Viktor Orbán wurde nach 16 Jahren mit einer Zweidrittelmehrheit abgewählt, und das ist nichts weniger als ein Grund zur Erleichterung. Ein Hoffnungsschimmer vielleicht, dass die Welle des Rechtsnationalismus beginnt, ihren Zenit zu erreichen. Aber auch nicht mehr. Zucker fürs Gemüt, dass der globalen Rechten ihr größtes Vorbild abhanden gekommen ist. Vor allem aber verlieren Putin und Trump ihren wichtigsten europäischen Verbündeten und ihr U-Boot in Brüssel. Mit der EU-Obstruktionspolitik wird es wohl auch vorbei sein. Was in der Ukraine mit Erleichterung zur Kenntnis genommen werden wird, denn die ist ein eindeutiger Gewinner dieser Wahl.
Dass Orbán die Niederlage erst einmal akzeptiert, zeigt immerhin, dass er kein halbirrer Diktator ist, sondern ein rational handelnder Akteur. Er wird in den letzten Tagen zwei und zwei zusammengezählt haben und zu dem Schluss gekommen sein, dass ein Festklammern an der Macht nur mit Massendemonstrationen und vielleicht sogar Gewalt machbar wäre. Dafür hängt er aber zu sehr am (guten) Leben, hat sich und die seinen aus EU-Mitteln bestens versorgt und kann sich auf einen goldenen Lebensabend freuen. Zumal er weiterhin Abgeordneter des ungarischen Parlaments ist und parlamentarische Immunität genießt. Oder er setzt darauf, dass er, wie nach seiner Abwahl 2002, noch einmal zurückkehrt. Seine momentane Selbstdarstellung als vorbildlicher Demokrat könnte sich dann als hilfreich erweisen.
Sobald Autokraten legal an die Macht gekommen sind, versuchen sie, diese per Gesetz und Verfassungsänderung zu zementieren und zu verstetigen. Das liegt daran, dass sie in der Regel sehr genau wissen, dass sie dem Volk außer leeren Versprechungen eigentlich nichts Handfestes zu bieten haben und deshalb bald auch wieder Wahlen verlieren würden, was es zu verhindern gilt. Ausreichend viele Menschen in Ungarn haben die Erfahrung gemacht, dass Anti-EU-Nationalismus, antisemitisches Gehetze, Ausländer:innen und queere Menschen drangsalieren, Grenzen dichtmachen, Gleichstellungsgesetze abschaffen und Regenbogenfahnen abmontieren den Kühlschrank nicht voll macht. Mit der klaren Niederlage ist überdies auch die Erzählung erledigt, Rechte seien die eigentlichen Vertreter des Volkes.
Allzu überschwängliche Vorfreude wäre allerdings unangebracht. Es stimmt nicht gerade fröhlich, dass linke und linksliberale Kräfte im ungarischen Parlament überhaupt nicht mehr vertreten sind. Wahlsieger Péter Magyar ist kein Linker, sondern ein sehr konservativer Nationalliberaler und hat einst in Orbáns Fidesz-Apparat Karriere gemacht. Magyar ist ein proeuropäischer konservativer Nationalliberaler, dessen Partei Tisza im EU-Parlament Teil der EVP-Fraktion ist, deren Vorsitzender Manfred Weber keine Probleme hat, gemeinsam mit Rechtsaußenfraktionen abzustimmen.
(Dann wird es wenigstens nicht ganz so brutal hart für all jene, die in den letzten Jahren vor der hiesigen linksgrünwoken Meinungsdiktatur geflohen sind und Asyl in Ungarn gesucht haben, wo die Welt noch in Ordnung ist.)
Oppositionelle, die gegen Diktatoren und Autokraten antreten, sind deswegen keine Heiligen. Leute wie Alexej Nawalny und Ahmed al-Scharaa waren bzw. sind alles andere als Sympathieträger, aber sie sind halt nicht Baschar al-Assad und Waldimir Putin. Auch Péter Magyar ist alles andere als jemand, der mir politisch nahe stünde, aber darum ging es nicht. Es ging zuallererst darum, Orbán loszuwerden, alles andere war zweitrangig. Magyar ist nicht Orbán, das muss erst einmal genügen. Alles weitere, etwa wie es einer Tisza-Regierung gelingen wird, Orbáns Umbauten am System wieder rückgängig zu machen oder gegen die überbordende Korruption vorzugehen, wird sich finden. Hoffentlich.
Ach so, eine kleine Bitte ans Weiße Haus noch: Wäre es möglich, dass Vizepräsident Vance als 'A'fD-Wahlhelfer in Sachsen-Anhalt vorbeischaut? Wenn der da einen vergleichbaren Job macht wie in Ungarn, wäre das sehr hilfreich. Danke.
