadur dabei zu haben, um ihn bei Bedarf auspacken und zurückstinken zu können. Den Gedanken habe ich aber aus zwei Gründen wieder verworfen: Erstens würde so eine B-Waffe massenhaft Kollateralschäden bei Unschuldigen anrichten und zweitens bekämen die, denen die Retourkutsche gelten würde, eh nichts davon mit. Wer sich so gnadenlos eindieselt, hat eine Stufe sensorischer Schmerzfreiheit erreicht, die ihn vermutlich auch einen Angriff mit chemischen Kampfstoffen folgenlos und ohne das kleinste Hüsteln überstehen ließe.

Wenn du wüsstest, was ich weiß, denke ich mir zum Troste immer, wenn mich mal wieder jemand olfaktorisch belästigt. Im erwähnten Zivildienst hatte ich einen Kollegen, der eigentlich Chemikant bei einem Chemiewerk in der Nachbarstadt war. Dort lassen bis heute zahlreiche, auch durchaus namhafte Hersteller ihr Riechwerk vollsynthetisch zusammenbrauen. Alle paar Wochen traf er einen Kollegen, der in der entsprechenden Anlage eingesetzt war und jede Menge, auch teure Wässerchen für einen Spottpreis in Plastikflaschen vertickte. Auf meine Frage, ob das denn nicht aufiele und er keine Schwierigkeiten bekäme, meinte er, das Zeug werde in solch gewaltigen Mengen produziert und sei in der Herstellung so billig, dass ein paar Liter mehr oder weniger schlicht niemanden interessierten. Wer sich in einem einschlägigen Laden mal die Preise für so was ansieht und zwei und zwei zusammenzählen kann, kommt auf Gewinnspannen, die jeden Mafiaboss heulend vor Neid seinen Job an den Nagel hängen lassen.

Warum ich übrigens nur von Männern rede? Ganz einfach. Mir ist im Leben nur ein einziges Mal eine Frau begegnet, die sich so aufgeführt hat. Und da war ich noch in der Schule, kurz vor dem Abitur. Eine Mitschülerin hatte wohl zum Geburtstag ein sehr teures, aber eben auch sehr streng miefelndes Duftwasser geschenkt bekommen und sie muss sich so darüber gefreut haben, dass sie sich großzügig davon gab. Betrat sie einen Raum, roch es sofort wie in einer Parfumerie, pardon, einem Pahfühmladen, den eine Horde Vandalen mit Baseballschlägern verwüstet hatte. Der Unterschied zu müffelnden Männern: Irgendjemand muss ihr diskret gesteckt haben, dass das nicht ginge und von da an war's gut.



3 Kommentare:

  1. Das halte ich für ein Gerücht. Gerade Mädels zwischen 14 und 30 überschütten sich damit. Man muss nicht mal Öffis fahren, um das mit zu bekommen, nur steigert es sich dort.Im übrigen bleibt es auch im Französischen Parfüm, weder Parföh (Westfälisch) oder Parfeng (Sächsisch) . Man könnte auch "Ode Twalett" nehmen aber dann wird es sicher noch komplizierter. Lesetipp dazu: P- Süskind - Das Parfum

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    1. Nun ja, vielleicht fällt's mir bei Frauen auch nicht so auf, weil ich bei ihnen damit rechne, dass sie parfümiert sind. Was öffentliche Verkehrsmittel angeht, die ich auch lange genutzt habe, fand ich die schlimmste Plage immer die Zeitgenossen, die eine S-Bahn oder einen Regionalexpress für genau den richtigen Ort halten, um sich einen Döner oder eine Ladung Pommes mit Majo reinzupfeifen.

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  2. Die Dosierung ist eben ein Problem. Man selbst gewöhnt sich an den bei regelmäßiger Verwendung ja dauernd gegenwärtigen Duft und dosiert dann langsam immer höher, bis man eben mühelos einen ganzen Bus beduftet. Den Trick, eine vernünftige Dosis zu ermitteln (kann man Freunde, Ehepartner u.ä. befragen) und sich dann stur dran zu halten, kenne neben nicht alle...

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