Sonntag, 21. Juni 2026

Jenseits der Blogroll - 06/2026


Mit Donald Trump ist es ähnlich wie mit der 'A'fD: Wenn bei dem, was er macht, irgendwas, wie minimal auch immer, zu finden wäre, das außer einer kleinen Kaste von Superreichen und Lobbyisten irgendwem nützte, meinetwegen auch nationalen Interessen diente, ich könnte zumindest einige seiner Wähler:innen irgendwie verstehen. Das Problem ist nun: Der Mann schadet nicht nur der US-Bevölkerung, sondern auch dem weltpolitischen Standing der USA erheblich. Jetzt hat er sich nach dem Abzug aus Afghanistan, bei dem er sich von den Taliban hatte über den Tisch ziehen lassen, dem iranischen Regime die bedingungslose Kapitulation unterschrieben. Wären religiöse Fundamentalisten nicht so humorlos, die Mullahs müssten sich gerade in einer Tour die Schenkel zertrümmern vor Lachen.

Das ist umso schlimmer, als dass hier ein Regime gestärkt aus diesem Krieg hervorgeht, das Anfang des Jahres noch zirka 30.000 Oppositionelle ermordet hat. (Warum redet hier niemand von Völkermord? Ach so, keine Juden involviert, schon klar.) Ich wäre ja bereit gewesen zu sagen: Ja verdammt, es ist Trump, aber wenn dieses blutige Mullah-Regime seinetwegen von der Bildfläche verschwände, dann wäre die Welt trotz allem eine bessere. Weil aber Trump kein genialer Dealmaker ist, sondern bloß ein Entertainer, ansonsten ein ungebildeter, beratungsresistenter, notorisch lügender Totalversager, der offenkundig nicht die geringste Ahnung davon hat, wie Außenpolitik funktioniert, haben die Dinge ihre so ziemlich schlimmstmögliche Wendung genommen.

Timothy Snyder und Bonetti Media mit mehr dazu.

"The United States has capitulated to Iran. There is a »deal«, which has been signed, on terms that can only be described as those of complete Iranian victory. [...] War, as some people apparently needed to learn, is not about the pleasure one takes in watching things blow up. It is politics by other means. To win a war means changing the politics of the enemy such that they must surrender. That is what Iran just did to the United States." (Snyder, a.a.O.)

Und Jonathan Pie auch:


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Die übrigen Fundstücke des Monats:

Politik. Rechtspopulismus ist in den Augen von Andreas Püttmann vor allem eine Bewegung von Narzissten. Dazu: Herwig Finkeldey über rechte Snobs.

Rafael Seligmann berichtet von seinen Erfahrungen als in Deutschland geborener Jude mit Antisemitismus. Fun fact: Muslimische Antisemiten kommen vor, aber mehr so am Rande. Vermutlich ist Seligmann ein ideologisch verblendeter Linksgrüner, der die Wahrheit einfach nicht sehen will.

Armin Laschet ist einer dieser ewig Missverstandenen, meint Bernd Rheinberg.

Chris über die Dummheit der Konservativen und der Wirtschaftsverbände.

"Eigentlich bräuchten diese Wirtschaftsverbände für ihre Mitglieder Menschen die in ihren Unternehmen arbeiten. Das für wenig Geld. Migration ist da ideal. Menschen die wenig Murren, ihre Rechte weniger einfordern. Das Problem ist, dass die Personen an der Spitze eben auch rassistisch sind. Sie sehen Menschen mit falscher Hautfarbe in Positionen wo sie deren Meinung nach nicht hingehören. Jetzt fehlen also Arbeitskräfte, aber Migration soll verhindert werden. Es bleibt also, in deren einfachen Logik, die Arbeitszeit muss steigen. [...] Das zeigt schon wie dumm diese Menschen sind. [...] Es gab Gründe warum Sklaverei abgeschafft wurde. Sie war weniger produktiv als die Ausbeutung von Nicht-Sklaven. Dabei waren Sklaven immer verfügbar. Also genau der feuchte Traum dieser dummen Menschen." (Chris, a.a.O.)

Bernhard Torsch zur neuen 'Grundsicherung'.

"Es braucht keinen Doktortitel in angewandter Demagogie, um zu erahnen, dass es der Regierung Merz nicht darum geht, mit der Zufuhr billiger, weil faktisch zwangsrekrutierter Arbeitskräfte Deutschlands schwächelnde Wirtschaft zu beleben. Es geht vielmehr darum, die Lust derjenigen Wählerinnen und Wähler zu befriedigen, die zu dumm sind, die Ursachen ihrer eigenen Unzufriedenheit zu ergründen, und daher Sündenböcke und Projektionsflächen brauchen." (Torsch, a.a.O.)


Ellen Daniel und Michael Miersch interviewen den Demoskopen Thomas Petersen. Über Demoskopie. Surprise!

Ausland. James Butler über das Versagen der Labour Party.

Leo Lührs zum Finanzjournalismus. Der fast ausschließlich für Reiche gemacht wird.

Kultur/Gesellschaft/Gedöns. Mit dem Umzug des Fischer-Verlags nach Berlin sei die Stuttgartisierung Frankfurts abgeschlossen, meint Leo Fischer. Es blieben "die üblichen Bratwurstfestivals" (Fischer, a.a.O.) und die sieben Kräuter der Grünen Soße ("Petersilie, Maggi, Rucola, Unkraut, Spinat, Rittersport und Pissnelke" - ebd.)