Dass Orbán die Niederlage erst einmal akzeptiert, zeigt immerhin, dass er kein halbirrer Diktator ist, sondern ein rational handelnder Akteur. Er wird in den letzten Tagen zwei und zwei zusammengezählt haben und zu dem Schluss gekommen sein, dass ein Festklammern an der Macht nur mit Massendemonstrationen und vielleicht sogar Gewalt machbar wäre. Dafür hängt er aber zu sehr am (guten) Leben, hat sich und die seinen aus EU-Mitteln bestens versorgt und kann sich auf einen goldenen Lebensabend freuen. Zumal er weiterhin Abgeordneter des ungarischen Parlaments ist und parlamentarische Immunität genießt. Oder er setzt darauf, dass er, wie nach seiner Abwahl 2002, noch einmal zurückkehrt. Seine momentane Selbstdarstellung als vorbildlicher Demokrat könnte sich dann als hilfreich erweisen.
Sobald Autokraten legal an die Macht gekommen sind, versuchen sie, diese per Gesetz und Verfassungsänderung zu zementieren und zu verstetigen. Das liegt daran, dass sie in der Regel sehr genau wissen, dass sie dem Volk außer leeren Versprechungen eigentlich nichts Handfestes zu bieten haben und deshalb bald auch wieder Wahlen verlieren würden, was es zu verhindern gilt. Ausreichend viele Menschen in Ungarn haben die Erfahrung gemacht, dass Anti-EU-Nationalismus, antisemitisches Gehetze, Ausländer:innen und queere Menschen drangsalieren, Grenzen dichtmachen, Gleichstellungsgesetze abschaffen und Regenbogenfahnen abmontieren den Kühlschrank nicht voll macht. Mit der klaren Niederlage ist überdies auch die Erzählung erledigt, Rechte seien die eigentlichen Vertreter des Volkes.
Allzu überschwängliche Vorfreude wäre allerdings unangebracht. Es stimmt nicht gerade fröhlich, dass linke und linksliberale Kräfte im ungarischen Parlament überhaupt nicht mehr vertreten sind. Wahlsieger Péter Magyar ist kein Linker, sondern ein sehr konservativer Nationalliberaler und hat einst in Orbáns Fidesz-Apparat Karriere gemacht. Magyar ist ein proeuropäischer konservativer Nationalliberaler, dessen Partei Tisza im EU-Parlament Teil der EVP-Fraktion ist, deren Vorsitzender Manfred Weber keine Probleme hat, gemeinsam mit Rechtsaußenfraktionen abzustimmen.
(Dann wird es wenigstens nicht ganz so brutal hart für all jene, die in den letzten Jahren vor der hiesigen linksgrünwoken Meinungsdiktatur geflohen sind und Asyl in Ungarn gesucht haben, wo die Welt noch in Ordnung ist.)
Oppositionelle, die gegen Diktatoren und Autokraten antreten, sind deswegen keine Heiligen. Leute wie Alexej Nawalny und Ahmed al-Scharaa waren bzw. sind alles andere als Sympathieträger, aber sie sind halt nicht Baschar al-Assad und Waldimir Putin. Auch Péter Magyar ist alles andere als jemand, der mir politisch nahe stünde, aber darum ging es nicht. Es ging zuallererst darum, Orbán loszuwerden, alles andere war zweitrangig. Magyar ist nicht Orbán, das muss erst einmal genügen. Alles weitere, etwa wie es einer Tisza-Regierung gelingen wird, Orbáns Umbauten am System wieder rückgängig zu machen oder gegen die überbordende Korruption vorzugehen, wird sich finden. Hoffentlich.
Ach so, eine kleine Bitte ans Weiße Haus noch: Wäre es möglich, dass Vizepräsident Vance als 'A'fD-Wahlhelfer in Sachsen-Anhalt vorbeischaut? Wenn der da einen vergleichbaren Job macht wie in Ungarn, wäre das sehr hilfreich. Danke.
Die Ukraine ist die Verliererin dieser Wahl: sie wird nun zwischen Krieg und Korruption vollständig aufgerieben werden.
AntwortenLöschenNa ja, für Putin-Fans ist das eben hart.
LöschenFun fact für Sie: Ungarn unter Orbán ist laut Transparency International das korrupteste Land der EU.
Aber nur, weil die Ukraine nicht drin ist. Wann kommt sie denn eigentlich endlich rein?
LöschenKrieg produziert immer Gewinnler, Schwarzmärkte und Schattenwirtschaften. Als von einer russischen Invasion nicht Betroffener ist es immer sehr einfach, anderen das Regelbuch vorzulesen. Über Korruption im System Putin sollte natürlich auch nicht geschwiegen werden.