"Berlin, da tobt das Leben, da steppt der Bär, da werden noch die ganz großen Berlin-Geschichten erlebt und aufgeschrieben, da gibt es spannende digitale Experimente und eine Dot-Com-Industrie; vorausgesetzt, man lebt geistig noch im Jahr 2005 oder muss sich dringend selbst von einer Idee des Steuerberaters überzeugen. Und ganz ehrlich -- wenn die Mieten in Berlin mittlerweile so teuer sind wie in Frankfurt, was hält einen noch hier?" (Fischer, a.a.O.)


Sebastian Moitzheim zu KI-Slop im Priavtleben: Passivrauch fürs Gehirn.

Ein ketzerischer Gedanke: Vielleicht macht weniger Alkohol die Gesellschaft gar nicht besser?

Musik. Rush sind eine Art kanadisches Nationaldenkmal und dürften eine der Bands mit der größten und loyalsten Stammfangemeinde sein. Als 2020 der brillante Schlagzeuger Neil Peart starb, schien es aus zu sein. Anders als viele andere Bands, hatten Peart, Gitarrist Alex Lifeson und Bassist/Sänger/Keyboarder Geddy Lee nie nur ein geschäftlich-kollegiales Verhältnis zueinander, sondern waren über Jahrzehnte eng befreundet. Außerhalb Kanadas hatten Rush zwar auch Erfolg, haben aber nie wirklich abgeräumt, obwohl zahlreiche Musiker:innen sie als wichtigen Einfluss nennen. Sie galten als nerdig-verschrobene Progrocker mit überwiegend männlichem, weißen Publikum und damit als uncool.

Letztes Jahr kamen die beiden älteren Herren auf den Gedanken, dass es vielleicht nett wäre, die alten Kamellen noch mal auf die Bühne zu bringen. Da traf es sich, dass Geddy Lees Basstechniker ihm erzählte, auf der Tour mit Jeff Beck sei eine phänomenale Drummerin aus Deutschland dabei gewesen und ob er die nicht mal kontaktieren wolle. Und so nahm Anika Nilles Platz am Schlagzeug, ihres Zeichens auch Dozentin an der Popakademie Baden-Württemberg (Ironie: Neil Peart wurde immer 'The Professor' genannt). Anfängliche Bedenken, die Schuhe könnten eine Nummer zu groß für sie sein, zertrümmerte die Lady, als sie den mordsschwierigen Mittelteil von 'Tom Sawyer' locker hinbekam. Die Fans und eine neue Generation Fans lieben sie, Kollegen wie Mike Portnoy sind begeistert und aus der bislang eher in Fachkreisen bekannten Quintolenkönigin Nilles scheint quasi über Nacht ein Star geworden zu sein.


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Womit sich auch folgender alter Witz mal erledigt hätte: Warum dürfen auf Rush-Konzerten alle die Damentoiletten benutzen? Weil keine Frauen anwesend sind.

Sport. Wortvogel zu den 'Enhanced Games', bei denen Doping unter medizinischer Kontrolle erlaubt ist.

"Welch ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen[d], mehr Omelette als Mensch." (Friedrich Nietzsche)

Essen/trinken/gut leben. Maître Klink warnt vor der derzeit durch Frankreich schwappenden Bouillon-Welle, die vor allem aus traurigen Filialketten besteht und isst auf Reisen in Burgund angesichts nagenden Hungergefühls und in Ermangelung von Alternativen eine vortreffliche Pizza

Götz A. Primke über das Geheimnis der echten Mortadella Bologna.

Jürgen Dollase hat seine Mitarbeit bei der FAS fristlos gekündigt. Zu den Gründen äußert er sich selbst. Seine Gastro-Kolumne, in der es sympathischerweise nie nur um Sternetempel, sondern auch um solide Brauhäuser ging, war für mich so ziemlich der letzte verbliebene Grund, hin und wieder mal bei der Bankfurter Verallgemeinernden vorbeizuschauen. Hat sich erledigt.

Das Rezept. Schnitzel steht auf der Liste der beliebtesten Gerichte in Deutschland auf Platz drei hinter Spaghetti Bolognese und Pizza und noch vor Currywurst mit Pommes und Döner Kebab. Und so befindet sich auf der Karte eines jeden sich 'bürgerlich' nennenden deutschen Restaurants ein Kapitel, das 'Schnitzelvariationen' oder so heißt. In der Regel Wiener, Paprika, Jäger, Rahm, manchmal Holstein (mit Spiegelei), Frankfurter (mit Grüner Soße) oder Spargel. Was man bekommt? Hat man Glück, ein frisch paniertes, in der Pfanne gebratenes Schweineschnitzel, dazu meistens Fritten, seltener Bratkartoffeln, im Süden auch Kartoffelsalat.

Das Gebotene ist nicht selten ein echter Overkill. Im Mutterland des panierten Schnitzels gibt es zum Wiener Schnitzel entweder süßsauer angemachten Erdäpfelsalat oder in Butter geschwenkte Petersilerdäfpel. Pommes Frites kann man bekommen, weil Kinder sie halt lieben oder als Zugeständnis an Touristen, ist aber nicht die Regel. Vollends bombastisch wird es, wenn ein eh schon paniertes Schnitzel nicht nur mit fettiger Beilage, sondern auch noch mit einer schweren, sahnehaltigen Pilzrahmsauce gereicht wird. Nun will ich niemandem sein Leibgericht madig machen, plädiere aber dafür, sich das traditionelle, deutlich entschlackte Rezept der Kochgenossen für Champignonschnitzel mal anzusehen. Mehliertes Naturschnitzel, Pilzsauce mit Fond anstatt mit Sahne, dazu Reis. Kommt mir stimmig vor.  











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