Löschen@Stefan Rose
LöschenSowas produziert Krieg regelmäßig, stimmt, und Schlimmeres. Neben satten Profiten für diverse Mordmaschinenproduzenten zum Beispiel Berge von Leichen, Krüppel und Ruinen. Und was die Korruption angeht sind sowohl Putins Russland als auch die Selenskyi-Ukraine gut dabei: in den Panama Papers führen mit Abstand die Russen, in den Pandora Papers haben die Ukrainer die Nase weit vorn.
Tja, da sich die russische Armee völkerrechtswidrig auf dem Territorium der Ukraine aufhält und Kriegsverbrechen an der ukrainischen Bevölkerung begeht, steht es der russischen Regierung jederzeit frei damit aufzuhören und sich vom Territorium des angegriffen Landes zurück zu ziehen. Dann würde alsbald Frieden herrschen können. Die Ukraine kann sich nicht von ihrem eigenen Territorium zurückziehen und ihre eigene Bevölkerung im Stich lassen und auch Waffenproduzenten haben nicht diesen Krieg vom Zaum gebrochen oder könnten ihn beenden. Mir wäre es ja auch am allerliebsten wenn man das ganze Geld in Gesundheitsvorsorge und Forschung investieren würde. Aber den Krieg begonnen hat die russische Regierung allein und auch auch beenden kann nur die russische Regierung den Krieg. Wenn der Druck dies zu tun nicht groß genug ist, bleibt nur ihn solange zu erhöhen bis das passiert.
LöschenIch finde, die völkerrechtliche Einordnung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist durchaus komplex.
LöschenSpaß beiseite, und da wir offensichtlich grad beim Träumen sind: Waffenproduzenten könnten Kriege durchaus beenden oder immerhin sehr erschweren: wenn ihre Läden dichtmachen würden. Dagegen sprechen natürlich die positiven Renditen und die vielen schönen Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie und bei deren Zulieferern (in D. derzeit eine knappe halbe Million, Tendenz steigend), also wird wohl nix draus werden.
Wenn autokratische Regierungen oder Diktaturen wie Russland nicht immer wieder in ihre Nachbarländer einmarschieren würden, dann würde auch viel weniger Rüstungsgüter verkauft. Dann bräuchte nämlich kaum jemand sowas.
Löschengewissen Schreibern sollte man eigentlich keine Antwort geben....
AntwortenLöschenVor allem, wenn man weiß, dass "keine Ahnung" früher unter dem nick "dndp" genervt hat.
LöschenWas Sie so alles über gewisse Schreiber zu wissen meinen ... Abgesehen davon: wem der Herr Rose hier antwortet und wem nicht, das werden sie ihm schon selbst überlassen müssen, mein lieber Bonetti ...
LöschenDie schlimmste Despotie seit Nordkorea lässt sich einfach abwählen? Da hat wohl was mit der Berichterstattung nicht geklappt.
AntwortenLöschenNun ja, der Orbán mag ja vieles sein, aber eins ist er nicht: dämlich. Der Mann hat Immunität, und er kann warten. Wer weiß, vielleicht sieht er seinen Nachfolger ja als Platzhalter? Früher sollen sich die beiden ja mal ganz gut verstanden haben. Und alte Liebe rostet nicht ...
AntwortenLöschenEr hat sich zumindest 3 Milliarden gesichert. Ob er jetzt Sofortrentner im Inselparadies seiner Wahl macht?
LöschenLass Vizepräsident Vance mal lieber da, wo er ist. Die Leute, die in Sachsen-Anhalt die AfD wählen, sind permanent so weit verblödet, dass ein Auftritt von Vizepräsident Vance keinen Einfluss hat. Leider.
AntwortenLöschen"hat sich und die seinen aus EU-Mitteln bestens versorgt "
AntwortenLöschen... und genau da sollte man ansetzen und sich das Geld fix zurückholen. Einfach á la Italia verfahren: Kannste nicht nachweisen, dass alles mit rechten Dingen abgelaufen ist — Geld und Wertsachen sofort einziehen.
Das wäre mal ein schönes Signal an die Kleptokratien dieser Welt.
Gruß Jens
Leider auch ein unschönes an mich. Ich würde nämlich mein Geld und meine Wertsachen gerne behalten, verdammt nochmal!
LöschenJa, macht den Kühlschrank nicht voll, innerer höhere Ausgaben für das Militär, bedingungslose Unterstützung für die Ukraine und Tolerierung von Alltagsgewalt eben auch nicht
AntwortenLöschenWenn die Ukraine "bedingungslos" unterstützt wird, warum dann kein Taurus? Wieso streichen die USA ihre Lieferungen zusammen? Fragen über Fragen. Aber ich will natürlich niemanden überfordern hier...
LöschenWas geht mich die USA an? Taurus wird nicht geliefert, um ein Übergreifen des Krieges zu verhindern!
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